{Rezension} Fighting for Love
(Bd. 3 der „San Diego Lightnings“-Reihe)

Fighting for Love
(Bd. 3 der „San Diego Lightnings“-Reihe)
von Tracy Wolff

Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Paperback
Sports Romance
336 Seiten
Originaltitel: Rough & Ready
ISBN: 978-3-7341-1444-1
Ersterscheinung: 20.08.2025

Können zwei gebrochene Herzen trotz ihrer Narben zueinander finden?

Inhalt:
Elara Vance, ehemalige Basketballprofispielerin und engagierte Leiterin eines Jugend-Sportzentrums, sieht sich mit einem massiven Problem konfrontiert: Spendengelder bleiben aus, weil großzügige Förderer ihr Geld lieber in die prestigeträchtigen Projekte von Footballstar Tanner Green investieren. Für Elara fühlt sich das wie ein persönlicher Schlag an, denn ihr Zentrum ist auf jede Unterstützung angewiesen. Tanner wiederum ist sich der Tragweite seines Ruhms zunächst kaum bewusst. Als die Situation eskaliert, sucht er Elara auf, um die Fronten zu klären. Aus der angespannten Konfrontation entwickelt sich eine intensive Verbindung, bei der schnell deutlich wird, dass beide nicht nur ihre Leidenschaft für den Sport teilen, sondern auch tiefe emotionale Wunden aus der Vergangenheit.

Meinung:
Mich hat vor allem die Ausgangssituation der Geschichte überzeugt, weil sie moralisch interessant und ungewöhnlich für eine Sports Romance ist. Tanner ist kein klassischer „Schuldiger“, sondern jemand, der ungewollt von einem System profitiert, in dem Bekanntheit mehr zählt als tatsächlicher Bedarf. Das macht den Konflikt vielschichtig und glaubwürdig. Elara dagegen steht sinnbildlich für all jene, die mit Herzblut kämpfen, aber im Schatten großer Namen übersehen werden. Elara ist für mich eine starke, leidenschaftliche Protagonistin, deren Wut und Frustration absolut nachvollziehbar sind. Ihre Hingabe an das Jugendzentrum gibt der Geschichte emotionales Gewicht. Tanner hingegen ist ruhig, reflektiert und erstaunlich sensibel. Gerade seine Unsicherheit im Umgang mit seinem eigenen Einfluss hat ihn für mich sehr sympathisch gemacht. Dass er Elara nicht einfach mit Charme oder Geld „retten“ will, sondern wirklich zuhört und lernt, ist ein großer Pluspunkt. Die Beziehung zwischen Elara und Tanner entwickelt sich langsam und über Reibung, was ich sehr mochte. Ihre Dialoge sind schlagfertig, emotional und oft von unterschwelliger Spannung geprägt. Besonders gelungen fand ich, wie Tracy Wolff das Trope Shared Trauma einbindet: Beide Figuren tragen Verletzungen aus dem Profisport mit sich herum, gehen damit aber sehr unterschiedlich um. Auch hier hätte ich mir stellenweise noch mehr Tiefe gewünscht, doch die emotionale Grundstimmung hat mich trotzdem erreicht. Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig, intensiv und mit genau der richtigen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit.

Fazit:
„Fighting for Love“ von Tracy Wolff ist eine emotionale Sports Romance, die zeigt, wie Macht, Ruhm und gute Absichten ungewollt Schaden anrichten können. Die Liebesgeschichte von Elara Vance und Tanner Green lebt von starken Charakteren, ehrlichen Konflikten und spürbarer Leidenschaft für den Sport. Auch wenn einige Themen noch mehr Raum verdient hätten, ist es ein berührender Abschluss der „San Diego Lightnings“-Reihe. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternchen.

