{Rezension} The Wingman
(Bd. 3 der „Vancouver-Storm“-Reihe)

The Wingman
(Bd. 3 der „Vancouver-Storm“-Reihe)
von Stephanie Archer

Heyne Verlag
Paperback
Sports Romance
464 Seiten
ISBN: 978-3-453-44366-2
Ersterscheinung: 11.03.2026

Er ist ihr bester Freund. Ihr Flirt-Coach. Und plötzlich alles, was sie will.

Inhalt:
Darcy Andersen steht nach dem Ende einer langjährigen Beziehung vor einem Neuanfang. Unsicher, aber fest entschlossen, sich selbst wiederzufinden, möchte sie endlich das Datingleben erkunden. Unterstützung bekommt sie ausgerechnet von Hayden Owens – Eishockeyprofi, Frauenschwarm und ihr bester Freund. Als ihr persönlicher Wingman nimmt Hayden seine Rolle sehr ernst: Er bringt Darcy bei, wie man flirtet, gibt ihr Datingtipps und steht ihr bei jedem Schritt zur Seite. Was als unverbindliches „Training“ beginnt, inklusive Übungsküssen und überraschend intensiven Lektionen, entwickelt jedoch schnell eine eigene Dynamik. Während Darcy zunehmend an Selbstvertrauen gewinnt und sich auf neue Begegnungen einlässt, merkt Hayden, dass ihm das Ganze weniger gleichgültig ist, als er dachte. Zwischen ihnen entstehen Spannungen, die sich nicht länger mit Freundschaft erklären lassen. Und je mehr Grenzen verschwimmen, desto drängender wird die Frage, ob ihre Verbindung vielleicht schon lange mehr ist als das.

Meinung:
Dieses Buch fühlt sich ein bisschen an wie nach Hause kommen – zurück zur Vancouver-Storm-Familie, die man spätestens seit dem zweiten Band ins Herz geschlossen hat. Was diesen dritten Band besonders stark macht, ist das Zusammenspiel aus vertrauter Dynamik und emotionaler Weiterentwicklung. Die Entwicklung zwischen Darcy und Hayden wirkt dabei authentisch und organisch. Es gibt kein überdramatisiertes Hin und Her, sondern ein langsames, manchmal zögerliches Annähern, das stark von Unsicherheiten, verpassten Momenten und inneren Konflikten geprägt ist. Darcy ist eine unglaublich greifbare Figur. Ihre Selbstzweifel nach einer Beziehung, in der sie sich selbst verloren hat, ziehen sich glaubwürdig durch die Geschichte. Besonders schön ist, wie viel Raum ihre persönliche Entwicklung bekommt: vom unsicheren „Ich weiß nicht, wer ich ohne ihn bin“ hin zu mehr Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit. Dass sie zusätzlich beruflich als analytischer Kopf im Hintergrund des Teams arbeitet, gibt ihr noch eine spannende, eigenständige Ebene. Hayden ist dabei das perfekte Gegenstück, denn statt klassischem Bad-Boy-Vibe bringt er eher „Golden Retriever Energy“ mit: aufmerksam, fürsorglich, loyal. Gerade seine kleinen Gesten (Blumen, Unterstützung, echtes Zuhören) machen ihn zu einem dieser Bookboyfriends, die nicht laut sein müssen, um Eindruck zu hinterlassen. Gleichzeitig ist es interessant zu sehen, wie sehr auch er mit seinen Gefühlen kämpft – vor allem, wenn Darcy beginnt, andere Männer zu daten. Was besonders hervorsticht, ist die Dynamik zwischen den beiden: das Neckische, die Insider, die Vertrautheit. Es macht einfach Spaß, den beiden zuzusehen, selbst wenn man sie manchmal am liebsten anschreien möchte, endlich ehrlich zu sein. Ein weiterer Pluspunkt sind die Nebenfiguren. Bekannte Gesichter wie Hazel und Rory tauchen wieder auf und verstärken das Gefühl, Teil eines größeren, warmen Freundeskreises zu sein.

