{Rezension} Remain – Was von uns bleibt

Remain – Was von uns bleibt
von Nicholas Sparks mit M. Night Shyamalan

Heyne Verlag
Hardcover mit Schutzumschlag
Liebesgeschichte
384 Seiten
ISBN: 978-3-453-27574-4
Ersterscheinung: 15.10.2025

Kann die Liebe alle Grenzen sprengen?

Inhalt:
Nach dem tragischen Verlust seiner Schwester stürzt der Architekt Tate Donovan in eine tiefe Krise. Um wieder ins Leben zurückzufinden, nimmt er einen Auftrag seines besten Freundes an: ein Sommerhaus auf dem idyllischen Cape Cod zu entwerfen. Dort findet er Unterkunft in einem charmanten Bed & Breakfast, dessen Besitzerin Wren geheimnisvoll und faszinierend zugleich ist. Zwischen Tate und Wren entwickelt sich langsam eine intensive Bindung. Doch Wren trägt ein gefährliches Geheimnis aus der Vergangenheit, und hinter der scheinbar friedlichen Kleinstadt lauern dunkle Schatten. Tate ist fest entschlossen, sie zu retten – doch die Frage bleibt, ob ihre Liebe stark genug ist, um selbst die Grenzen zwischen Leben und Tod zu überwinden.

Meinung:
Ich habe schon einige Bücher von Nicholas Sparks gelesen, aber diese Geschichte geht noch eine Spur düsterer, intensiver und spannungsgeladener als gewohnt zu Werke. Tate Donovan ist ein Protagonist, den man sofort ins Herz schließt: verletzlich, nachdenklich, mit der Trauer um seine Schwester tief in sich verankert. Seine langsame Annäherung an Wren wirkt authentisch und leise, und man fiebert mit jedem Moment ihrer Verbindung mit. Wren selbst ist geheimnisvoll, geheimnisvoll genug, dass man ihre Vergangenheit unbedingt ergründen möchte, ohne dass es je aufgesetzt wirkt. Besonders gelungen ist die Art, wie Sparks’ gefühlvolle, poetische Beschreibungen von Cape Cod auf Shyamalans unterschwellige Spannung treffen. Die idyllische Kulisse, das Rauschen der Wellen, die kleinen Details des Bed & Breakfast – all das kontrastiert mit den dunklen Geheimnissen, die sich langsam entfalten, und sorgt für eine Atmosphäre, die einen packt. Die Mischung aus Liebe, Verlust, Geheimnis und unterschwelliger Bedrohung hat mich oft richtig mitfiebern lassen. Manchmal war es sogar ein bisschen gruselig, besonders in den Szenen, in denen sich Wrens Vergangenheit auf mysteriöse Weise zeigt. Ich habe beim Lesen gespürt, wie die Geschichte eine Gänsehaut erzeugt, ohne dass sie in billigen Horror abrutscht – ein schönes Zusammenspiel von Emotionalität und Spannung. Das Ende ist zufriedenstellend, auch wenn es für meinen Geschmack etwas ruhiger ausfällt. Insgesamt ist dieser Roman kein klassischer „Sparks“, sondern eine mutige Weiterentwicklung seines Stils.

Fazit:
„Remain – Was von uns bleibt“ von Nicholas Sparks und M. Night Shyamalan ist eine gefühlvolle und zugleich spannungsgeladene Liebesgeschichte, die Trauer, Hoffnung und die Macht der Liebe meisterhaft verbindet. Die Figuren sind tiefgründig und authentisch, die Atmosphäre von Cape Cod wunderschön beschrieben, und die mysteriösen Elemente sorgen für ein ständiges Mitfiebern. Wer Lust auf eine romantische Geschichte mit überraschenden Wendungen und leichter Gänsehaut hat, wird hier bestens unterhalten. Ich vergebe 4 von 5 Sternchen.

