{Rezension} The One I Stood Beside
(Bd. 2 der „Plain Daisy Ranch“-Reihe)

The One I Stood Beside
(Bd. 2 der „Plain Daisy Ranch“-Reihe)
von Piper Rayne

Forever by Ullstein
Paperback
336 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-95818-835-8
Ersterscheinung: 26.06.2025

Inhalt:
Sadie steht nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters vor dem Nichts – die elterliche Farm droht versteigert zu werden. In dieser schwierigen Zeit ist ihr bester Freund Jude wie immer an ihrer Seite. Um Sadie vor dem finanziellen Ruin zu bewahren, macht Jude ihr einen ungewöhnlichen Vorschlag: eine Scheinehe, um gemeinsam einen Kredit zu bekommen. Was er nicht weiß: Sadie ist längst heimlich in ihn verliebt. Während die beiden ihre Hochzeit vorbereiten, verschwimmen die Grenzen zwischen Freundschaft und Liebe – doch Jude scheint ihre Gefühle nicht zu erwidern, oder?

Meinung:
Ich liebe Fake-Marriage-Tropes, besonders wenn sie mit einer langjährigen Freundschaft verwoben sind. Was das Autorinnen-Duo Piper Rayne in diesem Roman abliefert, ist für mich eine herzerwärmende Friends-to-Lovers-Romance mit Wohlfühlcharakter und genau dem richtigen Maß an Spice. Was mich sofort abgeholt hat, war die Atmosphäre. Das Setting auf der Farm und die Kleinstadt Willowbrook strahlen genau die Art von ländlicher Ruhe, familiärer Nähe und Gemeinschaft aus, die ich in diesem Genre suche. Es ist wie Heimkommen – mit all den charmanten Nebenfiguren, liebevollen Details und neckischen Brüdern, die die Geschichte lebendig machen, ohne je vom Kern der Handlung abzulenken. Sadie und Jude sind kein typisches Paar. Beide über 30, mit einer Vergangenheit und echten Sorgen im Gepäck. Dass sie sich seit Kindertagen kennen, macht ihre Verbindung umso glaubwürdiger – und umso schmerzhafter ist es, mitanzusehen, wie sie sich emotional umeinander herumdrücken. Gerade Sadies Zurückhaltung, ihre Gefühle zu offenbaren, war absolut nachvollziehbar, wenn auch manchmal etwas zu zaghaft für meinen Geschmack. Jude hingegen war für mich das emotionale Highlight. Er wirkt auf den ersten Blick verschlossen, grummelig und eher praktisch veranlagt. Aber sobald es um Sadie geht, wird er weich, fürsorglich und überlegt. Seine innere Entwicklung, das langsame Loslassen alter Glaubenssätze und sein Ringen mit der eigenen Verletzlichkeit, haben mich tief berührt. Ich fand es schön, dass die Autorinnen sich Zeit genommen haben, seine Perspektive ausführlich zu beleuchten. Was ich mir mehr gewünscht hätte, ist erzählerischer Raum für die wirklich wichtigen emotionalen Momente. Einige Szenen – insbesondere rund um die Hochzeit – wirkten zu kurz oder zu abrupt beendet. Auch das Ende war mir ein wenig zu glatt gebügelt, als würde man einem dramatischen Konflikt aus dem Weg gehen. Hier hätte ich mehr Mut zur Tiefe begrüßt. Ebenso waren manche Spice-Szenen sehr früh und etwas zu dominant gesetzt – nicht schlecht geschrieben, aber sie hätten besser gewirkt, wenn die emotionale Nähe vorher stärker aufgebaut worden wäre. Trotzdem: Die Geschichte schafft es, zu berühren. Nicht durch große Plot-Twists, sondern durch ehrliche Emotionen, liebevoll geschriebene Dialoge und eine sanfte Entwicklung, die sich realistisch anfühlt – keine aufgebauschten Missverständnisse, keine gezwungenen Spannungsbögen, sondern zwei Menschen, die sich trauen, ihr Herz zu öffnen.