Fazit:
„The Wingman“ von Stephanie Archer ist eine gefühlvolle, humorvolle und angenehm prickelnde Sports Romance, die vor allem durch ihre Figuren und deren Entwicklung überzeugt. Darcy und Hayden erzählen eine Geschichte über Selbstfindung, verpasste Chancen und den Mut, das Offensichtliche endlich zuzulassen. Die Geschichte fühlt sich leicht an, ohne oberflächlich zu sein, und reiht sich nahtlos in die Stärken der Reihe ein. Eine klare Empfehlung für alle, die sich nach einer warmen, charmanten Liebesgeschichte sehnen, die gleichzeitig zum Lächeln und Mitfiebern einlädt. Von mir gibt es 4 von 5 Sternchen.

{Rezension} Rowing for Love
Wenn die Liebe das Ruder übernimmt (Bd. 1)

Rowing for Love
Wenn die Liebe das Ruder übernimmt (Bd. 1)
von Lulu Moore

Heyne Verlag
Paperback
Sports Romance
432 Seiten
ISBN: 978-3-453-44255-9
Ersterscheinung: 11.02.2026

Oxford gegen Cambridge:
Ein (un)mögliches Traumpaar?

Inhalt:
Kate kommt aus den USA nach Cambridge, um dort Medizin zu studieren und sich gleichzeitig ihren Platz im Ruderteam zu sichern. Gleich zu Beginn läuft sie Oz über den Weg und zwischen ihnen entsteht sofort eine besondere Verbindung. Die Gespräche sind leicht, vertraut und ziehen sich schnell in ihren Alltag hinein. Doch die Situation kippt, als Kate erfährt, dass Oz nicht nur einen zweifelhaften Ruf hat, sondern auch ausgerechnet das Oxford-Team anführt. Damit steht er auf der falschen Seite einer traditionsreichen Rivalität, die für Kate mehr als nur ein sportlicher Wettkampf ist. Trotz aller Bedenken kann sie ihre Gefühle nicht einfach abschalten. Während sie versucht, sich auf ihr Studium, ihr Stipendium und ihre Ziele zu konzentrieren, wird Oz immer mehr zu dem Menschen, an den sie zuerst denkt. Gleichzeitig beginnt Kate sich zu fragen, ob sie wirklich ihr eigenes Leben lebt oder nur Erwartungen erfüllt. Und ob es vielleicht doch möglich ist, Herz und Verstand in Einklang zu bringen.