{Rezension} His Face Is The Sun
Der Thron von Khetara (Bd. 1)

His Face Is The Sun
Der Thron von Khetara (Bd. 1)
von Michelle Jabès Corpora

Karibu (ein Verlag der Edel Verlagsgruppe)
Hardcover
Jugendbuch
608 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-96129-501-2
Ersterscheinung: 08.10.2025

Aus Staub geformt, durch Blut erweckt

Inhalt:
Im Königreich Khetara liegt der Duft von Sand, Macht und Verrat in der Luft. Während der Pharao an einer geheimnisvollen Krankheit zugrunde geht, vertiefen sich die Gräben zwischen Arm und Reich, Palast und Volk. Intrigen blühen, Rebellion formiert sich, und fernab der Städte regt sich ein uraltes Übel, das alles zu verschlingen droht.
Vier junge Menschen werden aus völlig unterschiedlichen Leben gerissen und durch ein altes Orakel miteinander verbunden: Sita, eine Prinzessin, die den Luxus des Palastes kennt, aber nicht dessen Wahrheit; Neff, eine junge Priesterin, deren Visionen mehr verbergen, als der Tempel zulassen will; Rai, die den Schmerz des Volkes aus erster Hand erlebt und sich der Rebellion anschließt; und Karim, ein Grabräuber, der zwischen Pyramiden und Toten lebt – bis etwas erwacht, das niemals hätte gestört werden dürfen. Ihre Wege sind zunächst getrennt, doch ihr Schicksal ist es nicht. Nur gemeinsam könnten sie Khetara retten. Die Frage ist nur: Wer von ihnen ist bereit, den Preis dafür zu zahlen und wer wird am Ende auf dem Thron sitzen?

Meinung:
Wüstensand im Haar, Sonne im Nacken und ein Kopf voller Magie – genau so hat sich dieses Buch für mich angefühlt. Schon nach wenigen Seiten war ich komplett in der Welt von Khetara versunken. Das ägyptisch inspirierte Setting ist unglaublich atmosphärisch und wirkt durch Karten, Glossar und viele Details lebendig und gut durchdacht. Beim Lesen hatte ich ständig Bilder im Kopf: Tempel, Paläste, Wüste, Hitze und das Gefühl, dass überall Geheimnisse lauern. Der Einstieg ist durch die vier Perspektiven etwas anspruchsvoller, aber sobald ich mich an die Wechsel gewöhnt hatte, fand ich genau das richtig spannend. Jede Figur bringt ihre eigene Sicht auf das Königreich mit. Besonders Neff und Karim haben mich am meisten berührt, denn ihre Zweifel, Ängste und Entwicklungen wirkten sehr echt. Sita hat mich im Laufe der Geschichte positiv überrascht, während Rai für mich den wachsenden Zorn und die Hoffnung des Volkes verkörpert. Nicht jede Figur war mir sofort sympathisch, aber genau das hat sie glaubwürdig gemacht. Die Geschichte nimmt sich viel Zeit für den Aufbau von Welt und Charakteren, weshalb sich der Band stellenweise wie eine lange Einführung anfühlt. Mich hat das größtenteils nicht gestört, weil die Spannung langsam, aber konstant wächst. Überall gibt es Andeutungen, Prophezeiungen und kleine Hinweise, sodass ich ständig mitgerätselt habe. Manche Wendungen konnte ich erahnen, andere haben mich überrascht – und genau diese Mischung hat mich ans Buch gefesselt. Der Schreibstil ist bildhaft, flüssig und leicht zu lesen, ohne oberflächlich zu sein. Besonders gut gefallen hat mir, dass die romantischen Momente sehr dezent gehalten sind: ein Knistern, ein Blick, eine kurze Nähe – nie zu viel, aber genau richtig.

Fazit:
„His Face Is The Sun – Der Thron von Khetara“ von Michelle Jabès Corpora ist ein atmosphärischer und vielversprechender Auftakt, der mit ägyptischer Mythologie, starken Figuren und einem langsamen, aber wirkungsvollen Spannungsaufbau überzeugt. Die Geschichte braucht etwas Geduld, belohnt diese aber mit Tiefe, Emotionen und einer faszinierenden Welt. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Handlung und die Charaktere in den nächsten Bänden weiterentwickeln und vergebe liebend gerne 4,5 von 5 Sternchen für diesen ersten Band der Reihe.

