{Rezension} Secret Kiss
Die Tochter vom Coach
(Bd. 1 der „Secret“-Reihe)

Secret Kiss
Die Tochter vom Coach
(Bd. 1 der „Secret“-Reihe)
von Mimi Heeger

Impress (Ein Imprint der CARLSEN Verlag GmbH)
Taschenbuch
Sport Romance
240 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-551-30193-2
Ersterscheinung: 30.08.2019

Inhalt:
Maggies größte Leidenschaft scheint der Fußball zu sein, denn als Tochter vom Coach verbringt sie jede freie Minute bei den „Ramsgate Firebirds“. Sie ist Bestandteil des Stadions, gehört aber trotzdem niemals richtig dazu, denn sie ist wie eine schöne Blumenvase, die nett in der Ecke steht, auf die man aber auch verzichten kann. Sie fühlt sich wie das lästige Anhängsel, das auf der Trage sitzt und auf den Coach wartet. Doch als ein neuer Spieler ins Team kommt, erkennt Maggie, dass es Zeit wird, auch mal an sich selbst zu denken. Aber was wird ihr Vater dazu sagen?

Meinung:
Wäre ich nicht selbst ein wenig wie Maggie, hätte ich diese Reihe wahrscheinlich nie für mich entdeckt. Da ich genau wie sie den Fußball liebe, habe ich spontan zu diesem Buch gegriffen. Es gibt so selten Bücher, die meine Leidenschaft zum Fußball so wiederspiegeln wie dieser erste Band der „Secret“-Reihe. Aber Liebe auf den ersten Blick war es eigentlich nicht, denn das Cover finde ich einfach nur grauenvoll. Das Pärchen auf dem Cover sollen wohl die Protagonisten Maggie und Sam sein, allerdings haben die kaum eine Ähnlichkeit mit den beiden im Buch beschriebenen Charakteren. Zumindest habe ich mir die beiden irgendwie anders vorgestellt. Wie gesagt, das Cover ist eine Katastrophe! Aber der Rest… Ich finde kaum Worte, weil ich einfach nur begeistert bin. Von der ersten Seite an habe ich Maggie in mein Herz geschlossen. Die 19-jährige Maggie ist, was Sport im Allgemeinen angeht, komplett talentfrei. Sie mag vielleicht auch der unsportlichste Mensch Englands sein, aber sie liebt den Fußball. Das Stadion der Ramsgate Firebirds ist ihr Zuhause, denn sie ist die Tochter vom Coach und bei jedem Spiel, sogar bei jeder einzelnen Trainingseinheit fiebert sie angespannt und unter Adrenalin an der Außenlinie mit. In diesen Momenten ist sie gefangen in einer Blase aus Emotionen und Leidenschaft für diesen Sport. Aber Maggie hat auch eine andere Leidenschaft, die ich mit ihr teile, denn sie liebt es, durch Bücher in andere Welten und andere Personen zu schlüpfen. Es ist kaum möglich, jemanden zu finden, dessen Herz sowohl für Bücher als auch für den Fußball schlägt, denkt Maggie – allerdings nur bis zu dem Tag, an dem Sam, der neue Spieler, nicht nur Unruhe auf den Platz, sondern auch in ihr Herz bringt. Der absolut unnahbare Sam schafft es, ihr Herz zu erobern. Sam ist so ein toller Typ. Sollte mir so einer je über den Weg laufen, das wäre der absolute Traum. Denn Sam ist nicht nur ein Mann, der den Fußball und die Literatur gleichermaßen liebt, was er noch viel mehr liebt, ist seine Familie. Wie gut, dass Maggie erkennt, dass nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Sie macht eine wunderbare Entwicklung und lernt sehr viel über das Erwachsenwerden und die erste große Liebe. Der Schreibstil der Autorin ist herrlich frisch und jugendlich und lässt sich leicht und flüssig lesen. Ich war tatsächlich von der ersten Seite an gefesselt und habe jede einzelne Seite verschlungen. Es gab so viele wunderschöne Szenen, gefolgt von traurigen mit einem sehr zufriedenstellenden Abschluss. Ein Ende, das zeigt, worin die wahren Werte des Lebens liegen.

