{Rezension} Zitronensüß

Zitronensüß
von Jenny Han

dtv
(Reihe Hanser)
Taschenbuch
Jugendbuch
272 Seiten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-423-71874-5
Ersterscheinung: 19.02.2021

Meine Lieblingszitate:
Ich bin nämlich zufällig hochbegabt. Ich hab’s nicht nötig, Anleihen bei anderen Leuten zu machen, anders als gewisse Troglodyten, die ich kenne. (S. 10)

Für Daddy ist Mama genau so, wie eine Frau sein sollte: schön, klug, charmant. Schönheit macht schlechte Eigenschaften erträglich. (S. 16)

„Shug, wenn du selbst deinen eigenen Wert nicht siehst, dann  kannst du das verdammt noch mal nicht von anderen erwarten.“ (S. 238)

Sie sagt, Leute, die ihren Problemen nicht ins Auge sehen, seien die allergrößten Feiglinge.
(S. 241)

Wenn du anders als die anderen bist, dann lieben sie dich oder sie hassen dich, und wofür sie sich entscheiden, kann niemand vorhersagen. Man weiß es nicht. (S. 250)

Wir leben auf einem Planeten, in einem Meer aus Sternen. So nah sind sie, dass man nur die Hand auszustrecken bräuchte, um einen von ihnen herunterzuholen und für Notzeiten einzustecken. Wenn ich ein Fischernetz hätte, würde ich sie mir alle einfangen und an meiner Zimmerdecke festmachen. (S. 259 f.)

Wie kann man sich auf MORGEN vorbereiten,
wenn man nicht mal das HEUTE kapiert?!


Inhalt:
Annemarie, die von ihrer Familie liebevoll Shug genannt wird, ist mitten in der schlimmsten Phase ihres Lebens, denn sie ist 12 und irgendwie verändert sich gerade alles um sie herum. Alle verhalten sich so merkwürdig. Oder ist es vielleicht doch sie selbst, die sich gerade verändert?

Meinung:
Der Titel hat mich irgendwie direkt angesprochen, was man vom Cover nicht gerade sagen kann. In der Regel lasse ich mich sehr oft vom ersten Erscheinungsbild verleiten, aber dieses Mal war es definitiv nicht die Cover-Liebe auf den ersten Blick. Vermutlich hat mich eher die Autorin angesprochen, denn bei diesem Roman handelt es sich um das Debüt von Jenny Han. Der Schreibstil der Autorin ist jugendlich frisch und leicht lesbar. Perfekt war die Geschichte noch lange nicht, aber ich hatte ein paar wunderschöne Lesemomente. Dieser Jugendroman ist humorvoll und daher sehr unterhaltsam. Die Lovestory ist zwar offensichtlich, aber dennoch zuckersüß. Shug ist ein recht sympathischer Charakter, ihre Welt steht gerade Kopf und dann kommen auch noch große Selbstzweifel hinzu. Themen wie eine sich anbahnende Trennung der Eltern, eine alkoholkranke Mutter, ein fast nie anwesender Vater, die pubertäre Selbstfindung, die erste Liebe und das Erwachsenwerden wurden von der Autorin authentisch und realistisch umgesetzt – allerdings nur oberflächlich, was aber für das Lesealter ab 12 Jahren eigentlich vollkommen ausreichend ist. Shugs Humor ist einzigartig und allein für Shugs Sprüche und Gedanken hat sich das Lesen gelohnt!

Fazit:
Gnadenlos ehrlich und absolut hinreißend erleben wir Shugs Gefühlschaos hautnah mit und erfahren so ganz nebenbei „Zwölf ist das perfekte Alter für den ersten Kuss, das weiß doch jeder“. Das Debüt von Jenny Han ist eine humorvolle Geschichte aus dem Leben eines Teenagers für Mädchen ab 12 Jahren und deshalb erhält „Zitronensüß“ zuckersüße 4,5 von 5 Sternchen.

Herzlichen Dank an die dtv Verlagsgesellschaft für dieses Rezensionsexemplar.

{Rezension} Das tiefe Blau der Worte

Das tiefe Blau der Worte
von Cath Crowley

Carlsen Verlag
Taschenbuch
Jugendbuch
400 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Originaltitel: Words in Deep Blue
ISBN: 978-3-551-31949-4
Ersterscheinung: 03.12.2020

Worte sind wichtig, sie sind nicht sinnlos. Wenn sie einfach nur Worte wären, würden die Leute sich nicht ihretwegen verlieben, ihretwegen glücklich oder unglücklich sein.