{Rezension} Deadly Little Scandals
(Bd. 2 der „Little-White-Lies“-Dilogie)

Deadly Little Scandals
(Bd. 2 der „Little-White-Lies“-Dilogie)
von Jennifer Lynn Barnes

cbt
Taschenbuch
Jugendbuch
384 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-570-31735-8
Ersterscheinung: 12.11.2025

Ein Geheimbund.
Eine Leiche im See.
Ein schockierendes Geheimnis.

Inhalt:
Sawyer Taft lebt weiterhin bei ihrer Tante und ihrer Großmutter und ist Teil der High Society geworden, zu der auch ihre neu gefundene Familie gehört – allerdings nur widerwillig. Noch immer treibt sie die Frage nach ihrer Herkunft um, denn Sawyer will endlich wissen, wer ihr Vater ist und was sich vor etwa 25 Jahren wirklich zugetragen hat. Als sie gemeinsam mit ihrer Cousine Lily in den exklusiven Debütantinnen-Geheimbund der White Gloves aufgenommen wird, nehmen die Ereignisse eine düstere Wendung. Ein schockierender Fund bei einem Initiationsritual am See bringt lange verdrängte Geheimnisse ans Licht. Zusammen mit Lily, Campbell und Sadie-Grace gerät Sawyer immer tiefer in ein Netz aus Lügen, Intrigen und familiären Verstrickungen, das droht, die gesamte High Society zu erschüttern.

Meinung:
Sawyer Taft war für mich schon im ersten Band eine starke Protagonistin, doch in diesem zweiten Teil ist sie mir noch nähergekommen. Ihre zynische, scharfzüngige Art, ihr trockener Humor und ihre konsequente Weigerung, sich vollständig den Regeln der Reichen und Mächtigen zu unterwerfen, machen sie unglaublich authentisch. Besonders gefallen hat mir ihre Entwicklung, die nicht laut oder dramatisch daherkommt, sondern eher leise und subtil verläuft – in ihren Entscheidungen, in ihrem Umgang mit anderen und darin, wie sie langsam ihren eigenen Platz in dieser Welt findet. Die Dynamik zwischen Sawyer, Lily, Campbell und Sadie-Grace ist erneut ein großes Highlight. Ihre Freundschaft wirkt chaotisch, lebendig und ehrlich, und man spürt deutlich, wie sie im Laufe der Geschichte enger zusammenwachsen. Zwar bleiben einige der Charaktere eher stereotypisch, doch genau das funktioniert erstaunlich gut für diese Art von Story und verleiht ihr einen gewissen Gossip-Girl-Charme. Der Schreibstil von Jennifer Lynn Barnes ist wieder äußerst flüssig, humorvoll und präzise – ein Stil, der es leicht macht, komplett in die Geschichte einzutauchen und Seite um Seite zu verschlingen. Die zahlreichen Plottwists und Enthüllungen sorgen für durchgehende Spannung, auch wenn die vielen Theorien zu den Verwandtschaftsverhältnissen zeitweise etwas unübersichtlich werden. Immer wieder wird man bewusst in die Irre geführt, nur um kurz darauf festzustellen, dass man sich seiner Sache doch nicht so sicher war. Die Zeitsprünge in die Vergangenheit steigern die Spannung zusätzlich, auch wenn sie stellenweise zur Verwirrung beitragen. Der Geheimbund der White Gloves bringt eine starke, düstere Atmosphäre mit sich, hätte für meinen Geschmack zum Ende hin jedoch noch etwas mehr narrative Relevanz haben dürfen. Das Finale selbst ist schlüssig, emotional und konsequent erzählt – weniger ein lauter Knall, dafür eine stimmige Auflösung, die rückblickend Sinn ergibt.

Fazit:
„Deadly Little Scandals“ von Jennifer Lynn Barnes ist ein würdiger und spannender Abschluss der „Little-White-Lies“-Dilogie, der mit Intrigen, Freundschaft und dunklen Familiengeheimnissen überzeugt. Sawyer Taft trägt die Geschichte mit viel Charisma und einer gelungenen, subtilen Charakterentwicklung. Trotz kleiner Schwächen in der Übersicht bleibt das Buch fesselnd und atmosphärisch, weshalb ich sehr gerne 4,5 von 5 Sternchen vergebe.