Fazit:
„The One I Stood Beside“ von Piper Rayne ist eine gefühlvolle, charmante Friends-to-Lovers-Romance mit einer stimmungsvollen Kleinstadt-Atmosphäre und einer großen Portion Herz. Die Fake-Marriage bietet nicht nur Raum für knisternde Szenen, sondern auch für emotionale Tiefe – selbst wenn Letztere an manchen Stellen hätte stärker ausgebaut werden dürfen. Dank der liebenswerten Figuren, des authentischen Settings und des angenehmen Stils gibt es von mir 4 von 5 Sternchen. Ein Buch zum Wohlfühlen, Schmunzeln und Mitfiebern – besonders für Fans von Slow Burn, Cowboys und heimlicher Liebe.

{Rezension} Und plötzlich ist es wunderbar

Und plötzlich ist es wunderbar
von Mhairi McFarlane
übersetzt von Maria Hochsieder

Knaur TB
Taschenbuch
416 Seiten
Originaltitel: You Belong With Me
ISBN: 978-3-426-56038-9
Ersterscheinung: 01.07.2025

Wie behältst du deinen Traum-Mann,
wenn ihn auch alle anderen wollen?

Inhalt:
Edie lebt in Nottingham, fernab vom Glamour der Filmwelt, während Elliot, ein berühmter Schauspieler, in Hollywood Karriere macht. Einst verband sie eine intensive Liebe, doch der Druck von Öffentlichkeit, Zeitverschiebung und grundverschiedenen Lebenswelten ließ ihre Beziehung zerbrechen. Nun, an Weihnachten, steht Elliot plötzlich wieder vor Edies Tür – mit einem Geständnis: Er will es noch einmal versuchen. Die alten Gefühle flammen auf, doch schon bald werden Edie und Elliot erneut von Problemen eingeholt – zwischen Medienrummel, räumlicher Trennung und Zweifeln am Fundament ihrer Beziehung. Als auch noch Edies neuer Kollege Declan ins Spiel kommt, stellt sich die Frage, ob Liebe allein wirklich reicht.

Meinung:
Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, denn Mhairi McFarlane steht für scharfsinnige Dialoge, unaufgeregten Humor und echte Emotionen. Doch diesmal fiel mir der Einstieg ungewöhnlich schwer. Vielleicht, weil ich den Vorgängerroman vor Jahren gelesen hatte und mir kaum etwas aus der damaligen Geschichte präsent war. Es wurde zwar behauptet, man könne beide Bände unabhängig voneinander lesen, doch davon hatte ich beim Lesen wenig gemerkt. Viele Figurenbeziehungen wirkten zunächst unklar, manche Nebenfiguren fast schon überflüssig oder blass. Die Ausgangsidee – Was passiert nach dem Happy End? – finde ich grundsätzlich spannend und realitätsnah. Nur leider fühlte sich genau dieses „Danach“ über weite Strecken erstaunlich spannungsarm an. Edie und Elliot führen eine Fernbeziehung, aber statt Fernweh und Herzklopfen spürt man vor allem Unsicherheit, Misstrauen und emotionale Distanz. Es fehlt die Chemie. Es fehlt das Prickeln. Die wenigen gemeinsamen Szenen der beiden wirken eher bemüht als berührend. Zwar wird mit dem Einfluss der Medien ein reales Thema angesprochen, doch auch diese Spannungsebene verliert mit der Zeit an Zugkraft, weil sich vieles wiederholt und die Handlung oft auf der Stelle tritt. Declan, die neue Figur, hätte frischen Wind bringen können – potenzieller Love Interest oder wenigstens ein Katalysator für Edies Entwicklung. Aber auch er bleibt farblos und wird letztlich kaum relevant für die Handlung. Statt überraschender Wendungen gibt es vorhersehbare Konflikte, statt Aufbruch eher ein Kreisen um alte Unsicherheiten. Der Sprachstil bleibt zwar typisch McFarlane – pointiert, stellenweise witzig –, aber ohne die gewohnte emotionale Tiefe. Nur einige Dialoge und Nebenfiguren wie Edies schräge Schwester oder Elliots Bruder konnten mich aufhorchen lassen. Ich habe das Buch nicht abgebrochen – es war nett, streckenweise unterhaltsam, stellenweise sogar klug – aber es hat mich nicht gepackt. Das Gefühl, unbedingt weiterlesen zu müssen, stellte sich einfach nicht ein.