Meinung:
Dieses Buch hat mich ehrlich gesagt komplett überrascht, und zwar im allerbesten Sinne. Ich bin ohne große Erwartungen hineingegangen und wurde mit einer Geschichte belohnt, die sich unglaublich leicht, warm und gleichzeitig tiefgründig anfühlt. Besonders beeindruckt hat mich, wie schnell ich emotional involviert war. Die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren ist von Anfang an spürbar, aber nicht überstürzt. Alles entwickelt sich ruhig und glaubwürdig, sodass man jeden Schritt mitfühlt. Was ich ganz besonders geliebt habe, ist die Dynamik zwischen Oz und Kate. Von Anfang an spürt man, wie sehr Oz für sie einsteht: leise, selbstverständlich und ohne großes Aufheben darum zu machen. Er ist aufmerksam, geduldig und zeigt auf eine unglaublich ehrliche Weise, was er fühlt. Gerade dieser Kontrast zu seinem Ruf als Playboy macht ihn umso faszinierender. Hinter dieser Fassade steckt jemand, der mit kleinen Gesten so viel ausdrückt, dass man gar keine großen Worte braucht. Es ist einfach wunderschön mitanzusehen, wie sehr er sich öffnet und wie echt sich seine Gefühle anfühlen. Für mich ganz klar ein absoluter Wohlfühl-Bookboyfriend. Aber auch Kate hat mich komplett überzeugt. Sie ist ehrgeizig, klug und sehr zielstrebig, gleichzeitig aber auch verletzlich. Ihre innere Zerrissenheit fühlt sich echt an und gibt der Geschichte eine emotionale Tiefe, die ich so nicht erwartet hätte. Besonders ihre Entwicklung im Laufe der Handlung hat mir richtig gut gefallen, weil sie nicht plötzlich passiert, sondern Schritt für Schritt. Das Setting war für mich ein weiteres Highlight. Diese britische Collegewelt mit ihren Traditionen, Freundschaften und der starken Rivalität wurde so lebendig beschrieben, dass ich komplett darin eintauchen konnte. Und das Rudern, ein Sport, über den man sonst kaum liest, war überraschend spannend. Spätestens beim großen Rennen war ich völlig gefesselt. Auch der Humor darf nicht fehlen. Die Dialoge sind witzig, die Neckereien machen Spaß und sorgen dafür, dass sich die Geschichte trotz emotionaler Themen immer leicht anfühlt. Gleichzeitig gibt es ruhige Momente, die zeigen, dass hier mehr erzählt wird als nur eine süße Liebesgeschichte. Was das Buch für mich besonders macht, ist die Balance. Es gibt Drama, aber nie zu viel. Es gibt Emotionen, aber sie wirken nie erzwungen. Und genau deshalb fühlt sich alles so echt und angenehm an.

Fazit:
„Rowing for Love: Wenn die Liebe das Ruder übernimmt“ von Lulu Moore ist eine gefühlvolle Sports Romance, die mit authentischen Figuren, viel Herz und einem besonderen Setting überzeugt. Die Geschichte von Kate und Oz ist gleichermaßen leicht und berührend und bleibt noch lange im Kopf. Vor allem die starke Chemie und die ruhige Entwicklung der Beziehung machen das Buch zu etwas Besonderem. Für mich ein absolutes Wohlfühlhighlight und ganz klar 5 von 5 Sternchen.

{Rezension} Falling for No. 89
(Bd. 2 der „L.A. Vipers“-Reihe)

Falling for No. 89
(Bd. 2 der „L.A. Vipers“-Reihe)
von Alicia Sommer

LYX Verlag
Paperback
New Adult / Sports Romamce
432 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7363-2547-0
Ersterscheinung: 26.09.2025

Inhalt:
Kayce James, Tight End der L.A. Vipers, lebt den Traum eines jeden Profisportlers: Erfolg in der NFL, Ruhm und finanzielle Sicherheit. Doch hinter seiner selbstbewussten Fassade verbergen sich massive Versagensängste und Panikattacken, die zunehmend seine Leistung auf dem Feld beeinträchtigen. Der Druck, immer funktionieren zu müssen, droht ihn zu zerbrechen. Als Shaila Sterling, angehende Sportmedizinerin, ein Praktikum beim Team beginnt, treffen die beiden nach Jahren erstmals wieder aufeinander. Sie stammen aus derselben Kleinstadt und teilen eine schmerzhafte Vergangenheit: Kayce verließ damals ohne Abschied seine Familie – und auch Shaila. Während sie nun seine Verletzungen behandelt, erkennt sie schnell, dass nicht nur sein Körper leidet, sondern auch seine Seele. Zwischen Trainingsplatz, Behandlungsraum und gemeinsamen Erinnerungen kommen alte Gefühle wieder an die Oberfläche. Doch Kayce hütet ein Geheimnis, das ihre vorsichtige Annäherung zu zerstören droht. Können sie sich der Vergangenheit stellen und einander wirklich vertrauen?