Fazit:
Mit „Secret Kiss: Die Tochter vom Coach“ ist der Autorin Mimi Heeger eine fesselnde Story über das Erwachsenwerden und die erste große Liebe gelungen. Diese emotionale Geschichte lebt von den Protagonisten Maggie und Sam und von deren Liebe zueinander. Für mich ist das definitiv eines meiner Lesehighlights dieses Jahr gewesen, weshalb ich diese Sports-Romance-Story Leserinnen ab 14 Jahren sehr ans Herz lege. Ich hatte traumhafte Lesestunden und vergebe deshalb liebend gerne 5 von 5 Sternchen.

{Rezension} One of us is next

One of us is next
(Bd. 2 der „One of us is lying“-Reihe)
von Karen M. McManus

cbj
Hardcover mit Schutzumschlag
Jugendbuch
448 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-570-16577-5
Ersterscheinung: 11.05.2020

Inhalt:
Mittlerweile ist nun schon etwas mehr als ein Jahr vergangen, seit Simon gestorben ist. Plötzlich taucht ein mysteriöses „Wahrheit-oder-Pflicht-Spiel“ auf. Wer sich weigert mitzuspielen, wird vor der ganzen Schule bloßgestellt. Dunkle Geheimnisse werden aufgedeckt und waghalsige Pflichten erfüllt. Als plötzlich wieder ein Schüler der Bayview High stirbt, überschlagen sich die Ereignisse.

Meinung:
Willkommen zurück an der Bayview High. Ich war echt gespannt auf die Fortsetzung, doch leider konnte mich der zweite Band nicht gar so mitreißen wie der erste. Diese Geschichte kann eigenständig gelesen werden, jedoch empfehle ich dennoch „One of us is lying“ vorab zu lesen, da sich einige Details auf den Reihenauftakt beziehen. Wieder geht es um die Bayview High, allerdings geht es diesmal um das Spiel Wahrheit-oder-Pflicht, das die gesamte Schülerschaft in Atem hält. Die Geschichte ist recht spannend und unterhaltsam und wird auch diesmal abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt, somit erhält man als Leser einen guten Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der drei jugendlichen Hauptcharaktere. Authentisch und glaubhaft stellt die Autorin die Entwicklungen der Figuren in eine spannende Rahmenhandlung. Das Ganze wird durch einen leicht zu lesenden, aber auch fesselnden Schreibstil untermauert. Für mich war das eine spannende Story mit überraschendem Ende.

Fazit:
„One of us is next“ von Karen M. McManus ist ein spannender Jugendroman mit aufregenden Wendungen. Diese fesselnde Story mit großartigen Protagonisten empfehle ich Lesern ab 14 Jahren. Von mir gibt es lieb gemeinte 4 von 5 Sternchen.

Herzlichen Dank an die Verlagsgruppe Random House GmbH für dieses Rezensionsexemplar.

{Rezension} #Find the Girl (Bd. 1)

#Find the Girl (Bd. 1)
von Lucy und Lydia Connell und Katy Birchall
übersetzt von Petra Koob-Pawis

cbj
Broschiert
Jugendbuch
352 Seiten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-570-16573-7
Ersterscheinung: 27.04.2020

