Interview mit Stefanie Gerstenberger

Ich beteilige mich sehr gerne an Leserunden wie z.B. bei LovelyBooks oder bei der Lesejury, weil ich ganz großen Spaß daran habe, zu erfahren, was die anderen Leser an einem Buch gut finden oder auch nicht. Manche Textstellen werden ja auch ganz anders wahrgenommen und interpretiert. Ganz spontan kam es dann im Mai dazu, dass ein paar junge Buchbloggerinnen gemeinsam mit mir das Buch „Die Wunderfabrik: Keiner darf es wissen!“ von Stefanie Gerstenberger lesen wollten. Wir waren so begeistert von dem Buch, dass wir uns entschlossen haben: „Das müssen wir wieder tun!“ Deshalb lesen wir ab sofort „Die Wunderfabrik: Nehmt euch in Acht!“ Das schöne an unserer kleinen Leserunde ist aber die Tatsache, dass uns die Autorin abermals begleitet. Stefanie Gerstenberger hat uns auch schon während der ersten Runde mit Hintergrundinformationen versorgt und ich möchte euch natürlich nicht vorenthalten, welche Fragen ich der Autorin zwischenzeitlich gestellt habe. 😉

Leo: Ich bin überrascht, was du alles gemacht hast, bevor du Autorin geworden bist. Wie kam es denn dazu, dass du dich dann entschlossen hast ein Buch zu schreiben und dann gleich einen Bestseller? War „Das Limonenhaus“ tatsächlich dein erstes Werk oder hast du früher auch schon geschrieben?

Steffi: Nachdem ich mit 26 Jahren zwei Sommer hintereinander auf Elba verbracht habe, dort habe ich in einer kleinen Bar (aber eigentlich war’s eine Eisdiele), gearbeitet, und beim zweiten Mal dann in einer Diskothek an der Kasse, dachte ich: Mensch, jetzt hast du so viele tolle Sachen erlebt, die schreibst du jetzt mal auf! Und das tat ich. Und kam nach 60 Seiten nicht weiter, und konnte auf einmal nicht mehr schreiben und hatte keinen Plan … Dann las ich mehrere Bücher über das Schreiben und schrieb weiter, am selben Buch, ungefähr sechs Jahre lang. Kein Witz! Irgendwann war der Roman fertig, aber niemand wollte ihn haben, keine Agentur, und auch kein Verlag. Er war einfach noch nicht gut, aber das wusste ich nicht und war ziemlich frustriert.
Eine Freundin sagte dann, schreib doch noch ein zweites Buch, da ging ich erstmal wütend an die Decke, denn so einfach ist das alles nicht…
Aber: Sie hatte recht! Nachdem ich auf Sizilien war, hatte ich wieder eine Idee und begann…, diesmal besser vorbereitet, und ich schrieb auch nicht über meine Erlebnisse, sondern über die anderer Menschen: Das Limonenhaus. Die Agentur Schlück wollte das Manuskript sofort haben, obwohl noch ca. 200 Seiten fehlten, und siehe da, sogar einige Verlage waren interessiert und es wurde ganz erfolgreich.

Leo: Nach einigen Büchern für Erwachsene hast du gemeinsam mit deiner Tochter Marta ein paar Jugendbücher geschrieben. Erzähl doch mal, wie es dazu kam. Hat sich das nach und nach ergeben, weil du ihren Rat gebraucht hast, oder war die Zusammenarbeit tatsächlich geplant?

Steffi: Das war eine Idee, die schon sehr früh, beim gemeinsamen Spielen mit Marta entstanden ist. Wir spielten mit Puppen und mit Playmobil; wir haben wunderbare Phantasiewelten miteinander entworfen. Ich überlegte, was wäre, wenn ich wieder sechs, sieben oder acht Jahre alt wäre, und Marta als Kind treffen würde? Jetzt, in ihrer Kindheit, oder früher, in meiner Kindheit? Und habe diese Vorstellung einmal durchgespielt. Wir wären ziemlich beste Freundinnen geworden, ganz sicher!
Die Idee, so eine Geschichte einmal aufzuschreiben, habe ich nicht vergessen und als ich Marta dann 2013, zu den Dreharbeiten zum 2. Teil der Vampirschwestern-Filme begleitet habe, ging es los…
Im Zug nach München haben wir die ersten Figuren entworfen, festgelegt, wie sie „ticken“ sollten, natürlich sollten sie jetzt älter sein, nicht mehr sieben, sondern 15! Und es waren auch nicht wir (nur ein bisschen). Marta hat die Hauptfiguren in unsere schöne leere Schreib-Kladde gezeichnet. Wir haben die Familie Zimt und ihr wunderbar nach Schokolade duftendes Café ins Leben gerufen (wir lieben beide Schokolade, und Kuchen sowieso), und einen Grundriss davon gezeichnet. Ach, ich könnte noch seitenweise davon erzählen…
So wuchs die Geschichte in den nächsten Wochen. Als wir wieder zu Hause waren, ging es natürlich weiter. Und nach dem Erfolg des ersten Buches, wollte der Arena Verlag dann auch ein zweites und drittes… Für alle ab 12, traut euch, es sind auch tolle Geschichten!

Leo: Dann kam die Anfrage vom Fischer Verlag für ein Kinderbuch. Wie war das dann? Hattest du sozusagen nur eine Vorgabe, ein Kinderbuch zu schreiben? Du hast unserer Lesegruppe zu Band 1 erzählt, dass es eigentlich ein Kinderbuch mit dem Thema „Rollschuh laufen“ sein sollte. Wie hat der Verlag reagiert, als du dann gesagt hast, dass es doch was ganz anderes wird? Hat der Verlag dir einfach mal blind vertraut?

Steffi: Nach sechs Romanen für Erwachsene und 5 Jugendbüchern zusammen mit Marta kam die Anfrage vom Fischer Verlag, nachdem ich dort ein sehr süßes Bilderbuch rausbringen durfte. Ich habe die Rollschuhidee ablehnen müssen, dazu fiel mir echt nichts ein, und habe nur aufgezählt, was mich dagegen interessiert: Kinder ohne Eltern, ein dunkles Kinderheim, eingesperrt, Flucht, der Bösewicht, Ungerechtigkeit, Schokolade!
Und habe das dann auf zwei kurzen Seiten beschrieben. Henry war ursprünglich ein Mädchen (!), aus der Schokolade wurden Bonbons… aber sonst war schon viel Verrücktes aus der Wunderfabrik mit dabei.
Und mit diesem Entwurf haben wir dann gearbeitet, das war super, die „Bücherfrauen“ von Fischer waren nicht das kleinste bisschen irritiert, sondern haben mir echt vertraut!

Leo: In „Die Wunderfabrik“ geht es um Lakritze und was viele nicht wissen, du magst Lakritze nicht besonders – was ich übrigens vollkommen verstehe, denn ich esse wirklich alles, nur keine Lakritze. Wieso also Lakritze?

Steffi: Weil kurz bevor die Wunderfabrik herauskommen sollte, unheimlich viele Bücher mit diesem Bonbonthema & Magie ebenfalls herauskommen sollten…
Also wurde ich gefragt, ob ich mir statt Bonbons auch Lakritze vorstellen könnte. Ich sagte: Nein. Aber jetzt im Nachhinein, finde ich Lakritze viel besser! So schön dunkel und zäh in der Herstellung, und sie wird bunt, was Bonbons ja bereits gewesen wären. Perfekt also. Und manche Lakritzesorten mag ich auch. Zum Beispiel, die Schnecken, die man so schön ausrollen kann.

Leo: Bevor es mit dem Schreiben zum ersten Band anfing, warst du extra in England und in Wales. Welche Eindrücke konntest du sammeln und was konntest du dann verwerten? Hattest du einen richtigen Plan, was du alles in Wales recherchieren möchtest, oder war das Sammeln von Eindrücken eher spontan?

