Interview mit Bürger Lars Dietrich

Dass ich ein ganz großer Fan der Reihe „Die Haferhorde“ von Suza Kolb bin, ist ziemlich offensichtlich. Auch wenn ich bereits aus der eigentlichen Zielgruppe nun entwachsen bin, kann ich mich dennoch an jedem neuen Abenteuer auf dem Blümchenhof erfreuen. Vor einiger Zeit habe ich nun auch die Liebe zum Hörbuch dieser zauberhaften Reihe entdeckt. Zu jedem einzelnen der mittlerweile 13 Abenteuer gib es auch eine Hörbuch-Variante, die von Bürger Lars Dietrich in ungekürzter Länge gesprochen wird. Gesprochen? Nein, das wäre jetzt wirklich untertrieben, denn Bürger Lars Dietrich schafft es, die Bewohner des Blümchenhofes zum Leben zu erwecken. Umso mehr war ich erfreut, dass Bürger Lars Dietrich sich die Zeit genommen hat, um mit mir ein wenig über das Synchronisieren und seine weiteren Projekte zu reden.

(Foto: © Chris Gonz)

Leo: Lars, du bist ein sehr vielseitiger Künstler. Im Fernsehen sieht man dich sehr oft als Musiker, Komiker, Moderator oder auch Schauspieler. Allerdings, was viele nicht wissen, du bist auch Tänzer und hast eine Ballettausbildung an der Palucca-Schule in Dresden absolviert, du bist Synchronsprecher und sogar Buchautor. Außerdem warst du bis zum 01.09.2019 auch in der Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater mit dem Stück „Zuhause bin ich Darling“ zu sehen. Bei der Vielzahl an verschiedenen Tätigkeiten, gibt es da etwas, was du am liebsten machst?

BLD: Das werde ich auch immer wieder gefragt. Ich glaube, ich bin Entertainer, weil ich eigentlich alles gerne mache. Das ist zwar eine langweilige Antwort, aber ich denke, wenn ich nur schauspielern würde, dann würden mir das Singen und die Musik oder auch das Moderieren fehlen. Genauso umgekehrt. Momentan habe ich an der Musik viel Spaß, weil ich das jetzt wieder verstärkt mache – auch für Kids. Da habe ich demnächst einen großen Auftritt. Das wird auch mal wieder ein großes Ding, nach langer Zeit mal wieder vor Tausenden Musik zu machen. Das ist auch eine Sache, da komme ich eigentlich her. Ich habe damals als Musiker angefangen, daher ist die Musik natürlich auch schon so ein bisschen ein wichtiges Ausdrucksmittel von mir. Die Songs zum Beispiel schreibe ich mir auch immer sozusagen auf den Leib. Aber das Schauspielern macht mir natürlich auch ganz großen Spaß. Bei dem Kinofilm „Alfons Zitterbacke“ mitspielen zu dürfen, das war ein Kindheitstraum, der in Erfüllung gegangen ist, weil ich ein großer Fan vom Kinderbuch „Alfons Zitterbacke“ bin. Im Laufe meiner Karriere haben sich bisher schon ganz tolle Sachen ergeben. Momentan spiele ich auch sehr gerne Theater. Aber am liebsten performe ich vor Publikum, weil ich dann eben die Nähe zu den Leuten habe. Da bekomme ich die Reaktionen auch sofort und weiß, ob der Witz gut war oder der Gag eben nicht so gut angekommen ist. Eigentlich ist es also egal, was ich mache, Hauptsache ich mache es vor Publikum.

Leo: Am 25. August hast du beim GEOlino LIVE Open Air Konzert mit zahlreichen Stars die Bühne gerockt. Das war bestimmt ein großes Ereignis. Musiker wie Volker Rosin und Namika waren dabei. Kannst du mir sagen, wie das so ist in der Musikbranche, kennt man sich untereinander? Wie ist der Kontakt bei so einem Festival? Sieht man die anderen Musiker überhaupt?

BLD: Das kommt immer drauf an, es gibt Festivals, da geht das so wie am Fließband nach dem Motto: „So, der Nächste, der Nächste, der Nächste…“. Da sieht man kurz den einen Künstler von der Bühne huschen, bevor man selbst rauf muss. Aber das ist halt so, weil die richtig großen Konzerte zeitlich durchgetaktet sind. Aber ich kenne die ja alle. Vor kurzem war ich beim SingAlarm bei Volker Rosin oder auch schon früher, wo ich bei Nickolodeon Kinderfernsehen gemacht habe. Und Namika, die war bei uns Patin bei der Sendung „Dein Song“. Vor allem viele moderne Künstler aus der Musikszene kenne ich natürlich durch meine Sendungen, die ich auf KiKa moderiere. Das ist schon so, dass das ein Beruf ist und untereinander sind wir irgendwie Kollegen und wenn wir aufeinandertreffen, hat man jeweils vom anderen schon mal etwas gehört, ob im Radio oder im Fernsehen. Oder man hat gemeinsame Bekannte, mit denen man vielleicht zusammen gearbeitet hat. Aber eigentlich ist das immer sehr schön, wenn man Mittagspause nach einem Soundcheck hat und sich dann unterhalten kann. So wie man das bei anderen Berufen auch macht, wenn man Kollegen trifft.

Leo: Ich selbst bin mittlerweile vom schreibenden Kinderreporter nun zum Blogger für Kinder- und Jugendbücher gestolpert, da interessiert es mich natürlich, ob du auch gerne liest.

