{Rezension} Hot Young Royals
Herz über Krone

Hot Young Royals – Herz über Krone
von Katy Birchall

Fischer Sauerländer
Paperback
Jugendbuch
448 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7335-0956-9
Ersterscheinung: 19.11.2025

Kleider? Haute Couture.
Klassenkameraden? Londons Elite.
Partys? Skandalös!

Inhalt:
Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die siebzehnjährige Ruby Carter zu ihrer Tante Tabatha nach London und landet dadurch mitten in der Welt der High Society und der Royals. An der elitären Schule Clairmont Hall trifft sie auf Prinzessin Caroline und den charmanten Herzog Xavier, der unter den Erwartungen seiner Familie leidet. Während Ruby versucht, ihren Platz in dieser glamourösen, aber gnadenlosen Umgebung zu finden, entwickelt sich zwischen ihr und Xavier ein Fake-Dating, das schnell komplizierter wird als geplant. Gleichzeitig verfolgt Ruby ihr eigentliches Ziel: die Suche nach ihrem unbekannten Vater – doch die Wahrheit, die sie dabei entdeckt, stellt ihr Leben komplett auf den Kopf.

Meinung:
Beim Lesen dieses Jugendromans hatte ich das Gefühl, in zwei Welten gleichzeitig unterwegs zu sein: einerseits in einer glitzernden High-Society-Kulisse, die bewusst überzeichnet wirkt, andererseits in einer emotional viel wahrhaftigeren Geschichte darüber, wie es ist, seinen Platz im Leben zu suchen, während alles um einen herum plötzlich Kopf steht. Genau dieses Spannungsfeld hat den Roman für mich so interessant gemacht. Was mich am stärksten berührt hat, war Rubys innere Zerrissenheit. Sie ist erst siebzehn, hat gerade ihre Mutter verloren und wird in eine Welt geworfen, die so weit entfernt von allem ist, was sie kennt, dass man fast den Eindruck hat, sie sei eine Beobachterin in ihrem eigenen Leben. Ihre Loyalität, ihre Unsicherheit, ihre kleine Tollpatschigkeit – all das macht sie zu einer Protagonistin, die nicht perfekt ist, aber gerade dadurch unheimlich nahbar. Ich mochte, wie sie versucht, in dieser überladenen Welt den Kopf oben zu behalten, während sie gleichzeitig nicht genau weiß, wie man in High-Society-Häusern die Treppe hinuntergeht, ohne sich zu verlaufen. Ihre Beziehung zu Xavier hat mich ebenfalls positiv überrascht. In vielen YA-Romanen mit Royals bekommt man einen unnahbaren, sehr glatt polierten Love Interest. Hier jedoch hat Xavier etwas Verletzliches. Ja, er ist charmant, reich, gutaussehend – das volle Programm eben. Aber hinter der Fassade sieht man einen jungen Mann, der selbst nicht recht weiß, wie er die Erwartungen seiner Familie erfüllen soll, ohne dabei sich selbst zu verlieren. Sein trockener Humor und seine Fähigkeit, Ruby wirklich zu sehen, gaben ihrem Zusammenspiel Tiefe. Es fühlte sich nicht einfach nach einer kitschigen Romanze an, sondern wie eine Verbindung zwischen zwei Menschen, die beide aus ihrem Leben ausbrechen wollen, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen. Darüber hinaus mochte ich sehr, wie die Nebenfiguren eingesetzt wurden. Tabatha ist für mich das perfekte Beispiel dafür, wie man eine Nebenfigur skurril, exzentrisch und gleichzeitig richtig liebenswert schreibt. Sie wirkt auf den ersten Blick wie ein Wirbelwind aus Stil, Regeln und Höflichkeit, aber darunter spürt man eine Zuneigung zu Ruby, die an manchen Stellen fast rührend ist. Caroline war für mich eine der Figuren, die am meisten Potenzial für die Zukunft haben: erst wirkt sie kühl und standesbewusst, später blitzen Zweifel und Menschlichkeit durch, die viel über die Zwänge ihrer royalen Rolle sagen. Die Geschichte balanciert sehr bewusst zwischen humorvollen, charmanten Szenen und Momenten, die emotionaler und ernster sind. Besonders Rubys Suche nach ihrem Vater bringt eine Tiefenschicht in die Handlung, die sie davor bewahrt, nur oberflächlicher Royal-Gossip zu sein. Die Momente, in denen Ruby beginnt zu ahnen, dass ihre Identität vielleicht anders aussieht, als sie geglaubt hat, gehören für mich zu den stärksten Passagen. Natürlich lebt der Roman nicht von Realismus – und ich glaube, das soll er auch gar nicht. Er will Lesende in eine märchenhafte Welt hineinziehen, in der Haute Couture, Internatsflure voller Royals und skandalöse Partys zwar nicht realistisch, aber unglaublich unterhaltsam sind. Diese Mischung aus Eskapismus, Glamour und Herz hat mich sehr gut abgeholt. Ich war nie gelangweilt, oft amüsiert und immer wieder emotional investiert. Und dann dieses Ende! Diese offenen Fragen, die uns bewusst mit der Aussicht auf einen zweiten Band zurücklassen sollen. Was wird aus Caroline? Wird die Öffentlichkeit sie akzeptieren? Und vor allem: Was wollte Ollie sagen?! Ich habe wirklich zweimal zurückgeblättert, weil ich dachte, ich hätte etwas übersehen. Ein gelungenes Mittel, um die Spannung aufrechtzuerhalten – aber auch ein kleiner Angriff auf meine Geduld. Alles in allem ist der Roman für mich ein gelungenes, modernes Märchen mit royaler Würze, Humor, einer süßen Liebesgeschichte und einigen überraschend emotionalen Momenten. Er ist leichtfüßig, aber nie leer. Überdreht, aber nicht seicht. Und er hinterlässt genau das Gefühl, das man bei solchen Geschichten haben möchte: Man möchte in dieser Welt bleiben – zumindest für ein paar Kapitel länger.