Inhalt:
Bis vor drei Jahren waren Rachel und Henry die besten Freunde. Als Rachel mit ihrer Familie wegzog, hinterließ sie Henry einen Liebesbrief. Sie versteckte diesen in Henrys Lieblingsbuch in der Buchhandlung seiner Familie, in der Hoffnung, dass er ihn findet und dann zu ihr kommt – doch er hat nie geantwortet. Für Rachel ein Grund, sich ein Leben ohne Henry aufzubauen. Bis sie eines Tages zurückkehrt und wieder mit Henry in der Buchhandlung arbeitet…

Meinung:
Buchhandlungen ziehen mich magisch an, vor allem die kleinen romantischen. Also ist es kaum verwunderlich, dass mich dieses Buch direkt angesprochen hat, denn das Setting befindet sich in der gemütlichen Buchhandlung von Henrys Familie. Cath Crowleys Schreibstil ist so wundervoll, so authentisch, dass ich das Gefühl hatte, selbst in der Buchhandlung zu stehen. Obwohl die Thematik teilweise echt drückend und traurig ist, empfand ich die Atmosphäre dennoch als sehr angenehm. Die Geschichte rund um Rachel und Henry ging mir so nah – ja, die beiden Protagonisten haben sich umgehend in mein Herz geschlichen. Diese Geschichte lebt nicht von Dramen oder sich aufbauenden Spannungsmomenten, sondern von der Tiefe der Emotionen. Dieser besondere Liebesroman über die Welt der Bücher ist eine nicht allzu spannende Geschichte, aber eine gefühlvolle Geschichte mit Themen wie Liebe und Freundschaft, Trauer und Verlust. Aber auch der innere Zwiespalt junger Menschen, die hin- und hergerissen werden zwischen den eigenen Wünschen und Vorstellungen und dem, was andere von ihnen erwarten, spielt eine große Rolle. Ich liebe Bücher, die es schaffen, mich emotional abzuholen. Es ist unfassbar berührend zu beobachten, wie Rachel Stück für Stück und immer mehr zu ihrem neuen Ich findet und wie die Leere in ihrem Herzen sich langsam füllt. Und Henry? Den herzensguten Henry hätte ich am liebsten einfach nur gerne einmal in den Arm genommen, um ihn nur ein einziges Mal ganz fest zu drücken. Dieses Buch gibt dem Leser so unglaublich viel.

Fazit:
„Das tiefe Blau der Worte“ von Cath Crowley ist ein wundervoller und gefühlvoller Jugendroman für Leser ab 14 Jahren. Die Geschichte punktet mit einem traumhaften Setting, tiefgründigen Charakteren und der Liebe zum geschriebenen Wort. Wer auf der Suche nach Liebe ist, wird diese zwischen den Zeilen finden. Von mir gibt es die absolute Leseempfehlung und 5 von 5 Sternchen.

Herzlichen Dank an den Carlsen Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

{Rezension} Wiedersehen mit Lucky

Wiedersehen mit Lucky
von Jenn Bennett

Carlsen Verlag
Broschiert mit Klappe
Jugendbuch
272 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Meine persönliche Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Originaltitel: Chasing Lucky
ISBN: 978-3-551-58437-3
Ersterscheinung: 18.03.2021

Meine Lieblingszitate:
„Dann folge deinen Träumen. Ganz oder gar nicht. Das meine ich ernst. Kein Witz. Auch kein schlechter.“ (S. 115)

„Bei Sonnenuntergang werfen selbst kleine Bäume große Schatten.“ (S. 140)

„Im Fernsehen sieht man auch Schweine surfen. Deswegen ist das noch lange nicht Realität.“ (S. 140)

„Vielleicht sind wir zusammen magisch.“ (S. 231)

„Mein bester Freund. Mein Liebster. Der eine Mensch auf der Welt, mit dem ich reden kann, ohne ein einziges Wort zu sagen.“ (S. 374)

„Und manchmal sind Orte, die wir für Pforten zur Hölle halten, bloß Dinge, vor denen wir uns fürchten.“ (S. 376)

„…aber ihr wisst ja, was eine weise Frau mal zu mir gesagt hat: Wäre es einfach könnte es jeder Kasper.“ (S. 379)

