Interview mit Almuth Schult

Almuth Schult ist ehemalige Nationaltorhüterin, Olympiasiegerin und eine der bekanntesten Torhüterinnen des deutschen Frauenfußballs. Als Spielerin erlebte sie den besonderen Druck der Position, bei der Fehler unmittelbar sichtbar werden.

Im Interview spricht sie über den Umgang mit Leistungsdruck und Rückschlägen, die Entwicklung des Themas mentale Gesundheit im Fußball und darüber, warum mentale Stärke bereits früh gefördert werden sollte.

Foto: Kansas City Current / Daniel Bartel

Leonie Kokott: Die Torwartposition ist sehr speziell, weil man ganz schnell vom Hero zum Zero – und umgekehrt – werden kann. Das ist wahrscheinlich noch extremer als bei Feldspielerinnen und Feldspielern. Wie sind Sie mit dieser besonderen Drucksituation umgegangen?

Almuth Schult: Das ist ein Prozess, in den man hineinwächst. Gerade als junger Mensch stellt einen die Torwartposition vor besondere Herausforderungen. Man kann in einer Situation zur Heldin werden, aber genauso schnell diejenige sein, der eine Niederlage oder verlorene Punkte zugeschrieben werden. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Gleichzeitig sollte man sich bewusst mit der Position auseinandersetzen – was sie bedeutet, aber auch, welches Privileg sie mit sich bringt. Dieses Verantwortungsbewusstsein muss man verinnerlichen. Auf der mentalen Seite ist es wichtig, sich sehr stark damit zu beschäftigen, ob diese Position wirklich zu einem passt und ob man sie am Ende auch genießen kann. Denn nur dann kann man etwas Positives daraus ziehen.

Leonie Kokott: Gab es spezielle Tools, mit denen Sie nach einem Gegentor mental wieder in den Fokus gefunden haben?

Almuth Schult: Spezielle Tools hatte ich eigentlich nicht, mir haben aber Selbstgespräche immer etwas Halt gegeben. Ich habe schon sehr früh angefangen, mich mit diesem Thema zu beschäftigten, vor allem in Zusammenarbeit mit meinem Torwarttrainer, aber auch im Austausch mit anderen Torhütern. Für mich war es immer wichtig, eine logische Herangehensweise zu haben. Ich habe mich gefragt: Warum stehe ich überhaupt hier auf dem Platz? Weil mich jemand nominiert hat und davon überzeugt ist, dass ich der Mannschaft am besten helfen kann.
Wenn ich mit mir und meiner Trainingsleistung zufrieden bin und das Gefühl habe, dass die Mannschaft gerne mit mir zusammen auf dem Platz steht, gibt mir das Rückenwind. Dann kann man die Situation eher genießen, anstatt es als Druck zu empfinden.
Genauso bin ich mit Fehlern umgegangen. Fehler sind menschlich und gehören zum Sport, das ist die logische Herangehensweise. Ich wusste, dass meine Mitspielerinnen mir Fehler verzeihen, genauso wie ich ihnen Fehler verzeihe. Dafür spielen wir schließlich einen Mannschaftssport. Außerdem ist ein Spiel nach einem Fehler nicht vorbei. Als Torhüterin könnte man in einer anderen Situation noch spielentscheidend eingreifen und das Spiel retten. Manchmal sorgt ein Fehler sogar dafür, dass die Mannschaft aufgerüttelt wird, nochmal ein paar Prozent mehr investiert und man dadurch das Spiel gewinnt. Das klingt zunächst absurd, kommt aber durchaus vor. Solche Eventualitäten habe ich gedanklich oft durchgespielt und gedacht: „Das ist egal, ich kann mich nach dem Spiel ärgern, aber nicht im Spiel.“

Leonie Kokott: Kann man lernen, mit Leistungsdruck und auch mit externem Druck, etwa durch die Medien, zu leben, oder gewöhnt man sich nie ganz daran?

Almuth Schult: Ich würde sagen, man muss lernen, damit zu leben. Es ist im Leistungssport notwendig. Schließlich wünscht man sich auch eine gewisse Aufmerksamkeit, denn mehr Medienaufmerksamkeit bedeutet normalerweise mehr Zuschauer im Stadion, mehr Emotionen und letztlich bessere Möglichkeiten, den Sport professionell auszuüben. Das ist erstrebenswert und das eine ist notwendig, um das andere zu haben.
Aus dem Grund muss man sich auch mental damit beschäftigt. Es wird noch sehr oft vernachlässigt, dass man den Kopf genauso trainieren kann wie den Körper. Das wird heute zum Glück immer stärker erkannt – und das ist auch gut so -, auch wenn das vor ein paar Jahrzehnten noch komplett anders war.

Leonie Kokott: Das leitet schon zu meiner nächsten Frage über: Wie hat sich die Bedeutung mentaler Gesundheit im Fußball in den vergangenen Jahren verändert?

Almuth Schult: Nicht nur im Fußball, sondern im Sport allgemein. Es gibt auch die Initiative „Mehr als Muskeln“ von Léa Krüger.

Leonie Kokott: Mit ihr habe ich tatsächlich vor ein paar Tagen ein Interview darüber geführt.

Almuth Schult: Dann ist das ja eine perfekte Grundlage für das Thema. „Mehr als Muskeln“ macht öffentlich, dass mentale Herausforderungen jeden treffen können, dass niemand damit allein ist und dass man lernen kann, etwas zu tun und damit umzugehen. Man kann wieder Spaß am Sport finden oder neue Wege entdecken, um sich selbst zu verwirklichen.
Dieses Thema war lange Zeit verpönt. Viele hatten das Gefühl, allein damit zu sein, deshalb finde ich diese Entwicklung sehr gut. Gerade der Fußball in Deutschland ist sehr von klassischen männlichen Rollenbildern geprägt: Man muss stark sein und darf keine Schwäche zeigen. Dabei empfinde ich es nicht als Schwäche, sich Probleme einzugestehen. Im Gegenteil: Wer seine Schwächen erkennt, kann an ihnen arbeiten und daraus eine Stärke machen. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, das gehört nun mal dazu.
Deshalb freue ich mich, dass das Thema inzwischen auch in den Nachwuchsleistungszentren angekommen ist. Vor allem bei den männlichen Nachwuchsspielern, aber auch bei den weiblichen wird es immer mehr. Jugendliche werden heute schon mit 13, 14 oder 15 Jahren – teilweise sogar noch früher – darauf hingewiesen. Das ist wichtig, denn so geht es um Prävention und Hilfe. Später, mit Anfang oder Mitte 20, ist es eher ein Reparieren von Dingen, die schon passiert sind. Frühzeitige Begleitung kann verhindern, dass man überhaupt in gewisse Strudel gerät.

Leonie Kokott: Ist mentale Gesundheit in Fußballvereinen und -verbänden noch immer ein Tabuthema oder kann man inzwischen offen darüber sprechen?

Almuth Schult: Ich würde sagen, dass man es im Frauenbereich mittlerweile offener ansprechen kann. Im Männerbereich finde ich es  schwierig zu beurteilen, weil ich dort nicht so stark involviert war. Viel hängt von der Kultur des jeweiligen Vereins ab und was dort von den Verantwortlichen an die Trainerinnen und Trainer und an die Spielerinnen und Spieler weitergegeben wird. Es gibt Vereine, in denen Fehler als Teil des Lernprozesses zugelassen werden, und andere, in denen sie eher bestraft werden. Eine gewisse Offenheit dafür ist entscheidend.
Ich habe den Eindruck, dass der Deutsche Fußball-Bund in diesem Bereich viel macht. In den Jugendnationalmannschaften stehen Mentaltrainer oder Psychologen zur Verfügung, sodass alle Spielerinnen und Spieler Zugang dazu haben. Das ist ein wichtiger Schritt, aber es geht auch darum, was im Alltag im Verein passiert. Wenn man es dort nicht gewohnt ist, über mentale Gesundheit zu sprechen, ist es schwierig, diese Einstellung für ein paar Tage bei der Nationalmannschaft zu ändern.

Leonie Kokott: Das finde ich interessant, denn gerade im Fußball würde ich sagen, dass die sportpsychologische Betreuung bei den Männern besser ausgebaut ist als bei den Frauen. Warum wird mit dem Thema bei Frauen und Männern dennoch unterschiedlich umgegangen?

Almuth Schult: Das hat viel mit der allgemeinen Fußballkultur zu tun. Ich glaube, dass im Frauenfußball insgesamt mehr Offenheit herrscht. Das zeigt sich beispielsweise auch beim Thema sexuelle Orientierung. Ob jemand eine Partnerin oder einen Partner mitbringt, wird im Frauenfußball meist deutlich selbstverständlicher behandelt als im Männerfußball. Und das hat ebenfalls etwas mit mentaler Gesundheit zu tun, ob man das Gefühl hat, sich verstecken zu müssen. Dieses Versteckspiel ist meiner Meinung nach bei den Frauen weniger gegeben als bei den Männern.
Gleichzeitig kann ich den Männerbereich nicht im gleichen Detail beurteilen, weil ich meine Erfahrungen als Spielerin natürlich im Frauenbereich gesammelt habe.

Leonie Kokott: Welche Veränderungen wünschen Sie sich im Umgang mit mentaler Gesundheit im Profisport?