BLD: Ja, ich lese sehr gerne. Ich habe immer sehr viele Drehbücher und Theaterbücher zu lesen. Ansonsten lese ich auch gerne Zeitungen. Aber so richtige Bücher? Da bräuchte ich wahrscheinlich ein bisschen mehr Zeit oder Ruhe. Aber ich bin ein sehr großer Freund von Hörbüchern oder Hörspielen. Die kann ich mir nämlich auch anhören, wenn ich auf Reisen bin oder im Auto sitze.

Leo: Was war denn dein Lieblingsbuch in der Kindheit?

BLD: Da habe ich mich sehr für „Alfons Zitterbacke“ interessiert.

Leo: Erzähl doch mal, wie es dazu kam, dass du ein Buch geschrieben hast. War das schon immer ein Herzenswunsch? Oder hat dich jemand dazu überredet?

BLD: Ich habe viel zu erzählen, vor allem aber aus meiner Kindheit und Jugend. Mein Buch kam zum 20. Jubiläum des Mauerfalls raus. Der Rowohlt Verlag kam damals auf mich zu. Die wussten, dass ich eine Geschichte zu erzählen habe, über mich und dass es auch ganz spannend zu lesen wäre, für die Leute, die das alles nicht miterlebt haben. Wie der Alltag damals eben so aussah im Osten. Dann habe ich mich mit einem Kumpel hingesetzt und meine Geschichten, die ich erlebt und zu erzählen hatte, in mehreren Kapiteln zu einem Buch aufgeschrieben. Das alles habe ich dann auch ein bisschen so gestaltet, wie das „Alfons Zitterbacke“-Kinderbuch von damals. Ich finde, das Ganze ist sehr interessant geworden und mit Anekdoten aus meiner Kindheit und Jugend gestaltet. Das ist aber auch alles sehr schräg, weil einiges früher verboten war, von dem man heute den Kopf schüttelt und sagt „So war das früher?“. Das ist bestimmt auch sehr unterhaltsam und lustig und spannend, sich diese Geschichten mal anzuhören.

Leo: Wie kamst du zum Synchronisieren? Bist du da mal zufällig angefragt worden oder wolltest du das schon immer machen?

BLD: Ich war damals offen für alles und habe mich für alles interessiert, was mit Unterhaltung zu tun hatte.

Leo: Mal ehrlich, die Synchronisation zur Reihe „Die Haferhorde“ ist eigentlich gar keine richtige Arbeit, oder? Das muss doch eher unter Spaß verbucht werden! Jedenfalls hat der Zuhörer den Eindruck, als hättest du sehr viel Spaß dabei gehabt. Auf jeden Fall ist das eine große Gaudi für uns Zuhörer.

BLD: Naja, es ist schon eine Arbeit, weil du innerhalb eines Tages ein komplettes Buch einlesen musst. Das ist ziemlich anstrengend und irgendwann lässt auch die Stimme ein bisschen nach, man wird müde und die Zunge immer schwerer. Und natürlich ist man, nachdem man so ein komplettes Buch gelesen hat, auch ziemlich kaputt. Es ist also schon Arbeit, auch wenn es natürlich Spaß macht!

Leo: Du hast gerade gesagt, dass das Synchronisieren an einem Tag gemacht werden muss. Warum hast du denn nur so wenig Zeit?

BLD: Das ist wahrscheinlich eine Geldfrage. Das Studio wird nur an einem Tag gebucht. Außerdem bin ich auch viel unterwegs. Insofern muss man immer irgendwie einen Termin finden, wo das dann alles geht. Beim Einlesen wird dann bei Hörbüchern auch immer eine bestimmte Zeit gemessen, die ich für eine Seite brauche und dann muss ich in sechs Stunden ein ganzes Buch einlesen.

Leo: Wie lange musst du dich vorher vorbereiten und auf das Synchronisieren einstimmen?

BLD: Ich freue mich auf die Haferhorde – was das angeht, bereite ich mich eigentlich nicht vor. Ich freue mich einfach auf die nächsten Geschichten und dann fahre ich ins Studio und muss erst mal schön frühstücken, damit die Stimme auch schön geölt ist. Dann setze ich mich hin und bin gespannt, welches Abenteuer mich erwartet.

Leo: Welches ist dein Lieblingscharakter der Haferhorde? Und wieso?

BLD: Ich mag den Toni sehr. Das macht mir Spaß, mich in dieses bayerische Bergpony hineinzuversetzen, weil er auch eine süße Stimme hat und weil er letzten Endes auch nicht viel sagt. Wenn er dann aber mal was sagt, dann muss man immer schmunzeln.

Leo: Ich finde den bayerischen Dialekt auch richtig süß!

BLD: Ja, das finde ich auch! Der ist total süß! Die Suza Kolb schreibt das ja auch immer bayerisch auf und dann muss ich auch immer erst gucken, was das heißt, was der Toni da sagt.

Leo: Dafür gibt es vorne im Buch den Hinweis, dass man auf www.magellan.de schauen kann, was Toni sagt und was er damit meint.

BLD: Genau! Aber die Zeit habe ich dann nicht, wenn ich Einlesen muss. Ich habe dann ausgedruckte DIN A4 Seiten. Ich habe beim Lesen also gar nicht das Buch in der Hand, sondern die Papierform. Das ist dann schon ein dicker Stapel Seiten. Und dann guckst du immer: „Oh Gott, noch so viel zu lesen!“ Und dann siehst du, wie ein Berg aus dünnem Papier immer kleiner wird.

Leo: Ich habe gesehen, dass du auch auf den Social Media Kanälen aktiv bist. Machst du das gerne oder gehört das heutzutage einfach zum „Geschäft“ und es ist mehr Pflicht als Spaß? Mir ist nämlich bei meiner Recherche aufgefallen, dass es zum privaten Lars Dietrich eigentlich nichts zu finden gibt.