Inhalt:
Nach fünf Jahren und zahlreichen Umzügen kehrt die siebzehnjährige Josie mit ihrer Mutter zurück nach Beauty. Wissend, dass es ihre Mutter nicht lange einem Ort aushält, hat Josie mittlerweile ihre eigenen Ziele und Pläne. Während ihre Mutter in Abwesenheit ihrer Grandma Diedre die Leitung der familiären Buchhandlung übernimmt, will Josie ihren Schulabschluss machen, um dann zu ihrem Vater, einem bekannten Fotografen, nach Los Angeles zu ziehen. Doch dann steht Lucky plötzlich vor ihr…

Meinung:
Immer wieder begegnete mir das Buch „Unter dem Zelt der Sterne“, eine romantische Komödie über den Neuanfang in Sachen Liebe für junge Leser ab 14 Jahren. Einige Bloggerkollegen schwärmten in den höchsten Tönen von diesem Werk und dem Schreibstil der Autorin Jenn Bennett, andere wiederum haben mir davon abgeraten und das Buch als „Zeitverschwendung“ betitelt. In dieser Hinsicht mache ich mir gerne selbst ein Bild, deshalb werde ich eines Tages auch dieses Buch lesen, aber zuerst war nun das neue Buch dran, das rein optisch gesehen, schon recht nett wirkt – also nichts Spektakuläres, aber dennoch hübsch anzuschauen. Den Klappentext fand ich interessant und ich habe mich wirklich auf ein paar romantische und atmosphärische Lesestunden gefreut, doch so sehr ich es auch wollte, die ersten Seiten waren eine Qual. Ich kam erst nach Ewigkeiten in die eigentliche Geschichte rein. Die Kapitel beginnen immer mit einer Beschreibung eines Schildes. Eine sehr originelle Idee. Ich selbst bin in meiner Freizeit oft mit meiner Kamera unterwegs und mache mich auf die Suche nach geeigneten Fotomotiven. Dabei habe ich auch schon oft feststellen müssen: „Im Gegensatz zu Menschen rühren sich Schilder nicht von der Stelle. Sie warten darauf – vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche -, dass man sie fotografiert.“ Schade, dass ich als Leserin Josies künstlerische Seite nicht sehen konnte. In Bildern sieht man die Seele eines Fotografen, man kann tief hineinblicken und sehr viel über den Menschen hinter der Linse erfahren. Das fehlte mir. Wo ist denn der eigentliche Sinn dieser Kapitelüberschriften, wenn wir Josies Fotos dieser Schilder nicht sehen können? Schade! Das Setting hingegen konnte ich mir auch ohne Bilder sehr gut vorstellen. Während des Lesens fühlte es sich an, als wäre ich selbst im Sommerurlaub im kleinen Küstenstädtchen Beauty. Die Geschichte beginnt mit dem Umzug und somit der Rückkehr nach Beauty. Weshalb Josies Mutter vor fünf Jahren fluchtartig die Stadt verlassen hat, bleibt vorerst ein großes Geheimnis. Josie wirkt recht sympathisch, doch ich persönlich wurde nicht warm mit ihr. Auf der einen Seite ist sie ziemlich naiv und unreif, dann wiederum äußerst schlagfertig, was zu sehr unterhaltsamen Dialogen mit Lucky führt. Josie hat bei all den Umzügen und Geheimnissen ihrer Mutter nie das Bedürfnis gehabt, Fragen zu stellen. Sie hat sich auch nie jemandem anvertraut. „Bei einem Umzug bleibe ich normalerweise für mich und schließe nur mit wenigen Freundschaft. Menschen sind nicht austauschbar. Es tut weh, wenn man jemanden ins Herz schließt und ihn wenige Monate später wieder verlassen muss – meine Mutter scheint das allerdings nicht zu verstehen.“ Also irgendwie nachvollziehbar, dass Josie so ist, wie sie ist. Ihre Mutter, die „Immer-auf-der-Piste-Winona“, war ihr nie eine richtige Mutter. So etwas wie Familie hat Josie, kennt sie aber nicht. Also ist es auch nicht verwunderlich, dass Josie niemanden in ihre Pläne einweihen will. Zuerst auch Lucky nicht, doch ihr bester Freund aus Kindertagen kennt Josie nur allzu gut und reimt sich eins und eins zusammen. Obwohl Lucky einen düsteren Charme versprüht und eher abweisend ist, mochte ich ihn auf Anhieb. Dieser Lucky 2.0, der Mr Gar-nicht-so-ein-Bad-Boy, liebt Bücher, er hat einen wahnsinnig guten Sinn für Humor und sieht trotz Narben richtig gut aus. Ich sage es mal mit Josies Worten: „In seinen Augen erkenne ich Jahre der Einsamkeit, die Wut und Bitterkeit, die Narben, die das Feuer  hinterlassen haben, und jedes Gerücht in der Stadt. Ich sehe alles. Das Gute, das Schlechte, das Einsame.“ Hat man einmal den Ruf als Bad Boy weg, wird man diesen nicht so schnell los. Lucky selbst scheint das allerdings überhaupt nicht zu stören – auch ein Weg, um sich hinter einer schützenden Mauer zu verstecken. Doch lernt man ihn näher kennen, findet man ziemlich schnell den weichen Kern hinter der harten Schale. Dass Josie sich also zu ihrem ehemals besten Freund aus Kindertagen sehr rasch hingezogen fühlt, obwohl ihr alle raten, dass sie sich lieber von ihm fernhalten soll, kann ich sehr gut nachvollziehen. Dass die Autorin natürlich noch einige Wendungen und Missverständnisse einfließen lässt, damit es bis zum Schluss spannend bleibt, war zu erwarten. An einigen Stellen finde ich die Geschichte dann aber etwas zu überzogen. Authentisch ist diese Lovestory irgendwie nicht. Dennoch haben mich Themen wie die erste Liebe und das Erwachsenwerden, Selbstfindung und Zukunftsängste, aber auch das Verzeihen und das Einreißen von schützenden Mauern bestens unterhalten. Vor allem aber waren die zahlreichen tiefgründigen Momente mein Highlight, denn „Wir können bloß aufwachen. Besser sein. Zugeben, wenn wir uns geirrt haben, versuchen, unsere Fehler in Ordnung zu bringen, und so viele unsichtbare Wände einreißen wie möglich.“