Steffi: Ich muss zugeben, ich kannte England gar nicht…! Nur aus vielen Büchern und Filmen, wie z.B. Harry Potter, aber das zählt ja nicht wirklich.
Und nach Wales wollte ich, seitdem ich mit 12 Jahren bei einem Schwimmaustausch nicht mit nach Cardiff durfte … wie gemein! Da war also auch noch eine Rechnung offen.
Als ich endlich in London aus dem Zug stieg, dachte ich: WOW! So habe ich es mir tatsächlich vorgestellt!
Aber die kleinen Details, die in Büchern so wichtig sind, die habe ich natürlich nicht gekannt, und dann wie wild um mich fotografiert und notiert. Es war herrlich!
Porridge probiert, U-Bahn gefahren, walisische Schafe beschnuppert, walisischen Eintopf gegessen… Ich konnte alles „gebrauchen“! Wales ist übrigens noch mal sehr speziell, ich bin mit dem Auto (auf der falschen Straßenseite) an die Küste gefahren, um ein hübsches Plätzchen für meine Villa zu finden und die Fabrik irgendwo unterzubringen. Warum nicht unter einer Düne, die ich dort entdeckte…?
Das ist meine Erfahrung: Ich darf nicht zu früh losfahren, sondern muss die Geschichte schon einigermaßen im Kopf haben, um zu wissen, wonach ich suche…
Die Fotos habe ich dann immer über meinem Schreibtisch hängen, um auch zu Hause noch in dieser Atmosphäre zu bleiben.

Leo: Übrigens finde ich die Geschichte, wieso die Reihe in Wales spielt, ganz zauberhaft. Ein lang gehegter Wunsch selbst mal nach Wales zu reisen, ging also hiermit für dich in Erfüllung. Ich bin gespannt, welche Länder du in Zukunft noch bereisen möchtest. Ist denn schon irgendetwas in Planung? Band 3 erscheint im Frühjahr und was kommt danach?

Steffi: Das weiß ich noch nicht genau. Der 3. Teil ist übrigens echt toll geworden, ich war beim Schreiben selber überrascht, wie gut es flutschte und welchen Spaß ich wieder mit allen Figuren hatte. Besonders mit… oh, ihr werdet euch wundern…
Ein viertes Buch darf ich für den Fischer Verlag noch schreiben, aber weil der dritte Teil der Wunderfabrik so ein geniales, abschließendes Ende hat, (meine bescheidene Meinung) wollen wir es zunächst mal dabei belassen und keinen 4. Teil dranhängen. Es sei denn, eine von meinen Leserinnen hat eine tolle Idee für eine Fortsetzung… dann heraus damit!
„Die Wunderfabrik“ war ja von Anfang an auf 3 Teile ausgelegt, aber ich finde, eine eigenständige Geschichte wäre jetzt ganz erfrischend, die dann eventuell noch ausgebaut werden kann.

Leo: Zum Abschluss des Interviews möchte ich mich natürlich recht herzlich bei dir bedanken, dass du ein Teil unserer ersten Leserunde warst. Toll, dass du uns mit Hintergrundinformationen „gefüttert“ und uns Einblicke ins private Fotoalbum gewährt hast. Ich freue mich nun sehr auf die zweite Leserunde.

Steffi: Danke, liebe Leo! Es hat mir viel Spaß gemacht und bin sehr gespannt, wie ihr Leserunden-Teilnehmerinnen den 2. Teil findet!

Interview mit Susa Reichmann

Die Autorin Susa Reichmann lebt in einer Gegend zwischen dem Bodensee und dem Schwarzwald, die mit ihren erloschenen Vulkanen, Burgruinen und Wäldern wie geschaffen ist für Fantasy-Abenteuer. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in ihren Büchern nicht nur menschliche Protagonisten wichtige Rollen spielen, sondern auch Tiere und die Natur ihren ganz eigenen Part bekommen. Außerdem zieht Susa die Grenzen des Genres „Urban Fantasy“ etwas weiter: Warum sollten fantastische Abenteuer ausschließlich in großen Städten stattfinden, wo es doch auf dem Land so viele mystische Orte gibt? Eben. Und deswegen beginnt für sie Fantasy direkt vor der eigenen Haustür.

(Foto: © Susa Reichmann)

Leo: Ich habe ein wenig im Vorfeld zu diesem Interview recherchiert und weiß nun einiges mehr von dir, aber vielleicht erzählst du mal, wie und wann du zum Schreiben kamst.

Susa: Prinzipiell habe ich eigentlich schon immer geschrieben, aber nie wirklich etwas veröffentlicht außer einzelnen Artikeln. Dann, das war 2015, sollte ich eigentlich einen Lehrauftrag übernehmen, der aber kurzfristig wegfiel. Ich war frustriert – ich hätte den Lehrauftrag wirklich gerne gehabt! – und hatte mit einem Mal überraschend viel Zeit. Also habe ich erst mal einen Schrank für unser Wohnzimmer gebaut. Und als ich auf dem Hof stand und das Holz abgeschliffen habe, um es zu streichen, dachte ich plötzlich: „Was wäre, wenn das Holz jetzt anfangen würde, sich zu bewegen? Oder vielleicht die Farbe doof fände, mit der ich es streichen will?“ Tja, daraus wurde dann „Woodtalker“.

Leo: Was war dein Lieblingsbuch in deiner Kindheit?

Susa: Oje. Ich habe als Kind so viel gelesen, es ist beinahe unmöglich, das zu sagen. „Pippi Langstrumpf“ war auf jeden Fall ganz vorn dabei, und „Bille und Zottel“. Später, so als Teenager, kam dann die großartige „Song of the Lioness“-Reihe von Tamora Pierce dazu, die ich zufällig mal auf einem Reiterhof in den Ferien entdeckt und seitdem bestimmt ein Dutzend Mal gelesen habe.

Leo: Welche Bücher gehören heute zu deinen Lieblingsbüchern? Was liest du gerne?

Susa: Leider habe ich heute nur noch sehr wenig Zeit zum Lesen. Deswegen bin ich ziemlich komplett umgestiegen auf Hörbücher, weil man die nebenbei hören kann, zum Beispiel beim Stallmisten oder beim Wäschefalten. Gerade habe ich die „Scythe“-Reihe von Neal Shusterman beendet, die fand ich ganz gut. Ich bin wenig festgelegt, was Genre etc. angeht, aber ich mag es gar nicht, wenn ich schon nach dem Klappentext weiß, wie die Story ausgeht. Stattdessen bin ich immer auf der Suche nach Geschichten, die ein bisschen „anders“ sind wie z.B. die „Drachentöterin“-Reihe von Jasper Fforde, die ist genial durchgeknallt. Oder „Good Omens“ von Terry Pratchett und Neil Gaiman (beste Fußnoten ever!). Ansonsten lese ich auch mal gerne Cecelia Ahern und immer noch und immer wieder Tamora Pierce.

Leo: Wie sieht dein Arbeitsplatz aus? Gibt es einen speziellen Arbeitsplatz? Wie arbeitest du am liebsten? Und wo schreibst du? Konzentrierte Ruhe und allein im Büro oder ein Spaziergang an einem belebten Ort? Es gibt Autoren, die lieber ihre Ruhe haben wollen und in einem Büro schreiben, andere wiederum schreiben sehr gerne in Cafés.

Susa: Tatsächlich habe ich gar keinen festen Arbeitsplatz zum Schreiben, sondern einen minikleinen Laptop, den ich mit mir herumschleppe und heraushole, wann immer sich die Gelegenheit bietet zu schreiben. Das kann zum Beispiel im Auto auf dem Parkplatz der Musikschule sein, während ich auf meine Kinder warte. Daheim gehe ich dorthin, wo gerade niemand sonst ist – das ist manchmal ziemlich schwierig, wir sind zu fünft und irgendwie kommt immer jemand rein (und wenn nicht, macht eine der Katzen Unfug!). Zum Schreiben muss ich allein sein, sonst funktioniert es nicht. Wo ich mich befinde, ist mir dagegen vollkommen egal.