Almuth Schult: Es hat sich bereits viel verbessert, aber ich würde mir vor allem wünschen, dass schon im Kindesalter an dem Thema gearbeitet wird – nicht nur im Sportverein, sondern auch in den Schulen, damit es wirklich jedes Kind erreicht. Mentale Belastungen entstehen schließlich nicht nur im Sport, sondern überall dort, wo Leistung bewertet wird: in der Schule, in der Musik, in der Kunst oder später im Berufsleben und sogar im familiären Umfeld. Deshalb betrifft mentale Gesundheit die gesamte Gesellschaft.
Ein Teil oder vielleicht auch eine Vielzahl der Kinder bekommen im Elternhaus eine gute Grundlage mit auf den Weg. Wenn diese Grundlage aber nicht da ist, wird oft erst sehr spät daran angeknüpft. Diese Anknüpfung könnte in der Schule und vielleicht auch schon im Kindergarten passieren. Wenn man diese Grundlage hat, kann man mit Herausforderungen ganz anders umgehen. Ich glaube auch, dass das zu mehr gegenseitigem Respekt in unserer Gesellschaft beitragen würde. Daher kommt es nicht nur auf den Sport an, sondern auch auf das, was darüber hinausgeht.
Im Sport freue ich mich aber, dass es mittlerweile Regelungen gibt, vor allem im Männerbereich, wo mehr Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel vorhanden sind. In den Nachwuchsleistungszentren müssen mittlerweile Psychologen oder Mentaltrainer zur Verfügung stehen. Es muss mit den Spielern gearbeitet werden und das möchte man auch bei den Spielerinnen und in den Nachwuchsleistungszentren der Frauen umsetzen, das finde ich gut. Langfristig sollte jeder Profisportler und jede Profisportlerin Zugang zu entsprechender Unterstützung haben.
Dabei spielt aber auch die persönliche, subjektive Beziehung eine große Rolle. Wenn man während der gesamten Karriere nur eine einzige Ansprechperson in Richtung mentale Gesundheit oder Psychologie hat und zu dieser keinen Zugang findet, wird das Angebot möglicherweise gar nicht genutzt und als unwichtig erachtet. Andere haben vielleicht einen viel besseren Zugang zu dem Thema, weil die Ansprechperson sympathischer ist. Von daher würde ich mir wünschen, dass es mehrere Ansprechpersonen gäbe, etwa durch unterschiedliche Workshops, sodass jeder jemanden finden kann, zu dem er Vertrauen aufbaut.

Leonie Kokott: Sie haben auch in den USA gespielt. Unterscheidet sich der Umgang mit mentaler Gesundheit dort von dem in deutschen Vereinen?

Almuth Schult: Ja, das finde ich schon. Das Thema wird dort deutlich regelmäßiger abgefragt. Sowohl in Deutschland als auch in den USA gibt es meist tägliche Abfragen zur physischen und psychischen Gesundheit. In den USA werden zusätzlich am Anfang des Jahres ausführlichere Befragungen durchgeführt, um ein Statuslevel zu haben und Entwicklungen über mehrere Saisons hinweg nachvollziehen zu können.
Außerdem gibt es noch Möglichkeiten, anonym Feedback zu geben. Nach jeder Saison können die Spielerinnen den kompletten Staff – das Trainerteam, das Betreuerteam und weitere Verantwortliche – bewerten. Dadurch schafft man eher ein Umfeld, in dem Kritik geäußert werden darf und in dem man es gewohnt ist, miteinander über Qualitäten und Verbesserungsmöglichkeiten zu sprechen. Das ist in Deutschland noch weniger ausgeprägt.
Hinzu kommt, dass sich einige Spielerinnen in der US-Liga bereits öffentlich zu mentalen Problemen oder Krisen geäußert haben. Die Liga ist da sehr unterstützend. Durch den Tarifvertrag kann man eine längere Auszeit nehmen, ohne irgendwelche Nachteile befürchten zu müssen.

Leonie Kokott: Wie kann ich mir so einen Fragebogen vorstellen?

Almuth Schult: Das ist digital und funktioniert wie ein Multiple-Choice-Test. Ich würde schätzen, dass er etwa 40 Fragen umfasst, die unterschiedliche Ziele haben. Manche Fragen wirken zunächst vielleicht etwas ungewöhnlich, aber dahinter steckt ein entwickeltes Verfahren, ähnlich wie bei Persönlichkeits- oder Charakterfragebögen. Anscheinend sind sie damit auch einigermaßen erfolgreich.

Leonie Kokott: Haben Sie das Gefühl, dass Leistungssportlerinnen heute – nicht nur im mentalen Bereich – besser unterstützt werden als zu Beginn Ihrer Karriere?

Almuth Schult: Definitiv. Die Entwicklung ist in nahezu allen Bereichen spürbar. Vor allem der athletische Bereich ist sehr stark gewachsen. Früher hatte nicht jeder Verein einen Athletiktrainer oder eine Athletiktrainerin, heute gehören individualisierte Trainingspläne eher zum Standard.
Auch das Wissen über die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Athleten ist deutlich größer geworden. Es wird beispielsweise zyklusbasierter trainiert und stärker auf individuelle Gegebenheiten eingegangen. Hinzu kommen deutlich bessere Trainingsbedingungen wie die Kabine oder die Trainingsplätze. Auch die Staff-Teams sind deutlich größer, Reisen werden professioneller organisiert und die Spielerinnen verdienen natürlich mehr Geld. Im Großen und Ganzen ist der Frauenfußball gewachsen und das ist auch gut so.

Leonie Kokott: Wo sehen Sie den Frauenfußball in Deutschland aktuell?

Almuth Schult: Ich sehe ihn noch nicht in der kompletten Weltspitze, weil mir das Niveau der Bundesliga noch nicht gut genug ist. Wenn ich beispielsweise nach England schaue, gibt es dort inzwischen zwei professionelle Ligen mit festgeschriebenen Mindestgehältern. So weit sind wir in Deutschland noch nicht. Wir sind froh, dass mittlerweile alle Spielerinnen berufsgenossenschaftlich versucht sind, auch das war ein großer Schritt und hat lange gedauert. Zu meiner aktiven Zeit gab es noch Spielerinnen, die ohne Vertrag in der Liga gespielt haben. Nach einer schlimmen Verletzung standen sie praktisch ohne Absicherung da, das ist heute zum Glück anders.
Was mir dennoch fehlt, ist ein höherer Anspruch an die Liga. Ich war auch in der US-Liga und dort gibt es beispielsweise einen Tarifvertrag, der für alle Vereine gültig ist und Vorgaben zu Reisemodalitäten, Größe und Ausstattung von Besprechungsräumen oder anderen Rahmenbedingungen macht. Dahinter steht eine Spielergewerkschaft, die dafür arbeitet – eine vergleichbare Spielergewerkschaft gibt es im Frauenbereich in Deutschland nicht.
Aus meiner Sicht wäre genau das die Basis, um weiterzukommen. Einzelne Spielerinnen können zwar Forderungen stellen oder verhandeln, das führt aber nicht unbedingt zum gleichen Ergebnis wie im Kollektiv. In anderen Ländern wie den USA, Australien oder in den skandinavischen Ländern haben Spielergewerkschaften unheimlich viel erreicht, daher bin ich gespannt, wann dieser Schritt auch in Deutschland passiert.
Trotzdem geht es uns sehr gut, weil der Fußball in Deutschland ein sehr hohes Ansehen genießt – vor allem der männliche Fußball. Es ist sehr viel Geld im Umlauf und dadurch lassen sich auch einige Strukturen auf den Frauenbereich übertragen. Viele Vereine haben den Frauenfußball mittlerweile als Produkt entdeckt, um den kommerziellen Anteil weiter auszubauen, um noch mehr Fans zu binden und um vielleicht mehr Spieltage in großen Stadien zu veranstalten. Dadurch wächst die Liga, aber sie bleibt aufgrund dessen sehr unausgeglichen, weil nach wie vor große Unterschiede zwischen professionellen und semiprofessionellen Strukturen bestehen.

Leonie Kokott: Welche Chancen sehen Sie insbesondere in der Ausrichtung der Heim-Europameisterschaft 2029 in Deutschland?

Almuth Schult: Ich sehe darin eine sehr große Chance. Ich war bei der Heim-Weltmeisterschaft 2011 dabei und habe erlebt, welche Begeisterung ein solches Turnier auslösen kann. Es wurden unheimlich viele Tickets verkauft – auch bei Spielen ohne deutsche Beteiligung – und man hat gespürt, was für eine Kraft dahinter steckt oder stecken kann.
Die Europameisterschaft 2029 könnte genau diesen nächsten Schritt ermöglichen, damit die Liga professioneller wird, Vereine weiter investieren und auch der Deutsche Fußball-Bund seine Bemühungen weiter verstärkt. Nun soll die Liga  in einen neuen Ligaverband übergehen, wodurch die Möglichkeit entsteht, neue Lizenzauflagen zu erlassen und vielleicht einen Tarifvertrag abzuschließen – insbesondere mit dem Ziel der Heim-EM, wo es diese große Fußballbühne im Frauenbereich gibt.

Leonie Kokott: Was wünschen Sie sich für zukünftige Generationen von Spielerinnen?

Almuth Schult: Ich würde mir grundsätzlich wünschen, dass jedes Kind die Möglichkeit hat, Sport auszuüben – unabhängig vom Geschlecht. Mädchen sollten genau die gleichen Chancen haben wie Jungs, ganz egal, für welche Sportart sie sich entscheiden. Dazu gehören die gleiche Förderung, das gleiche Gefühl, in dieser Sportart willkommen zu sein, und die gleiche Qualität an Trainerinnen und Trainern. Außerdem wünsche ich mir, dass mentale Gesundheit von Anfang an selbstverständlich dazugehört. Der Zugang zu mentaler Stärke und damit auch zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung sollte aber nicht nur im Sport vermittelt werden, sondern am besten schon in Schule oder Kindergarten. So hängt es nicht allein vom Elternhaus ab, sondern jedes Kind kann früh lernen, was ihm guttut und wie es mit Herausforderungen umgeht.