Fazit:
„Und plötzlich ist es wunderbar“ von Mhairi McFarlane setzt die Geschichte von Edie und Elliot fort, bleibt dabei aber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Der Roman ist nett geschrieben, mit gelungenen Dialogen und einer interessanten Grundidee – doch mangelt es an emotionaler Tiefe und erzählerischem Drive. Die Liebesgeschichte wirkt oft distanziert, die Figurenentwicklung bleibt flach, und auch potenzielle Spannungsmomente verlaufen im Sande. Wer den ersten Band mochte, mag sich über das Wiedersehen mit bekannten Figuren freuen – für alle anderen könnte es schwer sein, in diese Geschichte wirklich hineinzufinden. Von mir gibt es dieses Mal leider nur 3,5 von 5 Sternchen.

{Rezension} Bye bye, Butterfly

Bye bye, Butterfly
von Sandra Maiterth

Independently published
Taschenbuch
Romance
340 Seiten
Meine persönliche Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 979-8282921694
Ersterscheinung: 21.06.2025

Manchmal fliegt das Herz dorthin zurück, wo es einst gebrochen wurde.

Inhalt:
Als Emilia und Liam sich zum ersten Mal begegnen, scheint alles zu passen – bis ein unglückliches Missverständnis sie auseinanderreißt. Fünf Jahre später treffen sie erneut aufeinander, diesmal unter anderen Umständen. Alte Gefühle flammen wieder auf, aber auch alte Verletzungen und Unsicherheiten mischen sich ein. Beide stehen vor der Entscheidung, ob sie der Vergangenheit trotzen und dem anderen erneut vertrauen können – oder ob der Schmerz von damals doch zu tief sitzt.

Meinung:
Dieser Liebesroman hat mich mit einer klaren Stärke sofort abgeholt: dem Perspektivwechsel zwischen Emilia und Liam. Diese abwechselnde Erzählweise bringt eine schöne Dynamik in die Geschichte und ermöglicht tiefe Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt beider Figuren. Gerade zu Beginn funktioniert das sehr gut – die Annäherung wirkt glaubwürdig, die Atmosphäre ist dicht, das Zusammenspiel von Emotion und Zurückhaltung feinfühlig gestaltet. Die Sprache ist schnörkellos, oft knapp, manchmal fast fragmentarisch, was den Lesefluss erleichtert und dem Roman eine gewisse Leichtigkeit verleiht, selbst wenn die Themen emotional schwerer wiegen. Man merkt dem Buch an, dass die Autorin ein Gespür für zwischenmenschliche Spannungen hat. Die Art, wie Missverständnisse, unausgesprochene Gefühle und alte Verletzungen in die Begegnung zwischen den Protagonisten einfließen, wirkt in vielen Momenten authentisch und nachvollziehbar. Allerdings schleichen sich ab der Mitte der Geschichte gewisse Längen ein. Die Dynamik zwischen Emilia und Liam beginnt sich zu wiederholen, und einige Konflikte wirken ein wenig konstruiert, als hätte man das Drama bewusst hochgedreht, um Spannung zu erzeugen. Das ist nicht unbedingt störend, aber es nimmt der Handlung stellenweise ihre Natürlichkeit. Trotzdem bleibt das Buch emotional zugänglich und hält die Verbindung zu seinen Figuren aufrecht. Besonders Lesende, die gerne in Gefühlen schwelgen, aber keine Lust auf unnötig komplizierte Handlungsstränge haben, werden hier auf ihre Kosten kommen. Man spürt, dass Sandra Maiterth beim Schreiben Herzblut investiert hat – die Geschichte wirkt persönlich, fast vertraut, wie ein Gespräch mit einer guten Freundin über eine alte Liebe, die nie ganz verschwunden ist. Insgesamt ist „Bye bye, Butterfly“ ein gelungener Debütroman, der sich trotz kleiner Schwächen durch seine emotionale Ehrlichkeit und die Nähe zu seinen Figuren auszeichnet. Kein lauter, aber ein aufrichtiger Roman, der die Sehnsucht nach einem echten Neuanfang auf leise Weise greifbar macht.

Fazit:
„Bye bye, Butterfly“ von Sandra Maiterth ist ein emotionaler Roman über Vertrauen, Trennung und das Wagnis eines Neuanfangs. Trotz kleiner Schwächen in der Dramaturgie und einem teils überinszenierten Mittelteil überzeugt die Geschichte durch einfühlsame Figuren, Perspektivwechsel und einen flüssigen Schreibstil. Für ein Debüt bemerkenswert stimmig – und absolut lesenswert für Fans von zweiten Chancen und großen Gefühlen. Ich vergebe sehr gerne 4 von 5 Sternchen.

