Interview mit Marie-Therese Stedry (Goldener Spatz)

Ich habe eben in meinen Kalender geschaut und festgestellt, dass es tatsächlich nur noch zwei Wochen bis zum diesjährigen Deutschen Kinder Medien Festival Goldener Spatz sind. Als Spatz Insiderin Leo will ich natürlich ganz nah dran sein am Festival, um ja keine Neuigkeiten, Informationen oder Highlights zu verpassen. Aber jetzt so kurz vor der Eröffnung des Festivals gibt es noch ziemlich viel zu tun und da möchte ich ungern bei den Vorbereitungen stören. Gerne hätte ich einen Blick hinter die Kulissen gewagt, aber damit auch alles wie am Schnürchen läuft, sollte ich wohl lieber nicht überall mein wissbegieriges Näschen stecken. Alle sind schwer beschäftigt und ziemlich aufgeregt. Moment mal! Nein, nicht alle sind aufgeregt, denn es gibt jemanden im Team, der schon ziemlich lange beim Festival dabei ist und deshalb könnte man auch schon von einem „alten Hasen“ sprechen. Aber eigentlich ist es kein Hase, sondern ein Vogel. Genau genommen ein Spatz. Als ich letztes Jahr die Bühne mit dem Spatz geteilt habe (s. Foto ganz unten), hatte ich tausend Fragen im Kopf – aber da der Spatz leider nicht reden kann, wurde erstmal nichts aus dem Interview. Doch als Spatz Insiderin Leo lasse ich nicht locker. Immer auf der Suche nach neuen Informationen rund ums Festival habe ich nun endlich eine Möglichkeit gefunden. Ihr fragt euch jetzt sicher, wie ich es geschafft habe, den Spatz doch noch zu interviewen. Hat die Leo etwa „spatzisch“ gelernt? Nein! Viel einfacher: ich habe einfach Marie-Therese Stedry antworten lassen. Denn, jetzt verrate ich ein ganz großes Geheimnis, der Spatz ist nämlich gar kein „er“, sondern eine „sie“. Marie-Therese ist hauptberuflich Medienpädagogin und ab und an auch der Goldene Spatz – dieses Jahr allerdings ausnahmsweise nicht selbst dabei. Weshalb sie ein Jahr aussetzt, hat spatztastische Gründe. Daher bin ich froh, dass Marie-Therese dennoch ein klein wenig Zeit für meine Fragen hatte.

Leo: Was magst du mehr – Eröffnungsfeier oder Preisverleihung?

Marie-Therese: Ich finde natürlich beide Anlässe ganz großartig, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich für die Eröffnungsfeier entscheiden, weil man da noch die ganze Festivalwoche vor sich hat und der Spaß erst noch so richtig losgeht. Bei der Preisverleihung ist man immer schon ein bisschen wehmütig, weil die Woche so schnell vorbeigegangen ist und man dann wieder ein Jahr warten muss, bis es das nächste Mal soweit ist.

Leo: Was ist die Lieblingsfarbe vom Spatz?

Marie-Therese: GOLD! Was auch sonst!?

Leo: Wie groß ist der Spatz?

Marie-Therese: Auf jeden Fall zu groß für jedes normale Vogelnest.

Leo: Bist du während des Festivals manchmal aufgeregt?

Marie-Therese: Nein, mittlerweile bin ich nicht mehr aufgeregt. Ganz im Gegenteil: Vielmehr freue ich mich jedes Jahr aufs Neue, endlich das gesamte Spatzen-Team wiedersehen zu können und mit ihnen eine tolle Zeit im Kino zu erleben.

Leo: Gibt es noch eine Spatz-Familie oder bist du der einzige Spatz?

Marie-Therese: Es gibt tatsächlich eine ganze Spatzen-Familie! Das liegt allein schon daran, dass der Spatz ja im Vorfeld des Festivals, also während der Promo-Tour, sowohl in Gera als auch in Erfurt herumflattert. Und so zauberhaft dieses kleine, kuschelige Vögelchen auch ist…zerteilen kann er sich (noch) nicht und deshalb braucht er da immer ein bisschen Spatzen-Verstärkung. Das ist ähnlich wie beim Weihnachtsmann oder dem Osterhasen. 😉 Aber während der Festival-Woche ist der Spatz normalerweise immer der Selbe…egal ob die Mütze richtig oder verkehrt herum sitzt und egal ob mit oder ohne Schärpe bzw. Krawatte.