Meinung:
Was mich an diesem zweiten Band der „L.A. Vipers“-Reihe besonders berührt hat, ist die intensive Auseinandersetzung mit Leistungsdruck und Mental Health im Profisport. Kayces innere Kämpfe wirken erschreckend real: die Angst zu versagen, der Druck, immer stark zu sein, das Gefühl, als Profisportler keine Schwäche zeigen zu dürfen. Seine Panikattacken und Selbstzweifel werden nicht dramatisiert, sondern ernst und respektvoll behandelt. Das hat der Geschichte für mich eine besondere Tiefe verliehen. Shaila ist dabei keine typische laute Heldin, sondern eine eher stille, sehr reflektierte Figur. Gerade ihre ruhige Art macht sie so authentisch. Sie beobachtet genau, spürt zwischen den Zeilen und erkennt bei Kayce Dinge, die andere übersehen. Besonders die eingestreuten Tagebucheinträge aus ihrer Jugend haben mir gefallen, weil sie ihre langjährigen Gefühle greifbar gemacht und die gemeinsame Vergangenheit emotional unterfüttert haben. Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und basiert weniger auf reiner Anziehung als auf gegenseitigem Verständnis. Ich mochte, dass beide einander nicht „retten“, sondern lernen, sich Halt zu geben, während sie ihre eigenen Baustellen angehen. Das fühlt sich erwachsener an als viele klassische Sports-Romance-Dynamiken. Allerdings hätte ich mir stellenweise eine offenere Kommunikation gewünscht. Einige Konflikte ziehen sich länger als nötig, und gerade die Ereignisse aus der Vergangenheit hätten für meinen Geschmack noch etwas intensiver aufgearbeitet werden können. Hier blieb für mich ein kleines emotionales Potenzial ungenutzt. Dennoch überwiegt für mich klar das Positive: die sensible Umsetzung ernster Themen, das glaubwürdige Football-Setting und zwei Figuren, die verletzlich sein dürfen. Die Mischung aus emotionaler Schwere und warmen, fast schon cozy Momenten hat mich insgesamt sehr abgeholt.

Fazit:
„Falling for No. 89“ von Alicia Sommer verbindet eine berührende Second-Chance-Liebesgeschichte mit einer sensiblen Darstellung von Leistungsdruck und psychischer Belastung im Profisport. Kayce und Shaila sind zwei vielschichtige Charaktere, deren Entwicklung emotional nachvollziehbar gestaltet ist. Trotz kleiner Schwächen in der Konfliktaufarbeitung überzeugt der Roman durch Tiefe, Gefühl und authentisches Football-Setting. Insgesamt vergebe ich deshalb 4,5 von 5 Sternchen.

{Rezension} The Summer I Saved You
(Bd. 2 der „The Summer“-Reihe)

The Summer I Saved You
(Bd. 2 der „The Summer“-Reihe)
von Elizabeth O’Roark

LYX Verlag
Paperback
New Adult
352 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7363-2486-2
Ersterscheinung: 29.08.2025

Inhalt:
Nach einer schmerzhaften Trennung kehrt Lucie mit ihren Zwillingen in das Ferienhaus ihrer Familie zurück – an den Ort, an dem sie einst die glücklichsten Sommer ihrer Kindheit verbracht hat. Zwischen vertrauten Erinnerungen und dem Versuch, für ihre Kinder einen sicheren Neuanfang zu schaffen, wird sie ausgerechnet mit ihrer ersten großen Liebe konfrontiert: Caleb, dem Jungen von nebenan, in den sie schon damals heimlich verliebt war. Doch das Wiedersehen verläuft anders als erhofft. Caleb ist inzwischen nicht nur ihr Nachbar, sondern auch ihr neuer Chef. Außerdem macht er deutlich, dass er kein Interesse daran hat, alte Gefühle wieder aufleben zu lassen. Während Lucie sich beruflich behaupten und gleichzeitig ihre Vergangenheit verarbeiten muss, werden die beiden immer wieder mit den Emotionen von damals konfrontiert. Zwischen Nähe und Distanz, Hoffnung und Angst stellt sich die Frage, ob ihre Geschichte vielleicht doch noch nicht auserzählt ist.

