How to catch a (fake) cowboy
von Maren Vivien Haase
Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Paperback
Romance
384 Seiten
ISBN: 978-3-7645-1014-5
Ersterscheinung: 17.06.2026
Er weiß nichts über Pferde. Sie weiß nicht, in was sie sich da hineingeritten hat.
Inhalt:
Für die New Yorker Journalistin Riley könnte ein neuer Auftrag die große Chance auf ihren beruflichen Durchbruch sein. Für einen Artikel über die Faszination von Cowboys reist sie deshalb nach Texas, um dort einen möglichst authentischen Cowboy zu interviewen. In einer Bar glaubt sie, mit Nate genau den Richtigen gefunden zu haben, immerhin sieht er mit Cowboyhut und passendem Outfit ziemlich überzeugend aus. Was Riley allerdings nicht weiß: Nate ist gar kein Cowboy, sondern trägt das Outfit lediglich für eine Party. Trotzdem lässt er sich auf ihr Vorhaben ein und nimmt sie mit auf die Ranch. Was zunächst wie ein harmloses Spiel beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Netz aus kleinen Lügen, aus dem Nate immer schwerer herauskommt. Und während Riley versucht, hinter die Geheimnisse des vermeintlichen Cowboys zu kommen, entwickeln sich zwischen den beiden Gefühle, mit denen keiner gerechnet hat.
Meinung:
Ich muss gestehen, dass ich bei diesem Buch vor allem wegen des Settings neugierig geworden bin. Cowboy-Romance, Texas, eine Ranch und dazu eine RomCom klang für mich nach einer ziemlich unterhaltsamen Kombination. Gerade der Kontrast zwischen Riley als New Yorker Journalistin und dem vermeintlichen Cowboy Nate hat für mich viel Potenzial geboten. Und tatsächlich gab es einiges, was mir an der Geschichte gefallen hat, auch wenn sie mich insgesamt leider nicht vollständig überzeugen konnte. Sehr gut gefallen hat mir zunächst einmal das Setting. Sundown Ridge versprüht genau dieses typische Kleinstadtgefühl, das man sich bei einer Geschichte dieser Art wünscht. Die Ranch, die Bar, das kleine Hotel und die teilweise ziemlich eigenwilligen Bewohner haben der Geschichte eine charmante Atmosphäre gegeben. Ich konnte mir die Umgebung gut vorstellen und hatte stellenweise wirklich das Gefühl, selbst durch dieses kleine texanische Städtchen zu schlendern. Besonders die Nebenfiguren haben für mich dabei einen großen Teil des Charmes ausgemacht. Mabel mit ihrer Bienen-Leidenschaft, die quirlige Millicent oder auch Wyatt sind Charaktere, die mir deutlich stärker im Gedächtnis geblieben sind als Riley und Nate. Gerade die Nebenfiguren haben der Geschichte Wärme verliehen und dafür gesorgt, dass ich mich in Sundown Ridge eigentlich ziemlich wohlgefühlt habe. Auch die tierischen Bewohner der Stadt sorgen für einige ungewöhnliche Situationen. Eine Ziege mit Kampfgeist, ein ziemlich spezielles Huhn und eigenwillige Pferde… Die Idee fand ich grundsätzlich witzig, allerdings wurde mir das Ganze irgendwann etwas zu viel. Was mich anfangs noch zum Schmunzeln gebracht hat, wirkte im weiteren Verlauf teilweise eher übertrieben. Und damit komme ich auch schon zu einem Punkt, bei dem sich bei mir die Geister etwas geschieden haben: der Humor. Ich glaube, dass dieser sehr stark Geschmackssache ist. Es gab durchaus Szenen, bei denen ich grinsen musste, und ich konnte mir gut vorstellen, dass andere Lesende den Humor richtig feiern werden. Für mich war er allerdings häufig etwas zu offensichtlich und stellenweise auch ein bisschen zu gewollt. Manche Situationen wurden so stark auf die Spitze getrieben, dass ich mich weniger amüsiert als vielmehr fremdgeschämt habe. Gerade rund um