{Rezension} Cat People: Eine Lovestory

Cat People
Eine Lovestory von Lea Melcher

Coppenrath Verlag
Hardcover
Graphic Novel
184 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-649-64866-6
Ersterscheinung: 01.08.2025

Inhalt:
Die Geschichte beginnt an einem ruhigen Silvesterabend, den Mia als Katzensitterin bei den beiden Katzen Specki und Möhrchen verbringen will. Doch plötzlich steht Alfie, der Neffe der Besitzerin, vor der Tür – ebenfalls mit dem Auftrag, auf die Tiere aufzupassen. Da keiner von beiden auf den bezahlten Job verzichten will, müssen sie sich wohl oder übel arrangieren. Zwischen Funken, Fellpflege und einem kleinen Katzendrama entwickelt sich eine unerwartete Nähe. Doch ist Alfie wirklich der, der er vorgibt zu sein?

Meinung:
Diese Geschichte hat mich mit ihrem liebevollen Setting sofort abgeholt. Die Kombination aus einem ruhigen Silvesterabend, zwei flauschigen Katzen, gemütlicher Wohnung und leichtem Romantik-Flair ist wie gemacht für eine warme Decke und eine Tasse Tee. Vor allem die Illustrationen sind ein absolutes Highlight – jedes Bild wirkt durchdacht, stimmungsvoll und steckt voller kleiner, liebevoller Details. Besonders die Szenen mit den Katzen sind nicht nur realistisch, sondern auch unglaublich charmant dargestellt. Was mich hingegen etwas enttäuscht hat, war die Entwicklung der Handlung. Die erste Hälfte verläuft fast märchenhaft – eine zaghafte Annäherung zweier Fremder, unterstützt durch eine wohlig-winterliche Atmosphäre und viel nonverbale Kommunikation. Doch gegen Ende driftet die Geschichte plötzlich in eine Richtung ab, die nicht mehr recht zum vorher aufgebauten Ton passt. Der Spannungsbogen wirkt zu überhastet, und die überraschende Wendung lässt viele Fragen offen, ohne ausreichend aufgelöst zu werden. Dabei hätte es dem Ganzen gutgetan, sich ein paar Seiten mehr Zeit zu nehmen, um die emotionale Tiefe zwischen den Figuren glaubwürdig zu entwickeln. Auch die beiden Hauptfiguren blieben für mich streckenweise blass. Während Mia zu Beginn sehr nahbar wirkte, verlor sie gegen Ende etwas an Kontur. Alfie hingegen blieb mir über weite Strecken fremd – vielleicht gewollt, aber das erschwerte die emotionale Bindung. Die Beziehung der beiden, so nett sie zunächst angedeutet war, wirkte am Schluss etwas konstruiert. Trotzdem hatte ich Freude an dieser Lektüre – vor allem durch die visuelle Gestaltung und die liebevolle Darstellung der tierischen Begleiter. Nur schade, dass die Handlung erzählerisch nicht ganz mit der zeichnerischen Qualität mithalten konnte.

Fazit:
„Cat People: Eine Lovestory“ von Lea Melcher ist eine wunderschön illustrierte Graphic Novel mit atmosphärischem Setting, süßen Katzen und einem vielversprechenden Beginn. Die romantische Geschichte entwickelt sich charmant, verliert jedoch zum Ende hin an Glaubwürdigkeit und hinterlässt einige lose Fäden. Trotz der Schwächen in der Handlung sind die Zeichnungen ein echter Genuss. Von mir gibt es lieb gemeinte 3 von 5 Sternchen.

{Rezension} Gondelküsse und Zeitensprünge

Gondelküsse und Zeitensprünge
von Stefanie Gerstenberger

Fischer Sauerländer
Paperback
Jugendbuch
368 Seiten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-7373-7396-8
Ersterscheinung: 16.07.2025

Lucia geht die Liebe suchen

Inhalt:
Die sechzehnjährige Lucy reist im verregneten November eher widerwillig zu ihrem Vater nach Venedig. Statt Dolce Vita erwartet sie trübes Wetter, viele alte Leute – und zunächst keinerlei Abenteuer. Doch als sie aus Versehen den Koffer eines fremden Jungen mitnimmt, dem geheimnisvollen Typen mit der Wollmütze, den sie auf dem Boot gesehen hat, beginnt für Lucy eine Reise, die alles andere als gewöhnlich ist. Zwischen engen Gassen, einem seltsamen Trödelladen und einem jungen Mann aus einer ganz anderen Zeit findet sie sich plötzlich mitten in einem magischen Abenteuer wieder.