Fazit:
„Wiedersehen mit Lucky“ von Jenn Bennett ist ein romantischer Jugendroman für junge Leserinnen, die gerne Second-Chance-Lovestorys lesen. Die Geschichte hat ihre Höhen und Tiefen und punktet mit einem traumhaften Setting, herzerwärmenden Gefühlen und witzigen Dialogen. Wer auf der Suche nach einem guten Buch für zwischendurch ist, wird mit dieser Sommerromanze bestens unterhalten. Von mir gibt es 4 von 5 Sternchen.

Herzlichen Dank an den Carlsen Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

{Rezension} Die Spur führt zu dir

Die Spur führt zu dir
von Amy Stern

Carlsen Verlag
Taschenbuch
Jugendbuch
208 Seiten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-551-31997-5
Ersterscheinung: 29.04.2021

Meine Lieblingszitate:
„Das Leben war bisweilen spannender als jeder Film. Mit einer richtigen Katastrophe und einem Happy End. Und ich befand mich irgendwo dazwischen.“ (S. 38)

„Wenn man sich verliebt, verliebt man sich, oder? Und wenn nicht, dann eben nicht.“ (S. 65)

„Oder man stellt fest, dass es genau richtig war, auf sein Gefühl zu hören.“ (S. 89)

Inhalt:
Wie wahrscheinlich ist es, auf einer Zugfahrt von München nach Venedig vom Blitz getroffen zu werden? Wahrscheinlich eher unwahrscheinlich. Aber dass man dabei auch noch seiner ganz großen Liebe begegnet – das ist statistisch gesehen wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn man dann noch versäumt, den Traumtypen mit den Wahnsinnslocken und den Wahnsinnsaugen nach der Telefonnummer zu fragen… Oh nein! Zum Glück kennt Ellas Cousine Matilde jeden noch so kleinen Winkel Venedigs. Ellas Urlaub entwickelt sich zu einem unvergesslichen Abenteuer, denn die Suche nach Fabio in den Gassen Venedigs ist leider mit Hindernissen und Missverständnissen verbunden. Ob die beiden tatsächlich zueinander finden?