Leo: Wie sieht so ein typischer Arbeitstag aus? Hast du überhaupt einen typischen Alltag? Du bist ja „nebenher“ auch noch Biologin und arbeitest an einer Hochschule, wie viel Zeit bleibt einem dabei, um an einem Buch zu schreiben?

Susa: Was soll ich sagen – wenig. Ich habe zwar nur eine 50%-Stelle, aber der Job ist ja nicht alles: Zuhause warten je drei Kinder, Ponys, Katzen und Meerschweinchen auf mich. Ein typischer Tag sieht für mich so aus, dass ich morgens als Erstes die Stallarbeit erledige, während mein Mann sich darum kümmert, dass die Kinder aufstehen, frühstücken und losgehen in die Schule (oder, im Moment, an den Schreibtisch). Ich arbeite normalerweise am Vormittag, abwechselnd vom Homeoffice und vor Ort an der Hochschule, und mittags sind dann erst mal die nächste Stallrunde, Haushaltskram und Hausaufgabenbetreuung angesagt. Wenn ich Glück habe und mit meiner Arbeit für den Tag schon durch bin, kann ich vielleicht irgendwann am späten Nachmittag ein bisschen Zeit zum Schreiben abknapsen, oder am Abend, wenn die Kinder im Bett und die Pferde für die Nacht versorgt sind. Falls ich dann noch fit genug bin. Was de facto bedeutet, dass ich meist nur am Wochenende wirklich Zeit habe, an meinen Manuskripten zu arbeiten. Allerdings soll das jetzt nicht heißen, dass ich total gestresst bin oder mich das nervt – im Gegenteil. Ich liebe mein trubeliges chaotisches Leben und seine immer wieder neuen Herausforderungen!

Leo: Was machst du, um Ideen zu sammeln? Wann kommen dir die besten Ideen? Gibt es Tage, an denen dir gar nichts einfällt? Tage, an denen du einfach ideenlos bist? Und vor allem, was machst du, wenn dir nichts einfällt?

Susa: Jetzt lachst du mich gleich aus: Meine besten Ideen habe ich – auf dem Misthaufen. Ich muss einmal pro Woche den Pferdemist auf einen Hänger schaufeln und zum Bauern fahren. Damit verbringe ich jeden Samstag ein paar Stunden, und es gibt nichts, wobei ich besser die Gedanken schweifen lassen und meine Ideen ausarbeiten kann. Man könnte also sagen, meine Geschichten sind im wahrsten Sinn des Wortes auf meinem Mist gewachsen.
Dass ich gar keine Ideen habe, kommt so gut wie nie vor, es ist eher umgekehrt: Ich habe viel zu wenig Zeit, um aus all den Ideen etwas zu machen. Manchmal kommt es allerdings vor, dass ich in einer Geschichte hängenbleibe. Dann ist es meistens so, dass ich meine Ideen im Vorfeld nicht gut genug durchdacht habe und dass irgendwo noch Lücken klaffen – ob bei den Charakteren, im Worldbuilding oder in der Storyline. In dem Fall hilft es mir, sehr gründlich über alles nachzudenken, im Kopf verschiedene Möglichkeiten durchzuspielen und auch mal ein Stück in der Geschichte zurückzugehen. Vielleicht ist nämlich schon weiter vorne genau der Fehler passiert, der den Fortgang jetzt weiter hinten blockiert. Wenn ich ihn finde und korrigiere, läuft’s wieder.

Leo: Wer darf deine neuen Texte und Werke als erstes lesen?

Susa: Ich habe mehrere Test- und Korrekturleserinnen. Einige davon schreiben selbst, sodass sie einen sehr präzisen Blick darauf haben, was gute Texte ausmacht, sowohl im Großen als auch in den Details. „Woodtalker“ haben zuallererst zwei Freundinnen von mir gelesen, die beide gelernte Schreinerinnen sind. Dafür bin ich sehr dankbar, denn ohne ihre Hilfe hätte ich eine Menge Fehler bei den Fachworten und handwerklichen Vorgehensweisen im Text gehabt. Und dann natürlich meine Kinder – das aktuelle Manuskript liegt gerade bei meiner Ältesten, und sie ist gnadenlos mit ihrer Kritik. 😉

Leo: Wie lange hast du insgesamt gebraucht bis zur Fertigstellung von Woodtalker?

Susa: 2015 habe ich die Rohfassung geschrieben, dann überarbeitet, testlesen und lektorieren lassen, wieder überarbeitet … Zweimal habe ich im Prinzip das ganze Buch von Grund auf neu geschrieben, weil die Änderungen so gravierend waren, dass ich nur wenig vom Ursprungstext beibehalten konnte. Die Suche nach einem Verlag hat auch eine ganze Weile gedauert, und als der Vertrag unterschrieben war, kamen natürlich noch Lektorat und Korrektorat. Erschienen ist das Buch dann im August 2019, etwas mehr als vier Jahre, nachdem ich angefangen hatte, es zu schreiben.

Leo: Während der letzten Monate mussten wir alle unser Leben umstellen. Was hast du die letzten vier Monate gemacht? Hat sich für dich viel verändert? Schreiben kann man ja auch trotz Corona.

Susa: Unsere Hochschule hat uns alle ziemlich früh ins Homeoffice geschickt, und wir mussten unsere komplette Lehre auf digital umstellen. Das war extrem aufwändig und hat unglaublich viel Zeit gekostet. Dazu kam, dass alle drei Kinder natürlich im Homeschooling waren und mein Mann wegen Corona eine Menge Überstunden machen musste. Fürs Schreiben blieb da kaum Zeit und vor allem keine Energie übrig, leider. Und auch meine Kreativität brauchte ich anderweitig, nämlich um meine Lehrveranstaltungen so zu gestalten, dass meine Studis hoffentlich genauso viel daraus mitnehmen konnten wie in einem normalen Semester. Hat sich also einiges verändert, ja – vor allem habe ich unfassbar viel Neues gelernt, von Videokonferenzen halten bis Vorlesungsvideos aufzeichnen und schneiden. Was anstrengend war, aber auch total viel Spaß gemacht hat, und ich werde sicher einiges davon weiterhin anwenden.

Leo: Hast du schon Lesungen gehalten? Wenn ja, wie war die erste Lesung für dich?

Susa: Nur einmal bisher, nämlich zur Erscheinung von „Woodtalker“ auf einer Messe, der FaRK. Es war komisch – ich bin zwar gewohnt, Vorlesungen zu halten, das ist mein Alltag und dabei bin ich völlig entspannt. Aber etwas vorzulesen, das man selbst geschrieben hat, fühlt sich komplett anders an als Leuten beizubringen, wie die Glycolyse funktioniert. Dementsprechend war ich extrem nervös. Trotzdem hat’s gut geklappt, zum Glück.

Leo: Welche Projekte planst du? Wie sieht die buchige Zukunft aus?

Susa: Im Augenblick arbeite ich an den letzten Kapiteln meines aktuellen Fantasy-Buches, für das ich demnächst auf Verlagssuche gehen will. Ich versuche mal einen Klappentext – darin bin ich miserabel, also nicht zu streng mit mir sein, bitte. 😉

Irgendwo im Schwarzwald, tief unter der Erde, liegt ein Uhrwerk, das der Zeit der Welten ihren Takt vorgibt. Nun droht es zu zerbrechen – und ausgerechnet Ambra soll es reparieren. Als hätte sie nicht schon genug Probleme seit dieser Party, nach der ihr Freund mit ihr Schluss gemacht hat! Aber wenn die Welt jeden Moment stehenbleiben kann, ist es höchste Zeit, wieder jemandem zu vertrauen … vielleicht sogar Jo, diesem sonderbaren Typ mit den grünen Haaren?