Fazit:
„Hot Young Royals – Herz über Krone“ von Katy Birchall ist eine herrlich glamouröse, moderne Rom-Com, die mit Humor, Leichtigkeit und royalen Funken begeistert. Der Roman bietet ein tolles Figurenensemble, eine mitreißende Coming-of-Age-Geschichte und genug offene Fragen, um sehr neugierig auf eine Fortsetzung zu machen. Wer royale Dramen, Fake-Dating und starke, liebenswerte Figuren mag, wird dieses Buch verschlingen. Für mich war es ein echtes Wohlfühlerlebnis, weshalb ich liebend gerne 5 von 5 Sternchen vergebe.

Lieblingszitate:
»Danke, Jonty«, flüstere ich an seiner Schulter. »Ich dachte schon, ich hätte überhaupt keine Freunde mehr.«
»Du warst für mich da, als es mir dreckig ging, und Freundschaft ist keine Einbahnstraße«, beteuert er.
 (S. 426)
und
„»Ich hab dich wieder. Nur das zählt.«
»Du hattest mich nie verloren«, sage ich leise
. (S. 443)

{Rezension} Today I’ll Steal His Heart
(Bd. 2 der „Today“-Reihe)

Today I’ll Steal His Heart
(Bd. 2 der „Today“-Reihe)
von Bianca Wege

Arena Verlag
Taschenbuch
Romance
416  Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-401-60705-4
Ersterscheinung: 11.10.2024

Inhalt:
India hat ein Problem: Für die Hochzeit ihrer Mutter braucht sie dringend ein Date, denn schließlich hat sie ihrer Familie bereits einen Freund präsentiert, der allerdings nur in ihrer Fantasie existiert. Hilfe naht in Form einer neuen Uni-Dating-App, auf der sie Brian matcht. Doch dann kreuzt ausgerechnet Asher Woods, Volleyballspieler und notorischer Charmeur, ihren Weg und mischt ihr ohnehin schon chaotisches Liebesleben ordentlich auf. Als er vorschlägt, sie auf die Hochzeit zu begleiten, wird es ernst, denn plötzlich steht India nicht nur zwischen zwei Männern, sondern auch zwischen Kopf und Herz.