BLD: Man kann zwar schon ein paar Sachen finden, ich hatte vor ein paar Jahren zum Beispiel mit meinen Kindern ein paar Fotos gemacht und die kann man immer noch sehen. Aber ansonsten geht es auf meinen Social Media Kanälen natürlich um meine Person und die Leute, die sich dafür interessieren und gerne auch nett unterhalten werden wollen. Für die mache ich dann immer kleine Gags, die ich sowieso immer mache – und nun hat man dafür auch eine Plattform. Eigentlich macht es Spaß, andererseits kostet es natürlich aber auch ein bisschen Zeit.

Leo: Was können wir in nächster Zeit von dir noch erwarten? Gibt es Projekte, die du bereits benennen kannst und darfst?

BLD: Ja, unbedingt. Im November wird es auf KiKa eine neue Fernsehshow geben, die wird „Leider Laut!“ heißen. Das ist eine Musik-Comedy-Show und die moderiere ich dann zusammen mit meinem Kumpel und Kollegen Marti Fischer, der ja auch schon „Leider lustig!“ moderiert hat. Das ist dann sozusagen eine Weiterführung von „Leider lustig!“. Wir haben dann auch musikalische Gäste da, wie Lea, Sasha oder Lukas Rieger. Das wird wirklich verrückt. Also was KiKa angeht, lassen die uns ganz schön viel Freiraum zum Quatsch machen. Das ist genau das richtige für mich und genau das brauche ich. Außerdem ist auch ein neues Album in Arbeit und wir drehen auch eine neue Staffel „Dein Song“. Das Casting ist schon vorbei und jetzt sind wir dann bald im Komponistencamp auf Ibiza.

Leo: Ja, aber dann bist du ja fleißig dabei!

BLD: Ja, das kann man sagen. Ich habe auch schon den ganzen Sommer gedreht. Leider konnte ich die ganzen Sommerferien nichts mit meinen Kindern unternehmen. Das ist an der ganzen Sache das Schwierige, den Beruf und das Private, alles unter einen Hut zu bringen. Aber für den Urlaub können wir dann die Herbstferien nutzen.

Leo: Dann bin ich jetzt mit meinen Fragen durch und ich würde mich für das Interview bedanken.

BLD: Ich bedanke mich bei dir. Es war ein sehr angenehmes Gespräch!

Mein Bauchgefühl hatte mich auch diesmal nicht getäuscht, denn Bürger Lars Dietrich ist genauso, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt: sympathisch, lustig und vor allem redselig. Und wir freuen uns alle auf den Herbst und schalten dann rechtzeitig zu „Leider laut!“ bei KiKa ein.

Interview mit Katja Reider

Vor ein paar Wochen habe ich das neue Buch „Cool in 10 Tagen“ von Katja Reider verschlungen und ich war begeistert. Als ich dann einige Tage später das Buch „Hops & Holly – Die Schule geht los!“ entdeckt habe, musste ich dieses natürlich auch unbedingt lesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich tatsächlich auch noch andere Bücher von der erfogreichen Autorin Katja Reider besessen habe (LesePiraten / LeseTiger), diese aber mittlerweile in das Bücherregal meiner kleinen Schwester umgezogen sind. Wenn man sich die Bandbreite der Bücher anschaut, die Katja Reider bereits geschrieben hat, sind das schon eine ganze Menge – und vor allem ist auch für jede Altersgruppe etwas dabei. Ich habe mich daher sehr gefreut, dass Katja Reider die Zeit gefunden hat, sich meinen zahlreichen Fragen zu stellen.

(Foto: © Gunnar Dethlefsen)

Leo: Liebe Frau Reider, ich kenne die Geschichte zwar schon, da ich im Vorfeld zu diesem Interview gründlich recherchiert habe, aber vielleicht erzählen Sie mal, wie und wann Sie zum Schreiben und zum Beruf ‚Autorin‘ kamen.

Katja Reider: Geschrieben habe ich schon als Kind sehr gerne, hätte aber NIE gedacht, dass das Schreiben mal mein Beruf wird. Also studierte ich erstmal Germanistik und Publizistik und arbeitete als Pressesprecherin eines großen Jugendwettwerbs. Während eines verregneten Sylt-Urlaubs schrieb ich meine erste Bilderbuch-Geschichte, schickte sie auf gut Glück an einige Verlage und gleich mehrere antworteten begeistert. Tja, so fing es an… Irgendwann hängte ich meinen ursprünglichen Beruf an den Nagel und bin seitdem Autorin.

Leo: Wie viele Bücher haben Sie mittlerweile schon geschrieben? Ich habe mir Ihre Bibliographie angeschaut und war erstaunt. Da findet man eigentlich für jede Altersgruppe etwas: Bilderbücher, Kinder- und Jugendbücher, Geschenkbücher und Erwachsenenliteratur. Wie unterscheidet sich das Schreiben der jeweiligen Bücher? Und welches ist Ihr Lieblingsgenre?

Katja Reider: Stimmt, ich schreibe für sehr unterschiedliche Zielgruppen! Aber die Abwechslung macht mir Spaß und ist immer wieder eine neue Herausforderung. Ich mache ehrlich alles gleich gern: Bilderbuch, Leseanfänger-Geschichte, Geschenkbuch… jedes hat seinen eigenen ganz besonderen Reiz. Inzwischen habe ich sicher mehr als 150 Titel veröffentlicht.

Leo: Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit Ihren Autorenkolleginnen Sylvia Heinlein und Cornelia Franz vorstellen? Wie kann man zu dritt schreiben? Und wie kam es überhaupt zum Pseudonym Lia Norden?