Meinung:
Dieser Jugendroman ist so ein Buch, das man eigentlich nur mal kurz anlesen will und dann abends um eins feststellt, dass man gerade aus Venedig zurückgekehrt ist. Ich hatte große Freude daran, Lucy durch dieses liebevoll geschriebene Abenteuer zu begleiten. Ihre Stimme ist echt, sensibel und sehr glaubwürdig für eine Jugendliche, die nach einem Unfall nicht nur körperliche, sondern auch seelische Wunden mit sich trägt. Man merkt ihr an, dass sie sich noch nicht ganz wiedergefunden hat. Die Geschichte lebt von kleinen Überraschungen, einer wunderbar verwinkelten Stadt voller Flair, und Figuren, die genauso charmant wie schräg sind. Auch die romantischen Elemente haben mich überzeugt – nicht zu kitschig, sondern eher süß und leicht schwebend wie die Gondeln auf dem Wasser. Was Stefanie Gerstenberger besonders gut gelingt, ist die Balance zwischen Realität und Magie. Die fantastischen Elemente wirken nie zu aufgesetzt, sondern fügen sich ganz natürlich in die melancholisch-schöne Atmosphäre Venedigs ein. Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass das Ende ein wenig abrupt wirkte. Da hätte ich mir ein paar Seiten mehr gewünscht, um bestimmte Entwicklungen noch runder abzuschließen.

Fazit:
Stefanie Gerstenberger hat mit „Gondelküsse und Zeitensprünge“ eine wunderbar warme, charmante Geschichte geschrieben, die Jugendliche ab 12 Jahren ebenso fesseln wird wie ältere Fans von Cozy Romance mit magischem Einschlag. Von mir gibt es 4 von 5 Sternchen.

{Rezension} Not My Problem

Not My Problem
von Ciara Smyth

Magellan Verlag
Paperback
Young Adult-Romance
384 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7348-507–8
Ersterscheinung: 18.01.2024

Inhalt:
Aideen ist ein ganz normales Teenagermädchen – zumindest auf den ersten Blick. Doch hinter ihrem scharfen Humor und ihrer coolen Fassade verbirgt sich ein ganzes Bündel ungelöster Probleme: Ihre Mutter trinkt, in der Schule kommt sie kaum mit, und ihre soziale Welt ist auf eine einzige (nicht ganz gesunde) Freundschaft beschränkt. Als sie mitbekommt, wie die überforderte Musterschülerin Meabh kurz vor dem Nervenzusammenbruch steht, bietet sie Hilfe an – auf ihre eigene schräge Art. Ein kleiner, eigentlich verrückter Gefallen wird zum Anfang einer seltsamen Art von Problemlöser-Service, der Aideen nicht nur neue Aufgaben, sondern auch neue Freundschaften und eine unerwartete Liebe bringt.

Meinung:
Ich habe Aideen von der ersten Seite an geliebt. Nicht, weil sie perfekt ist, sondern gerade, weil sie es nicht ist. Sie ist sarkastisch, widersprüchlich, impulsiv, klug und manchmal gnadenlos unfair. Aber sie ist auch verletzlich, loyal und wahnsinnig echt. Diese Art von Figur, die man sofort in den Arm nehmen oder anschreien will – je nach Szene. Was mich besonders bewegt hat, ist die Art, wie die Autorin mit schweren Themen wie Alkoholismus, Einsamkeit, soziale Unsicherheit umgeht. Das Buch macht kein großes Drama daraus, sondern lässt all das einfach da sein. Wie im echten Leben. Und trotzdem ist die Geschichte durchzogen von einem ganz eigenen Humor, der nie respektlos, aber oft bitter-komisch ist. Ich habe stellenweise laut gelacht und dann eine Seite später mit einem Kloß im Hals weitergelesen. Die Dynamik zwischen Aideen und Meabh hat mir sehr gefallen. Keine klischeehafte Feindin-wird-zur-Freundin-Geschichte, sondern eine Entwicklung, die in kleinen Schritten geschieht. Mit Missverständnissen, unausgesprochenen Gefühlen und Momenten echter Nähe. Dass es queer ist? Ja. Aber nicht auf eine Art, die sich plakativ anfühlt. Es ist einfach ein Teil dieser Geschichte – so selbstverständlich, wie es sein sollte. Und dann ist da noch Kavi. Wenn Aideen das Herz ist, dann ist Kavi die Seele dieser Geschichte. Eine Figur, die man nie wieder vergessen möchte, weil sie mit ihrer Wärme, Energie und Offenheit alles heller macht. Ciara Smyth hat ein echtes Talent dafür, Charaktere so zu schreiben, dass sie sich anfühlen wie Menschen, die man kennt.