Meinung:
Ich hatte große Lust auf eine humorvolle Fake-Dating-Romance und genau das habe ich bekommen. Aber ich habe auch etwas Tieferes gefunden, das ich so gar nicht erwartet hatte. India war mir zu Beginn ehrlich gesagt gar nicht so sympathisch. Sie wirkte verschlossen, fast schon abweisend, mit einem zynischen Unterton, der sich durch ihre Gedankenwelt zieht. Aber gerade das hat sie für mich letztlich so greifbar gemacht. Denn ihre Art ist kein Selbstzweck – sie schützt sich. Ihre Mauern sind das Resultat aus Unsicherheiten, Enttäuschungen und einer komplizierten Mutter-Tochter-Beziehung. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr wuchs mir India ans Herz. Sie war nicht leicht zu lieben, aber genau das machte es so besonders, ihr beim „Weicherwerden“ zuzusehen. Asher hingegen ist das genaue Gegenteil: ein absoluter Good Guy, bei dem man sich fragt, ob er zu perfekt ist, um realistisch zu wirken – und dann doch staunt, wie glaubwürdig Bianca Wege ihn gezeichnet hat. Kein Bad Boy, keine toxische Masche, sondern jemand, der hartnäckig, charmant und emotional offen um India kämpft. Besonders gelungen fand ich, dass er selbst nicht nur als Love Interest fungiert, sondern eigene Themen wie Verletzlichkeit, Druck durch den Leistungssport und Selbstzweifel mitbringt. Und seine „Mission India“ ist nicht nur süß, sondern durchweg herzerwärmend. Die Dynamik zwischen den beiden hat für mich wunderbar funktioniert. Wortgefechte, zaghafte Annäherungen, stille Verletzlichkeit – ein Spiel zwischen Nähe und Distanz, das emotional total gepasst hat. Besonders mochte ich, dass ihre Entwicklung nicht überhastet wirkte. Es war kein „Er liebt sie, sie liebt ihn und dann Ende“, sondern ein echter Prozess mit Rückschlägen, Zweifeln, und langsamen Schritten. Das macht die Liebesgeschichte nicht nur glaubwürdig, sondern auch tiefgründig – trotz der eher leichten, humorvollen Grundstimmung. Der Schreibstil von Bianca Wege ist dabei ein echtes Highlight. Locker, modern, mit Witz und gleichzeitig Gefühl. Ich musste oft schmunzeln und gleichzeitig hatte ich immer wieder einen Kloß im Hals, wenn die emotionale Tiefe durchbrach. Auch die kleinen, kreativen Details wie das Pflanzentagebuch oder Ashers Schrittzähler-Aktion fand ich einfach nur liebenswert. Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich dennoch: Der „Plottwist“ rund um Brian war relativ früh vorhersehbar. Wirklich überraschend war da nichts. Und auch wenn ich die langsame Entwicklung bei India nachvollziehbar fand, dauerte es doch recht lange, bis man emotional bei ihr „ankommt“. Der Einstieg hätte also etwas zugänglicher sein dürfen. Dennoch: Das emotionale Payoff zum Schluss war diese Geduld definitiv wert.

Fazit:
„Today I’ll Steal His Heart“ von Bianca Wege ist eine charmante, humorvolle und gleichzeitig gefühlvolle Fake-Dating-Romance, die mit einer starken, aber verletzlichen Heldin und einem absolut liebenswerten Love Interest punktet. Zwar ist die Handlung nicht immer überraschend und India braucht etwas, um einem ans Herz zu wachsen, doch gerade das macht die Geschichte so authentisch und berührend. Von mir gibt es deshalb 4,5 von 5 Sternchen.

Lieblingszitat:
„Und mach dir keine Sorgen um mich. Du hast mich nicht darum gebeten, mein Herz zu riskieren. Auch das war meine eigene Entscheidung.“ (S. 296)

{Rezension} Today I’ll Talk to Him
(Bd. 1 der „Today“-Reihe)

Today I’ll Talk to Him
(Bd. 1 der „Today“-Reihe)
von Bianca Wege

Arena Verlag
Taschenbuch
Romance
384  Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-401-60704-7
Ersterscheinung: 12.10.2023

Inhalt:
Layla ist schüchtern, liebt Sims und hält sich im echten Leben lieber im Hintergrund. Online hingegen hat sie sich unter einer Maske ein kleines Twitch-Imperium aufgebaut, in dem sie ihr digitales Alter Ego mit ihrem Schwarm Asher verkuppelt. Im wahren Leben hat sie allerdings noch nie ein Wort mit ihm gewechselt. Das möchte sie nun ändern. Mit der Unterstützung ihrer Community ruft Layla die Challenge „Today I’ll Talk to Him“ ins Leben. Doch ausgerechnet Henry, Ashers mürrischer Erzfeind, funkt ihr immer wieder dazwischen und weckt Gefühle, mit denen sie nicht gerechnet hätte.