Katja Reider: Wir haben uns bei einem Autorenstammtisch hier in Hamburg kennengelernt, freundeten uns an und schnell kam die Frage auf: Warum schreiben wir nicht mal zusammen ein Buch? Also fuhren wir ein Wochenende lang zusammen an die See, schrieben einen Plot und dann ging es los. Beim ersten Buch ‚Vier Wahrheiten und ein Todesfall‘ war übrigens auch Hilke Rosenboom dabei, die inzwischen leider verstorben ist. Wir haben unsere Kapitel nacheinander geschrieben, mussten also immer warten, bis die jeweilige ‚Vorgängerin‘ fertig war. Daher haben diese beiden Romane viel mehr Zeit in Anspruch genommen als ein normales Buch. Aber wir hatten es nicht eilig, fertig zu werden. Der Weg war das Ziel.

Leo: Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus? Gibt es einen speziellen Arbeitsplatz? Wie arbeiten Sie am liebsten? Und wo schreiben Sie?

Katja Reider: Ich schreibe ausschließlich an meinem Schreibtisch im Arbeitszimmer bei uns zu Hause. So gern ich sonst mit anderen unterwegs bin oder mich zum Sport verabrede etc. – zum Schreiben brauche ich Ruhe.

Leo: Wie sieht so ein typischer Arbeitstag aus?

Katja Reider: Gar nicht so viel anders als bei Menschen, die ins Büro gehen: Ich bin ziemlich diszipliniert, was aber auch nicht schwierig ist, weil ich meine Arbeit liebe. Wenn meine Familie morgens aus dem Haus ist, setze ich mich an den Schreibtisch und lege los, nachmittags drehe ich eine Runde mit unserem Hund oder gehe zum Sport und setze mich manchmal danach noch mal an meinen Schreibtisch. Aber eine Abend-Arbeiterin bin ich nicht.

Leo: Wie kommen Sie auf die zahlreichen Ideen? Was machen Sie, um Ideen zu sammeln?

Katja Reider: Ach, das ist ganz unterschiedlich: Manchmal entsteht eine Idee durch ein Gespräch oder durch eine Bemerkung, die ich aufschnappe. Oft habe ich aber auch gute Ideen während ich mit unserem Hund Poldi durch den Stadtpark laufe. Dabei können die Gedanken gut ‚fließen‘…

Leo: Gibt es Tage, an denen Ihnen gar nichts einfällt? Tage, an denen Sie einfach ideenlos sind? Und vor allem, was machen Sie, wenn Ihnen nichts einfällt?

Katja Reider: Natürlich habe auch ich schlechte Tage – wie jeder. Dann schreibe ich eher Mails als am Manuskript zu feilen, telefoniere mit Freundinnen und Kollegen, hole mir öfter einen Kaffee aus der Küche, knabbere Schokolade – aber ich bleibe meistens ‚brav‘ am Schreibtisch.

Leo: Wer darf Ihre neuen Texte und Werke als erstes lesen?

Katja Reider: Inzwischen sind es meistens tatsächlich meine Lektorinnen, die meine Text als erste lesen. Aber wenn ich unsicher bin oder mal feststecke, tausche ich mich auch gern mit meinen Kolleginnen Cornelia Franz und Sylvia Heinlein aus. Wir drei können uns gut gegenseitig helfen – und nicht zuletzt durch das gemeinsame Schreiben sind wir enge Freundinnen geworden.

Leo: Ich finde Ihr Projekt ‚Das Hamburger VorleseVergnügen‘ einfach klasse. Es ist sehr wichtig, dass Kinder schon in jungen Jahren gefördert werden. Wie kam es zu diesem Lesefestival und zum Projekt ‚Das Hamburger VorleseVergnügen‘? Idee, Gründung, Durchführung?

Katja Reider: Wir vier Kollegen (Cornelia Franz, Andreas Schlüter, Kai Pannen und ich) kennen uns schon lange und engagieren uns seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Leseförderung. Und natürlich sind wir alle auch ein bisschen stolz darauf, dass es uns vor fünf Jahren gelungen ist, ein eigenes Kinder-Lesefestival zu initiieren, das so gut ankommt.

Leo: Was war Ihr Lieblingsbuch in Ihrer Kindheit?

Katja Reider: ‚Der kleine Nick‘ von Sempé und Goscinny

Leo: Welche Bücher gehören heute zu Ihren Lieblingsbüchern? Was lesen Sie gerne?

Katja Reider: Ich mag Meg Wollitzer und Juli Zeh, lese aber auch gerne gute Krimis, z.B. von Liza Marklund.

Leo: Dieses Jahr kamen ja bereits unzählige neue Bücher von Ihnen auf den Markt. Sie waren sehr fleißig. Wie lange benötigen Sie im Schnitt für ein Buchprojekt? Arbeiten Sie mehrgleisig an verschiedenen Büchern?

Katja Reider: Da meine Bücher einen sehr unterschiedliche Umfang haben, lässt sich das schwer sagen. Für eine Bilderbuch-Geschichte brauche ich etwa 3-4 Wochen, für ein Kinderbuch wie ‚Cool in 10 Tagen‘ etwa drei Monate. Mehrgleisig arbeite ich fast nie, das würde mir auch schwerfallen, weil ich ja immer in das Buch vertieft bin, an dem ich gerade arbeite.

Leo: Was können wir in nächster Zeit noch erwarten? Gibt es schon neue Projekte?

Katja Reider: Oh, es gibt immer neue Projekte, auf die ich mich besonders freue! Aber ich verrate noch nichts… 🙂

(Foto: © Gunnar Dethlefsen)

Wer noch mehr über Katja Reider erfahren möchte, darf nun gerne zur Homepage der Autorin springen www.katjareider.de oder aber beim NDR vorbeischauen, denn dort gibt es ein aktuelles Interview vom 02.08.2019 ( NDR Kultur – Klassik à la carte – Katja Reider schreibt Bücher für Kinder ) .