Meinung:
Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, wie ich anfangen soll, denn ich bin ein klein wenig zwiegespalten. Die Geschichte ist grundsätzlich richtig zuckersüß, locker und leicht, romantisch und wahnsinnig gefühlvoll. Aufgrund des jugendlichen und frischen Schreibstils der Autorin konnte ich mit der siebzehnjährigen Ella einen wunderschönen Urlaub in Venedig erleben. Aber es gab einfach auch ein paar Punkte, die mich gestört haben bzw. die man einfach hätte besser machen können, um ein perfektes Rundumpaket zu erhalten. Fangen wir mal beim Cover an… Ist es nicht schön? Es lässt einen gleich den Sommer spüren und macht auf jeden Fall Lust auf den nächsten Urlaub in Italien. Ich glaube, das waren wohl die Gedanken, die den Verlag zur Wahl dieses Covers bewegt haben. Ich persönlich mag die Leichtigkeit, die es ausstrahlt, und auch die Einteilung der Bilder – aber es ist das falsche Cover! Sorry, das geht gar nicht! Wenn man Menschen auf einem Cover abbildet, dann sollten diese doch zumindest eine Ähnlichkeit mit den Protagonisten haben, oder? Das Pärchen auf dem Cover hat aber in keiner Weise auch nur irgendetwas mit Ella und Fabio zu tun. Zeitweise war ich gedanklich so beschäftigt, dass ich mich auf die eigentliche Geschichte nicht mehr konzentrieren konnte. Ich dachte die ganze Zeit, da kommt sicher noch irgendein anderer Typ ins Spiel – vielleicht sogar ihr Ex Elias, der sich von ihr getrennt hat, als er nach Dresden gezogen ist, weil er keine Lust auf eine Fernbeziehung hatte. Aber nein – auch wenn ich ungern spoilern möchte – Elias hat rein gar nichts mit dieser Liebesgeschichte zu tun. Ich verrate auch nicht zu viel, wenn ich euch jetzt sage, dass das tatsächlich Ella und Fabio sind. Mir stellt sich dabei nur die Frage, wieso denn niemandem aufgefallen ist, dass Ella eigentlich einen kurzen Bob trägt und dass Fabio ein Traumtyp mit Wuschellocken, die er zu einem Dutt bindet, ist?! Haben denn die Verantwortlichen das Buch nicht gelesen? Amy Stern hat die besondere Gabe, alles so detailliert und bildlich zu beschreiben, dass man alles ganz genau vor sich sieht, als wäre man direkt vor Ort. Ich selbst war noch nie in Venedig, aber ich konnte mir ein fantastisches Bild von dieser wundervollen Stadt machen. Ich würde sogar fast behaupten, dass ich keinen Stadtplan benötige, wenn ich eines Tages mal nach Venedig komme. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wurden hier so schön und kompakt zusammengetragen, dass ich mir bei der Schnitzeljagd quer durch die engen Gassen Venedigs sogar noch mehr Details gewünscht hätte. Eine perfekte Umsetzung, um das Ganze auch visuell verarbeiten zu können, wäre beispielsweise noch eine Karte im Innenteil des Umschlags gewesen. Somit hätte ich als Leserin direkt mitverfolgen können, welchen Weg Ella und ihre zauberhafte und romantisch veranlagte Cousine Matilde auf der Suche nach Fabio einschlagen. Wie bereits erwähnt, war ich ja noch nie in Venedig und deshalb hatte ich ein paar kleinere Orientierungsschwierigkeiten. Eine Karte wäre hilfreich gewesen. Ein besonderes Highlight wäre auch ein kleiner Sprachführer gewesen. Eine Seite am Ende hätte vollkommen gereicht, denn so hätte ich noch ganz nebenbei die touristischen Grundlagen erlernen können, die ich benötige, um mir ein Nugateis in Nicos Eisdiele zu bestellen. Wie gesagt, ich hatte teilweise das Gefühl, selbst in den Gassen Venedigs zu flanieren. Nun zu den Schreib- bzw. Tippfehlern, die ich leider erwähnen muss, denn ganz sachlich betrachtet, erwarte ich beim Lesen eine ungestörte Reise. Klar bin ich pingelig, wenn es mich stört, dass aus Anne eine Anna wird, aber wenn es bei einem Fehler oder auch mal zwei oder drei bleiben würde, dann könnte man auch darüber hinwegsehen, aber ich kann euch sagen, es sind deutlich mehr. Schade, denn dafür kann die Autorin schließlich nichts, dafür gibt es andere, die den Job machen sollten. Also, was soll ich tun? Das Cover und die Schreibfehler fließen bei mir indirekt auch in jede Bewertung ein, aber mir stellt sich die Frage, ob ich das verantworten kann. Kann und soll ich ein Buch schlechter bewerten, nur weil rund um das Buch schlampig gearbeitet wurde? Oder soll ich die eigentliche Geschichte bewerten? Man spürt die Liebe in diesem Roman – nicht nur die von Ella zu Fabio und umgekehrt, sondern auch Amy Sterns Liebe zu Venedig. Dieses Auf und Ab der Gefühle, die Verwechslungen und Missgeschicke, die sympathischen Protagonisten, die zahlreichen wichtigen Themen wie Umweltschutz oder auch Frauen, die sich in der Männerdomäne der Gondolieri behaupten müssen, und vor allem das traumhafte Flair dieser wunderschönen Stadt haben mich bestens unterhalten. Auch wenn ich mir ein runderes Ende gewünscht hätte, wie beispielsweise ein Kunststudium in München und nicht nur einen kleinen Urlaub in Berlin (weil ich einfach romantisch veranlagt bin), hat mir Ellas und Fabios Sommerabenteuer ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Fazit:
Mit „Die Spur führt zu dir“ ist Amy Stern ein wundervolles Debüt gelungen. Vor allem das Setting konnte mich begeistern, denn Venedig erschien mir so real und lebendig, so unfassbar schön. Diese romantische und witzige Liebesgeschichte für das Lesealter ab 12 Jahren ist zum Dahinschmelzen und ein hinreißendes Buch für zwischendurch, deshalb gibt es von mir 4,5 von 5 Sternchen.

