Autumn Secrets
(Bd. 2 der „Seasons by the Sea“-Reihe)
von Sarah Fulmar
Lübbe
Paperback
Slow Burn Romance
320 Seiten
ISBN: 978-3-757-70229-8
Ersterscheinung: 31.08.2026
Inhalt:
Penelope Anderson lebt und arbeitet als ehrgeizige Unternehmensberaterin in London und hat ihren beruflichen Weg fest im Blick. Nach einer besonders stressigen Zeit nimmt sie sich jedoch eine Auszeit und kehrt dafür nach St. Ives in Cornwall zurück. Dort übernimmt sie die Organisation der traditionellen Herbstwanderung und trifft dabei ausgerechnet auf Nathan Reeve, ihren ehemaligen Jugendschwarm und den besten Freund ihres Bruders. Nathan ist Farmer, dreizehn Jahre älter als Penelope und fest in St. Ives verwurzelt. Die beiden geraten zunächst immer wieder aneinander, doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto schwieriger wird es, die gegenseitige Anziehung zu ignorieren. Während zwischen ihnen langsam alte Gefühle und neue Nähe entstehen, stellt sich allerdings die Frage, ob ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe überhaupt miteinander vereinbar sind. Denn während Penelope ihre Zukunft in London sieht, hängt Nathans Herz an Cornwall.
Meinung:
Auf diesen zweiten Band der Reihe hatte ich mich bereits im Vorfeld vor allem deshalb gefreut, weil mich die Kombination aus Cornwall, Herbst, einer Cozy Romance und einer langsamen Annäherung sofort angesprochen hat. Das Setting in St. Ives hat auch diesmal wieder etwas sehr Wohliges an sich. Ich konnte mir die Küste, die Landschaft und die kleinen Wege rund um den Ort gut vorstellen und hatte beim Lesen durchaus dieses Gefühl, gedanklich für eine Weile nach Cornwall zu reisen. Gerade die Szenen rund um die Herbstwanderung haben mir dabei besonders gut gefallen, weil hier das Setting und die Geschichte schön miteinander verbunden wurden. Gleichzeitig muss ich aber sagen, dass bei mir das große Herbstgefühl, das ich mir aufgrund des Titels und der Aufmachung erhofft hatte, nicht ganz angekommen ist. Es gibt natürlich herbstliche Elemente, aber ich hatte mir insgesamt noch mehr davon gewünscht. Für mich stand tatsächlich St. Ives als Küstenort stärker im Vordergrund als der Herbst selbst. Das fand ich ein bisschen schade, weil ich gerade bei einer Cozy Romance mit diesem Thema auf ganz viel Herbststimmung gehofft hatte: Auf Spaziergänge durch buntes Laub, kalte Herbsttage, gemütliche Abende, warme Getränke und dieses typische Gefühl, das man bekommt, wenn man sich am liebsten mit einem Buch und einer Decke einkuscheln möchte. Penelope und Nathan waren für mich dabei eine interessante, aber nicht ganz unkomplizierte Kombination. Nathan mochte ich insgesamt sehr gerne. Seine eher verschlossene, grummelige Art, sein trockener Humor und seine kurzen Bemerkungen haben mir gut gefallen. Hinter seiner zunächst etwas abweisenden Fassade steckt deutlich mehr, und je besser man ihn kennenlernt, desto nachvollziehbarer wird, warum er Menschen lieber auf Abstand hält. Gerade seine Vergangenheit und die Verantwortung, die er trägt, machen ihn zu einer Figur, die für mich etwas mehr Tiefe bekommen hat. Auch seine Hündin Mopey fand ich einfach sympathisch. Mit Penelope hatte ich dagegen so meine Schwierigkeiten. Ich konnte ihren Ehrgeiz und ihren Wunsch nach einer erfolgreichen Karriere grundsätzlich nachvollziehen. Auch der Gedanke, das eigene Leben nicht für eine Beziehung komplett aufgeben zu wollen, ist für mich absolut verständlich und eigentlich ein interessanter Konflikt. Trotzdem hat mich ihre Art an einigen Stellen ziemlich genervt. Gerade ihre teilweise bissige und sture Art Nathan gegenüber konnte ich nicht immer nachvollziehen. Es gab Momente, in denen ich mir gewünscht hätte, dass sie etwas mehr über ihre eigenen Wünsche und Motive nachdenkt, anstatt sich so sehr an ihrem bisherigen Lebensplan festzuhalten. Genau dieser