
Mistakes were made
(Bd. 2 der „Story Lake“-Reihe)
von Lucy Score
Forever by Ullstein
Paperback
624 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-98978-014-9
Ersterscheinung: 25.06.2026
Inhalt:
Nach ihrem beruflichen Absturz in New York verschlägt es die Literaturagentin Zoey Moody in die beschauliche Kleinstadt Story Lake. Während sie eigentlich nur darauf wartet, mit ihrer einzigen verbliebenen Klientin Hazel wieder erfolgreich durchzustarten, muss sie sich langsam damit arrangieren, vorerst in der Kleinstadt festzusitzen. Ausgerechnet ihr neuer Vermieter Gage Bishop macht ihr das allerdings nicht gerade leichter. Denn während Gage sich nach einer festen Beziehung und der großen Liebe sehnt, möchte Zoey eigentlich nur etwas Unverbindliches. Zwischen den beiden liegen also nicht nur ihre völlig unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben, sondern auch eine gehörige Portion Anziehung, der sie irgendwann nicht mehr ausweichen können.
Meinung:
Ich habe mich wirklich sehr darauf gefreut, nach Story Lake zurückzukehren. Schon im ersten Band fand ich Zoey als beste Freundin von Hazel unglaublich interessant, weil sie so anders ist als Hazel. Ihre chaotische, schlagfertige und manchmal etwas impulsive Art hat mich schon damals neugierig gemacht, und deshalb war ich sehr gespannt darauf, endlich ihre Geschichte kennenzulernen. Und was soll ich sagen? Story Lake hat mich auch diesmal wieder sofort abgeholt. Ich liebe dieses schrullige Kleinstadt-Setting einfach! Die Bewohner, bei denen gefühlt jeder über alles Bescheid weiß, die Rivalität mit Dominion, die Bishop-Familie und die ganzen kleinen Eigenheiten der Stadt sorgen für eine ganz besondere Atmosphäre. Es fühlt sich beim Lesen ein bisschen wie nach Hause kommen an. Besonders schön fand ich, dass viele bekannte Figuren aus dem ersten Band wieder auftauchen und man sie noch einmal aus einer anderen Perspektive erleben darf. Zoey mochte ich richtig gerne. Sie ist chaotisch, verplant und manchmal ein bisschen drüber, gleichzeitig aber unglaublich loyal, herzlich und zielstrebig. Hinter ihrer selbstbewussten Fassade steckt deutlich mehr, als man zunächst vermutet. Besonders ihre persönliche Entwicklung hat mir gefallen. Sie setzt sich mit Dingen auseinander, die sie lange nicht verstanden hat, und bekommt dadurch auch die Möglichkeit, sich selbst besser kennenzulernen. Die Thematik rund um ihre Neurodivergenz beziehungsweise ihre Diagnose fand ich interessant und einfühlsam eingebaut. Gerade weil Zoey lange nicht wusste, warum bestimmte Dinge für sie schwieriger sind als für andere, konnte ich viele ihrer Gedanken und Unsicherheiten gut nachvollziehen. An manchen Stellen hätte ich mir hierzu allerdings noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Gage war für mich der perfekte Gegenpol zu Zoey. Er ist strukturiert, verantwortungsbewusst und hat sein Leben scheinbar komplett im Griff, während Zoey eher das Chaos persönlich zu sein scheint. Genau diese Gegensätze haben für viele unterhaltsame Situationen gesorgt. Ich mochte seine ruhige und fürsorgliche Art unglaublich gerne und fand es schön, wie sehr er Zoey unterstützt, ohne sie verändern zu wollen. Gleichzeitig bringt Zoey ihn dazu, spontaner zu werden und nicht immer alles bis ins kleinste Detail zu planen. Die beiden ergänzen sich dadurch richtig gut. Besonders die Chemie zwischen Zoey und Gage hat mir gefallen. Die beiden wissen eigentlich von Anfang an, dass sie völlig unterschiedliche Dinge wollen: Gage sucht die Frau fürs Leben, während Zoey sich auf keinen Fall auf eine feste Beziehung einlassen möchte. Und natürlich funktioniert der Plan, sich voneinander fernzuhalten, überhaupt nicht. Ich mochte die Spannung zwischen ihnen, die witzigen Schlagabtausche und vor allem, dass sich ihre Beziehung nicht einfach von heute auf morgen verändert. Es macht Spaß zu beobachten, wie aus der anfänglichen körperlichen Anziehung langsam mehr entsteht. Auch der Humor war für mich wieder ein großes Highlight. Lucy Score schreibt unglaublich locker und hat ein tolles Gespür für witzige Dialoge. Einige Gespräche zwischen Zoey und Gage haben mich wirklich zum Schmunzeln