Woran ich nach diesem Projekt als Nächstes arbeiten werde, habe ich noch nicht entschieden – Woodtalker 2 vielleicht, oder beginne ich doch lieber mit der Kinderbuchreihe zu Tier- und Umweltthemen, die mir seit Längerem vorschwebt? Ein paar andere Ideen hätte ich auch noch … wie immer zu viele, um an allen arbeiten zu können!
Außerdem plane ich schon seit einer Weile, auf meiner Homepage einen Blog einzurichten: Seit November habe ich ein Wildpferd, eine in Freiheit aufgewachsene Exmoorstute namens Nessie, und ich würde gerne darüber schreiben, wie sie zu uns gekommen ist und welche Fortschritte sie macht.

Leo: Vielen Dank fürs Interview.

Susa: Ich hoffe, ich konnte dir ein paar interessante Einblicke geben. Es hat mir viel Spaß gemacht, deine Fragen zu beantworten! Jetzt wünsche ich dir einen tollen Sommer mit vielen wunderbaren Büchern für die Sommerferien!

Interview mit Sarah Nisse

Die im Mittelrheintal geborene Autorin Sarah Nisse begann während ihres Studiums der Geschichte, Politikwissenschaft und Publizistik Romane zu schreiben, vorwiegend für Jugendliche – nun aber auch für Kinder. Mit „Lilous Wundergarten“ ist bereits im Frühjahr der erste Band der Reihe voller botanischer Ideen, mit farbenfrohen Illustrationen und einer spannenden Handlung erschienen. Dieser magische Reihenauftakt hat mich entzückt und vollkommen begeistert. Ich war so gespannt auf die Fortsetzung, die uns diesmal nach Südfrankreich reisen lässt, dass ich unbedingt noch ein paar Hintergrundinformationen zu „Lilou“ in Erfahrung bringen wollte. Wie gut, dass Sarah neben ihrer Arbeit als Lehrerin und Autorin etwas Zeit hatte, mir ein paar Fragen zu beantworten.

(Foto: © Sarah Nisse)

Leo: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Sarah: Ich habe erst 2010 während meines Studiums begonnen, Geschichten zu schreiben. Damals habe ich nach einer langen Leseflaute endlich den letzten Harry Potter-Band gelesen und plötzlich hat mich der Wunsch gepackt, selbst solche fantasievollen Geschichten zu erfinden und aufzuschreiben. Ich habe erst einmal ziemlich viel übers Romanschreiben recherchiert und Schreibratgeber gelesen und dann hat es noch ein paar Jahre gedauert, bis ich tatsächlich meinen ersten Jugendroman „Dunkelherz“ fertiggestellt hatte. Aber seitdem hat mich das Schreiben nicht mehr losgelassen und ist zu einem festen Teil meines Lebens geworden, den ich nicht mehr missen möchte.

Leo: Was war dein Lieblingsbuch in deiner Kindheit?

Sarah: In meiner Kindheit habe ich alles von Enid Blyton verschlungen, aber auch Reihen wie „TKKG“ oder Pferdebücher wie „Bille & Zottel“. Bücher, die mich geprägt haben, waren „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende, oder auch „Der goldene Kompass“ von Philip Pullman, und später in meinen Jugendjahren natürlich „Harry Potter“.

Leo: Welche Bücher gehören heute zu deinen Lieblingsbüchern? Was liest du gerne?

Sarah: Ich lese noch immer sehr gerne fantasievolle Geschichten, so liebe ich zum Beispiel die Bücher von Cornelia Funke. Zu meinen Lieblingsbüchern gehören auf jeden Fall „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak und „Das Mädchen mit den gläsernen Füßen“ von Ali Shaw. Im Kinderbuchbereich hat mich die „Nevermoor“-Reihe von Jessica Townsend sehr begeistert.

Leo: Wie sieht dein Arbeitsplatz aus? Gibt es einen speziellen Arbeitsplatz? Wie arbeitest du am liebsten? Und wo schreibst du?

Sarah: Einen festen Arbeitsplatz habe ich gar nicht – ich wechsle immer zwischen Wohnzimmertisch, Sofa oder Balkon hin und her. Ich schreibe auch sehr gerne im Zug oder im Café, das finde ich besonders inspirierend. Da ich beim Schreiben Musik höre, werde ich auch nicht von den Gesprächen um mich herum abgelenkt. Am produktivsten war ich bisher allerdings immer, wenn ich in der Uni-Bibliothek geschrieben habe – da arbeiten einfach alle so fleißig und konzentriert, dass man gar nicht anders kann, als sich auf seinen Text zu konzentrieren 😉

Leo: Wie sieht so ein typischer Arbeitstag aus? Hast du überhaupt einen typischen Alltag? Du bist ja „nebenher“ auch noch Lehrerin, wie viel Zeit bleibt einem dabei, um an einem Buch zu schreiben?

Sarah: Ich habe tatsächlich keinen typischen Schreiballtag. Das Schreiben ist neben dem Lehrerdasein mein Nebenberuf und so versuche ich mich regelmäßig an meine Texte und Geschichten zu setzen, wenn die „Lehreraufgaben“ abgearbeitet sind. Das ist dann oft am Abend oder am Wochenende für ein paar Stunden der Fall, zwischendurch in einer Freistunde oder im Zug auf dem Weg zur Arbeit.

Leo: Was machst du, um Ideen zu sammeln? Wann kommen dir die besten Ideen? Gibt es Tage, an denen dir gar nichts einfällt? Tage, an denen du einfach ideenlos bist? Und vor allem, was machst du, wenn dir nichts einfällt?

Sarah: Die Sache mit den Ideen fasziniert mich selbst immer wieder, denn meist suche ich gar nicht aktiv nach ihnen, sondern sie überfallen mich aus dem Hinterhalt und ich kann oft gar nicht sagen, wo sie genau herkommen. Dinge, die ich im Alltag erlebe, können mich genauso inspirieren wie Erinnerungen, Recherche zu einem bestimmten Thema, Essen, Bücher, Filme, Serien oder sonstige Kunst. Sehr stark werde ich auch vom Reisen inspiriert – wenn ich einen neuen Ort bereise, will ich am liebsten die Atmosphäre aufsaugen und eine neue Geschichte dort ansiedeln. Alle Ideen, die etwas taugen, notiere ich in einem Notizbuch. Das hilft dann auch über die Phasen hinweg, in denen ich ideenlos bin, denn natürlich kommen neue Ideen nicht ständig und regelmäßig, sondern meist dann, wenn man gar nicht mit ihnen rechnet.
Wenn ich aus einer groben Idee eine Geschichte entwickeln will und dabei einfach nicht weiterkomme, hilft es mir, die Handlung der Geschichte aufzuschreiben oder mit Freunden und Familie zu brainstormen – das weckt meistens neue Ideen und löst den Knoten im Gehirn.

Leo: Wie lange hast du insgesamt gebraucht bis zur Fertigstellung von Lilous Wundergarten?

Sarah: Für Teil 1 von Lilous Wundergarten habe ich etwas länger gebraucht, denn ich habe zunächst die Idee entwickelt, ein Exposé, also eine Inhaltsangabe, und eine lange Leseprobe für meine Agentur geschrieben und dann ist Lilou auf Verlagssuche gegangen. Da es mein erstes Kinderbuch ab 8 war, musste ich zunächst in die Erzählstimme finden, da ich vorher nur Jugendbücher geschrieben hatte – es waren einige Überarbeitungen nötig, bis ich zufrieden war. Während der Verlagssuche lag das unfertige Manuskript dann erst einmal in meiner Schublade, bis sich die Chance bei Schneiderbuch ergeben hat.
Da ich mir bereits im Voraus Gedanken um ein Konzept für Teil 2 gemacht hatte, ging das Schreiben von „Feigenmut und Lavendelduft“ wesentlich schneller – da konnte ich die Rohfassung innerhalb von ein bis zwei Monaten fertigstellen.

Leo: Welche Projekte planst du? Wie sieht die buchige Zukunft aus?

