{Rezension} Warum Frauen den besseren Fußball spielen

Warum Frauen den besseren Fußball spielen
von Weltmeisterin Nia Künzer und TV-Experte Bernd Schmelzer

Edel Sports (ein Verlag der Edel Verlagsgruppe)
Paperback
272  Seiten
ISBN: 978-3-98588-056-0
Ersterscheinung: 03.06.2023

Inhalt:
Nia Künzer, mehrfache deutsche Meisterin, DFB-Pokalsiegerin, UEFA-Cup-Siegerin und Weltmeisterin, und Bernd Schmelzer, Sportjournalist und Fußballkommentator, erläutern in ihrem Plädoyer über den Frauenfußball, warum man diesen nicht mit dem Männerfußball vergleichen sollte. Trotz vieler positiver Veränderungen, die in den letzten Jahren im Frauenfußball stattgefunden haben, gibt es immer noch viel Nachholbedarf. Die beiden berichten aber auch hautnah und ehrlich von eigenen Erfahrungen und lassen hinter die Kulissen blicken, blicken zugleich aber auch über den Tellerrand hinaus und z.B. zu anderen Fußballverbänden rund um die Welt.

Meinung:
Pünktlich zur Frauenweltmeisterschaft in Australien und Neuseeland ist mir dieses Buch von Nia Künzer und Bernd Schmelzer in die Hände gefallen. Das passt natürlich perfekt, denn der seit der EM 2022 entstandene Boom rund um den Frauenfußball in Deutschland lässt auch zur WM nicht nach. Jedoch gibt es dennoch viele Dinge, die im Frauenfußball noch Veränderungen bedürfen, auch wenn es bereits viele positive Veränderungen gab. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil man einen Blick hinter die Kulissen bekommt. Sowohl Nia Künzer, die selbst mit der deutschen Frauennationalmannschaft sogar Weltmeisterin geworden ist, berichtet davon, wie der Alltag im Frauenfußball früher aussah und heute aussieht, als auch Bernd Schmelzer, der seit Jahren die Frauenfußballspiele im Fernsehen kommentiert, lässt viele interessante Beiträge hineinfließen. Besonders interessant fand ich, zu lesen, dass er, um sich aufs Kommentieren vorzubereiten, von der Bundestrainerin oftmals sogar die Aufstellung bekommen hat, bevor die Spielerinnen Bescheid wussten, wer spielt. Diese privaten Gespräche zwischen Trainerstab und Journalisten gibt es im Männerfußball nicht. Allgemein wird deutlich, dass der Frauenfußball den männlichen Kollegen weit voraus ist was Fair Play angeht. Hier werden keine Showeinlagen zum Besten gegeben oder sich bei der Schiedsrichterin beschwert, nein. Den Spielerinnen geht es mehr um das Spiel selbst, als um die Show – die beiden schreiben, dass Frauenfußball der ehrlichere Fußball ist. Neben zahlreichen Anekdoten bestehend aus eigenen Erfahrungen und Geschehnissen im Frauenfußball werden auch viele abwechslungsreiche Zahlen und Fakten genannt. Gut fand ich übrigens, dass auch immer wieder betont wurde, dass nur die sportliche Ebene betrachtet wird und kein Vergleich zwischen dem Männer- und Frauenfußball gezogen wird, schließlich ist das in anderen Sportarten auch nicht der Fall. Aber auch die vielen Kurzporträts zu den einzelnen Spielerinnen und Persönlichkeiten haben mir gut gefallen. Was ich cool fand, war, dass es drei verschiedene Erzählformen gab. Manche Abschnitte hat Nia Künzer verfasst, manche sind aus der Sicht von Bernd Schmelzer geschrieben und manche Abschnitte wurden in der sachlichen dritten Perspektive erzählt. Es wurden in den einzelnen Kapiteln viele verschiedene Themen wie beispielsweise die Bezahlung im Frauenfußball (mega interessant und gleichzeitig auch schockierend), Fair Play, Familienplanung im Leistungssport oder Equal Pay näher beleuchtet – alles Themen, die gerade jetzt zur WM natürlich hochaktuell sind. So toll ich das Buch aber auch fand, so enttäuscht bin ich über die Schludrigkeit. Neben zahlreichen Rechtschreibfehlern, über die ich eventuell noch hätte hinwegsehen können, gab es noch einige immense Fehler, die in so einem Buch nicht vorkommen dürfen. Ein absolutes No-Go ist beispielsweise die Verwechslung von wichtigen Turnieren. Auf Seite 62 ist nämlich plötzlich von der „WM im Sommer 2022“ die Rede. Das mag vielleicht bloß ein Flüchtigkeitsfehler gewesen sein, aber schon ein sehr ungeschickter, wenn Welt- und Europameisterschaft miteinander vertauscht werden. Wie gesagt, die vielen Rechtschreibfehler lasse ich wirklich außer Acht, aber leider gab es noch zwei weitere große Fehler, bei denen ich echt den Kopf schütteln musste. In der Bildergalerie in der Mitte des Buches (die echt cool gemacht ist), ist ein Bild abgebildet, auf dem man Nia Künzer gemeinsam mit Angela Merkel, sowie einem Sockel, auf dem der Pokal steht, sieht. Darunter ist getitelt: „Nach dem Gewinn des UEFA Woman‘s Cup (heute Champions League) 2006 gratuliert mir Angela Merkel […]“ Blöd nur, wenn dummerweise auf dem Bild direkt darüber auf dem Sockel der korrekte Name des Turniers steht: „UEFA Women‘s Cup“. Außerdem bin ich beim Lesen noch über den kurzen Steckbrief der US-amerikanischen Spielerin Carli Lloyd gestolpert. Dort wurde Lloyd plötzlich zehn Jahre älter als sie eigentlich ist: Im Steckbrief steht, dass sie am 16. Juli 1972 geboren ist, Carli Lloyd ist jedoch 1982 geboren.