{Rezension} Rival Darling
(Bd. 1 der „Darling Devils“-Reihe)

Rival Darling
(Bd. 1 der „Darling Devils“-Reihe)
von Alexandra Moody

One Verlag
Paperback
Junge Erwachsene / Sports Romance
448 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-8466-0297-3
Ersterscheinung: 17.12.2025

Inhalt:
Nach dem schmerzhaften Betrug durch ihren Freund Jeremy, den Kapitän des Eishockey-Teams ihrer Highschool, fasst die 17-jährige Violet Sinclair einen klaren Entschluss: Nie wieder einen Sportler daten. Um Jeremy zu zeigen, dass sie über ihn hinweg ist, lässt sie sich auf einen riskanten Plan ein. Durch Zufall begegnet sie Reed Darling, dem gefürchteten Kapitän der Ransom Devils und gleichzeitig Jeremys größtem Rivalen. Spontan bittet sie ihn, ihren Fake-Freund zu spielen. Was als Zweckgemeinschaft mit festen Regeln beginnt, wird jedoch zunehmend kompliziert, denn hinter Reeds geheimnisvollem Ruf verbirgt sich ein ganz anderer Mensch. Während Violet versucht, emotionale Distanz zu wahren, geraten echte Gefühle immer mehr außer Kontrolle.

Meinung:
Dieses Buch hat mich von den ersten Seiten an vollkommen abgeholt. Der Schreibstil von Alexandra Moody ist unglaublich flüssig und angenehm, sodass man förmlich durch die Seiten gleitet und ständig „nur noch ein Kapitel“ lesen möchte. Obwohl die Handlung insgesamt eher ruhig bleibt, fühlt sich nichts zäh an, da der Fokus klar auf den Figuren und ihren Emotionen liegt – und genau das funktioniert hier hervorragend. Violet Sinclair ist für mich eine große Stärke der Geschichte. Sie ist impulsiv, emotional, manchmal widersprüchlich und gerade deshalb so authentisch. Ihre Unsicherheit nach dem Betrug durch Jeremy ist jederzeit spürbar, ebenso wie ihr innerer Konflikt zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Angst vor erneuter Verletzung. Ihre strikte Regel, keine Sportler mehr zu daten, wirkt dabei weniger wie Sturheit, sondern vielmehr wie ein Schutzmechanismus. Auch das angespannte Verhältnis zu ihrer Mutter verleiht Violet zusätzliche Tiefe und lässt erahnen, dass sie schon länger mit emotionaler Distanz und ungelösten Konflikten kämpft. Reed Darling hat sich still und leise in mein Herz geschlichen. Nach außen wirkt er ruhig, reserviert und einschüchternd – ein Ruf, der durch zahlreiche Gerüchte noch verstärkt wird. Doch hinter dieser Fassade steckt ein unglaublich aufmerksamer, loyaler und sensibler Charakter. Besonders seine kleinen Gesten, wie seine Rücksichtnahme auf Violets Grenzen oder seine stille Unterstützung, zeigen, wie ernst es ihm ist. Man merkt deutlich, dass ihm die Fake-Beziehung emotional nähergeht, als er zugeben möchte. Dass er seine Gefühle dennoch nicht in den Vordergrund drängt, macht ihn für mich zu einer echten Green Flag. Ein absolutes Highlight ist Reeds Familie, insbesondere die Dynamik zwischen den Darling-Brüdern. Ihr starker Zusammenhalt bringt Wärme, Humor und Leichtigkeit in die Geschichte und bildet einen schönen Kontrast zu den Vorurteilen, die ihnen in Sunshine Hills entgegengebracht werden. Szenen wie das Abendessen bei den Darlings zeigen eindrucksvoll, wie sehr Violet sich nach genau dieser Art von Geborgenheit sehnt und wie gut sie eigentlich in Reeds Welt passen würde. Jeremy entwickelt sich im Verlauf der Geschichte immer mehr zu einer unangenehmen und belastenden Präsenz. Sein Verhalten wirkt kontrollierend, egozentrisch und zunehmend beängstigend, was ihn zu einem glaubwürdigen Gegenspieler macht. Die Enthüllungen über seine Vergangenheit und seine Verbindung zu Reed verstärken den Eindruck, dass von ihm noch entscheidendes Drama ausgehen wird. Auch die Nebenfiguren – allen voran Mia – fügen sich stimmig ein und verleihen der Geschichte zusätzliche emotionale Tiefe. Ja, die Liebesgeschichte zwischen Violet und Reed entwickelt sich stellenweise recht schnell und intensiv, doch das hat meinen Lesespaß kaum geschmälert. Der Reiz liegt weniger in überraschenden Wendungen als vielmehr im emotionalen Weg dorthin. Dieser erste Band der „Darling Devils“-Reihe ist eine gefühlvolle, cozy Sportsromance ohne Spice, die stattdessen auf Nähe, Vertrauen und innere Konflikte setzt. Und genau das macht sie so wirkungsvoll.