Ein kurzer Smalltalk auf der FBM 2019.

Interview mit Miyabi Kawai

Mit Miyabi Kawai über den Dächern Stuttgarts

Bereits vor 2 Monaten hatte ich das sagenhafte Glück, Miyabi Kawai im Rahmen ihrer Lesung zu ihrem aktuellen Buch „Dem Meer ist es egal, ob du eine Bikinifigur hast“ ein paar Fragen stellen zu können. Miyabi Kawai ist ein wahres Multitalent, denn sie ist nicht nur Modedesignerin, Kostümbildnerin und Stylistin, sondern auch Autorin, die gerne ihre eigenen autobiografischen Anekdoten mit den vornehmlich weiblichen Leserinnen teilt, um diesen das Motto „Love yourself!“ näherzubringen. Dieses Interview ist der Start zu meiner neuen Serie „Starke Frauen – Vorbilder für die Jugend“. Heutzutage werden wir Kinder und Jugendlichen nahezu erdrückt von Bildern und Lebensweisheiten von Selbstdarstellern, die im Internet und Fernsehen eine Traumwelt präsentieren und dabei vergessen, dass sie eine Vorbildfunktion haben. Sie vergessen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die nicht stark genug sind, sich selbst und ihr eigenes Leben zu lieben, und auch nicht stark genug sind, um die Realität von der digitalen Scheinwelt unterscheiden zu können. Daher ist es wichtig, Menschen um sich zu haben, die einen in seinem Tun und Dasein bestärken und unterstützen. Miyabi Kawai ist einer dieser Menschen. Mittlerweile habe ich schon einige prominente Menschen zum Interview bitten dürfen, aber dieses mit Miyabi Kawai wird mir tatsächlich noch lange im Gedächtnis bleiben. Miyabi hat mir das Gefühl gegeben, dass sie mich als Menschen wahrgenommen hat und das kommt auf Grund meines Alters sehr selten vor. Meistens werden Interviewanfragen belächelt oder gar ignoriert und nicht einmal beantwortet, und alles nur weil ich noch ein Kind bin. Miyabi Kawai hat aber keinen Moment an meiner Kompetenz gezweifelt und dafür danke ich ihr sehr.

Leo: Wie kam es dazu, dass du nach deinem ersten Buch „Finde deinen Style!nun ein Buch zum Thema „Selbstliebegeschrieben hast? Führte das eine zum anderen?

Miyabi Kawai: Auf jeden Fall führte das eine zum anderen. Das erste Buch entstand aus der Sendung „Schrankalarm, die wir gedreht haben. Und wenn man sich die Sendung ein bisschen angeguckt hat, dann merkt man auch, dass da sehr viel von der Message schon da ist, dass man sagt, du musst dich erst selbst annehmen, bevor wir hier über Mode reden und erst so kannst du deinen Style finden. Daher war das erste Buch ein bisschen die logische Konsequenz aus der Sendung, also die Anleitung, die wir in der Sendung gegeben haben, nur eben in ein Buch gefasst und unsere Philosophie über Selbstliebe war da natürlich schon erwähnt, das Buch war schließlich davon getragen. Danach kam sehr viel Gesprächsstoff, auch in der Community auf Instagram, und da habe ich gemerkt, da gibt es ein Bedürfnis. Und dann haben mein Verlag und ich beschlossen, dass ich ein Buch schreibe, in dem wir diesen Ratgeber und Modecharakter mal ein bisschen weglassen, und nur dieses Thema besprechen. Und dann ist daraus ein sehr persönliches Buch geworden.

Leo: Und was wünschst du dir von deinen Lesern? Kann wirklich jeder die Liebe zu sich selbst finden?

Miyabi Kawai: Das wäre tatsächlich mein größter Wunsch, das hast du gut erfasst. Ich hoffe, dass wenn man mein Buch liest, dass man sich erstens entspannt und zweitens merkt, das ist kein Lebensratgeber im Sinne von „Du musst das und das tun und das ist der einzige Weg. Ich möchte nicht noch weiteren Druck erzeugen. Sich selber anzunehmen ist in dieser Gesellschaft ja tatsächlich sehr schwierig und jede Frau, letztendlich auch jeder Mensch, empfindet den starken Druck, hier zu funktionieren. Ob das optisch ist, oder gesellschaftlich, zum Beispiel im Job, erfolgreich zu sein, was auch immer! Und wenn jetzt kommt, du musst dich auch noch selber lieben, dann empfinden das einige auch noch als zusätzlichen Druck. Aber das möchte ich nicht. Ich möchte zeigen, dass Selbstliebe eigentlich Druck rausnehmen bedeutet. Wenn ich meine Geschichte erzähle, dann erkennen sich einige darin vielleicht wieder und das würde mich dann wahnsinnig freuen, dass man sich da vielleicht eher entspannt, der Druck rausgeht und man merkt, da können wir vielleicht alle gemeinsam dran arbeiten.

Leo: Was würdest du jungen Mädchen und Frauen raten, die sich nicht trauen, etwas zu tun, weil sie Angst davor haben, zu scheitern oder ausgelacht zu werden?

Miyabi Kawai: Sie dürfen auf jeden Fall keine Angst vor der Angst haben. Denn das ist normal. Wenn man Druck hat, wenn man etwas erreichen will, wenn man weiß, es schauen andere Leute zu. Dann hat man Angst. Im besten Fall kann man diese Angst irgendwann mal besser greifen und verstehen, dass das eher eine Art von Respekt ist, die man vor dieser Aufgabe hat. Man muss keine Angst vorm Scheitern haben, man kann Respekt vor einer Sache haben. Und auf jeden Fall sollte man sich niemals beirren lassen. Denn wenn man an sich arbeitet, dann kann man die Kraft aus sich herausziehen und aus einem Umfeld, das man sich aussucht, das einem Kraft gibt, und die negativen Energien ein bisschen außen vor lassen. Und falls dann nochmal jemand kommt, ist man eigentlich gestärkt.