Sarah: Ich habe viele neue Ideen für Kinder- und Jugendbücher und möchte in den nächsten Jahren auf jeden Fall weiter in diesem Bereich veröffentlichen. Gerade arbeite ich mit meiner Agentur an einer neuen fantastischen Kinderbuchidee ab 10, zwei neue Kinderbuchkonzepte sind schon ausgearbeitet und aktuell auf Verlagssuche und vor ein paar Tagen hat mich im Urlaub in Brügge plötzlich eine ganz neue Idee „überfallen“, zu der ich jetzt ein Notizbuch vollschreibe 🙂 Ich bin selbst sehr gespannt, was sich in den nächsten Jahren ergeben wird!

Interview mit THiLO

Im Sommer vor meiner Einschulung habe ich die erste Bekanntschaft mit Büchern von THiLO gemacht. Damals habe ich nämlich zum ersten Mal an der Aktion „Heiß auf Lesen“ in unserer Bücherei teilgenommen. Eigentlich geht es bei „Heiß auf Lesen“ darum, die Kinder zum Lesen zu animieren – ganz egal, ob nur ein Buch oder auch mehrere gelesen werden. Mich wollte man zuerst nicht mitmachen lassen, da ich ja noch ein Kindergartenkind war und es ist ja bekannt, dass Kindergartenkinder nicht lesen können. Wie bitte? Das hat mich richtig wütend gemacht! Bei dieser Aktion soll doch die Liebe zum Lesen gefördert werden und dann lässt man ein Kind nicht teilnehmen, nur weil es vor dem Durchschnittslesealter schon lesen kann! Kurzum – ich habe dann geschummelt. Ich bin tags drauf in die Bücherei gegangen, diesmal zu einer anderen Dame, die mich noch nicht kannte, und dann habe ich gesagt, dass ich nach dem Sommer in die zweite Klasse komme. Somit war ich angemeldet und vor allem aber auch angestachelt. Ich wollte es allen zeigen, dass sie im Unrecht waren. Ich ging dann also fast täglich in die Bücherei und habe ein Buch nach dem anderen gelesen und danach mündlich rezensiert. Am Ende der Sommerferien waren es stolze 36 Bücher. Nicht schlecht für ein Kindergartenkind, oder? Die Vielzahl war natürlich nur möglich, weil sich die Bücher für Leseanfänger leicht und schnell lesen lassen. Immer mal wieder kam mir dann ein Buch in die Hand, dessen Autor sich THiLO nannte. Ich habe mich schon damals über den Namen gewundert und mich gefreut, dass mir THiLO jetzt diese Frage und natürlich noch ein paar weitere beantworten konnte.

(Foto: © THiLO)

Leo: Ich habe ein wenig im Vorfeld zu diesem Interview recherchiert und weiß nun einiges mehr von Ihnen, aber vielleicht erzählen Sie mal, wie und wann Sie zum Schreiben und zum Beruf „Autor“ kamen. Ich gehe davon aus, dass die elterliche Buchhandlung wahrscheinlich prägend dafür war, oder?

THiLO: Klar, das war natürlich toll, eine Mutter zu haben, die Buchhändlerin ist. Wenn man Schreiner werden will ist es auch ein Vorteil, wenn man schon mal einen Tisch gesehen hat. Ich habe auch als Schüler schon gerne geschrieben – nur nicht das, was die Lehrer wollten. Die Aufsätze wie „Mein schönster Ferientag“ gingen bei mir so: Ich war von morgens bis abends mit meinen Freunden auf dem Fußballplatz – Aufsatzende. Auf meinem Zeugnis in der Dritten Klasse waren alle Fächer gut, nur Aufsätze schreiben ausreichend
Später wollte ich dann Journalist werden und habe während des Studiums bei Zeitungen und beim Radio gearbeitet. Als ich beim ZDF ein Praktikum gemacht habe, brauchten sie gerade Drehbuchautoren für die Sendung 1, 2 oder 3 – und der Prakti durfte es auch mal versuchen. Das Drehbuch wurde tatsächlich genommen und von da ab habe ich mich in der Kindergeschichtenlandschaft wie ein Krake ausgebreitet.

Leo: Es ist ein Traum aller Leseratten: Aufwachsen in einer Buchhandlung! Welche Bücher haben Ihr Interesse damals als Kind geweckt und waren Sie überhaupt schon buchbegeistert als Kind? Bei vielen Menschen entwickelt sich die Liebe zu Büchern ja erst viel später.

THiLO: Ich habe als Kind wirklich sehr viel gelesen, aber eben auch Fußball gespielt, es war eine gesunde Mischung. Ich durfte mir aber trotzdem nicht alle Bücher aus der Buchhandlung einfach so mitnehmen. Deshalb war ich auch in der Bücherei Dauergast. Ich glaube, ich habe alle Kinderbücher gelesen, die es damals gab. Gerne auch Sachbücher.

Leo: Was war Ihr Lieblingsbuch in Ihrer Kindheit?

THiLO: Robinson Crusoe. 27 Jahre alleine auf einer Insel zu leben und sich rundherum selbst zu versorgen fand ich damals sehr faszinierend (heute auch noch).

Leo: Welche Bücher gehören heute zu Ihren Lieblingsbüchern? Was lesen Sie gerne?

THiLO: Das ist immer unterschiedlich. Nach meinem Abitur – als ich nicht mehr musste – habe ich bei der Ferienarbeit alle Klassiker gelesen, Goethe, Schiller, Brecht, Hesse, Fontane (das sind ähnlich gute Schriftsteller wie ich). Ich habe extra anders Pause gemacht, als die Arbeiter dort, damit die mich nicht eingebildet finden und verkloppen. Heute lese ich manchmal ein halbes Jahr lang nur Krimis, dann wieder Biografien. Es gibt wenige Bücher, die mich überhaupt nicht interessieren.

Leo: Wieso nennen Sie sich THiLO? Das ist doch schon ein etwas außergewöhnlicher Künstlername.

THiLO: Das ist wirklich mein Vorname, ich schreibe ihn noch immer so, wie ich es mir mit vier Jahren beigebracht habe.

Leo: Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus? Wie arbeiten Sie am liebsten? Und wo schreiben Sie? Konzentrierte Ruhe und allein im Büro oder ein Spaziergang an einem belebten Ort?

THiLO: Einen typischen Arbeitsplatz habe ich gar nicht. Ich kann überall schreiben, im Zug, im Café, am Strand. Ich bin etwa 200 Tage im Jahr – in normalen Jahren – unterwegs. Ich brauche nicht mehr als mein Laptop, wenn es rundherum zu unruhig ist, setze ich mir Kopfhörer auf.

Leo: Wie sieht so ein typischer Arbeitstag aus? Haben Sie überhaupt einen typischen Alltag?

THiLO: Auch das ist sehr unterschiedlich. Mal ist es wie bei den meisten anderen Menschen, ich beginne um 8 Uhr und höre um 17 Uhr auf. Oft schreibe ich aber auch an Sonntagen oder abends. Da ich so unglaublich gerne schreibe, habe ich dann trotzdem nicht das Gefühl, dass ich gerade arbeite.

Leo: Wie kommen Sie auf die zahlreichen Ideen? Gibt es Vorgaben von Verlagen? Oder schreiben Sie einfach, was Ihnen in den Sinn kommt? Was machen Sie, um Ideen zu sammeln?

THiLO: Die Ideen gehen mir tatsächlich nie aus – bisher jedenfalls. Es kann sein, dass das mit den vielen Büchern zu tun hat, die ich als Kind verschlungen habe. Generell sind ja alle guten Geschichten ähnlich aufgebaut, also das Skelett ist gleich, sozusagen. Das Fleisch ist dann neu. Und wenn ich mitten in einer Geschichte steckenbleibe, gehe ich auf den Friedhof, zu den ganz alten Gräbern. Ich lese mir die Namen und Daten durch und sofort rattert es in meinem Kopf los, wie deren Leben wohl gewesen ist. Das setzt dann auch andere Ideen frei.

Leo: Wer darf Ihre neuen Texte und Werke als erstes lesen?