Fazit:
„Rival Darling“ von Alexandra Moody ist eine Sports Romance, die leise unter die Haut geht und lange im Herzen bleibt. Die Geschichte von Violet Sinclair und Reed Darling lebt von ehrlichen Gefühlen, starken Charakteren und einem emotionalen Knistern, das ganz ohne Spice auskommt. Trotz bekannter Tropes fühlt sich alles authentisch und nahbar an. Für mich ein absolutes Wohlfühl-Highlight, weshalb ich liebend gerne 5 von 5 Sternchen vergebe.

Zwischen Flutlicht und Dunkelheit

Es ist kurz nach sieben Uhr morgens, als Filip Javorović den Motor abstellt. Das Nachwuchsleistungszentrum des SSV Jahn, in dem er heute einen seiner Spieler treffen wird, liegt still da, noch leer. Der Himmel ist grau, die Luft kühl. Javorović bleibt einen Moment sitzen, die Hände noch am Lenkrad. Er kennt diesen Ort gut: Hier werden Träume geboren. Aber oft beginnen sie auch genau hier, zu zerbrechen.

Filip Javorović arbeitet als Spielerberater im Jugendbereich, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Kristian ist er Inhaber der Stuttgarter Agentur Sport Cycle. Seit einigen Jahren bewegt er sich zwischen Kabinen, Tribünen und Trainingsplätzen. Bei ihm stehen U-Nationalspieler unter Vertrag, aber auch Spieler, die in den Nachwuchsleistungszentren schwerere Zeiten erleben. Die Jungs würden teilweise in einer Blase, der „Fußball-Bubble“, leben, erzählt er, während wir das Gelände betreten. In den Nachwuchsleistungszentren werden die Spieler rundum versorgt, „sie müssen im Grunde nur in die Schule und zum Training, aber das ist halt nicht die Realität“.

Der stille Druck

Im Profifußball ist der Druck sichtbar: volle Stadien, Millionenverträge, überall Kameras. Im Nachwuchsbereich ist er leiser, aber oft mindestens genauso gnadenlos. Der Kampf um Einsatzzeiten, Profi- oder Sponsorenverträge beginnt früh. Mentale Gesundheit? Die wird dabei kaum thematisiert, zumindest nicht offiziell. „Es gibt keine aktiven Programme“, erklärt Javorović. Ab und zu sei ein Speaker da, doch meist gebe es „pädagogische Ansprechprechpartner, die dann teilweise auch als Sportpsychologen dienen“, auf die die Spieler zugehen können sowie, „je nach finanzieller Ausrichtung des Vereins, einen Sportpsychologen, der die Jugend und die Profis betreut“. Wirklich offen darüber gesprochen wird jedoch nicht, wer Hilfe sucht, tut dies meist heimlich. „Es wird erstmal eine SMS oder ein Anruf sein, das alles soll diskret passieren“. Der Grund: das Stigma. Noch immer gilt jedes Gespräch über mentale Belastung als Zeichen von Schwäche.

Dabei ist der Bedarf real. Studien und Vereinsprojekte wie die von Lina Bürger im Rahmen ihrer Masterarbeit 2023 belegen, dass psychische Beschwerden im Fußball längst kein Einzelfall mehr sind. So ergab die Studie unter anderem, dass unter den 205 Spielerinnen und Spielern der TSG Hoffenheim einige „Leistungssportler von Depressionen und Angstzuständen betroffen sein können“. Der Leistungsdruck und die ständige Bewertung prägen bereits die Jugendlichen.