Leonie Kokott: Nach Ihren Schwangerschaften sind Sie in die USA gegangen, da die Bedingungen dort für Spielerinnen mit Kindern deutlich besser sind als in Europa. Welche Unterstützung braucht es hier noch, damit mehr Spielerinnen Familie und Profisport miteinander verbinden können?

Almuth Schult: Es beginnt mit der grundsätzlichen Einstellung. Es wird zwar weniger, aber in Europa hat man teilweise noch das Gefühl, dass man als Mutter im Fußball nicht so gewollt ist. Viele denken an den organisatorischen Aufwand und dass es vielleicht anstrengend ist, wenn die Kinder dabei sind. Manche zweifeln auch daran, ob man nach der Schwangerschaft wieder den früheren Fitnesszustand erreicht.
In den USA ist die Einstellung eine komplett andere. Dort freuen sich Vereine normalerweise über Mütter in der Mannschaft, weil sie sagen: Wer Mutter ist, hat gelernt, eine ganz andere Verantwortung zu übernehmen, man hat den eigenen Körper viel besser kennengelernt und ist dadurch ein noch besseres Teammitglied, als man es vorher gewesen sein kann. Außerdem sind Mütter Vorbilder für die anderen Spielerinnen. Auch die Kinder werden dort als Bereicherung gesehen. Sie bessern die Stimmung im Team auf, schaffen eine familiäre Atmosphäre und erinnern alle daran, dass Fußball nicht alles ist und man in der Gemeinschaft viel stärker funktioniert.

Leonie Kokott: Wenn Ihre Karriere verfilmt werden würde, welche Szene dürfte auf keinen Fall fehlen?

Almuth Schult: Ich bin eigentlich kein Mensch, der auf einzelne Momente blickt. Ich bin dankbar für meine gesamte Karriere und würde weder die positiven noch die negativen Erfahrungen streichen, weil sie mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin. Natürlich gibt es Schlüsselmomente wie Titelgewinne, die nach außen sehr viel Strahlkraft haben. 
Oftmals wird dann nicht gezeigt, was dahinter für Arbeit gesteckt hat: Rückschläge, Verletzungen, Reha-Phasen oder Herausforderungen innerhalb der Mannschaft und im familiären Umfeld. Gerade diese Details machen die Geschichte eigentlich aus. Deshalb fällt es mir schwer, eine einzelne Szene auszuwählen. Am liebsten würde ich alles reinpacken, aber dann würde der Film wohl viel zu lang werden. Wahrscheinlich müsste jemand von außen entscheiden, welche Momente aus dieser Zeit wirklich entscheidend sind.

Leonie Kokott: In Ihrem Podcast „Almuths Pausen-T“ geben Sie regelmäßig Ihre Hot Takes für die nächsten Fußballspiele ab. Was sind – zum Abschluss dieses Interviews – Ihre Hot Takes für die Frauen- und Männer-Bundesliga-Saison 2026/27?

Almuth Schult: Ein Hot Take muss ja etwas Unwahrscheinliches sein. Bei den Männern wäre daher mein Hot Take, dass der FC Bayern nicht Deutscher Meister wird.

Leonie Kokott: Sondern wer?

Almuth Schult: Ich sage jetzt mal, dass es der VfB Stuttgart schafft.

Leonie Kokott: Das freut mich als Stuttgarterin natürlich!

Almuth Schult: Perfekt. Und bei den Frauen sage ich, dass Union Berlin den DFB-Pokal gewinnt.

Leonie Kokott: Spannend. Dann muss ich in einem Jahr auf jeden Fall noch einmal nachgucken, was daraus geworden ist.

Almuth Schult: Schauen wir mal.

Almuth Schults Erfahrungen zeigen, dass sich im Leistungssport zwar vieles verändert hat, mentale Gesundheit aber noch längst nicht überall selbstverständlich dazugehört. Gerade ihre Erfahrungen aus verschiedenen Fußballsystemen machen deutlich, wie wichtig Strukturen sind, die Athletinnen und Athleten nicht erst dann auffangen, wenn bereits Probleme entstanden sind. Gleichzeitig geht es um weit mehr als den Sport: Wer früh lernt, mit Druck, Rückschlägen und den eigenen Erwartungen umzugehen, kann diese Fähigkeiten auch in andere Lebensbereiche mitnehmen. Der Frauenfußball hat dabei noch einige Aufgaben vor sich, aber auch die Chance, neue Maßstäbe für einen nachhaltigeren und ganzheitlicheren Leistungssport zu setzen.

Juli 2026

Interview mit Hanna de Haan

Hanna de Haan kennt den Leistungssport aus eigener Erfahrung, denn sie hat viele Jahre Fußball auf Leistungsniveau gespielt. Heute arbeitet die ehemalige Torhüterin als Sportpsychologin unter anderem beim 1. FC Köln und beim Deutschen Fußball-Bund.

Sie erklärt, warum Sportpsychologie nicht erst dann gefragt sein sollte, wenn es Probleme gibt, wie Athletinnen und Athleten mit Druck und Rückschlägen umgehen können und welche Rolle Trainerinnen und Trainer dabei spielen. Außerdem geht es um die noch immer lückenhafte sportpsychologische Betreuung im Frauenfußball.

Leonie Kokott: Du warst selbst viele Jahre Leistungssportlerin. Was hat dich letztendlich dazu bewegt, Sportpsychologin zu werden?

Hanna de Haan: Genau, ich habe insgesamt 25 Jahre Fußball gespielt, viele davon auf Leistungsniveau. Schon als Jugendliche wurde mir recht schnell klar, dass mich Psychologie fasziniert. Ich finde es super interessant, Menschen zu verstehen, wie sich Verhalten in verschiedenen Situationen zeigt und wie man es erklären kann. Dieses Interesse hat sich zunächst in der Schule entwickelt, später habe ich es im Bachelor im Psychologiestudium vertieft. Während meiner Zeit als Profifußballerinnen kamen dann noch eigene Erfahrungen hinzu.
Ich war Torhüterin, aber ich war nicht in jedem Verein, in dem ich gespielt habe, die Nummer eins. Das heißt, dass ich teilweise wenig Spielzeit bekommen habe und mich mit der Frage auseinandersetzen musste, wie ich damit umgehe, dass ich jeden Tag in der Woche trainiere, am Spieltag aber nicht auf dem Platz stehe, sondern „nur“ dafür zuständig bin, meine Mannschaft anzufeuern. Mich hat interessiert, wie man in solchen Situationen trotzdem motiviert bleibt, seine Ziele verfolgt oder sie gegebenenfalls neu ausrichtet.
Außerdem habe ich bei Mitspielerinnen erlebt, wie groß der Einfluss mentaler Faktoren sein kann, besonders im Bereich Wettkampfangst. Da waren beispielsweise Fußballspielerinnen dabei, die im Training konstant auf höchstem Niveau gespielt haben, aber nicht in der Lage waren, ihre Leistung im Spiel abzurufen. Das fand ich unglaublich spannend, denn das Talent und die Motivation sind vorhanden – wieso gelang es dann nicht im Spiel? Genau diese Fragen haben mich schließlich dazu bewegt, im Master Sportpsychologie zu studieren und noch spezifischer auf das Thema einzugehen.

Leonie Kokott: Würdest du sagen, dass dir deine eigenen Erfahrungen als Spielerin heute in der Arbeit mit Athletinnen und Athleten helfen?

Hanna de Haan: Auf jeden Fall. Meine Erfahrungen helfen mir, viele Situationen besser nachzuvollziehen. Ich hatte selbst zwei Knieoperationen und Verletzungen, mit denen ich zu kämpfen hatte. Dadurch kann ich oft besser verstehen, wie sich Athletinnen und Athleten dabei fühlen, wenn sie solche Phasen durchmachen.

Leonie Kokott: Gibt es einen typischen Arbeitsalltag als Sportpsychologin oder ist jeder Tag anders?

Hanna de Haan: Einen klassischen Arbeitsalltag gibt es tatsächlich gar nicht, das ist aber auch das Schöne daran. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit besteht darin, eine Bindung und eine Beziehung zu den Athletinnen und Athleten aufzubauen und die immer weiter zu stärken. Denn nur wenn Vertrauen da ist, kommen die Athletinnen und Athleten im entscheidenden Moment auch auf mich zu. Aktuell arbeite ich zum einen an der Universität in der sportpsychologischen Forschung. Dort sitze ich viel im Büro und führe Studien durch. Zum anderen arbeite ich in der angewandten Sportpsychologie, unter anderem beim 1. FC Köln und beim DFB. Dort bin ich bei den Trainingseinheiten und bei den Spielen dabei. Außerdem führe ich Workshops mit den Mannschaften durch und arbeite gemeinsam mit Gruppen von 20 bis 30 Personen an unterschiedlichen Themen.
Den größten Teil meiner Arbeit machen jedoch Gespräche aus. Das sind entweder vereinbarte Termine, also richtige Einzelgespräche, oder viele kurze Begegnungen im Alltag, die auch zum Beziehungsaufbau beitragen. Wenn ich beim 1. FC Köln bin und eine Trainingseinheit stattgefunden hat, gehe ich zum Beispiel mit einer Athletin zur Kabine, frage, wie es ihr geht, oder greife eine Situation aus dem Training auf, über die wir kurz sprechen. Meine Arbeit besteht deshalb vor allem aus Beobachten, Zuhören und Gesprächen, diese Mischung macht sie so abwechslungsreich.