Fazit:
„Not My Problem“ von Ciara Smyth ist ein klug erzählter und gleichzeitig humorvoller Coming-of-Age-Roman, der wichtige Themen wie Familie, Freundschaft und Selbstwertgefühl sensibel behandelt. Die queere Liebesgeschichte ist zart, authentisch und selbstverständlich eingebettet. Eine Geschichte mit viel Witz, einer wunderbar widersprüchlichen Hauptfigur und berührenden Momenten, die sowohl unterhält als auch nachdenklich macht. Ich vergebe 4 von 5 Sternchen.

{Rezension} Wednesday

Wednesday
Romanfassung zur ersten Staffel
von Tehlor Kay Mejia & The Wednesday TV Show Writers

cbt
Taschenbuch
Jugendbuch
448  Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Originaltitel: Wednesday: A Novelization of Season One
ISBN: 978-3-570-3173–7
Ersterscheinung: 16.07.2025

Inhalt:
Wednesday Addams, ein Mädchen mit einer Vorliebe für Sarkasmus, Schwarz und das Makabre, wird an eine ganz besondere Schule geschickt: die Nevermore Academy. Dort, wo Außenseiter mit übersinnlichen Fähigkeiten aufeinandertreffen, muss sie nicht nur ihre eigenen Kräfte kontrollieren, sondern auch eine mysteriöse Mordserie aufklären, die ihren Ursprung in einem lange zurückliegenden Familiengeheimnis haben könnte. Während sie versucht, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden, gerät sie immer tiefer in ein Netz aus Geheimnissen, dunkler Magie und unerwarteten Verbindungen.

Meinung:
Ich wusste, worauf ich mich einlasse, denn immerhin basiert der Roman auf einer Serie, die längst Kultstatus erreicht hat. Aber was ich nicht erwartet hatte, dass sich das alles plötzlich noch näher, noch intensiver, noch bissiger anfühlt. Dieses Buch ist mehr als nur ein Nacherzählen der bekannten Folgen. Es ist eine Einladung in den Kopf einer Figur, die man sonst meist nur beobachtet. Und dieser Kopf ist rabenschwarz, ironisch, hochintelligent und überraschend verletzlich. Mit scharfem Blick beobachtet, analysiert und zerlegt sie nicht nur ihre Umgebung, sondern auch ihr eigenes Inneres. Dabei trifft Tehlor Kay Mejia genau den richtigen Ton: pointiert, bitterböse und trotzdem nie flach oder zynisch um des Zynismus willen. Man merkt, dass hier nicht einfach ein Drehbuch in Prosa verwandelt wurde. Stattdessen wurde wirklich Literatur daraus gemacht – mit fein dosierten Einblicken, zusätzlichen Szenen und einer Tiefe, die der Serie so gar nicht möglich ist. Besonders gelungen fand ich die Erweiterung der bekannten Dialoge durch innere Monologe. Wednesdays Gedankengänge sind ein Genuss und manchmal auch ein Schlag in die Magengrube. Für Fans der Serie ist dieses Buch ein Fest. Man erkennt alles wieder: den berühmten Tanz, die angespannte Beziehung zu Morticia, die unkonventionelle Dynamik mit Enid, die düstere Ermittlungsarbeit. Aber man erlebt es neu. Als wäre alles ein bisschen weniger Netflix und ein bisschen mehr Gothic-Novelle. Für mich persönlich war das die eigentliche Überraschung: wie sehr sich dieses Buch nicht wie Merch liest, sondern wie ein eigenständiger literarischer Beitrag zur Figur Wednesday Addams.

Fazit:
„Wednesday – Romanfassung zur ersten Staffel“ von Tehlor Kay Mejia ist keine bloße Adaption, es ist eine stilvoll düstere Vertiefung einer ohnehin schon ikonischen Figur. Wer Wednesday liebt, wird ihr hier näher kommen als je zuvor. Sarkastisch, clever, unheimlich unterhaltsam und für mich ein echtes Highlight, weshalb ich sehr gerne 5 von 5 Sternchen vergebe.