Perspektive eines ehemaligen Profis

Sebastian Kneißl weiß, wie sich dieser Druck anfühlt. Mit 24 Jahren beendete er seine Karriere als Profispieler (FC Chelsea, Eintracht Frankfurt) wegen seiner Burn-out-Erkrankung. Heute ist er als TV-Experte beim Streamingdienst DAZN aktiv. „Ich hatte immer ein Thema mit dem Umgang mit Druck“, sagt Kneißl. „Damals gab es noch kein Social Media, es war nur der Kicker, der allein bewertet hat“. Eine schlechte Bewertung hat ihn „die ganze Woche über beschäftigt“. Durch Social Media sind die Kanäle heute mehr, die Stimmen lauter, die Urteile schneller. „Zum Großteil lesen die Spieler Dinge über sich und bekommen das schon mit, auch wenn sie immer sagen: „Nein, das interessiert mich nicht. Ich blende das aus.““

Gegenüber dem Stern bestätigte Nationalspieler Nick Woltemade in einem Interview kürzlich Ähnliches: „Das Fatale ist: Wenn du zehn super Geschichten über dich liest und dann plötzlich eine negative, kreisen deine Gedanken nur um diese eine schlechte Geschichte.“

Auf die Frage, ob mentale Gesundheit ein Tabuthema im Fußball ist, antwortet Kneißl: „Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg.“ Insbesondere die jüngere Generation hat verstanden, wie wichtig das Thema ist, dennoch bleibt die Unsicherheit. „Ein gebrochenes Bein ist einfach sichtbar, da weiß man, was damit zu tun ist.“ Bei mentalen Problemen ist das anders, daher wird es oft verschwiegen.

Javorović als Vermittler

Während auf dem Platz das Vormittagstraining beginnt, steht Javorović am Spielfeldrand. Der 30-Jährige ist kein Manager im klassischen Sinne, für seine Spieler ist er eine Vertrauensperson. „Wir haben mit all unseren Spielern einen wöchentlichen Austausch“, erzählt er. „Und wenn wir merken, dass jemand mal einen Höhenflug bekommt, weil man in der Nationalmannschaft gespielt oder einen Puma-Vertrag unterschrieben hat, dann bremsen wir sie auch schnell ein und versuchen, dass sie den Bezug ins reale Leben nicht verlieren.“ Seine Rolle ist es, den Spielern Stabilität zu geben, denn „seine Jungs“ sind nicht nur auf dem Weg, Profispieler zu werden, sondern immer noch pubertierende Kinder. Und trotzdem werden in dieser anspruchsvollen Zeit bereits Nachwuchsspieler aussortiert, weil sie nicht gut genug sind. Er erklärt, dass sich ein Verein nicht um alle 23 Spieler einer Mannschaft gleich kümmern kann, daher „gibt es bei den Top-Talenten viele Sonderbehandlungen, manche Spieler fallen dabei aber auch hinten über“.

Strukturen mit Rissen

Die größte Baustelle ist dabei das System selbst, denn „in den Vereinen gibt es eine finanzielle Ungleichheit“. Daher haben Vereine wie die TSG Hoffenheim viel mehr Möglichkeiten als kleinere Nachwuchsleistungszentren mit weniger Budget. Denn mentale Betreuung kostet Geld: ausgebildete Fachkräfte, Programme, Zeit. Wer sparen muss, spart daher oft an dieser Stelle. Bundesliga-Vereine wie der FC Augsburg oder die TSG Hoffenheim arbeiten nach eigenen Angaben bereits seit längerer Zeit mit Sportpsychologinnen und Sportpsychologen zusammen, um die Jugendlichen in den Nachwuchsabteilungen zu begleiten. Laut der Akademie des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) ist „jedes anerkannte Leistungszentrum in Fußball-Deutschland […] dazu verpflichtet, eine Stelle mit einer Sportpsychologin oder einem Sportpsychologen zu besetzen“. Flächendeckende Regelungen oder Konzepte lassen sich aufgrund des wirtschaftlichen Aspekts jedoch nur bedingt umsetzen.