Inhalt:
Als größter Fan ihrer Lieblingsband betreibt Nancy ein riesiges Fanportal für die „Chasing Chords“ und sie weiß ganz genau, dass Leadsänger Chase und sie füreinander bestimmt sind. Während sie jegliche Aufmerksamkeit immer auf sich zieht, bei allen beliebt ist und sich sehr für Mode und Styling interessiert, ist ihre Zwillingsschwester Nina eher zurückhaltend und schüchtern. Seit langem verstehen sich die beiden nicht mehr so gut und müssen nun durch eine List der Mutter zwangsweise etwas mehr Zeit miteinander verbringen. So schleppt Nancy ihre Schwester mit zu einem Konzert der „Chasing Chords“, wo Nina ausgerechnet Chase begegnet. Es knistert so heftig, dass Chase die „Find the Girl“-Kampagne in den sozialen Medien startet. Chase will das geheimnisvolle Mädchen unbedingt wiedersehen. Doch wird sich die scheue und zurückhaltende Nina trauen, Chase zu sagen, wer sie ist? Wie soll sie das nur ihrer Schwester beibringen? Ein romantisches und ziemlich lustiges Abenteuer beginnt…

Meinung:
Seit ich die Reihen „Plötzlich It-Girl“ und „Mein Leben im Hotel Royal“ gelesen habe, bin ich ein ganz großer Fan der Autorin Katy Birchall. Als ich nun gehört hatte, dass es ein neues Buch von ihr gibt, war ich komplett hin und weg. Gemeinsam mit den Zwillingsschwestern Lucy und Lydia Connell, die bekannt für ihren erfolgreichen YouTube-Kanal mit Stylingtipps sind, entstand dann ein Autorentrio. Der Schreibstil der drei Autorinnen lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Geschichte ist zwar nicht sonderlich tiefgründig, dafür aber sehr unterhaltsam. Die Protagonistinnen Nancy und Nina, aus deren Sicht die Geschichte abwechselnd erzählt wird, sind authentisch und waren mir von Anfang an sehr sympathisch. Dass nicht die Liebesgeschichte, sondern die Beziehung der Schwestern im Vordergrund steht, fand ich super. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein, merken dann aber glücklicherweise, dass sie miteinander eigentlich ganz gut harmonieren. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Band, der bald erscheint.

Fazit:
„#Find the Girl“ von Lucy und Lydia Connell und Katy Birchall ist ein unterhaltsamer Jugendroman, der mich zum Lachen und zum Weinen gebracht hat. Die Geschichte rund um die Zwillinge Nancy und Nina empfehle ich Mädchen ab 12 Jahren. Von mir gibt es auf jeden Fall 5 von 5 Sternchen.

Herzlichen Dank an die Verlagsgruppe Random House GmbH für dieses Rezensionsexemplar.

Interview mit THiLO

Im Sommer vor meiner Einschulung habe ich die erste Bekanntschaft mit Büchern von THiLO gemacht. Damals habe ich nämlich zum ersten Mal an der Aktion „Heiß auf Lesen“ in unserer Bücherei teilgenommen. Eigentlich geht es bei „Heiß auf Lesen“ darum, die Kinder zum Lesen zu animieren – ganz egal, ob nur ein Buch oder auch mehrere gelesen werden. Mich wollte man zuerst nicht mitmachen lassen, da ich ja noch ein Kindergartenkind war und es ist ja bekannt, dass Kindergartenkinder nicht lesen können. Wie bitte? Das hat mich richtig wütend gemacht! Bei dieser Aktion soll doch die Liebe zum Lesen gefördert werden und dann lässt man ein Kind nicht teilnehmen, nur weil es vor dem Durchschnittslesealter schon lesen kann! Kurzum – ich habe dann geschummelt. Ich bin tags drauf in die Bücherei gegangen, diesmal zu einer anderen Dame, die mich noch nicht kannte, und dann habe ich gesagt, dass ich nach dem Sommer in die zweite Klasse komme. Somit war ich angemeldet und vor allem aber auch angestachelt. Ich wollte es allen zeigen, dass sie im Unrecht waren. Ich ging dann also fast täglich in die Bücherei und habe ein Buch nach dem anderen gelesen und danach mündlich rezensiert. Am Ende der Sommerferien waren es stolze 36 Bücher. Nicht schlecht für ein Kindergartenkind, oder? Die Vielzahl war natürlich nur möglich, weil sich die Bücher für Leseanfänger leicht und schnell lesen lassen. Immer mal wieder kam mir dann ein Buch in die Hand, dessen Autor sich THiLO nannte. Ich habe mich schon damals über den Namen gewundert und mich gefreut, dass mir THiLO jetzt diese Frage und natürlich noch ein paar weitere beantworten konnte.