THiLO: Meine Texte lesen immer die Lektor/Innen als Erste nach mir. Früher habe ich meistens meinen Kindern sofort die fertigen Geschichten vorgelesen. Aber die sind nun alle schon zu alt für Kinderbücher und noch nicht alt genug, um wieder welche zu lesen. Manchmal, wenn ich Rat brauche, lese ich ihnen aber doch ein, zwei Kapitel vor. Und was sie mir sagen, setze ich um.

Leo: Zum Thema Leseförderung habe ich mal gehört, dass die Zahl der lesenden Kinder wieder steigt. Das finde ich gut. Was müsste man tun, um Kindern (und deren Eltern) das Thema „Lesen“ näherzubringen?

THiLO: Erstens natürlich von klein an Vorlesen, aber nicht so nebenbei, sondern am besten in kuscheliger Umgebung. Dann wird Lesen generell mit Wohlfühlen verbunden. Zweitens ist es gut, wenn die Eltern selbst lesen und ruhig auch mal sagen: „Ich kann gerade nicht, mein Buch ist so spannend.“ Das macht dann neugierig, was es mit diesen schwarzen Zeichen auf dem Papier auf sich hat. Und drittens sollte man als Eltern nicht in gute und schlechte Literatur einteilen. Comics sind genauso gut geeignet, ein Kind zum Leser zu machen, wie Bücher. Auch Eltern lesen ja nicht immer nur Goethe oder THiLO, sondern auch mal leichte Unterhaltung.

Leo: Welches Ihrer eigenen Bücher ist Ihr liebstes Buch? Mögen Sie eins mehr als alle anderen?

THiLO: Ich mag tatsächlich fast alle meiner Bücher immer noch sehr, sehr gerne. Das ist wie, wenn man viele Kinder hat: Alle sind verschiedenen, aber ich liebe sie alle gleich stark. Es gibt unter ihnen keines (jetzt meine ich wieder die Bücher), für das ich mich heute schäme (für meine Kinder sowieso nicht…)

Leo: Sie schreiben sehr viel. Wie lange benötigen Sie im Schnitt für ein Buchprojekt?

THiLO: Ich bin tatsächlich ein sehr schneller Schreiber. Und je weniger Zeit ich für ein Buch habe, desto besser wird es. Oft vergesse ich dann, was ich geschrieben habe und erkenne ganze Kapitel nicht wieder, wenn ich es gedruckt in Händen halte. Als Journalist mussten die Texte für die 12 Uhr Nachrichten um 11 Uhr 30 fertig sein, um 12 Uhr 1 konnte sie niemand mehr gebrauchen.

Leo: Ich habe auf Instagram bei Ihnen reingeschaut und bin erstaunt. Der Account ist mal so ganz anders, als der von anderen Autoren. Finde ich cool. Die meisten Instagram Accounts gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Kennt man einen, kennt man alle. Ihr Account ist ja noch relativ neu, wie kam es dazu? Weil alle einen haben und es zeitgemäß ist? Oder hatten Sie Langeweile während der Corona-freien Zeit? Wurden Sie etwa von Ihren Kindern dazu überredet? Wie viel Zeit investieren Sie in Ihre Social Media Aktivität?

THiLO: Langeweile habe ich nie. Aber mein Einstieg bei Instagram war eine Folge von anderen Projekten, die ich im Corona-April begonnen habe. Da allein in diesem Jahr 80 Lesungen von mir ausgefallen sind, habe ich einen Weg gesucht, um mit meinen Lesern, deren Eltern, BuchhändlerInnen und BibliothekarInnen in Kontakt zu bleiben. Meine Kinder haben mir dabei gute Tipps gegeben. Ich wollte einen Account haben, der meinen Abonnenten auch wirklich einen Gewinn bringt, nicht nur immer meine neusten Bücher in einem Karton zeigen. Ich erzähle etwas von mir, dazu gibt es schöne Bilder. Manchmal bin ich damit 15 Minuten beschäftigt, an manchen Tagen aber auch mal 3 Stunden.

Leo: Welchen ultimativen Tipp können Sie mir geben, damit das mit meinem Berufswunsch, Buchautorin zu werden, auch klappt?

THiLO: Oh, schwere Frage. Bei mir war es ganz leicht. Ich hatte vorher schon jede Menge Drehbücher fürs Kinderfernsehen geschrieben, Sesamstraße, Bibi & Tina, Schloss Einstein, Siebenstein und andere. Da hat mein erster Verlag natürlich Hurra! geschrien, als ich sie angerufen habe. Mein Tipp ist nur: Schreibe einfach weiter. Lass diese Geschichte liegen und beginne eine ganz neue. Und dann noch eine. Es wird automatisch immer besser.

Leo: Sie bieten auch Schreibworkshops an. Das klingt ziemlich interessant. Was sind das für Menschen, die da mitmachen? Sind wirklich alle schreibbegabt?

THiLO: Zu den Workshops kommen Menschen mit unterschiedlichstem Anspruch. Manche wollen in den nächsten 12 Monaten einen Bestseller in den Buchcharts haben, andere nur für ihre Nachfahren ihre Lebensgeschichte spannend aufschreiben. Manche haben schon Kurzgeschichten veröffentlicht, manche noch kein Wort zu Papier gebracht. Bei manchen wird es wahrscheinlich nicht zu einem Buchvertrag reichen, aber unbegabt zum Schreiben ist niemand. Ich zeige ihnen dann einige Tricks, das Handwerkszeug sozusagen. Viele kommen aber auch zu mir, um sich einfach eine Woche lang voll aufs Schreiben konzentrieren zu können. Bei meinen Workshops stört nichts, es gibt keinen Lärm, alle Teilnehmer waren ausnahmslos sehr nett und die Landschaft drumherum ist schön – und obendrein stehe ich mit Rat und Tat zur Seite.

Leo: Während der letzten Monate mussten wir alle unser Leben umstellen. Was haben Sie die letzten vier Monate gemacht? Hat sich für Sie viel geändert? Schreiben kann man ja auch trotz Corona, aber fehlen Ihnen die öffentlichen Auftritte bzw. Lesungen?

THiLO: Bei mir sind ab Mitte März alle Lesungen weggefallen. Plötzlich hatte ich unerwartet viel freie Zeit – um mal etwas Positives in dem Ganzen zu sehen. Wie Millionen andere Menschen auch war ich mit meinen Kindern den ganzen Tag zuhause. Da kam mir die Idee, einen Escape-Room zum Ausdrucken zu entwickeln. Die Lockdown-Agents sind kein Buch oder Spiel, das man am Tisch macht, sondern die ganze Wohnung wird in einen Escape-Room verwandelt. Alles, was man dazu braucht, ist in der PDF enthalten, die man auf www.thilos-gute-seite.de herunterladen kann. Das Thema war dann sofort in vielen Zeitungen und ich wurde zu Online-Workshops eingeladen – und das Abenteuer wurde bis jetzt schon fast 10.000 mal heruntergeladen.
Die öffentlichen Auftritte, besonders die Kontakte zu meinen LeserInnen fehlen mir natürlich. Aber ich nehme es so hin, wie es ist. Irgendwann komme ich zurück in die Schulen, Buchhandlungen und Bibliotheken und dann wissen alle diese Lesungen noch mehr zu schätzen.

Wer noch mehr über THiLO erfahren möchte, darf nun gerne zur Homepage des Autors springen. Dort findet ihr übrigens auch die Abenteuer der Lockdown-Agents.

Interview mit Laura Kneidl

Mit Romanen wie „Berühre mich. Nicht.“ und „Verliere mich. Nicht.“ hat sich Laura Kneidl bereits eine eigene Fangemeinde erschrieben. Die beliebte Autorin schreibt Romane über die Liebe, aber auch über alltägliche Herausforderungen und fantastische Welten. Inspiriert von ihren Lieblingsbüchern begann sie im Jahr 2009, selbst an ihrem ersten Roman zu arbeiten. Laura Kneidl schreibt aber nicht nur Bestseller, sie ist auch in sozialen Netzwerken aktiv, wo sie sich sehr gerne mit ihren Leserinnen und Lesern austauscht. Ich tausche mich auch gerne aus – gerne auch mal im realen Leben – deshalb war ich sehr erfreut, dass Laura Kneidl Zeit für ein Interview im Rahmen ihrer Lesung zu „Someone Else“ in Stuttgart hatte.