Leonie Kokott: Mit welchen Anliegen kommen Spielerinnen und Spieler am häufigsten auf dich zu?

Hanna de Haan: Das ist ganz unterschiedlich. Ein großes Thema sind Verletzungen oder Krankheiten. Viele Athletinnen und Athleten haben oft das Gefühl, dass ihr Körper ihnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Sie arbeiten hart daran, die Verletzung auszukurieren, sind endlich wieder fit und verletzen sich erneut. Dadurch entsteht oft das Gefühl, keine Konstanz aufbauen zu können.
Im Grunde geht es dabei also häufig um den Umgang mit Rückschlägen. Darüber spielen auch Themen wie Stressmanagement und Leistungsdruck eine große Rolle. Viele möchten lernen, besser mit Drucksituationen im Sport umzugehen und Routinen zu entwickeln, die ihnen helfen, im Alltag gelassener zu bleiben.

Leonie Kokott: Also beginnt die sportpsychologische Betreuung nicht erst, wenn Probleme auftreten, sondern bereits präventiv?

Hanna de Haan: Auf jeden Fall. Ich glaube, dass das oft missverstanden wird. Manchmal werden Sportpsychologinnen und Sportpsychologen noch immer wie eine Feuerwehr gesehen: Wir werden erst gerufen, wenn es irgendwo brennt. Natürlich unterstützen wir auch in akuten Krisen, aber im Optimalfall arbeiten wir präventiv.
Ich vergleiche das gern mit einem Rucksack voller Werkzeuge, den man trägt. Ich gebe den Athletinnen und Athleten diese Tools mit an die Hand, wie sie in verschiedenen Situationen agieren oder reagieren können. Im besten Fall muss man diesen Rucksack nie aufmachen, aber wenn doch eine schwierige Situation kommt, sind die passenden Werkzeuge bereits da und man kann direkt darauf zurückgreifen.

Leonie Kokott: Was sind das für Werkzeuge? Welche Übungen oder Methoden können Athletinnen und Athleten in ihren Trainingsalltag integrieren?

Hanna de Haan: Das ist ganz unterschiedlich und kommt natürlich auf die Thematik an, mit der die Person zu kämpfen hat. Ein häufiges Thema sind zum Beispiel Konzentrationsroutinen. Wie diese aussehen, unterscheidet sich allerdings je nach Sportart. Im Turnen gibt es klare Abfolgen, ich bewege mich viel im Fußball, da ist vieles deutlich dynamischer. Ich hatte beispielsweise eine Turnerin, die Konzentrationsprobleme hatte und sich in der Wettkampfhalle leicht ablenken ließ, durch andere Athletinnen, Trainer oder das Geschehen um sie herum. Im Fußball könnten ein volles Stadion oder die Atmosphäre dazu führen, dass man abgelenkt ist und der Fokus verloren geht.
Es gibt verschiedene Routinen, die man einarbeiten kann, in solchen Situationen kann man zum Beispiel mit der Atmung spielen und sagen: „Ich atme einmal tief ein und langsam wieder aus oder halte den Atem kurz an, um zu versuchen, die Aufmerksamkeit wieder auf den Moment zu lenken und störende Gedanken loszuwerden.“ Eine weitere Möglichkeit ist, den Fokus gezielt zu verändern.
Als Torhüterin habe ich das selbst erlebt: Wenn ich einen Fehler gemacht habe und dadurch ein Gegentor entstanden ist, bestand die Gefahr, mich in negativen Gedanken zu verlieren. Bevor ich mich damit selbst fertig mache und vielleicht auch ein sehr negatives Selbstgespräch an den Tag lege, versuche ich stattdessen, einen bewussten Reset zu machen. Ich bin zu meinem Torpfosten gegangen, habe einen Schluck getrunken, meinen Fokus wieder ganz breit gemacht und mir gesagt: „Der Fehler ist passiert, ich akzeptiere ihn, aber jetzt geht das Spiel weiter.“ So konnte ich den Moment abhaken und mich wieder auf das konzentrieren, was vor mir lag.
Manche Athletinnen und Athletinnen nutzen dafür auch kleine Anker im Alltag. Wer zum Beispiel ein Haarband trägt, kann kurz daran schnippen und sich gleichzeitig ein Stoppschild vorstellen. Solche kleinen Rituale helfen dabei, negative Gedankenspiralen bewusst zu unterbrechen.

Leonie Kokott: Welche Rolle spielt die Sportpsychologie innerhalb eines Trainerteams?

Hanna de Haan: Ich habe den Eindruck, dass Sportpsychologie und mentale Gesundheit in den Trainerausbildungen langsam einen größeren Stellenwert bekommen. Gerade in den Lizenzlehrgängen wird das Thema zunehmend aufgegriffen. Das ist wichtig, denn Trainerinnen und Trainer sollten Kompetenzen entwickeln, um ihre Athletinnen und Athleten besser verstehen und unterstützen zu können.
Im Fußball habe ich einen ganz guten Einblick und dort versucht man schon, das viel stärker in die Lizenzen einzubauen. Es gibt verschiedene Module, in denen die Trainerinnen und Trainer Zugang zu ihrer eigenen mentalen Gesundheit bekommen. Das ist sehr wichtig, um auch verschiedene Signale zu verstehen, wenn wir über klinische Bilder wie beispielsweise Depressionen oder Burnout sprechen. Gleichzeitig geht es darum, zu verstehen, wie Leistung mithilfe von mentalen Faktoren optimiert und gesteigert werden kann.  
Ich glaube aber, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Es gibt nach wie vor Trainerinnen und Trainer, die sagen: „Ich habe das früher nicht gebraucht, dann ist das heute auch kein Thema.“ Von diesem Gedanken müssen wir wegkommen. Nur weil Sportpsychologie in der eigenen Karriere keine Rolle gespielt hat, heißt das nicht, dass sie heute nicht sehr, sehr hilfreich sein kann.
Ein weiteres bekanntes Bild in der Sportpsychologie ist die Annahme: „Mir geht es ja nicht schlecht, ich brauche keinen Sportpsychologen.“ Dabei geht es nicht nur darum, Krisen zu bewältigen. Sportpsychologie kann dazu beitragen, die eigene Leistung zu verbessern. Genauso wie ich zum Beispiel zu einem Athletiktrainer gehe, um meine Athletik zu verbessern oder zu einem Ernährungsberater, um noch mehr Prozentpunkte aus meiner Leistung rauszuholen. Wir Sportpsychologinnen und Sportpsychologen verstehen uns als Puzzleteil im Gesamtprozess. Ein kleiner Prozentteil, der irgendwie dazu beiträgt, dass du deine Leistung optimieren oder steigern kannst.

Leonie Kokott: Ist es im Trainingsalltag so, dass du dem Trainerteam – natürlich anonymisiert – Rückmeldungen gibst, wenn sich bestimmte Themen bei mehreren Spielerinnen oder Spielern häufen?

Hanna de Haan: Tatsächlich läuft es häufig eher andersherum. Die Trainerinnen und Trainer sind viel häufiger bei den Trainingseinheiten dabei als ich und nehmen deshalb oft Veränderungen oder Verhaltensmuster wahr. Dann kommen sie auf mich zu und sagen zum Beispiel: „Mir ist aufgefallen, dass ein Spieler nach jedem Fehler komplett den Kopf verliert. Hast du eine Idee, wie ich damit umgehen kann?“ Solche Beobachtungen sind oft der Ausgangspunkt für unsere Zusammenarbeit. Die Trainerinnen und Trainer fragen, wie sie Athletinnen und Athleten besser unterstützen können oder bitten mich, mit einer Person ins Gespräch zu gehen.
Alles, was ich mit Athletinnen und Athleten bespreche, unterliegt selbstverständlich der Schweigepflicht. Nur wenn mir jemand ausdrücklich sagt: „Hey Hanna, besprich das bitte mit meinem Trainer, das ist mir wichtig.“ Dann passiert es auch hin und wieder, dass man das Trainerteam mit ins Boot holt. Aber meistens bespreche ich meine Beobachtungen immer direkt mit der jeweiligen Athletin oder dem jeweiligen Athleten.

Leonie Kokott: Was verstehst du unter Leistungsdruck im Sport?

Hanna de Haan: Druck kann ganz viele verschiedene Quellen haben. Deshalb muss man das ein bisschen ausklamüsern und erstmal schauen, woher dieser Druck überhaupt kommt. Vielleicht kommt der Druck von außen, durch Eltern, Freundinnen und Freunde oder Trainerinnen und Trainer. Er kann aber auch durch das Sportsystem selbst entstehen, etwa wenn finanzielle Unsicherheit besteht oder Athletinnen und Athleten auf ihre sportlichen Erfolge angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Auch Faktoren wie hoher Reisestress durch einen vollen Wettkampfkalender können zusätzlichen Druck erzeugen.
Sehr häufig kommt der größte Druck von innen. Viele Athletinnen und Athleten setzen sich selbst hohe Erwartungen und möchten diesen unbedingt gerecht werden. Deshalb ist für mich immer die erste Frage: Woher kommt der Leistungsdruck eigentlich? Denn erst wenn man seine Ursache versteht, kann man gezielt daran arbeiten.

Leonie Kokott: Kann Druck auch positive Auswirkungen auf die Leistung haben?