Leo: Du bist ja äußerst zufrieden mit dir selbst, aber wenn es eine Sache gäbe, die du sofort mit einem „Schnippändern könntest, was wäre das?

Miyabi Kawai: Nicht so viel. Ich glaube, ich würde wahnsinnig gerne aufwachen und gut sehen können. Ich trage ja immer Kontaktlinsen. Aber ich glaube, das fände ich super! Wenn ich die Augen aufmache würde und die Welt wäre scharf gestellt. Ich meine, das könnte ich machen, man kann ja lasern, aber davor habe ich ein bisschen Respekt.

Leo: Wie kommt es dazu, dass du jetzt erst deinen Führerschein machst?

Miyabi Kawai: Das ist eine gute Frage. Ich habe den Führerschein mit 17 schon einmal angefangen und hatte dann aber leider ein unschönes Erlebnis. Mein Fahrlehrer hat mich auf der Überlandfahrt sexuell belästigt. Wie du siehst, ich habe jetzt kein Problem, darüber zu reden, und vielleicht ist es auch wichtig, darüber zu reden, den Mund aufzumachen. Aber damals war das sehr traumatisch für mich, es kam auch am Ende nicht zum Gerichtsverfahren, weil es hin und her ging. Und man wird auch danach noch sehr eingeschüchtert, im Sinne von „Es ist ja nicht wirklich was passiert, du hast es ja noch weggeschafft!. Also, es war eine schwierige Zeit für mich und es war auch gleichzeitig mit meinem Schulabschluss verbunden, sodass ich dieses ganze Thema „Führerscheinvon mir weggeschoben habe. Und viel später ist es dann, wie das Leben oft so ist: man hat entweder die Zeit den zu machen, aber dann fehlt das Geld oder man könnte ihn machen und dann ist man mit allem anderen beschäftigt, außer eben mit dem Führerschein machen. Und das hat mich jetzt richtig genervt. Aber dann hab ich mir gedacht, man ist nie zu alt dafür, ich pack‘ das jetzt an!

Leo: Wenn du eine Heldin mit Superkräften wärst, welche Superkraft wäre das und was würdest du als erstes machen?

Miyabi Kawai: Ich würde gerne heilen können.

Leo: Und was würdest du dann heilen?

Miyabi Kawai: Naja, jeden der Heilung braucht. Ein bisschen versuche ich es ja jetzt schon, mit dem Buch, dass ich vielleicht ein bisschen dazu beitragen kann.

Leo: Gibt es Tage, an denen du schlecht gelaunt bist und am liebsten nicht aus dem Haus gehen magst, aber musst? Ich sage nur: „Lesereise. Da bist du tagelang unterwegs, ohne Ruhepausen und du bist ständig im Fokus. Hast du für solche Tage einen Gute-Laune-Tipp?

Miyabi Kawai: Ich habe auf jeden Fall Tage, an denen ich schlecht gelaunt bin und nicht vor die Tür gehen will. Aber das kann man sich ja oft nicht aussuchen, da hast du vollkommen Recht. Bei der Lesereise ist mir das noch nicht passiert, weil ich über zwei Dinge sehr glücklich bin. Das eine ist, dass ich liebe, was ich mache und dass mir die Lesungen so wahnsinnig viel geben und dass ich mich so darauf freue, sodass ich eigentlich gar keine schlechte Laune habe, auch wenn ich müde bin. Und das zweite ist, dass ich das Privileg genieße, mir über die Zeit die Leute, mit denen ich was mache, aussuchen zu dürfen. Wie zum Beispiel den Phil, meinen Manager. Und wenn ich mit Leuten mit positiver Energie, dann ist das ein großer Push. Das hilft. An anderen Tagen versuche ich es manchmal mit dieser Lächel-Therapie. Wenn es einem nicht so gut geht, dann muss man sich einfach mal zwingen, zu lächeln. Das setzt ja erwiesenermaßen etwas im Gehirn frei. Das funktioniert tatsächlich. Man muss zulassen, dass man nicht an jedem Tag 100% hat und gibt. Es gibt einfach auch mal Tage, da muss man es auch einfach nicht tun.

Leo: Kleider machen ja bekanntlich Leute. Aber Kleider sind meist nur eine Fassade, eine Hülle. Mir selbst ist aufgefallen, dass je nachdem, welches Outfit ich trage, werde ich selbst unterschiedlich wahrgenommen. In welchem Outfit magst du dich am liebsten?

Miyabi Kawai: Ich mag mich am liebsten in Outfits, in denen ich sichtbar bin, das kann man vielleicht auch an meinen Looks erkennen, in Outfits, in denen ich mich wohlfühle, in denen ich mich wie ich fühle. Das kann von Tag zu Tag variieren, deswegen bin ich froh, dass ich a) genug Sachen habe und dass ich b) vor allem so viel Freude an Mode habe, dass ich da aus Vollem schöpfen kann. Wenn ich mich in mir zu Hause fühle und die Kleidung gibt mir auch noch von außen den Push dazu, dann fühle ich mich wohl. Dann ist es das richtige.

Leo: Zum Abschluss hätte ich noch gerne einen persönlichen Styling-Tipp. Was darf im Kleiderschrank eines Teenagers nicht fehlen? Gibt es vielleicht ein Kleidungsstück, das du mir empfehlen könntest oder vielleicht auch eine Farbe, die meine Schokoladenseite unterstreichen würde?