Leo: Was machst du, wenn das Festival gerade nicht stattfindet?

Marie-Therese: Also der Spatz selber hat immer ein bisschen Langeweile, wenn das Festival nicht stattfindet. Deshalb sitzt er meist im Büro oder direkt im Kino in irgendeinem Raum versteckt und futtert heimlich Popcorn in sich rein. Irgendwo muss der große Kuschelbauch ja schließlich herkommen! 😉 Aber der Spatz kann auch kreativ sein: Er wurde zum Beispiel schon beim Klavierspielen oder basteln gesichtet. Zum Glück gibt es (zumindest wenn nicht gerade Corona ist) auch noch solche Aktionen wie die Spatzen-Tour. Da kann der Spatz auch außerhalb des Festivals mal ein bisschen durch die Kinos flattern und gute Laune verbreiten. Und hin und wieder gibt es auch Veranstaltungen und Aktionstage in Gera und Erfurt, wo sich der Spatz gern mal blicken (und knuddeln) lässt.

Leo: Bist du immer das ganze Festival da? Oder hast du auch Pause?

Marie-Therese: Ich bin grundsätzlich immer das ganze Festival über da, habe aber zwischen den verschiedenen Veranstaltungen auch Pausen. Gerade wenn die Festivalwochen sehr warm sind, ist das auch wichtig! Denn der Spatz verbraucht bei dem ganzen Rumtanzen und Quatschmachen einfach sehr viel Wasser, welches dann in den Pausen wieder „nachgefüllt“ werden muss. Und manchmal will der Spatz auch einfach mal seine großen Plüschfüße hochlegen und die Seele baumeln lassen.

Leo: Was gehört zu deinen Aufgaben während des Festivals?

Marie-Therese: Zu meinen Hauptaufgaben während des Festivals gehören unter anderem Hände schütteln und Leute umarmen – alles etwas schwierig in Corona-Zeiten. Aber wir haben das letztes Jahr hinbekommen und werden es in diesem Jahr sicher wieder genauso gut machen. Außerdem geht es mir als Spatz vor allem darum, Jung und Alt fürs Kino und die Filme zu begeistern. Und natürlich möchte ich die Wartezeiten bis zum Filmstart überbrücken indem ich die Zuschauer*innen im Kinosaal zum Lachen bringe und unterhalte. Meistens verteile ich dabei auch noch ein paar kleine Spatz-Geschenke wie Süßigkeiten, Fähnchen, Stundenpläne oder Lesezeichen, damit man auch im Nachgang an den Kinobesuch noch eine kleine Erinnerung an das Festival hat.

Leo: Hast du dir den Festivalnamen ausgedacht, weil es heißt ja wie du?

Marie-Therese: Wow – das ist echt eine gute Frage und ich muss zugeben, dass das jetzt schon so lange her ist, dass ich selber gar nicht mehr genau weiß, wie das damals war. Immerhin ist das ja mittlerweile schon über 40 Jahre her! Da kann man auch mal was vergessen. Aber ich weiß, dass das Spatzen-Team eine tolle Internetseite – das „Spatzwiki“ – pflegt. Dort kann man alle geschichtlichen Details rund um das Festival ganz in Ruhe nachlesen. Vielleicht sollte ich selbst da auch nochmal genauer reinschauen, um meine Erinnerung etwas aufzufrischen. 🙂

Leo: Wie bist du zum Festival gekommen?

Marie-Therese: Da spreche ich jetzt mal aus meiner Sicht als „Spezial-Assistentin-für-Tiere-im-Zentrum-der-Aufmerksamkeit“ und nicht aus der Perspektive des Spatzen selbst. Ich bin von 2011 bis 2015 während meines Studiums an der Universität Erfurt jedes Jahr als akkreditierte Besucherin beim Festival dabei gewesen, weil ich mich schon immer für Kindermedien interessiert habe und auch unbedingt „Kinder- und Jugendmedien“ in Erfurt studieren wollte – was ich dann übrigens auch getan habe. 2014 war ich zum ersten Mal ein Teil des Spatzen-Teams, weil ich in diesem Jahr erstmalig bei der Promo-Tour in Gera mitmachen durfte. Und was soll ich sagen: Es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Den Spatz zum Leben zu erwecken ist einfach eine ganz großartige Arbeit, die unfassbar viel Spaß macht! Deshalb habe ich 2015 gleich noch ein zweites Mal bei der Promo-Tour in Gera mitgemacht, obwohl ich da schon voll mit dem Schreiben meiner Masterarbeit beschäftigt war. Und weil ich mich anscheinend auch wirklich gut angestellt habe, wurde ich im Vorfeld des Festivals 2017 angefragt, ob ich nicht Lust hätte fortan den Festival-Spatz mit Leben zu füllen. Tja, und es kam, wie es kommen musste: Seit 2017 stecke ich nun also jedes Jahr im Festival-Spatz und habe das große Vergnügen, die Festivalwoche aus einer ganz besonderen Perspektive miterleben und mitgestalten zu dürfen. In diesem Jahr werde ich allerdings ausnahmsweise mal vertreten, weil ich nämlich selber ein kleines „Spätzchen“ erwarte und wegen meines großen Babybauches dieses Jahr mal nicht ins Kostüm schlüpfen kann. Aber nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall wieder LIVE mit am Start.