Meinung:
Ich habe mich unglaublich auf die Rückkehr in die Welt der „The Summer“-Reihe gefreut – und genau dieses sommerliche, leicht melancholische Gefühl hat mich von der ersten Seite an wieder eingefangen. Dieser Roman lebt nicht nur von seiner Liebesgeschichte, sondern vor allem von Atmosphäre: salzige Meeresluft, lange Abende, Erinnerungen an eine Jugend, in der noch alles möglich schien. Lucie hat mich besonders berührt. Sie ist keine perfekte Heldin, sondern eine Frau, die gefallen ist, wieder aufsteht und das nicht nur für sich selbst, sondern vor allem für ihre Kinder. Ihre Stärke ist leise, aber beeindruckend. Gerade die Szenen mit ihren Zwillingen gehören für mich zu den emotionalsten Momenten des Buches. Diese Mischung aus Verletzlichkeit, Humor und bedingungsloser Mutterliebe hat der Geschichte eine große Wärme verliehen. Caleb hingegen ist definitiv ein „grumpy“ Charakter: verschlossen, kontrolliert, manchmal frustrierend stur. Es gab Momente, in denen ich ihn am liebsten geschüttelt hätte. Seine innere Blockade, sein Festhalten an Schuld und Vergangenheit, haben die Liebesgeschichte immer wieder ausgebremst. Und genau hier liegt auch mein größter Kritikpunkt, denn sein Wandel kam mir letztlich etwas zu plötzlich. Ich hätte mir mehr Entwicklungsschritte, mehr innere Auseinandersetzung gewünscht, um diesen Umschwung vollkommen greifen zu können. Dennoch hat die Dynamik zwischen den beiden funktioniert. Die Annäherung ist ruhig, beinahe vorsichtig, kein überdramatisches Feuerwerk, sondern eher ein stetiges Glühen. Es gibt viele kleine, intime Momente, die mehr sagen als große Gesten. Diese leisen Szenen haben mich oft mehr bewegt als die konfliktreichen. Was ich ebenfalls mochte, ist die emotionale Tiefe. Themen wie toxische Beziehungen, Selbstwert und zweite Chancen werden nicht nur angerissen, sondern spürbar verarbeitet. Dabei bleibt die Geschichte trotz ernster Untertöne stets hoffnungsvoll. Man merkt, dass es hier nicht nur um Romantik geht, sondern auch um Selbstbestimmung und darum, alte Märchenbilder loszulassen, um etwas Echtes entstehen zu lassen. Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und sehr gefühlvoll. Besonders die kurzen Kapitel haben dafür gesorgt, dass ich immer weitergelesen habe – „nur noch eins“ wurde schnell zu „nur noch fünf“. Auch wenn sich im Mittelteil einige Konflikte leicht wiederholt haben und die Handlung stellenweise etwas auf der Stelle trat, konnte mich das Gesamtpaket emotional absolut erreichen. Für mich war es eine Geschichte, die weniger durch große Überraschungen glänzt, sondern durch Gefühl, Atmosphäre und Herz.

Fazit:
„The Summer I Saved You“ von Elizabeth O’Roark ist eine gefühlvolle Second-Chance-Romance mit sommerlichem Setting, starken Emotionen und einer berührenden Mutterfigur. Trotz kleiner Schwächen in der Charakterentwicklung überzeugt der Roman mit Wärme, Tiefe und vielen leisen Momenten, die lange nachhallen. Eine Geschichte über zweite Chancen, Selbstfindung und den Mut, sich selbst wieder wichtig zu nehmen. Von mir gibt es 4 von 5 Sternchen.

{Rezension} Jonah Goes Off Script

Jonah Goes Off Script 
von Robyn Green

LYX Verlag
Paperback
New Adult / queere Romance
400 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7363-2563-0
Ersterscheinung: 02.02.2026

Was passiert, wenn der Vorhang fällt?