Nates Cowboy-Rolle gab es für mich einige Momente, bei denen ich dachte: Bitte sag jetzt einfach die Wahrheit! Denn Nate und seine Lüge waren für mich gleichzeitig einer der interessantesten und schwierigsten Punkte der Geschichte. Die Grundidee, dass Riley ausgerechnet einen Mann für ihren Artikel auswählt, der überhaupt kein Cowboy ist, fand ich sehr unterhaltsam. Auch die daraus entstehenden Verwicklungen hätten eigentlich jede Menge Potenzial für eine richtig schöne RomCom gehabt. Allerdings zieht Nate seine Lüge meiner Meinung nach sehr lange durch und baut dadurch ein immer größeres Lügenkonstrukt auf. Irgendwann konnte ich nicht mehr ganz nachvollziehen, wie er sich da noch herausreden möchte. Noch weniger nachvollziehbar fand ich allerdings, dass Riley trotz einiger ziemlich eindeutiger Hinweise so lange nichts bemerkt. Gerade weil sie Journalistin ist und eigentlich darauf angewiesen sein sollte, Dinge zu hinterfragen, war mir ihre Naivität irgendwann einfach zu viel. Natürlich darf eine RomCom übertreiben und muss nicht in jeder Situation realistisch sein, aber hier wurde für mich eine Grenze überschritten, an der ich mich mehr über Riley als über die eigentliche Handlung gewundert habe. Mit Riley selbst bin ich trotzdem besser zurechtgekommen als mit Nate. Ich mochte ihren Ehrgeiz und ihren Willen, beruflich endlich voranzukommen. Sie ist selbstbewusst, schlagfertig und gibt nicht so schnell auf. Gleichzeitig merkt man, dass hinter ihrem Ehrgeiz auch eine gewisse Unsicherheit steckt und dass sie sich selbst ziemlich unter Druck setzt. Ihre Entwicklung im Verlauf der Geschichte fand ich deshalb durchaus interessant. Besonders schön fand ich, dass sie im Laufe der Handlung ein wenig darüber nachdenken muss, was sie eigentlich selbst möchte und wie sehr sie versucht, den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Bei Nate war es für mich schwieriger, eine Verbindung aufzubauen. Ich mochte seine grundsätzliche Idee, sich für Riley auf dieses verrückte Spiel einzulassen, aber seine Unehrlichkeit hat es mir schwer gemacht, ihn wirklich sympathisch zu finden. Gerade deshalb konnte mich die Liebesgeschichte zwischen den beiden leider auch nicht so richtig abholen. Ich habe zwar verstanden, warum die beiden sich zueinander hingezogen fühlen, aber ich habe die große emotionale Verbindung zwischen ihnen nicht wirklich gespürt. Insgesamt hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass dieses Buch eigentlich genau mein Ding sein müsste und gleichzeitig hat es mich dann doch nicht ganz erreicht. Es gibt viele Zutaten, die ich mag: ein schönes Setting, eine Kleinstadt, eine Ranch, humorvolle Nebenfiguren, eine Liebesgeschichte und ein bisschen Chaos. Einige dieser Zutaten wurden für meinen Geschmack allerdings zu stark aufgedreht. Dadurch wirkte manches eher albern als wirklich lustig und die Geschichte insgesamt etwas zu seicht.
Fazit:
„How to catch a (fake) cowboy“ von Maren Vivien Haase bietet eine unterhaltsame RomCom mit einem charmanten texanischen Small-Town- und Ranch-Setting, liebenswerten Nebencharakteren und einer ungewöhnlichen Fake-Cowboy-Geschichte. Besonders Sundown Ridge und die Bewohner des kleinen Städtchens haben mir gefallen, während Riley und Nate sowie ihre Liebesgeschichte mich leider nicht ganz erreichen konnten. Auch der sehr überdrehte Humor war für meinen Geschmack stellenweise etwas zu viel, wobei das natürlich stark vom persönlichen Humorverständnis abhängt. Insgesamt vergebe ich 3 von 5 Sternchen.