Konflikt zwischen Penelope und Nathan war für mich gleichzeitig eine der interessantesten Seiten der Geschichte. Denn eigentlich geht es gar nicht nur um die Frage, ob die beiden Gefühle füreinander haben. Viel spannender ist die Frage, ob zwei Menschen mit so unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben überhaupt einen gemeinsamen Weg finden können, ohne dass einer von beiden sich selbst aufgeben muss. Penelope gehört nach London, zu ihrer Karriere und ihrem bisherigen Leben, während Nathan in St. Ives verwurzelt ist. Das hätte meiner Meinung nach sehr viel emotionales Potenzial gehabt. Leider wurde dieses Potenzial für mich nicht immer vollständig ausgeschöpft. Besonders bei der Liebesgeschichte hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Die Entwicklung zwischen Penelope und Nathan ging teilweise schneller voran, als es für eine Slow-Burn-Romance für mich passend gewesen wäre. Ich hätte gerne mehr von den kleinen Momenten zwischen ihnen gelesen, mehr Gespräche, mehr gegenseitiges Kennenlernen und vor allem mehr von dem Gefühl, warum ausgerechnet diese beiden füreinander wichtig werden. Es gab durchaus schöne Szenen, aber emotional hat mir an einigen Stellen einfach noch etwas gefehlt. Auch die Kommunikation zwischen den beiden hätte für mich besser funktionieren dürfen. Es gab Situationen, in denen ich beide am liebsten einmal ordentlich geschüttelt hätte. Gerade weil sie an anderen Stellen durchaus vernünftig miteinander sprechen konnten, fand ich es manchmal schade, dass sie sich ihre Probleme unnötig schwer gemacht haben. Der Schreibstil hat mir dagegen wieder gut gefallen. Die Geschichte liest sich flüssig, locker und angenehm. Die eher kurzen Kapitel haben zusätzlich dafür gesorgt, dass ich immer wieder schnell weiterlesen konnte. Ich mag es, wenn ein Buch sich so unkompliziert lesen lässt und man ohne große Anstrengung in die Geschichte zurückfindet. Dadurch war „Autumn Secrets“ für mich trotz meiner Kritik ein richtig guter Roman für gemütliche Lesestunden. Was mir ebenfalls gefallen hat, war die Entwicklung der Figuren. Auch wenn ich nicht jede Entscheidung nachvollziehen konnte, fand ich den Gedanken schön, dass Penelope und Nathan im Laufe der Geschichte ihre bisherigen Vorstellungen hinterfragen müssen. Beide beginnen zu erkennen, dass das Leben nicht unbedingt nach dem Plan verlaufen muss, den man sich irgendwann einmal zurechtgelegt hat. Gerade diese Botschaft hat für mich gut zur Geschichte gepasst. Das Ende war für mich allerdings wieder etwas zu schnell. Nachdem vorher vieles relativ ausführlich aufgebaut wurde, ging mir gerade zum Schluss einiges zu plötzlich. Ich hätte mir gewünscht, dass bestimmte Entscheidungen und Veränderungen noch etwas mehr Raum bekommen und man stärker miterlebt, wie Penelope und Nathan zu ihren jeweiligen Entscheidungen kommen. Dadurch hätte die Geschichte für mich emotional noch einmal deutlich gewinnen können. Insgesamt hatte ich also durchaus schöne Lesestunden in St. Ives. „Autumn Secrets“ ist für mich kein schlechtes Buch – ganz im Gegenteil. Es ist eine angenehme, locker zu lesende Romance mit einem tollen Schauplatz, sympathischen Nebenfiguren und einem interessanten Konflikt rund um Liebe, Karriere und unterschiedliche Lebensentwürfe. Allerdings haben mir an einigen Stellen die Tiefe, die Intensität der Gefühle und das ganz besondere Herbstgefühl gefehlt. Nach dem Lesen bleibt bei mir deshalb vor allem das Gefühl zurück, dass die Geschichte wirklich nett war, aber mit etwas mehr emotionaler Ausarbeitung noch viel stärker hätte sein können.
Fazit:
„Autumn Secrets“ von Sarah Fulmar ist eine gemütliche Cornwall-Romance mit einem schönen Setting, sympathischem Kleinstadtflair und einer interessanten Geschichte über unterschiedliche Lebensentwürfe. Insgesamt vergebe ich 4 von 5 Sternchen.