(Foto: © THiLO)

Leo: Ich habe ein wenig im Vorfeld zu diesem Interview recherchiert und weiß nun einiges mehr von Ihnen, aber vielleicht erzählen Sie mal, wie und wann Sie zum Schreiben und zum Beruf „Autor“ kamen. Ich gehe davon aus, dass die elterliche Buchhandlung wahrscheinlich prägend dafür war, oder?

THiLO: Klar, das war natürlich toll, eine Mutter zu haben, die Buchhändlerin ist. Wenn man Schreiner werden will ist es auch ein Vorteil, wenn man schon mal einen Tisch gesehen hat. Ich habe auch als Schüler schon gerne geschrieben – nur nicht das, was die Lehrer wollten. Die Aufsätze wie „Mein schönster Ferientag“ gingen bei mir so: Ich war von morgens bis abends mit meinen Freunden auf dem Fußballplatz – Aufsatzende. Auf meinem Zeugnis in der Dritten Klasse waren alle Fächer gut, nur Aufsätze schreiben ausreichend
Später wollte ich dann Journalist werden und habe während des Studiums bei Zeitungen und beim Radio gearbeitet. Als ich beim ZDF ein Praktikum gemacht habe, brauchten sie gerade Drehbuchautoren für die Sendung 1, 2 oder 3 – und der Prakti durfte es auch mal versuchen. Das Drehbuch wurde tatsächlich genommen und von da ab habe ich mich in der Kindergeschichtenlandschaft wie ein Krake ausgebreitet.

Leo: Es ist ein Traum aller Leseratten: Aufwachsen in einer Buchhandlung! Welche Bücher haben Ihr Interesse damals als Kind geweckt und waren Sie überhaupt schon buchbegeistert als Kind? Bei vielen Menschen entwickelt sich die Liebe zu Büchern ja erst viel später.

THiLO: Ich habe als Kind wirklich sehr viel gelesen, aber eben auch Fußball gespielt, es war eine gesunde Mischung. Ich durfte mir aber trotzdem nicht alle Bücher aus der Buchhandlung einfach so mitnehmen. Deshalb war ich auch in der Bücherei Dauergast. Ich glaube, ich habe alle Kinderbücher gelesen, die es damals gab. Gerne auch Sachbücher.

Leo: Was war Ihr Lieblingsbuch in Ihrer Kindheit?

THiLO: Robinson Crusoe. 27 Jahre alleine auf einer Insel zu leben und sich rundherum selbst zu versorgen fand ich damals sehr faszinierend (heute auch noch).

Leo: Welche Bücher gehören heute zu Ihren Lieblingsbüchern? Was lesen Sie gerne?

THiLO: Das ist immer unterschiedlich. Nach meinem Abitur – als ich nicht mehr musste – habe ich bei der Ferienarbeit alle Klassiker gelesen, Goethe, Schiller, Brecht, Hesse, Fontane (das sind ähnlich gute Schriftsteller wie ich). Ich habe extra anders Pause gemacht, als die Arbeiter dort, damit die mich nicht eingebildet finden und verkloppen. Heute lese ich manchmal ein halbes Jahr lang nur Krimis, dann wieder Biografien. Es gibt wenige Bücher, die mich überhaupt nicht interessieren.

Leo: Wieso nennen Sie sich THiLO? Das ist doch schon ein etwas außergewöhnlicher Künstlername.

THiLO: Das ist wirklich mein Vorname, ich schreibe ihn noch immer so, wie ich es mir mit vier Jahren beigebracht habe.

Leo: Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus? Wie arbeiten Sie am liebsten? Und wo schreiben Sie? Konzentrierte Ruhe und allein im Büro oder ein Spaziergang an einem belebten Ort?