Fazit:
In ihrem Plädoyer „Warum Frauen den besseren Fußball spielen“ beleuchten die Weltmeisterin Nia Künzer und der Sportjournalist Bernd Schmelzer die verschiedensten Aspekte und Themen rund um den Frauenfußball. Gerade jetzt zur Frauenweltmeisterschaft natürlich ein brandaktuelles Thema. Mir hat das Buch mit den vielen Anekdoten, Fakten und Zahlen sehr gut gefallen, weshalb es von mir wohl verdiente 4,5 von 5 Sternchen erhält.

{Rezension} Die Skill-Bibel
Die 100 besten Fußball-Tricks von Ronaldo, Neymar und Co.

Die Skill-Bibel
Die 100 besten Fußball-Tricks von Ronaldo, Neymar und Co.
von Pascal Gurk

Heyne Verlag
Paperback
144 Seiten
ISBN: 978-3-453-21846-8
Ersterscheinung: 17.11.2022

So verbesserst du deine Fußball-Skills!

Inhalt:
Mithilfe von Schritt-für-Schritt-Anleitungen, leicht verständlichen Erklärungen und exklusiven Videos, die über QR-Codes im Buch aufrufbar sind, präsentiert TikToker Pascal Gurk seine besten und spektakulärsten Fußball-Tricks.