{Rezension} Knights & Heirs
Die Erben der Schlange (Bd. 2)

Knights & Heirs
Die Erben der Schlange (Bd. 2)
von Rena Fischer

Oetinger Verlag
Paperback
Jugendbuch
464 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7512-0539-9
Ersterscheinung: 11.07.2025

Ihre Gabe macht sie zur Gejagten – und ihn zum Jäger.

Inhalt:
Nach den schockierenden Enthüllungen am Ende des ersten Bandes ist für Mags nichts mehr, wie es war. Verrat und Misstrauen umgeben sie, selbst die Menschen, denen sie einst vertraute, scheinen eigene Ziele zu verfolgen. Um Antworten auf ihre Herkunft, ihre Fähigkeiten und die wahren Absichten der geheimen Organisation zu finden, begibt sie sich mit Stella auf eine gefährliche Reise. Dabei stößt sie auf die Gegenspieler der Knights, die Heirs of the Serpent – und auf Wahrheiten, die ihre bisherige Welt in Frage stellen. Währenddessen hat sich der Konflikt zwischen den verfeindeten Logen zugespitzt, und auch Cyrus steht vor einer Entscheidung, die nicht nur sein eigenes Schicksal, sondern das vieler verändern könnte.

Meinung:
Ich habe selten ein Finale gelesen, das mich so atemlos zurückgelassen hat. Dieser zweite Band der fesselnden Romantasy-Dilogie knüpft nahtlos an den ersten Band an – keine Wiederholungen, kein langes Einleiten, sondern ein direktes Eintauchen in eine Welt voller Verschwörungen, düsterer Geheimnisse und moralischer Grauzonen. Was mir an diesem Buch besonders gefallen hat, ist die emotionale Tiefe: Mags ist nicht mehr das naive Mädchen, sondern eine junge Frau, die kämpfen muss – für sich, für die Wahrheit, für eine Liebe, die eigentlich nicht sein darf. Ihre Entwicklung ist glaubhaft, vielschichtig und manchmal schmerzhaft mitanzusehen, gerade weil sie so echt wirkt. Cyrus hingegen bleibt ein faszinierendes Rätsel. Seine Zerrissenheit hat mich während des gesamten Buchs beschäftigt – er steht zwischen Familie, Verpflichtung und einer Liebe, die ihn verändert. Es ist diese ständige Unsicherheit, die ihn so spannend macht. Auch die Nebencharaktere, insbesondere Stella, bekommen Tiefe und Relevanz, was der Geschichte zusätzlichen Reiz verleiht. Der Plot? Grandios. Die Enthüllungen kamen oft überraschend, aber nie unlogisch. Es ist ein langsamer Aufbau, der in einem dramatischen Showdown mündet, der nicht nur actiongeladen, sondern auch emotional mitreißend ist. Rena Fischer hat ein großartiges Gespür für Timing und setzt ihre Twists gezielt ein – nicht überladen, sondern genau richtig dosiert. Auch die Perspektivwechsel bereichern die Story ungemein, da sie neue Blickwinkel eröffnen und die Komplexität der Ereignisse greifbarer machen. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt das Ende – einige Fragen rund um die Tabletten, ihre Folgen und langfristige Auswirkungen bleiben offen. Gleichzeitig empfinde ich diese Offenheit nicht als störend, sondern eher als realistisches Stilmittel: Nicht alles im Leben lässt sich abschließend erklären, und das verleiht dem Finale einen Hauch von Nachdenklichkeit. Vielleicht ein versteckter Wink auf ein mögliches Spin-Off? Ich würde es lesen. Sofort.

Fazit:
„Knights & Heirs – Die Erben der Schlange“ von Rena Fischer ist ein spannendes und emotionales Finale, das durch eine dichte Atmosphäre, überraschende Wendungen und starke Charakterentwicklungen überzeugt. Die Geschichte hält konstant die Spannung, erweitert geschickt das Worldbuilding und liefert einen stimmigen Abschluss, der dennoch Raum für Gedanken lässt. Besonders beeindruckend ist die Fähigkeit der Autorin, komplexe Zusammenhänge greifbar zu machen und dabei stets die emotionale Ebene im Blick zu behalten. Eine eindringliche Urban Fantasy voller Geheimnisse, Machtspiele und innerer Konflikte. Von mir gibt es verdientermaßen 5 von 5 Sternchen.