Meinung:
Ich war überrascht, wie sehr mich diese Geschichte mitgenommen hat, obwohl ich mit Streams und Sims eigentlich gar nichts am Hut habe. Bianca Wege hat es geschafft, eine Geschichte zu schreiben, die sich trotz der nerdigen Elemente nicht auf eine Zielgruppe beschränkt. Im Mittelpunkt stehen die Themen Mut, Selbstfindung und erste Liebe – und die erzählt sie mit viel Herz, Charme und Humor. Layla ist eine Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt. Ihre Unsicherheiten, ihre inneren Kämpfe, ihre Versuche, über sich hinauszuwachsen – all das ist so liebevoll und echt beschrieben, dass man sich oft selbst in ihr wiederfindet. Es war schön zu lesen, wie sie langsam auftaut, Vertrauen fasst und ihren Platz in einer neuen Umgebung findet. Besonders ihre Entwicklung gegenüber Henry war wunderbar feinfühlig erzählt. Henry ist ein typischer Grumpy Love Interest – aber einer von der besten Sorte. Hinter seiner mürrischen Art verbirgt sich ein großes Herz, und je mehr man über ihn erfährt, desto mehr versteht man ihn. Die Chemie zwischen ihm und Layla war für mich das emotionale Herzstück des Buches. Ich habe ihre Gespräche geliebt, die stillen Momente zwischen ihnen und auch die Reibung, die alles so lebendig gemacht hat. Die Twitch-Elemente und Sims-Anspielungen waren eine originelle Idee, die frischen Wind in die Geschichte gebracht haben. Auch wenn ich das Spiel nie gespielt habe, konnte ich allem folgen und wurde teilweise sogar neugierig. Die Idee mit der Community-Challenge hat für viel Dynamik und witzige Situationen gesorgt und gleichzeitig Laylas Entwicklung glaubhaft vorangetrieben. Die Nebenfiguren waren lebendig und haben die Welt um Layla wunderbar ergänzt. Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich die Vorhersehbarkeit der Handlung. Manche Entwicklungen zeichnen sich früh ab, und auch das Drama am Ende fühlte sich etwas konstruiert an. Dennoch bleibt die Geschichte emotional glaubwürdig, ohne in übertriebene Klischees abzudriften. Ein, zwei tiefere Überraschungen hätten dem Buch gutgetan, aber gestört hat es nicht stark.

Fazit:
„Today I’ll Talk to Him“ von Bianca Wege ist eine charmante, moderne Liebesgeschichte mit einem originellen Twist, liebenswerten Charakteren und einem tollen Mix aus Humor und Emotion. Obwohl ich kein Sims-Fan bin, hat mich das Buch abgeholt und bestens unterhalten. Die leichten Schwächen in der Vorhersehbarkeit fallen kaum ins Gewicht, denn die Figuren, die Atmosphäre und der wunderbar ehrliche Schreibstil machen daraus ein echtes Wohlfühlbuch. Ich vergebe liebend gerne sehr gute 4 von 5 Sternchen.

Lieblingszitat:
„»Ist das jetzt eigentlich …? Also ist das ein Date mit … na ja, Potenzial für mehr oder …?« Ich weiß, dass es unklug ist, das direkt am Anfang zu fragen, weil Henrys Antwort das Potenzial hat, den Abend zu zerstören. Aber ich muss es wissen, bevor ich zulasse, dass ich mich noch mehr in diesen Moment fallen lasse.“ (S. 312)

{Rezension} Playing the Field

Playing the Field
von Ivy Bailey aka Katy Birchall

Fischer Sauerländer
Paperback
Jugendbuch
320 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7335-0913-2
Ersterscheinung: 25.06.2025

Im Fußball und in der Liebe ist alles erlaubt.