{Rezension} Küsse im Sommerregen sind auch nur nass

Küsse im Sommerregen sind auch nur nass
von Ciara Smyth

Magellan Verlag
Taschenbuch
Young Adult-Romance
400 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7348-8229-6
Ersterscheinung: 13.02.2025

Inhalt:
Saoirse hat sich fest vorgenommen, in ihrem Leben nichts mehr dem Zufall oder der Hoffnung auf Happy Ends zu überlassen. Ihre Mutter leidet an Demenz und erkennt sie nicht mehr, ihr Vater will neu heiraten, ihre Ex hat sie verlassen. Das Leben hat ihr deutlich gemacht, dass Vertrauen und Liebe nur wehtun. Auf einer Party begegnet sie Ruby, einem freigeistigen, strahlenden RomCom-Fan. Ruby schlägt ihr einen Deal vor: Ein Sommer voller typischer romantischer Dates, aber ohne Verpflichtungen. Nur ein Spiel, ganz ohne echtes Risiko. Aber wie romantische Komödien eben so enden, bleibt es natürlich nicht nur bei der Spielerei…

Meinung:
Ich bin mit recht hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen, nicht nur, weil der Titel sofort ins Auge sticht, sondern auch, weil ich Geschichten liebe, die queere Liebesgeschichten selbstverständlich und natürlich erzählen. Und obwohl ich anfangs mit Saoirse als Figur zu kämpfen hatte, wurde sie im Laufe der Geschichte zu einer der komplexesten Protagonistinnen, die mir seit Langem begegnet sind. Saoirse ist kein einfacher Charakter. Sie ist verbittert, scharfzüngig, manchmal absichtlich verletzend. Sie misstraut allem und jedem – aus gutem Grund. Ihre Lebenssituation ist emotional zermürbend, und sie hat gelernt, sich durch Ironie und Abstand zu schützen. Diese Haltung macht es zunächst schwer, eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Doch je mehr man sie begleitet, desto mehr spürt man, wie viel Schmerz unter ihrer rauen Oberfläche liegt, und wie sehr sie sich eigentlich nach Nähe und Sicherheit sehnt. Gerade deshalb war ihre Entwicklung im Laufe des Buches so glaubhaft und bewegend. Ruby als Kontrastfigur war für mich eine echte Wohltat: offen, chaotisch, voller Liebe für die kleinen, kitschigen Momente des Lebens. Ihre Idee, RomCom-Momente im echten Leben nachzustellen, klingt erst albern, ist aber ein cleverer erzählerischer Kniff. Denn genau dadurch kann man zusehen, wie Saoirse sich öffnet, wie ihre Angst, verletzt zu werden, an Relevanz verliert, weil da plötzlich jemand ist, der sie trotz (oder gerade wegen) ihrer Widersprüche sieht. Was mir besonders gut gefallen hat, war die Vielschichtigkeit der Geschichte. Es geht hier nicht nur um Verliebtheit. Es geht um familiäre Verantwortung, um den Umgang mit Krankheit, um Angst vor der Zukunft und letztlich darum, wie man sich selbst wiederfindet, wenn alles um einen herum ins Wanken gerät. Die Beziehung zwischen Saoirse und ihrer Mutter hat mich tief bewegt, gerade weil sie nicht idealisiert wird. Es ist schmerzhaft, ehrlich und real. Auch der Humor war genau mein Geschmack: sarkastisch, mit klugen Wortgefechten und pointierten Dialogen. Und obwohl ich ein kleines bisschen gebraucht habe, bis mich die Geschichte richtig gepackt hat, wurde ich am Ende mit einem bittersüßen, aber passenden Abschluss belohnt, der nicht in die typische RomCom-Falle tappt. Was der Geschichte zu einem perfekten Leseerlebnis gefehlt hat, ist schwer zu sagen. Vielleicht hätte ich mir an manchen Stellen noch mehr Tempo gewünscht oder ein paar emotionalere oder intensivere Szenen. Aber unterm Strich überwiegt ganz klar die Begeisterung.

Fazit:
Ciara Smyth erzählt in „Küsse im Sommerregen sind auch nur nass“ eine ungewöhnliche, charmante Liebesgeschichte, die den RomCom-Klischees nicht blind folgt, sondern sie clever bricht. Für alle, die nicht nur eine süße Lovestory, sondern auch ein bisschen Herzschmerz und Charakterentwicklung suchen, ist dieses Buch eine klare Empfehlung. Von mir gibt es sehr gute 4 von 5 Sternchen.