Meinung:
Fußball ist ein Sport, der weltweit leidenschaftlich geschaut und gespielt wird. Ein Sport, der große Emotionen auslöst – allerdings nur, wenn man sehr, sehr gut spielt. Die Frage stellt sich nur, wie kommt man zu solch ungeahnten Bestleistungen? Natürlich durch viel Talent und noch viel mehr Training, denn Übung macht den Meister. Neben den wichtigsten Basics setzt dieses Buch genau dort an, wo reguläres Training meist endet. Die ausführlichen Step-by-Step-Bilderserien sind gut strukturiert und leicht verständlich. Für jeden Trick gibt es nicht nur Bildanleitungen, sondern auch exklusive Tutorial-Videos, die beim Training helfen sollen. So können schon junge Fußballer die Tricks schnell erfassen, leicht erlernen und nachspielen. Was dem Buch vielleicht noch fehlt, ist ein wenig Persönlichkeit. Nur weil auf dem Cover der Name des Autors groß betitelt wird und Pascal Gurk mit seinen TikTok-Followern wirbt, fühle ich mich nicht sonderlich angesprochen vom Autor. Die Bilder sind alle gleich – so farblos und ohne jegliches Gefühl. Die einzigen Bilder, die aus der Reihe tanzen, sind die Selbstdarstellungen mit bekannten Profifußballern. Keine Frage, hier steckt viel Arbeit hinter diesem Buch. In der Theorie mögen die bebilderten Anleitungen ja ganz toll sein, allerdings bezweifle ich ernsthaft, ob Kinder oder Jugendliche mit diesem Buch unterm Arm nun zum Bolzplatz rennen, um jeden einzelnen Trick auszuprobieren. Mir fehlt ein wenig der Ansporn oder die Motivation. Es hätten in der Tat nur halb so viele Tricks gereicht, wenn dafür noch mehr Wert auf den qualitativen Inhalt gelegt worden wäre. Leider muss ich auch die Videos bemängeln, denn die wirken, als ob man diese einfach nur auf die Schnelle abdrehen wollte. Das kann und darf man gerne bei TikTok machen, da die Videos dort mit Sounds unterlegt werden. Störende Geräusche einer viel befahrenen Straße und eine hektische Kameraführung laden nicht gerade ein, sich wirklich jedes einzelne Video anzuschauen.

Fazit:
„Die Skill-Bibel“ von Pascal Gurk ist ein Bildband mit vielen Step-by-Step-Anleitungen und kurzen Videos, die per QR-Code abgerufen werden können. Ich persönlich mache mich lieber ohne Skill-Bibel auf den Weg zum Trainingsplatz und vergebe gut gemeinte 3,5 von 5 Sternchen.

{Rezension} Fußball
Alles zu WM, EM, Spielern, Rekorden & Co

Fußball
Alles zu WM, EM, Spielern, Rekorden & Co
von Jonas Kozinowski

Kosmos Verlag
Hardcover
Kindersachbuch
160 Seiten
Altersempfehlung: ab 8 Jahren
ISBN: 978-3-440-17317-6
Ersterscheinung: 19.09.2022

Inhalt:
Dies ist das ultimative Buch zu meinem absoluten Lieblingssport, denn in elf Kapiteln erfährt man alles, was man über den Fußball wissen sollte.

Meinung:
Als Buchbloggerin sollte ich eigentlich immer offen für alles sein, aber es gibt da einfach ein paar Themengebiete, die mich persönlich mehr interessieren, da ich ja nicht nur mit voller Begeisterung lese, sondern auch mit Leib und Seele dem Fußball verfallen bin. Für mich war daher umgehend klar, dass ich dieses ultimative Fußballbuch für Kids lesen muss. Von der Geschichte des Fußballs und der Organisation des Profifußballs bis hin zu den größten Stadien weltweit und einem Blick hinter die Kulissen abseits des Spielfelds erfährt man wirklich alles, was fußballbegeisterte Kinder und natürlich auch Erwachsene wissen wollen. Neben interessanten Rekorden und Kuriositäten erhält man zahlreiche Informationen zu Spielregeln, Ausrüstung, Vereinen, Bundesliga, Nationalmannschaften, Meisterschaften, Frauenfußball und vielem mehr. Der Schreibstil des Autors ist einfach, sodass sich das Buch flüssig und locker lesen lässt. Die Schriftgröße ist angenehm groß und die Kapitel sind sehr kurz und ansprechend gestaltet. Einfach perfekt für das Lesealter ab 8 Jahren. Mein ganz großes Highlight in diesem Buch sind die zahlreichen Fotos und natürlich die acht Seiten zum Thema Frauenfußball. Schade, dass es tatsächlich nur vier Doppelseiten sind, auf denen wir mehr über den „Frauenfußball“, „Die Frauen-Bundesliga“, „Europas Frauenfußball“ und „Die Frauen-WM“ erfahren. Aufgrund des Klappentextes ging ich einfach davon aus, dass man den fußballspielenden Mädchen und Frauen ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken würde – dem war allerdings nicht so. Aber immerhin ein Anfang, denn in vielen anderen Büchern erhalten die Fußballerinnen überhaupt keine Beachtung. Neben all den Informationen sind im letzten Kapitel auch noch einige Übungen und Tipps und Tricks der Stars zu finden. Toll ist übrigens auch der Trainingsplan zum Herausschneiden.