Hanna de Haan: Auf jeden Fall. Es gibt verschiedene Modelle in der Sportpsychologie, die zeigen, dass ein bestimmtes Maß an Anspannung notwendig ist, um optimale Leistung abzurufen. Ein Beispiel dafür sind die „Individual Zones of Optimal Functioning“, die beschreiben, dass jeder Mensch einen individuellen Bereich hat, in dem die eigene Leistung am besten funktioniert.
Das kenne ich aus meiner eigenen Karriere gut. Vor wichtigen Spielen hatte ich oft ein Kribbeln im Bauch und eine gewisse Aufregung. Ich nenne das manchmal den „inneren Applaus“, denn es hat mir gezeigt: Jetzt geht es los, das ist mir wichtig. Diese Anspannung hat mir Energie gegeben und mich fokussiert. Deswegen würde ich auf jeden Fall sagen, dass sich Druck – oder diese Anspannung, von der wir reden, – auch positiv äußern kann, weil es mir zeigt, dass es mir etwas bedeutet.
Problematisch wird es aber, wenn die Anspannung zu gering oder zu hoch ist. Wenn man überhaupt keine Anspannung verspürt, kann es sein, dass man die Leistung nicht abrufen kann und es einem quasi egal ist. Ist die Anspannung dagegen zu stark – wenn man sich beispielsweise vor jedem Wettkampf übergeben muss -, kann sie natürlich auch dazu führen, dass die Leistung nicht abrufbar ist.

Leonie Kokott: Ab wann wird Leistungsdruck aus deiner Sicht problematisch?

Hanna de Haan: Druck wird dann problematisch, wenn ich meine Leistung nicht mehr abrufen kann und dadurch nicht erfolgreich bin. Wenn sich der Druck positiv auswirkt, treibt er mich an und ich erreiche im Optimalfall meine Ziele. Wenn das aber nicht mehr funktioniert, gibt es natürlich ganz viele verschiedene Ursachen.
Es gibt beispielsweise Athletinnen und Athleten, die vor Wettkämpfen in Ohnmacht fallen oder die sich ständig übergeben müssen und dadurch gar nicht antreten können. Dann ist der Druck eindeutig zu hoch.
Dabei muss man aber immer die Ursache betrachten: Kommt dieser Druck vielleicht von außen? Oder entsteht er, weil die Athletin oder der Athlet die Sportart vielleicht gar nicht mehr ausüben möchte? Wenn ich grundsätzlich davon ausgehe, dass jemand Leistung erzielen und erfolgreich sein möchte, aber es trotzdem nicht gelingt, muss man gemeinsam herausfinden, woran es liegt und was verändert werden kann.

Leonie Kokott: Ist es eigentlich geregelt, ob jeder Verein in der Frauen-Bundesliga eine sportpsychologische Betreuung haben muss?

Hanna de Haan: Nein, in der Frauen-Bundesliga ist das leider nicht verpflichtend. Solche Vorgaben gibt es lediglich für Nachwuchsleistungszentren der Männer und Jungs. Dort muss, je nach Ligazugehörigkeit, eine Sportpsychologin oder ein Sportpsychologe angestellt sein. Aber bei den Frauen-Bundesligateams ist das nicht verpflichtend.
Deswegen haben nicht alle Teams eine eigene sportpsychologische Betreuung, häufig auch aus finanziellen Gründen. Manchmal betreuen die Sportpsychologinnen und Sportpsychologen, die im NLZ sind, zusätzlich ein paar Spielerinnen aus der Frauenmannschaft – wenn die Kapazitäten vorhanden sind. Aber das ist natürlich keine ausreichende Abdeckung.
Ich betreue beispielsweise die U17-Juniorinnen-Nationalmannschaft und arbeite dort mit Spielerinnen aus vielen verschiedenen Vereinen. Natürlich würde ich immer gerne an die jeweiligen Vereinspsychologinnen und Vereinspsychologen berichten, aber bei ganz vielen Vereinen gibt es diese Stellen einfach gar nicht.
Einige Vereine, wie beispielsweise der SC Freiburg, haben bereits Strukturen im Frauen- und Mädchenfußball aufgebaut. Ein paar andere Vereine haben das auch, aber eine flächendeckende Versorgung gibt es aktuell noch nicht überall. Leider.

Leonie Kokott: Du hast in vier verschiedenen Ländern Fußball gespielt. Gab es Unterschiede darin, wie in Deutschland, den Niederlanden, den USA und er Schweiz mit mentaler Gesundheit im Fußball umgegangen wird?

Hanna de Haan: Das ist total spannend. Während meiner eigenen Karriere hatte ich tatsächlich gar nicht so viele Angebote in dem Bereich. Ich habe unter anderem in den USA am College gespielt und grundsätzlich ist Sportpsychologie dort ein Riesenthema. Die Sportpsychologie per se kommt eigentlich von dort.
Trotzdem habe ich mich da persönlich gar nicht gut aufgehoben gefühlt. Es gab an der Universität einen Mental Health Counselor, der allen Studentinnen und Studenten zur Verfügung stand. Ich war einmal dort, aber ich hatte das Gefühl, dass die Person keine Ahnung von den Themen hatte, denen ich im Sport begegnet bin. Auch in anderen Vereinen hatte ich keine feste Ansprechperson für sportpsychologische Themen. Vielleicht war das Thema während meiner Karriere aber auch noch nicht so präsent wie heute.
Mittlerweile hat sich das zum Glück verändert. Ich betreue beispielsweise die Frauen des 1. FC Köln, wo die Spielerinnen eine feste Ansprechpartnerin haben. Wenn weitere Unterstützung notwendig ist oder es um klinische Themen geht, kann ich beispielsweise an Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten weitervermitteln.

Leonie Kokott: Wenn es in den klinischen Bereich geht und eine Therapie notwendig wird: Wie läuft die Vermittlung ab? Über dich, den Verein oder muss sich die Spielerin selbst darum kümmern?

Hanna de Haan: Auch hier entwickeln sich die Strukturen langsam weiter. In Nordrhein-Westfalen gibt es beispielsweise das Netzwerk MentalGestärkt der Deutschen Sporthochschule. Dort können sich alle Kaderathletinnen und -athleten melden und werden an Sportpsychologinnen, Sportpsychologen oder auch an Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten vermittelt. Das ist sehr wertvoll, weil wir wissen, dass es in der Gesellschaft teilweise sehr, sehr schwierig ist, einen Therapieplatz zu bekommen. 
Beim 1. FC Köln haben wir zusätzlich ein therapeutisches Netzwerk aufgebaut. Wenn ich in einem Coaching merke, dass ein Thema in den klinischen Bereich geht, bespreche ich das mit der Athletin oder dem Athleten und vermittle bei Bedarf weiter. Meine Ausbildung als Sportpsychologin ist da quasi vorbei, denn sie ersetzt keine Psychotherapie, dafür sind andere Fachpersonen zuständig.
Gemeinsam schauen wir dann beispielsweise, welche Art von Unterstützung benötigt wird und ob eine bestimmte Präferenz bei der Therapeutin oder dem Therapeuten besteht. Anschließend stelle ich den Kontakt her.
Das kommt tatsächlich häufiger vor, als man denkt, dass sie das dann auch in Anspruch nehmen. Wenngleich ich die Versorgung in Deutschland katastrophal finde. Ich bin der Meinung, dass es für alle Menschen möglich sein sollte, einen relativ schnellen Therapieplatz zu bekommen.
Daher bin ich super dankbar, dass wir solche Netzwerke haben und ich mit den Personen zusammenarbeite, die mir wirklich innerhalb von einer Woche einen Termin für die Sportlerinnen und Sportler besorgen können.

Das Gespräch mit Hanna de Haan macht deutlich, dass Sportpsychologie weit mehr ist als eine Anlaufstelle für Athletinnen und Athleten, die bereits mit großen Problemen zu kämpfen haben. Mentale Stärke lässt sich genauso trainieren wie körperliche Fähigkeiten und kann helfen, mit Druck, Rückschlägen und schwierigen Situationen besser umzugehen. Dafür braucht es Vertrauen, Zeit und vor allem Strukturen, die solche Angebote selbstverständlich machen. Gerade im Frauenfußball fehlt es daran vielerorts noch. Prävention sollte deshalb nicht erst dann beginnen, wenn es bereits brennt, sondern von Anfang an Teil des Leistungssports sein.

Juli 2026

{Rezension} Hold Me Tight
(Bd. 3 der „Richmond Deers“-Reihe)

Hold Me Tight
(Bd. 3 der „Richmond Deers“-Reihe)
von Maike Voß

Heyne Verlag
Paperback
Sports Romance
448 Seiten
ISBN: 978-3-453-44261-0
Ersterscheinung: 16.04.2026

Sie will sich nie wieder verlieben.
Doch er ist fest entschlossen, um ihr Herz zu kämpfen.

Inhalt:
Allie Weston ist die Managerin der Richmond Deers und hat ihr Leben normalerweise fest im Griff. Doch nachdem sie ihren Ehemann Owen beim Fremdgehen erwischt hat, steht plötzlich alles auf dem Kopf. Während sie mitten in der Scheidung steckt, kommt sie dem Fußballspieler Neilan Scott näher. Was für Allie zunächst nur eine einmalige Ablenkung sein soll, bedeutet für Neilan deutlich mehr. Er ist schon seit langer Zeit in sie verliebt und nutzt die Chance, ihr endlich näherzukommen. Doch während Neilan offen zu seinen Gefühlen steht, kämpft Allie noch mit den Verletzungen ihrer Vergangenheit und der Frage, ob sie bereit ist, ihr Herz erneut zu öffnen.