Leo: In deiner Bibliographie habe ich gesehen, dass du bereits sehr viele Bücher geschrieben hast. Ich muss zugeben, dass ich altersbedingt erst jetzt so langsam anfange, Jugendbücher für das Lesealter ab 14 Jahren zu lesen, denn meine Mutter meinte immer, dass ich mir noch Zeit lassen soll, bis ich reif genug dafür wäre. Das bin ich nun scheinbar und deshalb will ich jetzt von dir wissen, mit welchem Buch ich anfangen sollte. Welches ist dein persönliches Lieblingsbuch, das du selbst geschrieben hast?

Laura Kneidl: Ich mag alle meine Bücher sehr gerne, deswegen kann ich nicht sagen, welches mein Lieblingsbuch ist. Es kommt vor allem darauf an, was man lesen möchte, ob etwas Realistisches oder Fantasy. Wenn man realistische Bücher mag, dann wären „Someone New“ oder „Berühre mich. Nicht.“ die ersten Bücher, die ich empfehlen würde. Bei Fantasy hingegen, ist mein Debüt „Light & Darkness“ ein guter Einstieg, weil das mit ein paar Fantasy-Elementen gespickt ist. Oder auch „Herz aus Schatten“. Das wären die Jugendbücher, wenn man schon etwas älter ist, kann man auch „Die Krone der Dunkelheit“ lesen.

Leo: Erzähl doch mal, wie und wann du zum Schreiben und zum Beruf „Autorin“ kamst. Wolltest du schon immer Autorin werden oder hattest du früher andere Ziele und das Schreiben hat sich einfach nur so ergeben?

Laura Kneidl: Ich habe 2007 oder 2008 angefangen, zu schreiben. Das war, nachdem ich „Twilight“ gelesen habe. Die Bücher fand ich damals unglaublich toll und ich habe angefangen, Fan-Fictions über Jacob Black zu schreiben. Das hat mir viel Spaß gemacht. Danach habe ich immer mehr gelesen und irgendwann habe ich „Die Chroniken der Unterwelt“ von Cassandra Clare entdeckt und war einfach so begeistert, dass ich unbedingt eine eigene Geschichte erfinden und eine komplett eigene Welt erschaffen wollte. So bin ich zum Schreiben gekommen.
Ich habe dann einige Bücher geschrieben, Ideen verworfen und neue aufgegriffen. Meistens einfach nur zum Spaß – ohne den Gedanken zu haben, dass ich Autorin werde. Das hat so eine Weile angedauert, bis ich das  Manuskript von „Light & Darkness“ 2011 beendet habe. Das war der erste Text von mir, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er funktioniert und auch gut ist, sodass ich ihn selbst gerne lesen würde und das wollte ich mit anderen teilen.
Das war der erste Moment, wo ich mir überlegt habe, dass ich Autorin werden könnte. Daraufhin habe ich das Buch an Verlage und Agenturen geschickt und es hat sich tatsächlich ein Verlag gefunden, der es veröffentlichen wollte, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Leo: Diese Frage wurde dir sicherlich schon oft gestellt, aber welche Tipps kannst du jungen, heranwachsenden Autoren geben?

Laura Kneidl: Ganz, ganz wichtig ist das Lesen. Ich habe durchs Lesen so viel gelernt. Vor allem in der Anfangszeit habe ich versucht, mindestens 50 Bücher pro Jahr oder mehr zu lesen. Was auch sehr hilft ist der Austausch mit anderen Leuten. Das bedeutet, dass man, wenn man einen Text schreibt, sich einen Kritikpartner sucht, der den Text liest und einem sagt, dass beispielsweise eine bestimmte Stelle noch nicht ganz ausgereift ist. Ich habe meine Kritikpartner damals in Schreibforen gefunden, heute eignen sich dazu auch irgendwelche Facebook-Gruppen oder Wattpad-Communitys.
Das ist auf jeden Fall ein guter Tipp, aber wenn man wirklich Romane schreiben möchte, ist es, glaube ich, auch ganz wichtig, sich nicht ablenken zu lassen von irgendwelchen neuen Ideen, die einem kommen, sondern dass man sich eine Idee rauspickt, für die man wirklich brennt und das Buch auf jeden Fall dann auch fertigschreibt. In diesem Beruf ist es nämlich unverzeihlich wichtig, dass man Dinge fertigschreibt.

Leo: Wie sieht dein Arbeitsplatz aus? Wo schreibst du? Es gibt Autoren, die ihre Ruhe haben wollen und in einem Büro schreiben, andere wiederum schreiben sehr gerne in Cafés.

Laura Kneidl: Mein Arbeitsplatz? Äh… Ich schreibe auf der Couch. Wenn es wirklich ums neu schreiben geht. Wenn ich aber meine Texte überarbeite, im Lektorat oder im Korrektorat, Ideen ausarbeite oder Exposés schreibe, dann sitze ich an meinem Schreibtisch. Ich habe ein eigenes Arbeitszimmer und darin hängen alle Illustrationen, die ich irgendwie zu meinen Büchern bekommen habe. Auch die aus „Someone New“, „Someone Else“ und „Die Kronen der Dunkelheit“ hängen da, damit ich die auch immer angucken kann.

Leo: Cool! Gibt es so etwas wie einen typischen Arbeitstag?

Laura Kneidl: Einen typischen Arbeitstag gibt es nicht. Ich bemühe mich zwar, mir immer wieder Routinen anzugewöhnen und zu erarbeiten. Ich stehe immer zu einer relativ „normalen“ Zeit auf, wenn auch andere Menschen aufstehen, die arbeiten oder in die Schule gehen müssen. Dann setze ich mich hin und schreibe. Das mache ich, damit ich jeden Tag weiß, was zu tun ist. Allerdings ist es wirklich ein sehr abwechslungsreicher Job. Man denkt gar nicht, wie viel Zeit ich damit verbringe, Sachen zu machen, die gar nicht „Schreiben“ sind. Da kommen dann eben Interviews dazu oder auch Veranstaltungen. Manchmal kommen aber auch ganz unromantische Dinge hinzu, wie beispielsweise Bürokratie, also Rechnungen abheften und Buchhaltung. Es gibt dann aber auch solche Tage, an denen ich einfach nur dasitze und nachdenke über irgendwelche Geschichten. Daher gibt es keinen typischen Arbeitsalltag. Aber wie gesagt, versuche ich, Dinge regelmäßig zu machen, damit ich meine Sachen auch geschafft bekomme.

Leo: Du hast gerade gesagt, dass du an manchen Tagen einfach nur dasitzt und überlegst. Heißt das, du machst dir einen konkreten Plan und schreibst nicht einfach drauf los?

Laura Kneidl: Ja, ich plane sogar sehr, sehr ausführlich, was ich schreiben möchte. Bevor ich auch nur die erste Seite geschrieben habe, kenne ich die wichtigsten Szenen im Buch. Ich weiß auch, was mit den Protagonisten passiert, wann sich etwas ändert und wann der Protagonist etwas herausfinden wird und natürlich kenne ich auch das Ende. Ich muss wissen, worauf ich hinschreibe, so kann ich mich nicht in irgendwelches Geschwafel verlieren. Deswegen weiß ich immer sehr genau, um was es in den Büchern gehen wird.

Leo: Das könnte ich überhaupt nicht. Ich bin ein ziemlich ungeduldiger Mensch und ich schreibe eigentlich immer einfach drauf los.