Hinweis:
Das optische Erscheinungsbild und die Fehler im Buch habe ich aus oben genannten Gründen nicht negativ in die Bewertung einfließen lassen, denn das wäre gegenüber der Autorin einfach nicht fair gewesen.

Herzlichen Dank an den Carlsen Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

{Rezension} Erwachen des Lichts
(Götterleuchten, Bd. 1)

Erwachen des Lichts
(Götterleuchten, Bd. 1)
von Jennifer L. Armentrout

MIRA Taschenbuch
Broschiert
448 Seiten
Altersempfehlung: 14 – 16 Jahre
Originaltitel: The Return
ISBN: 978-3-7457-0114-2
Ersterscheinung: 28.12.2020

Inhalt:
Für Josie ändert sich das Leben schlagartig, als sie erfährt, dass sie eine Halbgöttin ist. Sie wurde dazu auserkoren, die Unsterblichen des Olymps im Kampf gegen die Titanen zu unterstützen. Nun muss Josie lernen, ihre Kräfte zu nutzen. Zur Seite steht ihr dabei Seth, ein attraktiver Unbekannter.

Meinung:
Dieser Auftakt der „Götterleuchten“-Fantasysreihe von Jennifer L. Armentrout ist von der ersten Seite an spannend, fesselnd und äußerst vielversprechend. Ein wundervoller erster Band einer wunderschönen Story. Geschichten rund um die griechische Mythologie fand ich schon immer faszinierend. Josie und Seth mochte ich tatsächlich gleich von Anfang an unglaublich gerne. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden hat mich berührt, mich schmunzeln lassen, aber auch an den Rand der Verzweiflung gebracht. Vor allem hat sie aber auch mein Herz erwärmt.  Da die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten erzählt wird, konnte ich tief in Josies und Seths Gedanken- und Gefühlswelt blicken. Auch die beiden Welten, die der Götter und die der Sterblichen, wurden von der Autorin hervorragend beschrieben, sodass ich mir alles sehr bildlich vorstellen konnte. Dennoch hätte ich mir vielleicht insgesamt ein klein wenig mehr Spannung gewünscht, denn die kam erst gegen Ende etwas auf. Ich gehe aber davon aus, dass in den Folgebänden noch mehr kommt.

Fazit:
Mit „Erwachen des Lichts“ ist Jennifer L. Armentrout ein fantasiereicher und atmosphärischer Auftakt gelungen. Viele Spannungsmomente, ein wenig Humor und jede Menge Emotionen machen mich neugierig auf den zweiten Band der „Götterleuchten“-Reihe. Von mir gibt es 4 von 5 Sternchen.

Herzlichen Dank an Harper Collins für dieses Rezensionsexemplar.