Meinung:
Mit diesem Band endet die „Richmond Deers“-Reihe, und obwohl mich die Geschichte nicht ganz so begeistern konnte, war es dennoch ein schöner und emotionaler Abschluss. Besonders Neilan hat für mich das Buch getragen. Er ist vermutlich die größte Green Flag der gesamten Reihe: loyal, geduldig, aufmerksam und immer darauf bedacht, Allie den Raum zu geben, den sie braucht. Gleichzeitig konnte ich allerdings nie ganz nachvollziehen, wie er sich auf eine Situation einlassen konnte, in der er von Anfang an deutlich mehr Gefühle investiert als sie. Seine Hoffnung, dass Allie ihn irgendwann vielleicht ebenfalls lieben könnte, wirkte auf mich stellenweise fast schon unrealistisch selbstlos. Umso mehr habe ich ihm sein Happy End gegönnt. Mit Allie hatte ich dagegen immer wieder meine Schwierigkeiten. Ihre Verletzungen und Ängste nach dem Ende ihrer Ehe waren nachvollziehbar, und ich konnte verstehen, warum sie sich emotional nur langsam auf etwas Neues einlassen wollte. Trotzdem machte sie mir das ständige Hin und Her rund um Owen nicht immer leicht. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass sie dadurch unfair gegenüber Neilan handelte, obwohl dieser ihr durchgehend mit Verständnis begegnete. Dadurch blieb sie für mich stellenweise etwas weniger sympathisch, als ich es mir gewünscht hätte. Positiv hervorheben möchte ich erneut das Fußball-Setting. Wie schon in den Vorgängern ist der Sport nicht bloß Kulisse, sondern fest in die Handlung eingebunden. Das Mannschaftsgefühl, die bekannten Figuren aus den vorherigen Bänden und die Dynamik innerhalb des Teams haben dafür gesorgt, dass sich die Geschichte wie eine Rückkehr zu alten Bekannten angefühlt hat. Gerade als Fan der Reihe war es schön, die vertrauten Charaktere noch einmal begleiten zu dürfen. Weniger überzeugen konnte mich die Handlung rund um das Thema Kinderwunsch. Dieser Aspekt wirkte auf mich etwas zu gewollt und wurde für mein Empfinden nicht ganz so natürlich in die Geschichte integriert wie andere Konflikte. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich selbst aktuell keinen persönlichen Bezug zu diesem Thema habe, dennoch fühlte es sich stellenweise etwas aufgesetzt an. Emotional hat mich die Geschichte dennoch erreicht. Vor allem die Nebenfiguren, die familiären Themen und die Entwicklung von Neilan haben dafür gesorgt, dass ich das Buch gerne gelesen habe. Gleichzeitig fehlte mir manchmal etwas mehr Tiefe in der eigentlichen Liebesgeschichte, da einige Entwicklungen recht schnell gingen und manche Konflikte sich etwas zu lange im Kreis drehten. Trotzdem war ich bis zum Schluss gerne Teil der „Richmond Deers“-Welt und habe mit den Figuren mitgefiebert.

Fazit:
„Hold Me Tight“ von Maike Voß ist ein gefühlvoller Abschluss der „Richmond Deers“-Reihe, der vor allem durch den liebenswerten Neilan Scott und das vertraute Fußball-Setting punktet. Während mich Allies ständiges Schwanken und einige Handlungsaspekte nicht vollständig überzeugen konnten, bietet die Geschichte dennoch viele emotionale Momente und einen gelungenen Abschied von den Deers. Nicht mein Lieblingsband der Reihe, aber ein schöner Abschluss mit viel Herz und liebenswerten Figuren. Von mir gibt es 4 von 5 Sternchen.

{Rezension} Strike Me Right
(Bd. 2 der „Richmond Deers“-Reihe)

Strike Me Right
(Bd. 2 der „Richmond Deers“-Reihe)
von Maike Voß

Heyne Verlag
Paperback
Sports Romance
464 Seiten
ISBN: 978-3-453-44260-3
Ersterscheinung: 14.01.2026

Er lässt ihr Herz höher schlagen.
Doch sie hat nie gelernt, es zu verschenken.

Inhalt:
Rowan arbeitet als Physiotherapeutin beim Fußballverein Richmond Deers und hat sich geschworen, ihr Herz nicht noch einmal aufs Spiel zu setzen. Als sich jedoch Stürmer Silvano Bianchi verletzt und auf ihre Unterstützung angewiesen ist, geraten ihre Vorsätze ins Wanken. Zwischen Reha und hitzigen Wortwechseln entsteht eine intensive Anziehung. Rowan verbirgt, dass sie in Liebesdingen völlig unerfahren ist – ein Umstand, der Silvano zu einem gewagten Vorschlag verleitet. Was als kontrollierter Deal beginnt, entwickelt sich schneller als gedacht zu etwas Emotionalem. Doch Gefühle passen weder in Rowans Sicherheitsdenken noch in Silvanos ursprüngliche Pläne.

Meinung:
Nach dem gelungenen ersten Band war meine Erwartungshaltung natürlich hoch – vielleicht sogar ein kleines bisschen zu hoch. Der Schreibstil von Maike Voß ist auch hier wieder wunderbar flüssig, modern und angenehm zu lesen. Bis auf einige Schreibfehler, die nicht hätten sein müssen (Cliffhänger statt Cliffhanger oder dum statt dumm), machte der Text dennoch einen insgesamt soliden Eindruck. Ich kam schnell in die Geschichte hinein, die Dialoge fühlten sich lebendig an und das Setting rund um den Verein kam mir wieder sehr vertraut vor. Dieses Wiedersehen mit den Richmond Deers hatte definitiv seinen Reiz. Silvano mochte ich als Figur wirklich gerne. Seine fürsorgliche, respektvolle Art, gerade im Umgang mit Rowan, hebt ihn positiv von vielen typischen Sports-Romance-Bookboyfriends ab. Er ist aufmerksam, geduldig und emotional greifbar. Dennoch hatte ich gerade bei ihm das Gefühl, dass enormes Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Im ersten Band wurde seine Verletzung bereits thematisiert, und ich hatte gehofft, dass seine Selbstzweifel, seine mentale Belastung und vor allem seine Therapie hier mehr Raum bekommen würden. Stattdessen wurde dieser Aspekt für mein Empfinden zu schnell abgehandelt. Gerade im Profisport – und besonders im Fußball – sind mentale Prozesse nach Verletzungen so entscheidend. Da hätte ich mir mehr Tiefe, mehr innere Kämpfe, mehr echte Auseinandersetzung gewünscht. Ein weiterer Punkt, der mich persönlich beschäftigt hat: Es ist eine Sports Romance – doch der Sport rückte für mein Gefühl zu sehr in den Hintergrund. Natürlich steht die Beziehung im Fokus, aber der Fußball wirkte stellenweise wie Kulisse statt wie Herzstück. Gerade nach dem Auftaktband hatte ich gehofft, dass beides stärker miteinander verwoben wird. Und ja, ich muss ehrlich sein, mir war es stellenweise zu spicy. Manche Szenen hätten für mich nicht diese Ausführlichkeit gebraucht. Nicht, weil sie schlecht geschrieben wären, sondern weil sie für mein Empfinden die emotionale Entwicklung eher ersetzt als vertieft haben. Ich hätte mir gewünscht, dass stattdessen mehr Raum für Gespräche, für innere Prozesse und für langsames, glaubwürdiges Zusammenwachsen genutzt wird. Apropos Glaubwürdigkeit: Drei Wochen Beziehung und dann schon das Gefühl, die Liebe des Lebens gefunden zu haben? Das ging mir persönlich etwas zu schnell. Ich hätte mir hier eine längere Entwicklung gewünscht, vielleicht mehr Zweifel, mehr Hürden – einfach mehr Zeit. Was mich außerdem ein wenig enttäuscht hat, war der Umgang mit Allie. *Achtung! Kleiner Spoiler.* Wir erfahren quasi nebenbei, dass sie sich von Owen hat scheiden lassen. Aber was ist in der Aussprache passiert? Was wurde gesagt? Wie kam es emotional zu diesem endgültigen Schritt? Zwischen Gespräch und Scheidung klafft für mich eine spürbare Lücke. Gerade weil Nebenfiguren in dieser Reihe so viel Potenzial haben, hätte ich mir hier mehr Einblicke gewünscht. Trotz dieser Kritikpunkte hatte ich durchaus schöne Lesemomente. Die Chemie zwischen Rowan und Silvano ist spürbar, manche Szenen sind zärtlich und liebevoll, und das italienische Familienflair bringt Wärme in die Geschichte. Emotional hätte ich mir insgesamt mehr Tiefgang gewünscht – weniger Tempo, mehr Nachhall.

Fazit:
„Strike Me Right“ von Maike Voß ist eine gefühlvolle Fortsetzung der „Richmond Deers“-Reihe mit einem charmanten, respektvollen Love Interest und einer spürbaren Anziehung zwischen den Hauptfiguren. Der Schreibstil überzeugt erneut durch Leichtigkeit und angenehmen Lesefluss. Dennoch hätte ich mir mehr sportliche Tiefe, eine intensivere Auseinandersetzung mit Silvanos Selbstzweifeln und eine langsamere, glaubwürdigere Beziehungsentwicklung gewünscht. Insgesamt eine schöne, unterhaltsame Sports Romance mit kleinen Schwächen, weshalb ich 4 von 5 Sternchen vergebe.