Lieblingszitat:
„Ich starre ihm hinterher und fühle mich, als hätte er mich und die ganze Welt um mich herum in Brand gesteckt.“ (S. 175)


{Rezension} My Next Breath
Die Geschichte meines Überlebens

My Next Breath
Die Geschichte meines Überlebens
von Jeremy Renner

Penguin Verlag
Hardcover mit Schutzumschlag
288 Seiten
ISBN: 978-3-328-60415-0
Ersterscheinung: 29.04.2025

Inhalt:
Der schneebedeckte Neujahrsmorgen 2023 endet für Jeremy Renner beinahe tödlich: Beim Versuch, seinen Neffen vor einer tonnenschweren Pistenraupe zu retten, wird er selbst überrollt und erleidet schwerste Verletzungen. In diesem sehr persönlichen Buch schildert er nicht nur den dramatischen Unfallhergang, sondern vor allem seinen Kampf zurück ins Leben – physisch wie emotional. Er blickt dabei zurück auf sein bisheriges Leben, erzählt von Familie, Karriere, Trauer, Dankbarkeit und dem unbedingten Willen, weiterzumachen. Dabei steht weniger der Hollywood-Star im Fokus als vielmehr der Mensch hinter dem Namen, der neu lernen muss, zu atmen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Meinung:
„My Next Breath“ ist kein klassisches Promi-Buch. Es ist ein roher, mitunter ungeschliffener und emotional aufgeladener Seelenstriptease eines Mannes, der mehr verloren als gewonnen hat – und gerade daraus seine Kraft schöpft. Jeremy Renner nimmt kein Blatt vor den Mund, weder wenn es um die brutal detaillierte Schilderung seines Unfalls geht, noch wenn er über seine Ängste, Selbstzweifel oder auch – und das durchaus selbstkritisch – über sein Verhalten während der Genesung spricht. Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Fokus auf zwischenmenschliche Verbindungen: Seine Liebe zu seiner Tochter, seine enge Bindung zu seiner Familie und die Dankbarkeit gegenüber Ersthelfern und medizinischem Personal nehmen viel Raum ein. Diese Passagen sind nicht nur ergreifend, sondern auch authentisch und geben dem Buch eine emotionale Tiefe, die ich so nicht erwartet hatte. Nicht jeder Abschnitt ist perfekt: Es gibt viele Wiederholungen, teilweise wirkt das Buch unstrukturiert oder zu sprunghaft. Manche Lesende könnten sich daran stören, wie sehr sich Renner selbst in den Mittelpunkt stellt. Ich persönlich hatte jedoch das Gefühl, dass dies weniger aus Eitelkeit geschieht als vielmehr aus dem Versuch heraus, Kontrolle über ein traumatisches Erlebnis zu gewinnen. Dass er dabei manchmal poltert, flucht oder sich im Ton vergreift – geschenkt. Er ist Schauspieler, kein Schriftsteller. Und gerade diese Unvollkommenheit macht den Text stellenweise fast intimer als Tagebucheinträge. Wer eine klassische Heldenreise mit Hochglanzmotivationssprüchen erwartet, wird enttäuscht sein. Aber wer sich auf ein echtes, manchmal unbequemes, aber ehrlich gemeintes Zeugnis von Schmerz, Überlebenswillen und Reflexion einlassen kann, wird dieses Buch mit einem Kloß im Hals, aber auch mit Hoffnung im Herzen zuschlagen.

Fazit:
„My Next Breath – Die Geschichte meines Überlebens“ von Jeremy Renner ist eine zutiefst persönliche Erzählung über Schmerz, Widerstandskraft und den langen Weg zurück ins Leben nach einem tragischen Unfall. Es ist kein perfektes Buch, aber ein ehrliches – manchmal roh, manchmal wiederholend, aber stets getragen von echter Emotion. Jeremy Renner zeigt sich verletzlich, menschlich und mit einem Humor, der selbst im größten Leid nicht versagt. Für seine Offenheit, seine Intensität und den Mut zur Unvollkommenheit vergebe ich 4 von 5 Sternchen.