Die Verantwortung der Medien

Kneißl sieht die Verantwortung auch in seiner eigenen Branche: „Denn auf der einen Seite steht die Schlagzeile bei den Medien. Auf der anderen Seite gilt es, wirklich darauf zu achten, ob die Schlagzeile überhaupt gerechtfertigt ist, da ist der Mensch. […] Das sind zwei Dinge, die sich beißen.“ Aufmerksamkeit sei jedoch die Währung der Medienwelt. „Da geht’s auch mal darum, ein Zitat aus dem Kontext zu nehmen, einfach nur um Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Er selbst steht heute zwischen diesen Welten: Er weiß, wie es ist, bewertet zu werden – und er weiß, wie leicht Bewertungen belasten können, wenn der Druck zu groß wird. „Wenn du dieses Konstrukt verstehst, dann kannst du damit umgehen“, sagt er. „Aber die Medien haben eine riesige Verantwortung.“

Zwischen Hoffnung und Pflicht

Das Training ist vorbei. Die Jugendlichen lachen ausgelassen, ein Trainer bespricht sich mit einem seiner Spieler, ein anderer schießt einen Ball über den Platz. Javorović bleibt stehen, beobachtet. Er kennt die Statistiken: Nur ein Bruchteil dieser Spieler wird es schaffen, einen der begehrten Profiverträge zu ergattern. Er kennt die Gesichter derer, die den großen Traum einer Profikarriere irgendwann begraben müssen – oft still, ohne Auffangnetz. „Wir versuchen immer, […] eine gewisse Grundreife zu erzielen“, sagt er, „ein Fundament dafür, mental stabil zu sein“. Er wirkt müde, aber nicht resigniert. Seine Art von Sieg wird nicht nur auf dem Platz gefeiert. Sie passiert auch leise, in Gesprächen und Momenten, in denen junge Spieler lernen, mit Rückschlägen richtig umzugehen und dass es kein Makel ist, sich dabei professionelle Hilfe zu holen.

Mentale Gesundheit ist im Fußball längst kein Randthema mehr, aber trotzdem noch immer kein selbstverständlicher Teil der Struktur. Es gibt viele Fortschritte, Studien, Projekte. Und es gibt Menschen wie Filip Javorović, die in den Rissen des Systems arbeiten, auffangen und stabilisieren. Als wir das Gelände verlassen, sehen wir ein Foto des Jahnstadions, in dem die Profis des SSV Jahn Regensburg ihre Spiele austragen. Hiervon träumen die Spieler, die Sport Cycle betreut: von Ruhm, vollen Stadien und Profiverträgen. Aber vielleicht wird auch irgendwann von etwas anderem gesprochen: von Angst, Überforderung und von Hilfe – nicht als Tabu, sondern als normalem Teil des Spiels.

Bis dahin sitzt Filip Javorović jeden Morgen in seinem Auto, schaut auf das Gelände und steigt dennoch aus. Jeden Tag.

{Rezension} Hot Young Royals
Herz über Krone

Hot Young Royals – Herz über Krone
von Katy Birchall

Fischer Sauerländer
Paperback
Jugendbuch
448 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7335-0956-9
Ersterscheinung: 19.11.2025

Kleider? Haute Couture.
Klassenkameraden? Londons Elite.
Partys? Skandalös!

Inhalt:
Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die siebzehnjährige Ruby Carter zu ihrer Tante Tabatha nach London und landet dadurch mitten in der Welt der High Society und der Royals. An der elitären Schule Clairmont Hall trifft sie auf Prinzessin Caroline und den charmanten Herzog Xavier, der unter den Erwartungen seiner Familie leidet. Während Ruby versucht, ihren Platz in dieser glamourösen, aber gnadenlosen Umgebung zu finden, entwickelt sich zwischen ihr und Xavier ein Fake-Dating, das schnell komplizierter wird als geplant. Gleichzeitig verfolgt Ruby ihr eigentliches Ziel: die Suche nach ihrem unbekannten Vater – doch die Wahrheit, die sie dabei entdeckt, stellt ihr Leben komplett auf den Kopf.