Interview mit Kathrin Lehmann

Ob als Expertin für die deutsche Nationalmannschaft sowie Welt- und Europameisterschaften beim ZDF, als Bundesliga-Expertin bei MagentaSport oder als Expertin für die Spiele der Schweizer Herren-Nationalmannschaft beim SRF: Wer (Frauen-) Fußball in Deutschland und der Schweiz verfolgt, kommt um Kathrin Lehmann nicht herum. Doch Kathrin Lehmann ist nicht bloß TV-Expertin, sondern eine sehr beeindruckende Sportlerin. Sie ist die einzige Frau, die sowohl in der höchsten deutschen Spielklasse im Fußball als auch im Eishockey einen Treffer erzielte, die einzige Frau, die sowohl im Fußball als auch im Eishockey den höchsten europäischen Club-Titel, die Champions League, gewann und zudem die einzige Frau, die sowohl im Fußball als auch im Eishockey gleichzeitig im selben Land Meister wurde. Kathrin Lehmann ist Schweizer Fußballerin des Jahres 1999 und hat die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft als Kapitänin zu den Olympischen Spielen geführt.

In unserem Gespräch hat sie mir erzählt, wie sie den Profifußball und den Profieishockey unter einen Hut bekommen hat, wie sie mit medialem Druck im Sport umgegangen ist und wie sie die Sportberichterstattung heute wahrnimmt.

Leo: Ich muss sagen, dass ich von Ihrer Karriere wirklich sehr, sehr beeindruckt bin. Ich habe mich gefragt, wie man das über so viele Jahre hinweg schafft, Profifußball, Profieishockey, Studium, Privatleben und und und allesamt unter einen Hut zu bekommen?

Kathrin Lehmann: Ich glaube, ich bin so ein bisschen ähnlich wie Sie. Ich mache etwas unglaublich gerne und dann lasse ich mir das von niemandem nehmen. Und ich habe eine Konstellation, die mir in die Karten gespielt hat, ohne die das gar nicht möglich gewesen wäre: Ich war im Fußball im Tor und im Eishockey im Sturm. Die Fußballposition ist eine Maximal- und Schnellkraft-Position und Eishockey ist eine Maximal- und Schnellkraft-Sportart. Das heißt, alles, was ich trainiert habe, habe ich immer für beides trainiert. Wäre ich im Fußball Außenverteidigerin gewesen, dann hätte ich das physisch nie und nimmer leisten können. Und so war es für mich einfach, am Freitagabend Eishockey zu spielen, am Samstag Fußball und am Sonntag wieder Eishockey. Weil das einfach eine ganz andere mentale Belastung ist, wenn ich im Fußballtor stehe. Ich hatte eine zweite Komponente, die mir sehr in die Karten gespielt hat: Ich war sehr gut. Das heißt, alle, die mich verpflichtet haben, wussten immer, man kauft das ganze Paket Kathrin Lehmann. Dadurch konnte ich immer recht gut verhandeln und es war eigentlich fast immer nur im März, April, wenn die Playoffs im Eishockey und die Eishockey-Weltmeisterschaft waren, dass es sich wirklich überschnitten hat. Ob ich im September, Oktober, November ein Eishockey-Spiel mehr oder weniger gespielt habe, war „nicht relevant“. Ich habe auch immer nur in Städten gespielt, wo beides auf höchster Stufe war und dann hatte ich ganz viel Glück mit den Spielplänen. Dass sowohl im Eishockey als auch im Fußball ein Heimspiel-Wochenende war. Dass ich nicht mit dem Fußball im Norden in Umeå war und ich hätte aber in Stockholm Eishockey gespielt. Es gab viele Zufälle, manchen Zufällen habe ich ein bisschen nachgeholfen, und so ist das gekommen. Und das Zweite ist: Nie hat man so viel Zeit, zu studieren, wie wenn man Spitzensportlerin oder Spitzensportler ist. Du verbringst so viel Zeit im Bus oder im Trainingslager und das ist etwas, um seine Gehirnzellen mit etwas anderem zu beschäftigen als nur mit Sprints von A nach B oder einem Pass von C nach D.

Leo: Das heißt, dass Sie die Inhalte für das Studium dann immer auf den Fahrten bearbeitet haben?

Kathrin Lehmann: Ja, ich war sehr, sehr kreativ, was Lernen anbelangt, auch schon während des Abiturs. Ich war in einer normalen Klasse, nicht in einer Sportklasse, und ich war schon immer sehr verspielt. Ich wusste, wenn mein Trainingsweg zehn Zugstationen hatte und ich musste Lateinvokabeln büffeln, dann habe ich zwischen Station eins und fünf die neuen Vokabeln gelernt, zwischen Station sechs und acht habe ich sie repetiert und zwischen Station neun und zehn waren die Wörter dran, die ich noch nicht konnte. Ich bin sehr kreativ im effizienten Nutzen von Zeit. Bei mir ist alles irgendwie ein Spiel. Deswegen habe ich gerne gelernt und lerne noch immer gerne. Ich habe viel gelernt und gelesen während Zugfahrten oder Krafttrainings. Mein erstes Studium war Literaturwissenschaften, Mediävistik und neue Geschichte – und Bücher lesen oder Texte schreiben, das kann ich überall.

Leo: Sehr beeindruckend. Sie haben den direkten Vergleich, weil Sie selbst sehr erfolgreiche Profispielerin waren und heute zahlreiche Spiele medial begleiten. Was würden Sie sagen, ist der größte Unterschied in der Sportberichterstattung? Was hat sich im Laufe der Zeit am meisten verändert, seit Sie mit dem Profisport begonnen haben?

Kathrin Lehmann: Social Media war und ist natürlich bahnbrechend für den Sport, insbesondere für den Frauensport, weil Social Media den Athletinnen und Athleten eine eigene Sichtbarkeit gibt. Dass ich damals 1999 eine eigene Webseite hatte, das war ja schon bahnbrechend, ich hatte einen eigenen Fanclub, ich habe Newsletter geschrieben. Dieses eigene Darstellen und die Sichtbarkeit des eigenen Tuns, das hat sich natürlich verändert. Ich finde, dass gerade im Frauenfußball, nehmen wir Deutschland, die EM 2022 für den Frauensport ein riesiger Turn Around war. Wir haben auch an der EM in diesem Jahr in der Schweiz gesehen, dass es sich von der Darstellung der Persönlichkeit der Spielerin, also der Geschichte an sich, zur sportlichen Analyse veränderte. Während die Berichterstattung früher einfach über die Persönlichkeiten war, haben wir jetzt Berichterstattung über den Sport. Natürlich immer noch mit dem Mitschwingen vom Persönlichen, genau das macht ja den Frauensport authentisch. Aber im Frauensport ist es angekommen, dass man hauptsächlich über das Sportliche berichtet, ohne die spannenden Hintergrundgeschichten zu vergessen.

Leo: Ich würde mal die These in den Raum stellen, dass trotzdem ein verstärkter medialer Druck auf den Spielerinnen lastet. Sie haben auch zahlreiche wichtige Turniere gespielt. Kann man den medialen Druck ausblenden oder belastet das einen vielleicht sogar? Wie kann man als Sportler oder Sportlerin damit zum Beispiel vor einem super wichtigen Spiel umgehen?

Kathrin Lehmann: Das ist sehr typenabhängig.

Leo: Und wie sind Sie damit umgegangen?

Kathrin Lehmann: Ich konnte das sehr gut ausblenden. Eine meiner großen Stärken war das Hier und Jetzt. Das hatte ich noch durch meinen permanenten Wechsel: Eishockey, Fußball, Eishockey, Fußball. Da war ich einem riesigen Druck ausgesetzt. Ich glaube, es geht auch darum, wie man mit den Medien umgeht und wie man sich selbst darstellt. Je realistischer man sich darstellt, desto weniger ist der Druck da und desto mehr verzeihen einem die Fans und die Medien, wenn es vielleicht mal nicht läuft. Ich glaube, gerade heutzutage mit Social Media, zahlt sich ehrliches Erzählen und ehrliche Selbstdarstellung auf den eigenen Plattformen aus in Momenten, wo es extrem ist. Ein Moment, der extrem ist, ist entweder der super Erfolg oder der super Misserfolg. Ich konnte super gut damit umgehen und ich kann nur bedingt nachvollziehen, wie sehr jemand daran zerbricht. Da ich immer Captain war und natürlich immer eine, die viel in den Medien war, auch schon zu meiner Zeit, haben sich natürlich viele unter meinem Flügel versteckt. Und das ist voll in Ordnung. Ich finde, jede Spielerin und jeder Spieler muss die Situation realistisch angehen: Kann ich damit umgehen, ja oder nein? Das ist ganz wichtig, das ist das Zentralste. Ich finde, jetzt sind wir in einer ganz spannenden Phase, denn nächste Woche spielt Deutschland gegen Spanien in der Nations League (Freitag, 28. November 2025, 20.30 Uhr). Und jetzt kommt diese Erwartungshaltung der deutschen Medien und der deutschen Gesellschaft, die momentan eigentlich keine Erwartungshaltung, sondern eher ein Wunsch, eine große Sehnsucht der deutschen Bevölkerung ist, die Besten zu sein. Jetzt spielt Deutschland gegen Spanien und ich glaube, dieses Spiel wird zeigen, inwiefern Medienarbeit gesteuert wird und wie dann tatsächlich der Showdown auf dem Platz ist. Das wird unglaublich spannend, zu sehen.

Leo: Welche Verantwortung tragen Medien und Journalisten und Journalistinnen Ihrer Meinung nach im Umgang mit Sportlern und Sportlerinnen und deren öffentlichem Bild?