Laura Kneidl: Ja, für manche funktioniert das richtig gut. Man sagt, dass es unter den Autoren die „Plotter“ gibt, die eben einen Plot haben und genau wissen, was sie tun und dann eben die „Pantser“, die einfach drauflosschreiben. Aber für beide funktioniert es total gut. Eine Methode von Dan Wells, die ich gerne benutze, ist die 7-Punkte-Struktur. Sie ist auch sehr simplen, denn die Methode besagt, dass jedes Buch aus sieben Punkten besteht und wenn man diese sieben Punkte hat, dann funktioniert die Geschichte. Und irgendwie stimmt das auch.

Leo: Wann kommen dir die besten Ideen?

Laura Kneidl: Meistens, wenn es gerade ziemlich unpassend ist. Also immer dann, wenn ich mich eigentlich auf andere Dinge konzentrieren sollte – und dann lass ich mich ablenken.

Leo: Und was machst du, wenn es beim Schreiben mal hakt, wenn dir gar nichts einfällt und du gar keine Idee hast?

Laura Kneidl: Ich muss sagen, was mir wirklich am allermeisten hilft ist, um nochmal auf das Thema Kritikpartner zurückzukommen, nochmal mit anderen Leuten über meine Ideen zu reden. Denn noch während ich darüber rede fällt mir meistens selbst schon eine Lösung ein.

Leo: Arbeitest du mehrgleisig an verschiedenen Büchern oder Projekten?

Laura Kneidl: Ich kann immer nur an einem Projekt schreiben, aber nebenbei denke ich natürlich noch über andere Ideen nach. Bei einem Kaffee am Morgen über eine Idee nachzugrübeln, das funktioniert schon, aber beim Schreiben fokussiere ich mich gerne.

Leo: Wer darf deine neuen Texte und Werke als erstes lesen?

Laura Kneidl: Das ist relativ unterschiedlich. Aber meistens bekommen die Lektoren in den Verlagen meine Texte als erstes zu lesen, ab und an, es hängt vom Projekt ab, habe ich noch Testleser, die es dann zuerst bekommen.

Leo: Hast du Lampenfieber vor Lesungen oder ist das eher so etwas wie ein entspanntes Lesen unter Freunden?

Laura Kneidl: Nein, es ist kein entspanntes Lesen. Ich bin ziemlich aufgeregt und wirklich sehr nervös. Die Sache ist die, dass ich total gerne über das Schreiben rede, ich beantworte auch die Fragen zu meinen Büchern sehr gerne, aber ich lese überhaupt nicht gerne vor. Aber das Lampenfieber verschwindet auch, sobald ich vor den Leuten sitze und einmal angefangen habe vorzulesen.

Leo: Das ist ähnlich wie bei mir. Ich bin bei uns in der Schule beim Musical und bevor man da auf die Bühne geht, ist man total aufgeregt und dann geht’s aber eigentlich.

Laura Kneidl: Eben. Dann hat man nämlich andere Sorgen und muss sich konzentrieren.

Leo: Du bist Katzenliebhaberin und einige andere Autorinnen auch. Erzähl mal, wie kam es dazu, dass du dir mit Tanja Voosen und Tami Fischer den Account @writerscats auf Instagram zugelegt hast?

Laura Kneidl: Ich weiß gar nicht mehr, wie das genau kam. Mit Tanja Voosen habe ich schon mal darüber geredet, dass es cool wäre, einen Instagram-Account für unsere Katzen zu machen. Wir beide lieben es, Fotos von unseren Katzen zu machen. Mindestens 80% meiner Fotos auf dem Handy sind von meinen Katzen. Aber ich kann die natürlich nicht alle auf meinem Autorenprofil teilen, denn das wäre für manche vielleicht ein bisschen zu viel an Katzenfotos. Wir beide haben dann ein bisschen darüber geredet, aber nicht so direkt konkretisiert. Dann hat Tami Fischer ihre zwei Katzen bekommen und natürlich hat sie auch sofort damit angefangen, nur noch Bilder von den beiden zu machen. Sie war es, die ohne groß Nachzudenken den Account dann erstellt hat. Und so können wir immer wieder, wenn wir gerade Lust haben, Bilder von unseren Katzen dauerhaft teilen.
Ich selber habe in meinem Autoren-Feed keine privaten oder persönlichen Fotos drin, sondern wirklich nur welche zu meinen Büchern und auch zu meinen Projekten oder zum Schreiben allgemein. So kann man die Katzenbilder aber auch ein bisschen besser verewigen.

Leo: Die Kinder- und Drehbuchautorin Vanessa Walder schickt mir oft per WhatsApp Bilder ihrer Katze. Sie selbst hält nicht viel von Social Media, aber vielleicht sollte ich ihr vorschlagen, einen Account für ihre Katze zu eröffnen. Auf Instagram ist ja heutzutage alles möglich. Ich verliere mich sehr oft und vergesse dabei ganz die Zeit. Wie ist das bei dir? Ist Social Media ein Fluch oder ein Segen?

Laura Kneidl: Beides. Es stimmt, es kann sehr zeitraubend sein und manchmal verliert man sich darin. Man will nur einmal kurz in Instagram reinschauen, und plötzlich ist eine ganze Stunde vergangen. Das ist dann natürlich nicht so schön. Aber man kann sich so leicht mit seinen Lesern austauschen und wundervolle Bilder zu seinen Büchern betrachten. Ich liebe es auch, mir einfach irgendwelche Hashtags über Schottland, vor allem aber auch über Edinburgh, anzusehen. Ich glaube, dass man immer die Balance finden muss. Gerade beim Schreiben finde ich es dann aber wichtig, mein Handy in ein anderes Zimmer zu legen – damit dieser Griff von der Tastatur zum Handy nicht so leicht ist.

Leo: Hast du bereits als Kind schon gerne gelesen?

Laura Kneidl: Ich habe gelesen, aber ich muss sagen, dass das tatsächlich nicht besonders viel war. Ich habe gerne die Gänsehaut-Bücher gelesen, aber ich war generell nicht so begeistert von Büchern. Das kam tatsächlich erst mit „Twilight“. Also mit 17 oder 18 Jahren.  

Leo: Kannst du dich an dein liebstes Kinderbuch erinnern?

Laura Kneidl: Das ist eine gute Frage. Ich muss tatsächlich sagen, dass das Märchenbücher waren. An all diese ganzen Klassiker, die man so vorgelesen bekommen hat, erinnere ich mich am liebsten zurück. Das waren so die Bücher meiner Kindheit.

Leo: Hattest du schon einmal eine Anfrage für eine Verfilmung deiner Bücher?

Laura Kneidl: Noch habe ich keine konkrete Anfrage bekommen, aber ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn irgendwann eins meiner Bücher verfilmt werden würde.

Leo: Und welche Schauspieler würdest du dann gerne in deinem Film mitspielen lassen?

Laura Kneidl: Ich habe da jetzt keine konkreten Schauspieler im Kopf. Es gibt natürlich Schauspieler, die ich einfach sehr gerne mag. Ich mag zum Beispiel Wentworth Miller, der in der Serie „Prison Break“ mitgespielt hat, gerne. Ganz aktuell aus dem Film „Joker“ mag ich Joaquin Phoenix, den fand ich auch in „Walk the Line“ toll.

Leo: Angenommen, du hättest einen Wusch frei, welcher wäre das?

Laura Kneidl: Nur einen Wunsch? Mehr Wünsche!

Leo: Das sagt meine Schwester auch immer. Das ist tatsächlich ein sehr kluger Gedanke.

Laura Kneidl: Ja. Aber ich glaube, ich würde mir einfach generell wünschen, dass es für alle gut weitergeht. Was immer das auch bedeuten mag. Ich wünsche mir, dass alles gut bleibt und alle gesund sind.

Leo: Wenn du dein Leben mit jemandem tauschen könntest, wer wäre das?

Laura Kneidl: Mit meinen Katzen. Das wär‘ das ultimative Leben! Die ganze Zeit nur schlafen und fressen und gestreichelt werden. Bestes Leben!

Dem möchte ich in keiner Weise widersprechen, denn das klingt nach einem perfekten Leben! 😉