THiLO: Einen typischen Arbeitsplatz habe ich gar nicht. Ich kann überall schreiben, im Zug, im Café, am Strand. Ich bin etwa 200 Tage im Jahr – in normalen Jahren – unterwegs. Ich brauche nicht mehr als mein Laptop, wenn es rundherum zu unruhig ist, setze ich mir Kopfhörer auf.

Leo: Wie sieht so ein typischer Arbeitstag aus? Haben Sie überhaupt einen typischen Alltag?

THiLO: Auch das ist sehr unterschiedlich. Mal ist es wie bei den meisten anderen Menschen, ich beginne um 8 Uhr und höre um 17 Uhr auf. Oft schreibe ich aber auch an Sonntagen oder abends. Da ich so unglaublich gerne schreibe, habe ich dann trotzdem nicht das Gefühl, dass ich gerade arbeite.

Leo: Wie kommen Sie auf die zahlreichen Ideen? Gibt es Vorgaben von Verlagen? Oder schreiben Sie einfach, was Ihnen in den Sinn kommt? Was machen Sie, um Ideen zu sammeln?

THiLO: Die Ideen gehen mir tatsächlich nie aus – bisher jedenfalls. Es kann sein, dass das mit den vielen Büchern zu tun hat, die ich als Kind verschlungen habe. Generell sind ja alle guten Geschichten ähnlich aufgebaut, also das Skelett ist gleich, sozusagen. Das Fleisch ist dann neu. Und wenn ich mitten in einer Geschichte steckenbleibe, gehe ich auf den Friedhof, zu den ganz alten Gräbern. Ich lese mir die Namen und Daten durch und sofort rattert es in meinem Kopf los, wie deren Leben wohl gewesen ist. Das setzt dann auch andere Ideen frei.

Leo: Wer darf Ihre neuen Texte und Werke als erstes lesen?

THiLO: Meine Texte lesen immer die Lektor/Innen als Erste nach mir. Früher habe ich meistens meinen Kindern sofort die fertigen Geschichten vorgelesen. Aber die sind nun alle schon zu alt für Kinderbücher und noch nicht alt genug, um wieder welche zu lesen. Manchmal, wenn ich Rat brauche, lese ich ihnen aber doch ein, zwei Kapitel vor. Und was sie mir sagen, setze ich um.

Leo: Zum Thema Leseförderung habe ich mal gehört, dass die Zahl der lesenden Kinder wieder steigt. Das finde ich gut. Was müsste man tun, um Kindern (und deren Eltern) das Thema „Lesen“ näherzubringen?

THiLO: Erstens natürlich von klein an Vorlesen, aber nicht so nebenbei, sondern am besten in kuscheliger Umgebung. Dann wird Lesen generell mit Wohlfühlen verbunden. Zweitens ist es gut, wenn die Eltern selbst lesen und ruhig auch mal sagen: „Ich kann gerade nicht, mein Buch ist so spannend.“ Das macht dann neugierig, was es mit diesen schwarzen Zeichen auf dem Papier auf sich hat. Und drittens sollte man als Eltern nicht in gute und schlechte Literatur einteilen. Comics sind genauso gut geeignet, ein Kind zum Leser zu machen, wie Bücher. Auch Eltern lesen ja nicht immer nur Goethe oder THiLO, sondern auch mal leichte Unterhaltung.

Leo: Welches Ihrer eigenen Bücher ist Ihr liebstes Buch? Mögen Sie eins mehr als alle anderen?

THiLO: Ich mag tatsächlich fast alle meiner Bücher immer noch sehr, sehr gerne. Das ist wie, wenn man viele Kinder hat: Alle sind verschiedenen, aber ich liebe sie alle gleich stark. Es gibt unter ihnen keines (jetzt meine ich wieder die Bücher), für das ich mich heute schäme (für meine Kinder sowieso nicht…)

Leo: Sie schreiben sehr viel. Wie lange benötigen Sie im Schnitt für ein Buchprojekt?