Kathrin Lehmann: Eine sehr große Verantwortung. Auch ich als Expertin habe eine unglaubliche Verantwortung. Im Moment glaube ich, dass sehr viele Journalistinnen und Journalisten ihrer Sorgfaltspflicht wirklich sehr gut nachkommen. Es ist im Moment kein Sensationsjournalismus, sondern er ist momentan sehr realistisch, sachlich und behutsam. Das heißt, es ist ein guter Moment vor allem gegenüber dem Frauensport. Und sie tragen eine sehr große Verantwortung. Im Moment kann man als Journalistin oder Journalist im Frauensport, wenn wir jetzt insbesondere im Frauenfußball bleiben, sehr viel dazu beitragen, etwas aufzubauen, ohne sensationsgeil zu sein. Also sehr realistisch, kritisch, sorgfältig recherchiert, aber trotzdem dem Ganzen ein Bild und ein Gesicht gebend.

Leo: Sie haben das eben auch schon angesprochen, dass Sie die Sportberichterstattung in Deutschland und der Schweiz aktiv mitgestalten. Was würden Sie sich von der Sportberichterstattung der Zukunft wünschen, was würden Sie vielleicht gern verändern?

Kathrin Lehmann: Das ist eine gute Frage. Ich bin eben vielleicht auch zu sehr schon mittendrin mit allem. Ich finde, bleiben wir im Frauenfußball, dass da viele Journalisten und Journalistinnen doch schon seit einigen Jahren – und einige Jahre heißt für mich fünf aufwärts – in dem Geschehen drin sind und bei der Entwicklung, die seit 2022 passiert, dabei sind und deshalb alles gut einordnen können. Was wünsche ich mir? Dass auch die anderen Sportarten Journalistinnen und Journalisten haben, die aus der Sportart kommen und das Wachsen einordnen können. Ich finde das sehr spannend, ich kann das ja auch beurteilen, weil ich seit zehn Jahren Expertin der Herren-Nationalmannschaft der Schweiz bin. Ich begleite die Schweizer Herrennationalmannschaft teilweise länger als viele junge Journalisten und Journalistinnen von großen Tageszeitungen. Die können manche Dinge nicht in den Kontext setzen von vor vier oder fünf Jahren. Deswegen wünsche ich mir, dass solche „Journalistinnen-Dinos“ oder „Journalisten-Dinos“ in jeder Sportart noch lange mit dabei sind, die permanent etwas einordnen können.

Leo: Gerade die Entwicklung im Frauenfußball ist, wie Sie sagen, im Laufe der Jahre auch sehr beeindruckend zu sehen, da hoffe ich auch, dass sich da weiterhin ganz viel tut. Das ist gerade für ein Fußball spielendes Mädchen spannend, das so von außen zu beobachten.

Kathrin Lehmann: Absolut.

Leo: Sie veranstalten in der Schweiz seit 20 Jahren Ihre eigenen Sport-Camps. Was ist Ihnen am wichtigsten, den Teilnehmerinnen von jung bis etwas älter im Fußball und Eishockey mitzugeben?

Kathrin Lehmann: Gemeinsam spielen, lachen, lernen.

Leo: Das ist doch schön. Ich habe auch ganz lange Fußball gespielt und am Anfang auch recht lange in einem Jungsteam. Da haben die Spieler und Eltern der gegnerischen Teams schon immer mal wieder komisch geschaut, was denn das kleine 5-jährige Mädchen da eigentlich mitmischen will. Es hat sich in den letzten Jahren auf jeden Fall gebessert, aber sowohl der Fußball als auch Eishockey sind tendenziell doch eher männlich dominierte Sportarten. Sie haben auch als Frau in Männermannschaften gespielt. Wie war das so? Haben Sie da mal schlechte Erfahrungen damit gemacht? Wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen?

Kathrin Lehmann: Es ist nach wie vor so, da müssen wir uns nichts vormachen. Auch der Fußball, auch wenn der Frauenfußball da auf einem vorstehenden Ast ist, ist immer noch männlich dominiert und das wird auch erstmal so bleiben. Wir sind zwar weit, aber so weit, dass wir sagen, es ist das Normalste auf der Welt, dass alle Mädchen auf dem Land Fußball spielen und dass man da einfach hinkommen kann, so weit sind wir noch nicht. Da dürfen wir nicht die Augen verschließen und alles gutreden. Das hat auch mit Kabinenaufteilung, Platzaufteilung und so weiter zu tun, auch im Eishockey, da sind wir noch meilenweit davon entfernt. Ich muss das leider immer wieder sagen, was heißt leider, aber ich war halt einfach gut, ich war sehr gut. Und wenn man gut ist, hat man nie ein Problem. Deswegen hatte ich insofern eigentlich keine verschlossenen Türen. Außer selbstverständlich dann irgendwann im Eishockey zwischen 14 und 16, als es hieß, ich darf nicht im A-Team spielen, weil ich einem guten Jungen den Platz wegnehme. Aber immer, wenn es um Auf- und Abstieg ging, dann musste ich natürlich schon schnell ins A-Team gehen. Also wenn es um Meistertitel ging oder darum, nicht abzusteigen, dann wurde ich immer hochtransferiert, weil ich eben doch die Beste war. Das ist mir schon widerfahren und ich weiß, dass es auch jetzt noch der Fall ist. Dieser Satz „Du nimmst einem guten Jungen den Platz weg!“, wird auch heute noch oft ausgesprochen.

Leo: Das ist tatsächlich einfach sehr schade.

Kathrin Lehmann: Ja und das ist immer noch so. Und solange da nicht in den Vorständen oder in der Geschäftsleitung einfach eine wertfreie Kultur gelebt wird, wird das weiterhin so bleiben. Es gibt auch viele coole Geschäftsführerinnen – meistens Geschäftsführer – oder Vorstände, aber momentan geht es meistens noch immer um das Geld, ob ich irgendwann mit irgendjemandem etwas verdienen kann. Und auch wenn alle Statistiken zeigen, dass es vielleicht nicht mal ein Prozent aller Jungen ist, die Fußball spielen, die überhaupt mal irgendwas machen. Und dennoch verschließt man sehr guten Mädchen fast alle Türen.

Leo: Dann ist es natürlich trotzdem schön, Vorbilder wie Sie im Sport zu haben.

Kathrin Lehmann: Dankeschön.

Leo: Sie waren 2006 (7. Platz) und 2010 (5. Platz) mit der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Turin und Vancouver. Man hört immer in den Medien von Olympia-Teilnehmern und -Teilnehmerinnen, wie sehr sie diese Erfahrung geprägt hat und was für ein besonderes Erlebnis diese Veranstaltung ist. Was sind Ihre besten Erinnerungen an die Turniere?

Kathrin Lehmann: Vancouver 2010, in der Geburtsstadt des Eishockeys an Olympischen Spielen teilzunehmen, ich war Kapitänin der Schweiz und wir hatten das Eröffnungsspiel gegen Kanada, also da kriege ich jetzt noch Gänsehaut. Ich meine, mehr geht nicht. Ich glaube, das ist mit das Größte und Emotionalste, was es gibt, was in unserer Reichweite war – es war verwegen, zu sagen, wir holen Olympia-Gold -, das habe ich erreicht. Ich bin unendlich dankbar, dass ich zweimal an den Olympischen Spielen teilnehmen konnte, weil du brauchst die ersten, um das Ganze einmal zu verarbeiten und um zu wissen, wie das alles läuft. Und beim zweiten Mal kannst du es richtig genießen.

Leo: Und es war ja auch recht erfolgreich.

Kathrin Lehmann: Ja, ich meine, wir haben zwei Olympische Diplome geholt, ich habe Tore erzielt, meine Schlittschuhe sind im Olympischen Museum, also es ist cool.

Leo: Sie wurden 2021 vom FC Bayern München angefragt, ob Sie nochmal als dritte Torhüterin einspringen könnten und sind dann am Ende der Saison mit 41 Jahren doch noch deutsche Meisterin geworden. Das sind alles wirklich beeindruckende Dinge, die Sie erreicht haben. Und durch den Sport haben Sie auch viele Orte gesehen. Ich habe gelesen, dass es ein Wunsch von Ihnen war, unter anderem in Schweden zu spielen. Gibt es rückblickend auf Ihre Sportkarriere vielleicht aber eine Sache, für die Sie bis heute am meisten dankbar sind, sie durch den Sport erlebt zu haben?

Kathrin Lehmann: Ich bin dankbar für meine Karriere. Und ich würde es wieder so machen, ich bereue nichts. Ich habe in vier verschiedenen Ländern gelebt. Also ich habe nicht nur dort gespielt, ich habe in vier verschiedenen Ländern gelebt: Schweiz, Schweden, Deutschland, USA. Und ich habe es geschafft, in jedem Land einen Titel mit dem Team und einen individuellen Titel zu gewinnen. Das heißt, es ist mir gelungen, meine eigene Identität zu bewahren und diesen Mehrwert, was es bedeutet, als Ausländerin in einem Land zu spielen – da ist der Druck unweigerlich größer -, ich habe meine Identität bewahrt, aber es geschafft, mich der Kultur anzupassen und daraus etwas mitzunehmen. Ich glaube, diese Fähigkeit oder dass ich das geschafft habe, ist wahrscheinlich auch die Gabe, die ich auch jetzt in meinem Leben genieße. Ich weiß, dass ich ich bleiben kann, aber ich bin fähig, zu adaptieren – egal, welche Kultur um mich herum ist.

Leo: Das ist einfach sehr cool. Vielen Dank für die spannenden Einblicke!

Während unseres Gesprächs ist mir wieder einmal klar geworden, was der Sport alles bewegen und auch was er für eine tolle Plattform sein kann. Auch wenn der Frauensport noch einen langen Weg gehen muss, bin ich als angehende Sportjournalistin sehr froh, dass es Vorbilder wie Kathrin Lehmann gibt, die die Sportberichterstattung erfrischend und fachlich präzise besser machen.