Meinung:
Beim Lesen dieses Jugendromans hatte ich das Gefühl, in zwei Welten gleichzeitig unterwegs zu sein: einerseits in einer glitzernden High-Society-Kulisse, die bewusst überzeichnet wirkt, andererseits in einer emotional viel wahrhaftigeren Geschichte darüber, wie es ist, seinen Platz im Leben zu suchen, während alles um einen herum plötzlich Kopf steht. Genau dieses Spannungsfeld hat den Roman für mich so interessant gemacht. Was mich am stärksten berührt hat, war Rubys innere Zerrissenheit. Sie ist erst siebzehn, hat gerade ihre Mutter verloren und wird in eine Welt geworfen, die so weit entfernt von allem ist, was sie kennt, dass man fast den Eindruck hat, sie sei eine Beobachterin in ihrem eigenen Leben. Ihre Loyalität, ihre Unsicherheit, ihre kleine Tollpatschigkeit – all das macht sie zu einer Protagonistin, die nicht perfekt ist, aber gerade dadurch unheimlich nahbar. Ich mochte, wie sie versucht, in dieser überladenen Welt den Kopf oben zu behalten, während sie gleichzeitig nicht genau weiß, wie man in High-Society-Häusern die Treppe hinuntergeht, ohne sich zu verlaufen. Ihre Beziehung zu Xavier hat mich ebenfalls positiv überrascht. In vielen YA-Romanen mit Royals bekommt man einen unnahbaren, sehr glatt polierten Love Interest. Hier jedoch hat Xavier etwas Verletzliches. Ja, er ist charmant, reich, gutaussehend – das volle Programm eben. Aber hinter der Fassade sieht man einen jungen Mann, der selbst nicht recht weiß, wie er die Erwartungen seiner Familie erfüllen soll, ohne dabei sich selbst zu verlieren. Sein trockener Humor und seine Fähigkeit, Ruby wirklich zu sehen, gaben ihrem Zusammenspiel Tiefe. Es fühlte sich nicht einfach nach einer kitschigen Romanze an, sondern wie eine Verbindung zwischen zwei Menschen, die beide aus ihrem Leben ausbrechen wollen, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen. Darüber hinaus mochte ich sehr, wie die Nebenfiguren eingesetzt wurden. Tabatha ist für mich das perfekte Beispiel dafür, wie man eine Nebenfigur skurril, exzentrisch und gleichzeitig richtig liebenswert schreibt. Sie wirkt auf den ersten Blick wie ein Wirbelwind aus Stil, Regeln und Höflichkeit, aber darunter spürt man eine Zuneigung zu Ruby, die an manchen Stellen fast rührend ist. Caroline war für mich eine der Figuren, die am meisten Potenzial für die Zukunft haben: erst wirkt sie kühl und standesbewusst, später blitzen Zweifel und Menschlichkeit durch, die viel über die Zwänge ihrer royalen Rolle sagen. Die Geschichte balanciert sehr bewusst zwischen humorvollen, charmanten Szenen und Momenten, die emotionaler und ernster sind. Besonders Rubys Suche nach ihrem Vater bringt eine Tiefenschicht in die Handlung, die sie davor bewahrt, nur oberflächlicher Royal-Gossip zu sein. Die Momente, in denen Ruby beginnt zu ahnen, dass ihre Identität vielleicht anders aussieht, als sie geglaubt hat, gehören für mich zu den stärksten Passagen. Natürlich lebt der Roman nicht von Realismus – und ich glaube, das soll er auch gar nicht. Er will Lesende in eine märchenhafte Welt hineinziehen, in der Haute Couture, Internatsflure voller Royals und skandalöse Partys zwar nicht realistisch, aber unglaublich unterhaltsam sind. Diese Mischung aus Eskapismus, Glamour und Herz hat mich sehr gut abgeholt. Ich war nie gelangweilt, oft amüsiert und immer wieder emotional investiert. Und dann dieses Ende! Diese offenen Fragen, die uns bewusst mit der Aussicht auf einen zweiten Band zurücklassen sollen. Was wird aus Caroline? Wird die Öffentlichkeit sie akzeptieren? Und vor allem: Was wollte Ollie sagen?! Ich habe wirklich zweimal zurückgeblättert, weil ich dachte, ich hätte etwas übersehen. Ein gelungenes Mittel, um die Spannung aufrechtzuerhalten – aber auch ein kleiner Angriff auf meine Geduld. Alles in allem ist der Roman für mich ein gelungenes, modernes Märchen mit royaler Würze, Humor, einer süßen Liebesgeschichte und einigen überraschend emotionalen Momenten. Er ist leichtfüßig, aber nie leer. Überdreht, aber nicht seicht. Und er hinterlässt genau das Gefühl, das man bei solchen Geschichten haben möchte: Man möchte in dieser Welt bleiben – zumindest für ein paar Kapitel länger.