Miyabi Kawai: Ich glaube, du brauchst auf jeden Fall ein Teil, das ist eigentlich ganz egal, was das für ein Kleidungsstück ist, in welchem du dich schön fühlst. Wenn du was anziehst und merkst: „Boah! Das ist toll!So ein Stück braucht jeder Teenager, das ist wie so eine Sicherheitsweste. Auch an Tagen, an denen du dich nicht so fühlst, das ist das Kleidungsstück, das mag ein Kleid sein, das mag eine Jacke sein, bei dem du denkst: „Damit habe ich Superkräfte! Darin fühle ich mich wohl!So etwas braucht jeder. Ich glaube, dass dir warme Töne super gut stehen, aber ich sehe an deinen pinken Fingernägeln, neon wäre auch was für dich. Auf jeden Fall hast du eine Präsenz und du hast Charme, du vermittelst Kompetenz, obwohl du noch so jung bist. Aufgrund deiner Art und deiner Ausstrahlung brauchst du gar nicht viel. Ich glaube nicht, dass du irgendetwas Wildes brauchst, sondern dass du etwas brauchst, womit du dich wie du selbst fühlst.

Ja, da hat die äußerst liebenswürdige Miyabi Kawai vollkommen Recht. Wer mit sich im Reinen ist, muss nicht unnötig viel und wild auftragen. Eine positive Ausstrahlung kommt von ganz allein, wenn man mit einem guten Herzen und einem Lächeln morgens das Haus verlässt.

Mein absolutes Lieblingsfoto

Interview mit Peter Freudenthaler
von Fools Garden

Unter dem Motto „Miteinander.Leben“ finden dieses Jahr unzählige Veranstaltungen im Rahmen der „Heimattage Baden-Württemberg“ in Winnenden statt. Aber was bedeutet dieses kleine Wörtchen „Heimat“? Ist Heimat ein Ort? Eine vertraute Gegend? Naja, nicht nur, denn Heimat ist auch ein Gefühl. Wärme, Geborgenheit und Zusammenhalt. Heimat kann so vieles sein, für jeden einzelnen etwas anderes. Um herauszufinden, ob man den Begriff „Heimat“ näher definieren kann, habe ich nicht nur mir, sondern auch meinen Mitmenschen und einigen Persönlichkeiten aus der Region einige Fragen gestellt. Im Rahmen der Baden-Württemberg-Tage am vergangenen Wochenende hat sich beispielsweise Peter Freudenthaler mit meinen Fragen auseinandergesetzt.

Peter Freudenthaler ist Sänger und Songwriter der Band „Fools Garden“. Den großen Hit „Lemon Tree“ kennt wahrscheinlich jeder. Die älteren Fans schwelgen in Erinnerungen und die jüngeren summen nun im Musikunterricht die Melodie mit dem eingängigen Text, in dessen Mittelpunkt ein Zitronenbaum steht. Mit diesem Lied schaffte die Band den großen Durchbruch. Es folgten Preise und Auszeichnungen wie Bambi, Echo, Goldene Stimmgabel, Goldene Europa und noch viele mehr.

Peter Freudenthaler:
Gründungsmitglied von Fools Garden

Mich hat interessiert, ob ein Musiker, der die ganze Welt bereist hat und auf eine fast 30-jährige Karriere zurückblicken kann, den Begriff „Heimat“ vielleicht aus einer ganz anderen Perspektive beschreiben kann. So nutzte ich die Gelegenheit zwischen Soundcheck und Konzertauftritt am Samstag und erhielt ein paar interessante Antworten.

Auftritt bei den Heimattagen in Winnenden am 04.05.2019

Leonie: Sie und Ihre Band „Fools Garden“ treten im Rahmen der „Heimattage Baden-Württemberg“ auf. Was verbinden Sie mit „Heimat“?

Peter Freudenthaler: Heimat ist für mich der Platz, wo ich mich sehr, sehr wohl fühle, wo ich mich zu Hause fühle. Das ist tatsächlich hier in Süddeutschland, denn ich komme aus einem kleinen Dorf im Nordschwarzwald. Mittlerweile wohne ich aber in einem Ort, der etwa eine halbe Stunde entfernt liegt. Aber jedes Mal, wenn ich in mein altes Dorf zurückkomme, dann ist das für mich ziemlich vertraut, weil ich wirklich jeden Winkel kenne, jede Ecke im Wald und auch die Menschen. Ich verbinde ganz viele Geschichten damit. Das ist für mich Heimat. Gleichzeitig ist Heimat für mich aber auch der Platz, wo es das Essen gibt, das ich am meisten mag. Zwiebelrostbraten mag ich besonders gerne.

Leonie: Haben Sie so etwas wie Heimweh, wenn Sie mit Ihrer Band unterwegs sind?

Peter Freudenthaler: Nein, das habe ich nicht. Ich habe manchmal ein bisschen Sehnsucht nach meiner Familie, nach meinen Kindern, wenn ich längere Zeit weg bin. Aber so richtiges Heimweh habe ich nicht mehr.

Leonie: Sie haben bereits viel von der Welt gesehen, wo ist es denn am schönsten? Unterwegs auf Tour? Oder doch zu Hause?

Peter Freudenthaler: Wenn wir unterwegs waren, hatten wir oftmals zu wenig Zeit, uns etwas anzuschauen. Erst in den letzten paar Jahren haben wir uns tatsächlich ein paar Tage mehr Zeit genommen und noch ein paar Tage an das jeweilige Konzert drangehängt. Ich bin aber sehr gerne in Russland, denn ich mag das Land und im Baltikum ist es sehr, sehr schön. Südostasien ist auch ein ganz toller Kontinent. Aber da gibt es dieses Problem mit dem Essen. Ich bin nicht so ein Fan von asiatischem Essen und Essen ist für mich sehr, sehr wichtig. Wenn man dann mal vier oder fünf Wochen asiatisch gegessen hat, dann freut man sich wieder auf schwäbisches Essen.