gebracht, und auch die Nebenfiguren sorgen immer wieder für herrlich schräge Situationen. Teilweise ist der Humor schon ziemlich überspitzt, aber genau das gehört für mich zum typischen Lucy Score-Stil dazu. Wenn man sich darauf einlässt, kann man mit diesem Buch definitiv sehr viel Spaß haben. Trotz der Leichtigkeit bringt die Geschichte auch ernstere Themen mit. Neben Zoeys persönlicher Entwicklung fand ich besonders schön, dass es nicht ausschließlich um die Liebesgeschichte geht. Auch familiäre Themen, Vergebung, persönliche Ziele und der Umgang mit schwierigen Situationen bekommen ihren Raum. Dadurch hatte die Geschichte für mich mehr Tiefe, als man bei einer humorvollen Kleinstadt-RomCom vielleicht zunächst erwarten würde. Die wechselnden Perspektiven von Zoey und Gage haben mir ebenfalls gut gefallen. Gerade bei Gage fand ich es schön, seine Gedanken und Beweggründe kennenzulernen und dadurch besser zu verstehen, was hinter seiner ruhigen Fassade steckt. Beide Figuren wirken dadurch greifbarer und ihre Entwicklung lässt sich gut nachvollziehen. Auch der Spice hat für mich gut funktioniert. Es gibt definitiv einige spicy Szenen, aber im Vergleich zu manch anderen Büchern der Autorin empfand ich die Menge als deutlich besser dosiert. Für mich haben die Szenen die Geschichte nicht überlagert, sondern sich insgesamt gut in die Romance eingefügt. Ein kleiner Kritikpunkt ist allerdings die Länge. Das Buch hat über 600 Seiten und meiner Meinung nach hätte die Geschichte diese Länge nicht unbedingt gebraucht. Gerade am Anfang hat es für mich ein wenig gedauert, bis ich wirklich komplett in der Handlung angekommen bin, und zwischendurch gab es immer wieder Passagen, bei denen ich dachte, dass man sie etwas hätte kürzen können. Einige Situationen und Gespräche wiederholen sich, wodurch sich die Geschichte stellenweise etwas zieht. Das ist schade, denn eigentlich hat die Handlung genug Charme, dass sie auch mit weniger Seiten wunderbar funktioniert hätte. Auch mit der Entwicklung am Ende hatte ich ein kleines Problem. Zoey und Gage haben zunächst sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was sie vom Leben und von einer Beziehung wollen. Dass sie letztendlich einen gemeinsamen Weg finden, hat mir natürlich gefallen, aber mit dem Kompromiss war ich nicht ganz glücklich. Für mich fühlte es sich an manchen Stellen ein wenig zu sehr danach an, als müsste einer von beiden seine Vorstellungen anpassen. Genau deshalb hat mir am Ende noch ein kleines bisschen etwas zu den fünf Sternen gefehlt. Und dann muss ich noch kurz über das Cover sprechen, denn leider passt es für mich überhaupt nicht zur Geschichte. Zoey wird als rothaariger Lockenkopf mit grünen Augen beschrieben und ist außerdem ziemlich modebewusst. Auf dem Cover sehe ich dagegen eine Brünette mit Brille und eher schlichtem Outfit. Auch Gage erkenne ich darin nicht wirklich wieder. Dazu kommt das Fahrrad, das für mich keinen wirklichen Bezug zur Geschichte hat. Ich finde es einfach schade, wenn ein Cover so wenig mit den beschriebenen Figuren und der Handlung übereinstimmt. Gerade weil ich das englische Cover deutlich passender finde, hätte ich mir hier eine stimmigere Gestaltung gewünscht. Insgesamt hatte ich aber wirklich viel Spaß mit dem Buch. Ich liebe diese Mischung aus Kleinstadtchaos, Humor, Romance und Found-Family-Feeling einfach. Zoey und Gage waren für mich ein tolles Paar, Story Lake hat wieder absolutes Wohlfühlpotenzial und die Nebenfiguren machen definitiv Lust darauf, noch länger in dieser Welt zu bleiben. Jetzt bin ich sehr gespannt auf Levis Geschichte und darauf, welche Überraschungen Story Lake noch bereithält.
Fazit:
„Mistakes were made“ von Lucy Score ist eine humorvolle und Kleinstadt-RomCom mit viel Herz, tollen Figuren und einer richtig schönen Chemie zwischen Zoey und Gage. Besonders Story Lake und seine liebenswert-schrulligen Bewohner haben es mir wieder angetan. Trotz einiger Längen und eines kleinen Kritikpunkts bei der Entwicklung von Zoeys und Gages gemeinsamen Zukunftsplänen konnte mich die Geschichte insgesamt sehr gut unterhalten. Dafür gibt es von mir sehr gute 3,5 von 5 Sternchen.