{Rezension} Like Hearts We Heal
(Bd. 6 der „Winter-Dreams“-Reihe)

Like Hearts We Heal
(Bd. 6 der „Winter-Dreams“-Reihe)
von Ayla Dade

Penguin Verlag
Paperback
New Adult
640 Seiten
ISBN: 978-3-328-11366-9
Ersterscheinung: 12.11.2025

Sie wünschte, sie könnte ihn aus ihrem Leben streichen. Doch das Herz vergisst nie.

Inhalt:
Im finalen Band der Reihe steht erneut die leidenschaftliche Eiskunstläuferin Paisley im Mittelpunkt. Nach der schmerzhaften Trennung von ihrer großen Liebe Knox versucht sie, sich ganz auf ihr großes Ziel zu konzentrieren: Olympisches Gold. Der Leistungssport fordert ihr alles ab – körperlich wie emotional – und doch verfolgt sie unbeirrt ihren Traum. Allerdings lässt sich die Vergangenheit nicht so leicht abschütteln. Ausgerechnet Knox, der ihr Herz gebrochen hat, wird zu einem unvermeidbaren Teil ihrer Zukunftspläne. Um ihren Traum von der Gründung eines Sportinternats nach ihrer aktiven Karriere zu verwirklichen, ist sie auf seine Unterstützung angewiesen. Die Zusammenarbeit zwingt beide dazu, sich mit unausgesprochenen Gefühlen, alten Verletzungen und dem verlorenen Vertrauen auseinanderzusetzen. Während Paisley auf dem Eis um Perfektion kämpft, ringt sie innerlich mit der Frage, ob sie Knox jemals wieder vertrauen kann oder ob manche Brüche nicht mehr zu kitten sind.

Meinung:
Dieser Band setzt stark auf das Motiv der zweiten Chance – und das spürbar ernster und schwerer als noch zu Beginn der Reihe. Die Atmosphäre ist geprägt von Verletzungen, Stolz und einer gewissen emotionalen Erschöpfung, die sich auch auf mich als Leserin übertragen hat. Paisleys kompromissloser Ehrgeiz wird sehr deutlich dargestellt. Ihr Fokus auf Olympia ist bewundernswert, wirkt aber zugleich selbstzerstörerisch. Manche ihrer Entscheidungen haben bei mir eher Kopfschütteln als Mitgefühl ausgelöst, weil sie sich immer wieder in Situationen bringt, die vermeidbar gewesen wären. Gleichzeitig passt dieses Verhalten zu ihrem Charakter: Sie definiert sich stark über Leistung und verliert dabei zeitweise den Blick für sich selbst. Knox bleibt ebenfalls ambivalent. Seine Zurückhaltung und seine Schwierigkeiten, offen zu kommunizieren, sorgen für viele Konflikte, die sich einfacher hätten lösen lassen. Die anhaltenden Missverständnisse und das Ausweichen vor klaren Gesprächen empfand ich stellenweise als anstrengend. Der emotionale Stillstand zwischen den beiden zieht sich teilweise etwas in die Länge. Positiv hervorzuheben ist jedoch das Setting in Aspen, das wieder eine vertraute Kulisse bietet. Auch der Einblick in den Leistungssport und den Druck vor Olympia wirkt authentisch und verleiht der Geschichte eine zusätzliche Ebene. Die Nebenfiguren sorgen für Momente der Auflockerung, auch wenn nicht jede Szene für den eigentlichen Handlungsverlauf zwingend notwendig erscheint. Das Finale ist insgesamt stimmig und schließt die Geschichte rund ab. Einige Entwicklungen sind vorhersehbar, dennoch wirkt der Abschluss verdient. Besonders die letzten Kapitel bündeln die Emotionen noch einmal und sorgen für einen versöhnlichen Ausklang.

Fazit:
Mit „Like Hearts We Heal“ von Ayla Dade erhält die Geschichte von Paisley und Knox einen emotionalen Abschluss, der vor allem vom Thema zweite Chancen lebt. Insgesamt ein solider letzter Band mit gefühlvollen Momenten und kleinen Schwächen. Von mir gibt es 4 von 5 Sternchen.