THiLO: Ich bin tatsächlich ein sehr schneller Schreiber. Und je weniger Zeit ich für ein Buch habe, desto besser wird es. Oft vergesse ich dann, was ich geschrieben habe und erkenne ganze Kapitel nicht wieder, wenn ich es gedruckt in Händen halte. Als Journalist mussten die Texte für die 12 Uhr Nachrichten um 11 Uhr 30 fertig sein, um 12 Uhr 1 konnte sie niemand mehr gebrauchen.

Leo: Ich habe auf Instagram bei Ihnen reingeschaut und bin erstaunt. Der Account ist mal so ganz anders, als der von anderen Autoren. Finde ich cool. Die meisten Instagram Accounts gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Kennt man einen, kennt man alle. Ihr Account ist ja noch relativ neu, wie kam es dazu? Weil alle einen haben und es zeitgemäß ist? Oder hatten Sie Langeweile während der Corona-freien Zeit? Wurden Sie etwa von Ihren Kindern dazu überredet? Wie viel Zeit investieren Sie in Ihre Social Media Aktivität?

THiLO: Langeweile habe ich nie. Aber mein Einstieg bei Instagram war eine Folge von anderen Projekten, die ich im Corona-April begonnen habe. Da allein in diesem Jahr 80 Lesungen von mir ausgefallen sind, habe ich einen Weg gesucht, um mit meinen Lesern, deren Eltern, BuchhändlerInnen und BibliothekarInnen in Kontakt zu bleiben. Meine Kinder haben mir dabei gute Tipps gegeben. Ich wollte einen Account haben, der meinen Abonnenten auch wirklich einen Gewinn bringt, nicht nur immer meine neusten Bücher in einem Karton zeigen. Ich erzähle etwas von mir, dazu gibt es schöne Bilder. Manchmal bin ich damit 15 Minuten beschäftigt, an manchen Tagen aber auch mal 3 Stunden.

Leo: Welchen ultimativen Tipp können Sie mir geben, damit das mit meinem Berufswunsch, Buchautorin zu werden, auch klappt?

THiLO: Oh, schwere Frage. Bei mir war es ganz leicht. Ich hatte vorher schon jede Menge Drehbücher fürs Kinderfernsehen geschrieben, Sesamstraße, Bibi & Tina, Schloss Einstein, Siebenstein und andere. Da hat mein erster Verlag natürlich Hurra! geschrien, als ich sie angerufen habe. Mein Tipp ist nur: Schreibe einfach weiter. Lass diese Geschichte liegen und beginne eine ganz neue. Und dann noch eine. Es wird automatisch immer besser.

Leo: Sie bieten auch Schreibworkshops an. Das klingt ziemlich interessant. Was sind das für Menschen, die da mitmachen? Sind wirklich alle schreibbegabt?

THiLO: Zu den Workshops kommen Menschen mit unterschiedlichstem Anspruch. Manche wollen in den nächsten 12 Monaten einen Bestseller in den Buchcharts haben, andere nur für ihre Nachfahren ihre Lebensgeschichte spannend aufschreiben. Manche haben schon Kurzgeschichten veröffentlicht, manche noch kein Wort zu Papier gebracht. Bei manchen wird es wahrscheinlich nicht zu einem Buchvertrag reichen, aber unbegabt zum Schreiben ist niemand. Ich zeige ihnen dann einige Tricks, das Handwerkszeug sozusagen. Viele kommen aber auch zu mir, um sich einfach eine Woche lang voll aufs Schreiben konzentrieren zu können. Bei meinen Workshops stört nichts, es gibt keinen Lärm, alle Teilnehmer waren ausnahmslos sehr nett und die Landschaft drumherum ist schön – und obendrein stehe ich mit Rat und Tat zur Seite.