Fazit:
„Fußball: Alles zu WM, EM, Spielern, Rekorden & Co“ von Jonas Kozinowski ist das ultimative Fußballbuch für Kids. Fußballbegeisterte Mädchen und Jungen ab 8 Jahren werden ihre wahre Freude an diesem geballten Fußballwissen haben. Von mir gibt es 5 von 5 Sternchen.

Das bin ich als fünfjähriger Knirps kurz vor meinem ersten Spiel.

Herzlichen Dank an den KOSMOS Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

Interview mit Andreas Hinkel

Als Ferienreporterin habe ich diesen Sommer bereits über einige meiner Hobbys geschrieben: übers Tanzen und über meine Leidenschaft zum Lesen und Schreiben, so dass eigentlich nur noch der Fußball fehlt. Ja, ich bin ein Mädchen und spiele Fußball. Vielleicht mögen einige sagen, dass mir hierzu das Talent fehlt. Das mag wohl sein. Aber ich liebe den Fußball und das wichtigste im Leben ist doch nicht, dass man in allen Dingen perfekt ist, sondern dass man Spaß hat. Und den habe ich. Schon mit 5 Jahren war ich ein großer Fan des Fußballs und so gab es nach der WM 2014 kein Halten mehr – ich musste unbedingt selbst spielen.

Also habe ich mir überlegt, dass ich mal etwas ganz besonderes zum Thema Fußball mache. Ich habe mich mit dem ehemaligen Fußballprofi Andreas Hinkel getroffen und mich mit ihm so von Fußballerin zu Fußballer unterhalten.

Leonie: Herr Hinkel, wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen?

Andreas Hinkel: Das war, glaube ich, so mit vier oder fünf.

Leonie: Haben Sie schon immer gewusst, dass Sie mal Profi-Fußballer werden wollen?

Andreas Hinkel: Nein, das natürlich nicht, aber Fußball hat mir einfach so viel Spaß gemacht. Erst als ich 15 oder 16 war, hat man dann tatsächlich realisiert, dass ich Profi werden könnte.

Leonie: Hatten Sie auch einen Plan B, falls das mit dem Fußball nicht klappen würde?

Andreas Hinkel: Ja, ich habe eine Ausbildung noch nebenher gemacht und diese habe ich auch abgeschlossen. Das ist heute gar nicht mehr so üblich für die Spieler.

Leonie: Wer war Ihr Fußball-Vorbild, als Sie noch ein kleiner Junge waren?

Andreas Hinkel: Mit der Zeit gab es mehrere Vorbilder. Ganz früher, als ich klein war, da waren das die Spieler von der WM 1990, z.B. Pierre Littbarski. Beim VfB war es Ludwig Kögl. Später, als ich älter war, da habe ich dann nach Spielern gesucht, die auf meiner Position gespielt haben. Da war es dann Lilian Thuram, der hat für Frankreich gespielt. Das war so ungefähr 1998.

Leonie: An welches Tor erinnern Sie sich besonders gerne?

Andreas Hinkel: Tore habe ich ja nicht besonders viele geschossen in meiner Karriere. Aber dadurch kann ich mich an jedes ziemlich gut erinnern. Natürlich ist das erste Bundesligator etwas Besonderes, das war zuhause in Stuttgart gegen Dortmund. Ein ganz wichtiges Tor war auch mein allererstes Tor, das war in der Champions League und sicherte dem VfB das Weiterkommen in die nächste Runde.

Leonie: Was war das spannendste Erlebnis in Ihrer Karriere?