Inhalt:
Jonah Penrose steht nach seiner preisgekrönten Darstellung des Achilles auf dem Höhepunkt seiner Karriere im Londoner West End. Doch während er beruflich gefeiert wird, zerbricht privat vieles: Seine Beziehung endet überraschend und familiäre Sorgen lasten auf ihm. Als dann auch noch Dexter Ellis, ehemaliger Publikumsliebling und einstiger Star der Rolle, neu ins Ensemble kommt, gerät Jonahs ohnehin wackeliges Gleichgewicht ins Wanken. Auf der Bühne sollen Jonah und Dexter ein Liebespaar spielen, hinter den Kulissen liefern sie sich jedoch einen erbitterten Konkurrenzkampf. Zwischen scharfem Schlagabtausch und wachsender Anziehung verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen gespielten Gefühlen und echter Nähe, besonders als persönliche Krisen alles verändern.

Meinung:
Der Einstieg fiel mir ehrlich gesagt nicht ganz leicht. Die ersten Kapitel fühlten sich etwas zäh an, ich musste mich erst in Jonahs Gedankenwelt einfinden. Doch je weiter ich gelesen habe, desto mehr gewann die Geschichte an Tempo und emotionaler Tiefe – und irgendwann war ich komplett drin. Was mich von Anfang an begeistert hat, war das Setting. Als absoluter London-Mensch habe ich jede einzelne Beschreibung geliebt. Das West End, die Probenräume, die Enge hinter der Bühne, die Social-Media-Hypes, selbst die leicht muffige Northern Line – all das fühlte sich so authentisch und lebendig an, dass ich beim Lesen regelrecht „Heimweh“ bekam. Man merkt auf jeder Seite, wie sehr hier für das Theater gebrannt wird. Es ist keine bloße Kulisse, sondern pulsiert, fordert, verschlingt und schenkt zugleich Halt und Identität. Jonah selbst habe ich schnell ins Herz geschlossen. Seine Selbstzweifel trotz Erfolg, diese nagende Angst, nicht gut genug zu sein, das war so greifbar und ehrlich. Besonders die Szenen rund um seinen Vater haben mich tief berührt. Diese leisen, schmerzhaften Momente hatten eine Wucht, die weit über eine klassische Romance hinausgeht. Die nächtliche Autofahrt, das Hoffen, rechtzeitig anzukommen, dieses Gefühl zwischen Taubheit und Panik – das ging mir unglaublich nah. Die Dynamik zwischen Jonah und Dexter lebt stark von Reibung. Wortgefechte, spitze Kommentare, dieses unterschwellige Knistern, das hat Spaß gemacht. Gleichzeitig muss ich sagen: Dadurch, dass wir alles ausschließlich aus Jonahs Perspektive erleben, bleibt Dexter lange schwer greifbar. Ich hätte mir früher mehr Einblicke in seine Gedanken gewünscht. Der Übergang von Rivalität zu echter Nähe fühlte sich stellenweise etwas abrupt an. Im letzten Drittel gewinnt die Beziehung jedoch deutlich an emotionaler Tiefe, und genau dort zeigt das Buch sein größtes Potenzial. Insgesamt ist es eine sehr gefühlvolle, atmosphärische queere Romance über Ehrgeiz, Verlust, Identität und die Frage, wer man ist, wenn der Applaus verstummt. Es gibt kleine Längen und der Anfang hätte straffer sein dürfen, aber die emotionale Intensität und das großartige Setting haben für mich alles wettgemacht.

Fazit:
„Jonah Goes Off Script“ von Robyn Green ist eine atmosphärische, emotionale Enemies-to-Lovers-Geschichte vor der glamourösen und zugleich gnadenlosen Kulisse des Londoner Theaters. Trotz eines etwas holprigen Einstiegs und kleiner Schwächen in der Ausarbeitung der Liebesentwicklung überzeugt der Roman mit einem starken Protagonisten, berührenden Familienthemen und einem lebendigen Setting. Von mir gibt es 4 von 5 Sternchen.