Leo: Während der letzten Monate mussten wir alle unser Leben umstellen. Was haben Sie die letzten vier Monate gemacht? Hat sich für Sie viel geändert? Schreiben kann man ja auch trotz Corona, aber fehlen Ihnen die öffentlichen Auftritte bzw. Lesungen?

THiLO: Bei mir sind ab Mitte März alle Lesungen weggefallen. Plötzlich hatte ich unerwartet viel freie Zeit – um mal etwas Positives in dem Ganzen zu sehen. Wie Millionen andere Menschen auch war ich mit meinen Kindern den ganzen Tag zuhause. Da kam mir die Idee, einen Escape-Room zum Ausdrucken zu entwickeln. Die Lockdown-Agents sind kein Buch oder Spiel, das man am Tisch macht, sondern die ganze Wohnung wird in einen Escape-Room verwandelt. Alles, was man dazu braucht, ist in der PDF enthalten, die man auf www.thilos-gute-seite.de herunterladen kann. Das Thema war dann sofort in vielen Zeitungen und ich wurde zu Online-Workshops eingeladen – und das Abenteuer wurde bis jetzt schon fast 10.000 mal heruntergeladen.
Die öffentlichen Auftritte, besonders die Kontakte zu meinen LeserInnen fehlen mir natürlich. Aber ich nehme es so hin, wie es ist. Irgendwann komme ich zurück in die Schulen, Buchhandlungen und Bibliotheken und dann wissen alle diese Lesungen noch mehr zu schätzen.

Wer noch mehr über THiLO erfahren möchte, darf nun gerne zur Homepage des Autors springen. Dort findet ihr übrigens auch die Abenteuer der Lockdown-Agents.

{Rezension} Lia Sturmgold
Die Macht der Kristalle (Bd. 1)

Lia Sturmgold
Die Macht der Kristalle (Bd. 1)
von Aniela Ley

dtv junior
Hardcover
240 Seiten
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
ISBN: 978-3-423-76307-3
Ersterscheinung: 24.07.2020

Inhalt:
Die elfjährige Lia steckt aufgrund eines misslungenen Zaubers der Elfenprinzessin Asalia nun in deren Körper fest. Asalia Laliala Pergusta von Silberhaar ist eine Luftprinzessin und treibt nun in Lias Körper ihr Unwesen bei den Menschen. Asalias Bruder Dorient hingegen versucht, Lia zu helfen, denn sie muss das Elfeninternat „Springwasser“ besuchen. Allerdings muss Lia aufpassen, denn es darf niemand erfahren, dass sie gar nicht die echte Asalia ist…

Meinung:
Bei diesem Cover war es um mich geschehen, es war Liebe auf den ersten Blick. Das Cover ist ein Traum! Leider gibt es im Buch keine Illustrationen, was aber eigentlich auch nicht tragisch ist, denn aufgrund des bildlichen Schreibstils konnte ich mir alles sehr gut vorstellen. Die magische Welt um das Elfeninternat hat mich fasziniert. Aniela Ley hat es tatsächlich geschafft, das fantasievoll dargestellte Elfenreich zum Leben zu erwecken. Dieser erste Band der bezaubernden Elfenmädchen-Serie ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Die Vorstellung, den Körper mit einer Elfenprinzessin zu tauschen, fand ich übrigens ziemlich amüsant. Lia meistert ihre Aufgabe bestens und wächst über sich hinaus. Dieses magische Abenteuer ist eine zauberhafte Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt und zeigt uns, dass es sich lohnt, seinen Freunden beizustehen. Ich freue mich jetzt schon riesig auf die Fortsetzung.

Fazit:
„Die Macht der Kristalle“ von Aniela Ley ist ein gelungener Auftakt der zauberhaften „Lia Sturmgold“-Reihe. Diese spannende und lustige Geschichte empfehle ich Mädchen ab 10 Jahren, die gerne in magische und fantastische Welten eintauchen. Von mir gibt es sehr gute 4,5 von 5 Sternchen.

Herzlichen Dank an den dtv junior Verlag für dieses Rezensionsexemplar.