{Rezension} Hope in Action
Die Zukunft gehört uns:
Inspiration und Impulse von Finnlands jüngster Ministerpräsidentin

Hope in Action
Die Zukunft gehört uns
Inspiration und Impulse von Finnlands jüngster Ministerpräsidentin
von Sanna Marin

Ariston Verlag (ein Verlag der Penguin Random House Verlagsgruppe)
Hardcover mit Schutzumschlag
Biografie
320 Seiten
ISBN: 978-3-424-20313-4
Ersterscheinung: 05.11.2025

Inhalt:
In ihrer Autobiografie erzählt Sanna Marin von ihrem Weg aus einfachen familiären Verhältnissen bis an die Spitze der finnischen Regierung. Sie beschreibt, wie Werte wie Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung ihr politisches Handeln geprägt haben – lange bevor sie Ministerpräsidentin wurde. Persönliche Erfahrungen werden mit zentralen politischen Herausforderungen unserer Zeit verknüpft: Klimaschutz, soziale Sicherheit, Demokratie, internationale Krisen und der Umgang mit öffentlichem Druck. Dabei geht es nicht nur um politische Entscheidungen, sondern auch um die Frage, wie Haltung entsteht und warum es entscheidend ist, sich nicht mit dem Status quo abzufinden. Das Buch versteht sich bewusst nicht nur als Rückblick, sondern als Einladung, selbst aktiv zu werden und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Meinung:
Dieses Buch hat mich nachhaltig beeindruckt – nicht, weil es laut oder spektakulär ist, sondern weil es ruhig, klar und konsequent wirkt. Sanna Marin schreibt mit einer bemerkenswerten Mischung aus Entschlossenheit und Nachdenklichkeit. Man spürt auf jeder Seite, dass hier keine Karriereerzählung um ihrer selbst willen entsteht, sondern ein ehrlicher Versuch, politische Arbeit verständlich, menschlich und wertebasiert zu erklären. Besonders überzeugend fand ich die Authentizität. Sanna Marin stilisiert sich nicht zur Heldin, sondern reflektiert offen über Unsicherheiten, Druck und Fehler. Gerade dadurch wirkt ihre Haltung umso stärker. Sie zeigt, dass Führung nicht bedeutet, keine Zweifel zu haben, sondern trotz dieser Zweifel Entscheidungen zu treffen und sie zu verantworten. Das hebt das Buch deutlich von vielen politischen Memoiren ab, die oft glatt, strategisch oder selbstverliebt wirken. Sehr eindrücklich sind die Passagen über soziale Herkunft und Chancengleichheit. Dass Sanna Marin ihren eigenen Weg klar mit einem funktionierenden Sozialstaat verknüpft, verleiht dem Buch Glaubwürdigkeit und Tiefe. Erfolg wird hier nicht als individuelles Wunder dargestellt, sondern als Ergebnis gesellschaftlicher Strukturen, die Menschen tragen können, wenn man sie schützt und weiterentwickelt. Auch der Umgang mit öffentlicher Kritik und medialen Angriffen wird reflektiert, ohne in Opferrollen oder Abwehrhaltungen zu kippen. Stattdessen bleibt ein Eindruck von innerer Stabilität und einer konsequenten Weigerung, sich verbiegen zu lassen. Genau das macht das Buch so inspirierend: Es ermutigt dazu, sichtbar zu sein, Haltung zu zeigen und nicht auf Zustimmung zu warten, bevor man handelt. Für mich ist diese Autobiografie vor allem ein Buch für junge Menschen – insbesondere für junge Frauen –, die sich fragen, ob Engagement, Politik oder gesellschaftliche Verantwortung für sie überhaupt möglich sind. Nach der Lektüre bleibt kein distanziertes Staunen zurück, sondern ein leiser, aber bestimmter Impuls: Man darf anfangen. Jetzt.

Fazit:
„Hope in Action – Die Zukunft gehört uns: Inspiration und Impulse von Finnlands jüngster Ministerpräsidentin“ von Sanna Marin ist eine kluge, ehrliche und zutiefst ermutigende Lektüre. Das Buch verbindet persönliche Geschichte mit politischer Vision und zeigt, dass Werte kein Hindernis, sondern eine Kraftquelle sind. Es inspiriert, ohne zu idealisieren, und motiviert, ohne zu belehren. Von mir gibt es daher 5 von 5 Sternchen.