Andreas Hinkel: Es gab sicherlich ein paar Highlights. Eins davon war hier beim VfB, bei einem Champions League-Spiel gegen Manchester United. Das war das erste Champions League-Spiel für den VfB Stuttgart. Wir waren der Außenseiter und haben das Spiel aber 2:1 gewonnen. Das war was ganz besonderes.

Leonie: Gab es ein besonders trauriges Erlebnis in Ihrer Karriere?

Andreas Hinkel: Bei einem Rückspiel in Sevilla in Spanien ist während dem Spiel ein Mitspieler von mir zusammengebrochen. Er hatte mit dem Herzen Probleme und ist dann im Krankenhaus verstorben. Das war ein ganz schlimmes Erlebnis.

Leonie: Wie geht es jetzt in Ihrer Trainer-Karriere weiter? Haben Sie schon irgendwelche Pläne?

Andreas Hinkel: Momentan mach ich den Fußballlehrer. Das ist die höchste Lizenz, die man als Trainer erwerben kann und wenn ich es schaffe, die zu erwerben, dann darf ich alles trainieren, was man trainieren kann. Dann darf ich in der Bundesliga, in der zweiten Liga oder in der dritten Liga trainieren. Ich habe mir aber noch nicht Gedanken gemacht, wen oder was ich trainieren will, ob ich dann Bundesligatrainer werde oder einfach mit Kindern arbeiten möchte. Ich habe auch in der Jugendabteilung beim VfB in unterschiedlichen Altersklassen gearbeitet – also mit Jungs, Jugendlichen und Erwachsenen. Das hat Spaß gemacht, alles kennenzulernen.

Leonie: Gibt es noch Freundschaften zwischen Ihnen und alten Kollegen, treffen Sie sich vielleicht auch noch mit manchen?

Andreas Hinkel: Ja, Freundschaft ist ein großes Wort. Mit manchen bin ich noch in Kontakt, aber es fehlt einfach auch die Zeit dazu. Unter einer Freundschaft stellt man sich vor, dass man viel Zeit miteinander verbringt. Freundschaft ist vielleicht aber auch etwas, wo man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann. Ich habe aber immer noch Kontakt zu dem ein oder anderen Spieler von früher. Aber ich habe ja auch vier Kinder, von daher verbringe ich sehr viel Zeit mit meiner Familie. 

Leonie: Ihre Kinder spielen auch Fußball. Wenn Sie dann mal am Feldrand stehen und zugucken, wie reagieren die anderen Eltern dann?

Andreas Hinkel: Ganz normal eigentlich. Wir kennen uns mittlerweile und ich würde auch nie zum Trainer hingehen und sagen, wie er was machen soll.

Leonie: Haben Sie einen Tipp an alle kleinen Kinder da draußen, die auch Profi-Fußballer werden wollen? 

Andreas Hinkel: Die Grundvoraussetzung sollte für jeden sein, dass man Spaß hat. Man sollte auch eine gewisse Motivation haben. Wichtig ist, dass man Freude zum Fußball hat.

Leonie: Fühlen Sie sich hier im Umkreis Winnenden oder allgemein im Schwabenland wohl? Können Sie hier ein Familienmensch sein oder werden Sie oft auf der Straße angesprochen und nach Autogrammen und Fotos gefragt?

Andreas Hinkel: Das geht eigentlich. Ich denke, dass ich schon erkannt werde – immer wieder auch. Und ab und zu kommt dann auch einer auf mich zu und sagt, wie präsent ich im Schwabenland bin. Es ist eigentlich ziemlich unmöglich nicht erkannt zu werden. Aber viele Kinder und Jugendliche kennen mich gar nicht mehr, weil ich früher Fußball gespielt habe. Die Erwachsenen, die kennen mich teilweise noch. Aber dadurch, dass ich fast tagtäglich hier in Winnenden unterwegs bin, glaube ich, ist es nicht mehr außergewöhnlich, mich zu treffen. Das ist aber auch ganz gut so. Ich war zwar ein guter Fußballer, aber ich bin ja auch ein ganz normaler Mensch. 

Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe in den letzten Jahren als Kinderreporterin einige bekannte Musiker, Schriftsteller und Fußballer interviewen dürfen und dabei einiges erlebt. Dankbar bin ich vor allem denen, die sich für Kinder Zeit nehmen und Kinder in ihrem Tun ernst nehmen, so wie Andreas Hinkel.

Interview mit Julian Nagelsmann

(Fotos: © M. Stölting)

Der jüngste Trainer der Bundesliga-­Geschichte kommt gerade vom Trainingsplatz der TSG Hoffenheim. Im Interview verrät Julian Nagelsmann, wie er sein Team auf die nächsten Spiele vorbereitet.
 

Leo: Wie sieht der typische Arbeitstag eines Trainers aus?

Julian Nagelsmann: Ich komme relativ früh hierher. Am Anfang der Woche mache ich immer die Trainingsplanung. Dann stellen meine Trainerkollegen den aktuellen Tag vor: Welche Übungen machen wir, was wollen wir damit trainieren, wie lange dauert die Übung, und wer übernimmt welchen Teil? Das Training wird auf Video aufgenommen. Danach schauen wir es an und machen Einzelsitzungen mit Spielern. Da besprechen wir, was uns im Training aufgefallen ist. Und dann geht’s an die Gegnervorbereitung: Was erwartet uns am Wochenende, wie spielt der nächste Gegner? Da schauen wir uns ganze Spiele oder Teile davon an und entwickeln einen Plan, wie wir die nächsten drei Punkte holen können, wenn es gut läuft. Zwischendurch gibt’s etwas zu essen, und abends mache ich noch ein bisschen Sport, damit ich auch fit bleibe. Dann gehe ich nach Hause.

Leo: Wenn Sie sich einen aktuellen Spieler für Ihre Mannschaft aussuchen dürften, welcher wäre das und warum?

Julian Nagelsmann: Lionel Messi, weil er jedes Jahr 35 Tore schießt. Das wäre nicht schlecht. Das wären ungefähr 21 Punkte mehr. Dann wären wir Tabellenführer.

Leo: Welchen Tipp haben Sie für Kinder, die davon träumen, Profifußballer zu werden?

Julian Nagelsmann: Immer viel bewegen! Wenig Zeit am Smartphone, vor dem Computer oder Fernseher verbringen, sondern an die frische Luft gehen. Auch wenn es mal regnet oder schneit. Man sollte viele Sportarten ausprobieren: Basketball, Hockey, Reiten. Das schult Bewegungsabläufe und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man später in der Sportart besser ist, für die man sich entscheidet. Außerdem immer gut und einigermaßen gesund ernähren. Aber trotzdem auch mal zu McDonald’s gehen oder Schokolade essen. Denn Zufriedenheit bringt dir auch einen gesunden Körper. Außerdem kann man mit Fleiß viel erreichen. Es gibt einige Profisportler, die nicht das größte Talent haben, aber sehr fleißig sind. Und man muss auch die Schule fertig machen. Also immer konzentrieren, dass die Noten stimmen. Dann hat man auch den Kopf frei, um für den Sport alles zu geben.


Julian Nagelsmann: wurde 1987 in Landsberg am Lech (Bayern) geboren.

Spielerkarriere: Julian Nagelsmann spielte in den zweiten Mannschaften von 1860 München und dem FC Augsburg. Doch wegen Verletzungen musste er vor dem ersten Profi-­Pflichtspieleinsatz mit dem Spielen aufhören.

TSG Hoffenheim: Seit 2016 trainiert er die Mannschaft. In der vergangenen Saison rettete er den Verein noch vor dem Abstieg, aktuell steht die Mannschaft auf Platz vier in der Tabelle. Wegen seines Erfolgs wird er als zukünftiger Trainer des FC Bayern München gehandelt. „Ich kann mir vorstellen, irgendwann die Bayern zu trainieren. Ich komme ja aus München, und das ist ein gut geführter Verein“, sagt er.

Hobbys: Zeit mit seinem Sohn verbringen, Motorrad­ und Mountainbikefahren, Beachvolleyball, in den Bergen unterwegs sein.