Fazit:
„Hot Young Royals – Herz über Krone“ von Katy Birchall ist eine herrlich glamouröse, moderne Rom-Com, die mit Humor, Leichtigkeit und royalen Funken begeistert. Der Roman bietet ein tolles Figurenensemble, eine mitreißende Coming-of-Age-Geschichte und genug offene Fragen, um sehr neugierig auf eine Fortsetzung zu machen. Wer royale Dramen, Fake-Dating und starke, liebenswerte Figuren mag, wird dieses Buch verschlingen. Für mich war es ein echtes Wohlfühlerlebnis, weshalb ich liebend gerne 5 von 5 Sternchen vergebe.

Lieblingszitate:
»Danke, Jonty«, flüstere ich an seiner Schulter. »Ich dachte schon, ich hätte überhaupt keine Freunde mehr.«
»Du warst für mich da, als es mir dreckig ging, und Freundschaft ist keine Einbahnstraße«, beteuert er.
 (S. 426)
und
„»Ich hab dich wieder. Nur das zählt.«
»Du hattest mich nie verloren«, sage ich leise
. (S. 443)

Zwischen Torraum und Eisfläche:
Das außergewöhnliche Leben der Kathrin Lehmann

Wenn in München über Sport gesprochen wird, fallen schnell große Namen, große Arenen und große Titel. Doch manche Geschichten entfalten ihre Größe leiser und wirken dafür umso gigantischer. Die von Kathrin Lehmann ist so eine. Sie führt von olympischem Eis bis ins Tor des FC Bayern und erzählt von einer Frau, die sich nie bloß für eine Bühne entschied, sondern gleich mehrere eroberte.

Die bayerische Landeshauptstadt ist für viele Sportler und Sportlerinnen Durchgangsstation, Karrieresprungbrett oder Endpunkt. Für Kathrin Lehmann ist die Stadt Lebensmittelpunkt und Resonanzraum. Hier lebt die ehemalige Weltklasse-Athletin heute, hier ordnet sie ihre außergewöhnliche Laufbahn ein und prägt als Expertin die öffentliche Wahrnehmung des Sports mit.

Ein Karriereweg, der Regeln ignorierte

Was Lehmann erreicht hat, sprengt die üblichen Kategorien des Spitzensports. Bis heute ist sie die einzige Frau, die gleichzeitig auf höchstem Niveau Profi-Fußball und Profi-Eishockey gespielt hat. Die einzige Frau, die sowohl im Fußball als auch im Eishockey in der höchsten deutschen Spielklasse traf, zudem die einzige Frau, die in beiden Sportarten die Champions League gewann. Und die einzige Frau, die im selben Land parallel im Fußball und im Eishockey Meisterin wurde.

Während sich andere spezialisiert haben, kombinierte Lehmann beide Welten. Im Fußball stand sie im Tor, im Eishockey spielte sie als Stürmerin. Zwei Extreme, die sich für sie logisch ergänzten: „Alles, was ich trainiert habe, habe ich immer für beides trainiert“, sagt sie rückblickend. Das sei möglich gewesen, da die Torhüterposition im Fußball eine Maximal- und Schnellkraft-Position und Eishockey eine Maximal- und Schnellkraft-Sportart ist.

Und der Erfolg gab ihr recht. Lehmann spielte in vier Ländern, in ihrer Heimat, der Schweiz, Schweden, Deutschland und den USA – und in jedem dieser Länder gewann sie Teamtitel sowie individuelle Auszeichnung. 1999 wurde sie unter anderem zur Schweizer Fußballerin des Jahres gewählt.

Gänsehaut in Vancouver

Der emotionale Höhepunkt ihrer Karriere liegt für Lehmann in den Olympischen Spielen 2010, an denen sie auch schon 2006 mit der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft teilnahm. Als Kapitänin führte sie ihr Team in das Eröffnungsspiel gegen die Gastgeberinnen aus Kanada. „Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut“, erzählt Lehmann heute über die Atmosphäre bei diesem Match, „mehr geht nicht“. Ihre Schlittschuhe stehen heute im Olympischen Museum, ein stilles Zeugnis einer großen Karriere.