Inhalt:
Sadie hat ein klares Ziel vor Augen: Mit ihrer Uni-Fußballmannschaft den dritten Meistertitel in Folge holen – nicht nur für sich selbst, sondern vor allem für ihren an Demenz erkrankten Vater, dem sie damit eine große Freude machen möchte. Ablenkung kann sie dabei überhaupt nicht gebrauchen – schon gar nicht in Form des neuen Spielers der Männermannschaft, der mit seinem Talent, seinem Charme und seinem losen Mundwerk alles durcheinanderwirbelt. Als sie gezwungen ist, mehr Zeit mit Arlo zu verbringen, beginnt sie zu erkennen, dass Gefühle sich nicht immer planen lassen. Zwischen sportlichem Ehrgeiz und aufkeimender Nähe stellt sich bald die Frage: Muss man manchmal etwas loslassen, um wirklich zu gewinnen?

Meinung:
Ich hatte richtig Lust auf diese Geschichte: Fußball, Uni-Setting, Rom-Com-Vibes und dann auch noch Edinburgh im Hintergrund? Genau mein Ding! Sadie war für mich von Anfang an eine nahbare, starke Protagonistin. Ihr Ehrgeiz, ihre Verantwortung fürs Team und die stille Angst um ihren Vater wirken nie aufgesetzt, sondern tief verwurzelt. Ihre Zielstrebigkeit ist ansteckend – gleichzeitig aber auch ihre Unsicherheit, sobald Arlo ins Spiel kommt. Das hat sie für mich unglaublich menschlich gemacht. Arlo ist am Anfang der typische „Too cool for school“-Typ, aber unter der Oberfläche steckt so viel mehr. Ich mochte, wie sich seine Figur Schritt für Schritt entfaltet – ohne plötzliche Wendung, sondern glaubwürdig und mit leisen Zwischentönen. Die Dynamik zwischen ihm und Sadie lebt vom Kontrast, denn sie ist diszipliniert, er eher instinktiv. Aber gerade das macht ihre Chemie aus. Die erzwungene Nähe durchs Einzeltraining ist ein klassischer Tropus, der hier aber mit viel Witz und Feingefühl umgesetzt wird. Und ja – die Dialoge! Ich musste wirklich oft grinsen. Katy Birchalls (bzw. Ivy Baileys) Humor sitzt einfach. Was mir allerdings ein kleines bisschen gefehlt hat, war die emotionale Tiefe in den Nebenhandlungen. Einige Nebenfiguren oder Konflikte werden nur angerissen und schnell aufgelöst. Ich hätte mir gewünscht, dass gewisse Szenen mehr Raum bekommen, um sich emotional zu entfalten. Es fühlte sich stellenweise an, als wolle das Buch zu viel in kurzer Zeit erzählen. Dennoch: Die Themen Freundschaft, Teamgeist, Verlustängste und Selbstzweifel wurden berührend eingeflochten und haben dem Ganzen mehr gegeben als nur Herzklopfen-Romantik. Kleine persönliche Randnotiz: Dass die Geschichte teilweise in Edinburgh spielt, hat in mir schon so richtiges Urlaubsfeeling geweckt – in drei Wochen bin ich mit meinen Mädels dort, und ich werde jetzt wahrscheinlich mit einem noch breiteren Grinsen durch die Gassen laufen, weil ich Sadie und Arlo im Kopf dabei haben werde.

Fazit:
„Playing the Field“ von Ivy Bailey ist eine herzerfrischende Sports Romance, die mit viel Gefühl und authentischem Fußball-Setting punktet. Die Chemie zwischen Sadie und Arlo stimmt von Anfang an, und auch die ernsteren Untertöne verleihen der Geschichte eine echte Tiefe. Trotz kleiner Längen in der Ausarbeitung einiger Nebenstränge bleibt der Roman eine rundum gelungene Wohlfühllektüre. Ich vergebe sehr gute 4 von 5 Sternchen.

Lieblingszitate:
„»Außerdem vergisst du, dass Fußballtraining für mich nicht unter Arbeit fällt. Für mich gibt es nichts Besseres. Für mich ist Fußball einfach … alles.«“ (S. 8)
und
„»Und was bekommst du, wenn du gewinnst und ich tatsächlich den schönsten Abend meines Lebens habe?« Er lehnt sich über den Tisch und senkt die Stimme, sodass nur ich ihn hören kann. »Wenn ich mit dir tanze und du den schönsten Abend deines Lebens erlebst«, sagt er, und seine Augen funkeln mich gefährlich an, »dann habe ich schon gewonnen.«“ (S. 218 f.)