Leonie: Sie blicken auf eine ziemlich lange Karriere zurück. Können Sie vielleicht ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern? Gab es irgendein richtig lustiges oder peinliches Erlebnis?

Peter Freudenthaler: Wenn ich jetzt anfangen würde, zu erzählen, dann könnte ich wahrscheinlich den ganzen Abend hier sitzen. Da gab es schon sehr, sehr vieles, aber mein peinlichster Moment war wohl das erste Konzert in einem Stadion, wo wir im Vorprogramm von „PUR“ aufgetreten sind. Das war in Düsseldorf und das Wetter war ungefähr genauso schlecht wie heute hier. Für uns war es das erste Mal in so einem großen Stadion zu spielen. Die Band war schon auf der Bühne und ein Intro lief und ich sprang von hinter der Bühne nach vorn zum Mikrofon. Aber vor meinem Mikrofon war eine Wasserpfütze und ich bin ausgerutscht und vor 70.000 Menschen einfach mal so quer über die Bühne geflutscht. Das war mein erster Auftritt vor so vielen Menschen und das war natürlich etwas peinlich, aber das Konzert war dann trotzdem ganz gut.

Leonie: Sie sind mit Ihrem großen Hit „Lemon Tree“ auch international ziemlich bekannt gewesen. Teilweise geben sie heute noch in aller Welt Konzerte. Wie ist da das Gefühl, wenn Sie zum Beispiel in Asien irgendwo auftreten und dann die Sprache der Fans gar nicht sprechen, gibt es da eine Geheimsprache zwischen Band und Fans?

Peter Freudenthaler: Naja, ich meine, die Sprache, die wir sprechen, ist die Sprache der Musik und die versteht man überall auf der ganzen Welt. Deshalb ist es auch so schön, dass das Lied auf der ganzen Welt so erfolgreich wurde. Und egal wo wir hinkommen, überall können die Leute mitsingen. Das ist ein ganz großes Geschenk, das ist uns ziemlich bewusst, dass wir einen Song haben, der es auch wirklich einmal um die Welt herum geschafft hat. Das ist natürlich ein tolles Gefühl, wenn man in Bangkok oder in Jakarta oder sonst wo auf der Bühne steht und die Leute singen ein Lied von dir mit, das du irgendwann mal im kleinen Kämmerchen vor über 25 Jahren geschrieben hast. Außerdem sprechen die Menschen natürlich auch überall Englisch und inzwischen sprechen auch wir alle ein paar Brocken Chinesisch und Russisch.

Leonie: Jetzt, nach 28 Jahren Karriere, würden Sie da irgendetwas anders machen bzw. anders entscheiden?

Peter Freudenthaler: Nein, das würde ich nicht. Wobei wir vielleicht ein bisschen früher hätten anfangen sollen, uns noch mehr Zeit zu nehmen. Ich war bereits in so vielen Ländern, habe aber so wenig davon gesehen, weil einfach ein Termin den anderen gejagt hat. Vom Flughafen zum Hotel, dann zum Fernsehen oder zum Radio, zu irgendeiner Pressekonferenz und dann zum Konzert und am nächsten Tag ganz früh weiter in die nächste Stadt. Da hätten wir hin und wieder sagen müssen: „Wir hängen jetzt zwei Tage Urlaub dran!“ Aber sonst ist alles gut.

Entspannt, familiär und bodenständig – solche Interviews sind leider eher die Seltenheit.

Man merkt den Herren von Fools Garden tatsächlich an, dass Sie sich nun mehr Zeit für alles nehmen, selbst für kurzfristig angefragte Interviews. Vielen Dank.

Interview mit Johannes Zenglein
(2019)

Seit mehr als 20 Jahren und über 1.000 Folgen ist der Tigerenten Club noch immer eine äußerst beliebte Fernsehunterhaltungssendung für Kinder. Einen kleinen Beitrag zu diesem Erfolg muss man natürlich den Moderatoren zuschreiben, denn diese sollten selbstverständlich auch für jeden Quatsch zu haben sein und über sich selbst lachen können. Johannes Zenglein, der sich selbst als bodenständig, ehrgeizig und chaotisch bezeichnet, ist seit genau 2 Jahren Moderator des Tigerenten Clubs und verpackt interessante und wichtige Themen mit einer Portion Humor und einer kleinen Prise Selbstironie. Denn zu einer erfolgreichen Sendung gehören nicht nur Fleiß und Vorbereitung, sondern auch Spaß und gute Laune. So kommt es auch ab und an vor, dass der Moderator in Sendungen wie beim Thema „Harry Potter“ eine gelbe Hose anzieht, aus der am Hintern ein kleiner Goldener Schnatz baumelt, um den Kindern das Spiel Quidditch zu erklären. Angst und Panik vor den Sendungen hat er zwar nicht mehr, aber ein wenig Aufregung gehört noch immer dazu, denn der bei Kindern sehr beliebte Moderator ist sehr darauf bedacht, die Namen der Spielkinder nicht zu verwechseln und auch immer die richtigen Fragen zu stellen. Schön finde ich seine Umschreibung der Aufregung. Denn hatte er noch vor 2 Jahren „Flugzeuge im Bauch“, fliegen die Flugzeuge nun „Formation“. Beruhigend, dass es einem Profi nicht anders geht, als den Spielkindern.

Ich habe Johannes übrigens davor schon einmal interviewt. Zum Interview aus dem Jahr 2017 geht es hier entlang.