Und auch im deutschen Fußball schrieb Lehmann Geschichte. Zuvor hatte sie bereits lange in der Bundesliga gespielt, unter anderem für den FC Bayern München und den 1. FFC Turbine Potsdam. Dann, 2021, mit 41 Jahren, kehrte sie noch einmal auf die große Bühne zurück: als dritte Torhüterin des FC Bayern. Am Ende der Saison konnte sie sich mit den Münchnerinnen schließlich doch noch den Traum der Deutschen Meisterschaft erfüllen.

Studieren zwischen Trainingstaschen

Parallel zu all dem studierte Kathrin Lehmann Literaturwissenschaft, Mediävistik und Neue Geschichte. Sie lernte während Busfahrten und Trainingslagern, doch was für viele unvorstellbar klingt, war für sie Normalität. „Nie hat man so viel Zeit zu studieren, wie wenn man Spitzensportlerin ist“, sagt sie.

Eine Stimme mit Haltung

Auch nach dem Karriereende blieb Lehmann dem Sport treu. Heute ist sie eine feste Größe im deutschsprachigen Sportjournalismus, arbeitet als TV-Expertin und Kommentatorin unter anderem für das ZDF, MagentaSport und das Schweizer SRF. Ihre Analysen sind präzise, unaufgeregt, fundiert und geprägt von ihrer eigenen Erfahrung auf höchstem Niveau. Besonders im Frauenfußball ist sie eine der glaubwürdigsten Stimmen und ist sich auch nicht zu schade, kuriose Spielsituationen wie Alexandra Popps Hechtsprung bei der Fußball-Frauen-Weltmeisterschaft 2023 kurzerhand im Studio selbst nachzustellen.

Seit rund 20 Jahren organisiert sie zudem eigene Sportcamps für Mädchen und Frauen von jung bis alt. „Gemeinsam spielen, lachen, lernen“ lautet dabei ihr Leitsatz. Es geht ihr nicht nur um Technik, sondern um Selbstvertrauen, Gemeinschaft und Haltung.

Denn als Frau, die in männerdominierten Sportarten Fuß gefasst hat, kennt Lehmann auch die Schattenseiten. Sie spricht offen darüber, wie sehr Gleichberechtigung im Sportalltag noch immer vom guten Willen Einzelner abhängt. Ob bei der Kabinenaufteilung, der Platzvergabe oder bei grundsätzlichen Förderentscheidungen in Vereinen und Verbänden, vieles ist bis heute nicht selbstverständlich. Besonders prägend war für sie ein Satz aus ihrer Jugend: Sie dürfe nicht weiter Eishockey spielen, weil sie „einem guten Jungen den Platz wegnehmen“ würde. Ein Satz, der sinnbildlich für eine strukturelle Ungleichheit steht, die bis heute nicht vollständig überwunden ist.

Lehmanns Antwort darauf war jedoch nie Rückzug, sondern Leistung. „Wer sehr gut ist, dem öffnen sich Türen“, fasst sie nüchtern zusammen. Sie weiß zugleich, dass dieses Prinzip nicht für alle funktioniert und dass viele Talente auf der Strecke bleiben.

Ein Vorbild, das wirkt

Vielleicht liegt aber genau hier ihre größte Bedeutung: Kathrin Lehmann steht für eine Generation von Sportlerinnen, die sich ihren Platz nicht erbittet, sondern hart erarbeitet haben. Die Systeme nicht romantisieren, aber verändern wollen, und die heute als Expertinnen, Mentorinnen und Vorbilder Verantwortung übernehmen. Sie ist mehr als eine ehemalige Athletin, sondern eine Stimme des Sports, die über Titel hinaus wirkt. Und für junge Mädchen, die heute auf Eisflächen oder Fußballplätzen stehen, ist sie der Beweis, dass außergewöhnliche Wege erreichbar sind, auch wenn sie zunächst unmöglich erscheinen.