{Rezension} Der Sommer, der nur uns gehörte

Der Sommer, der nur uns gehörte
(Bd. 3 der „The Summer I Turned Pretty“-Trilogie)
von Jenny Han

dtv
(Reihe Hanser)
Taschenbuch
Jugendbuch
336 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Originaltitel: We’ll always have Summer
ISBN: 978-3-423-08683-7
Ersterscheinung: 12.06.2025

Inhalt:
Zwei Jahre sind vergangen, seit Belly sich für Jeremiah entschieden hat – sie sind ein Paar, studieren gemeinsam in Boston und planen plötzlich ihre Hochzeit. Während sie in die Vorbereitungen eintaucht, beginnen jedoch Zweifel zu wachsen: Ihre Eltern sind alles andere als begeistert, alte Konflikte brechen auf, und Belly fühlt sich zunehmend unsicher. Als sie wieder an den Ort ihrer schönsten Sommer zurückkehrt, begegnet sie Conrad – und mit ihm ihrer Vergangenheit und den Gefühlen, die sie nie ganz losgelassen haben.

Meinung:
Ich muss ehrlich sagen, ich habe diesen letzten Band mit gemischten Gefühlen gelesen. Die Trilogie hat mich über drei Bücher hinweg durch viele Emotionen begleitet – durch Jugendschwärmerei, erste Liebe, Verlust, Reifeprozesse – und ich war sehr gespannt, wie Jenny Han die Geschichte zu Ende bringt. Und auch wenn ich viel Kritisches anmerken muss, ist mir klar, dieses Buch hat mich berührt, weil ich mit diesen Figuren gewachsen bin. Was mir gefallen hat, ist der Perspektivwechsel. Die Kapitel aus Conrads Sicht geben der Geschichte mehr Tiefe, auch wenn ich mir gewünscht hätte, noch stärker in seine Gedankenwelt eintauchen zu dürfen. Endlich verstehen wir mehr von seinem inneren Konflikt – der Kontrast zu dem impulsiven, oft unreifen Jeremiah wird dadurch noch spürbarer. Und genau hier beginnt mein Dilemma mit diesem Band: Ich konnte Bellys Entscheidung für Jeremiah nie ganz nachvollziehen – und spätestens mit der völlig überhasteten Verlobung wird das emotionale Ungleichgewicht der Beziehung deutlich. Dass sich Belly von der Vorstellung, „alles müsse perfekt sein“, treiben lässt, obwohl sie spürt, dass es das nicht ist, ist einerseits authentisch (sie ist jung, überfordert, sucht Halt), andererseits auch frustrierend. Die Hochzeitsvorbereitungen nehmen einen zu großen Raum ein und drängen die eigentliche Entwicklung der Figuren manchmal zu sehr in den Hintergrund. Auch die Konfrontation mit ihren Eltern hätte mehr emotionale Tiefe verdient. Stattdessen bleibt vieles an der Oberfläche oder wird in Dialogen abgehandelt, die sich nicht wirklich entfalten. Dennoch bleibt Jenny Hans Schreibstil ein großer Pluspunkt. Sie schafft es mit wenigen Worten, Atmosphäre zu erzeugen – das Strandhaus, das Licht, die Erinnerungen an vergangene Sommer. Diese Stimmung ist es, die mich durchgetragen hat, auch wenn ich die Handlung streckenweise als zu vorhersehbar und konstruiert empfand. Ich hätte mir mehr innere Konflikte, weniger äußeres Drama gewünscht. Aber vielleicht ist genau das Teil des Konzepts: Dass man mit 19 manchmal keine großen Antworten braucht, sondern das Chaos zulassen muss, um herauszufinden, wer man wirklich ist.

Fazit:
„Der Sommer, der nur uns gehörte“ von Jenny Han ist ein emotionaler Abschluss der „The Summer I Turned Pretty“-Trilogie, der vor allem durch seine stimmungsvolle Sprache und die vertrauten Charaktere lebt. Die Geschichte rund um Belly, Conrad und Jeremiah bleibt bewegend, auch wenn das letzte Kapitel ihrer Dreiecksgeschichte nicht ganz die Tiefe erreicht, die man sich gewünscht hätte. Trotz mancher erzählerischer Schwächen ist der Roman ein schöner Schlusspunkt einer Jugendbuchreihe, die Herz und Sommergefühl vereint. Von mir gibt es für den Abschluss der Trilogie 4 von 5 Sternchen und eine absolute Leseempfehlung.