Leo: Woher kommst du?

Marie-Therese: Also der Spatz selber schlüpfte vor über 40 Jahren in Gera aus dem Ei und hat sich seitdem ein sehr schönes Nest in seiner Heimatstadt eingerichtet. Seit 2003 hat er aber auch einen „Zweitwohnsitz“ in Erfurt, den er regelmäßig anfliegt und dort seinen Schabernack treibt. Ich als „Spezial-Assistentin-für-Tiere-im-Zentrum-der-Aufmerksamkeit“ komme aus Teichwolframsdorf, einem kleinen Dorf ca. 25km entfernt von Gera. 

Leo: Was wärst du von Beruf geworden, wenn du kein Spatz geworden wärst?

Marie-Therese: Da ich selber ja (leider) nicht das ganze Jahr als Festival-Spatz arbeiten kann, habe ich tatsächlich einen „richtigen“ Beruf gelernt, den ich ausübe, wenn ich nicht gerade im Spatz-Kostüm stecke: Und zwar bin ich Medienpädagogin. Das heißt ich bringe Kindern und Jugendlichen (aber auch Erwachsenen) bei, wie sie gut und sinnvoll mit Medien umgehen können und worauf man bei der Mediennutzung achten sollte. Wenn ihr euch mehr für mich und meine Arbeit interessiert, könnt ihr gern mal mein Profil auf Instagram besuchen (@waldspatzmedien).

Leo: Was gefällt dir am Festival besonders gut? Auf was freust du dich am meisten?

Marie-Therese: Ich liebe das Festival vor allem wegen der Filme und der tollen Atmosphäre im Kino. Ich bin generell sehr, sehr gern im Kino und wenn ich dann mal die Zeit und die Gelegenheit habe, eine ganze Woche lang im Kino sein zu dürfen, ist das natürlich immer ein großes Highlight im Jahr. Aber mindestens genauso sehr freue ich mich auch immer wieder auf das Wiedersehen mit dem Spatzen-Team. Das ist immer ein bisschen wie Familien- oder Klassentreffen, weil man sich meistens wirklich nur dieses eine Mal im Jahr trifft und immer alle an einem Strang ziehen, um das Festival gut über die Bühne zu bringen. Und bisher ist uns das (wie ich finde) auch immer gut gelungen.

Leo: Du bist ja gut gepolstert. Ist es dir manchmal nicht sehr heiß im Kostüm?

Marie-Therese: Ohhhh ja, es ist definitiv sehr warm im Kostüm. Das kann man schlicht und ergreifend nicht anders sagen. Aber der beste Überlebenstrick für die Festival-Woche ist genauso simpel: trinken, trinken, trinken! In jeder Pause mindestens eine 0,5l-Flasche Wasser wieder nachfüllen, dann klappt das eigentlich ganz gut mit dem Durchhalten.

Leo: Du kannst ja leider nicht sprechen. Gibt es Momente, in denen du gerne was sagen würdest?

Marie-Therese: Och na ja…eigentlich ist es auch ganz schön, mal nichts sagen zu müssen. Ich rede in meinem „normalen“ Leben schon relativ viel und genieße es dann auch einfach mal, wenn ich buchstäblich meinen Schnabel halten kann. 🙂

Leo: Du bist während des Festivals sehr viel unterwegs. Was machst du, wenn du keinen Pressetermin hast?

Marie-Therese: Wenn ich gerade keinen Pressetermin oder ähnliches habe, bin ich meistens in irgendeinem Kinosaal und schaue mir einen der Beiträge an. 

Leo: Was sind deine Highlights während der Festivalwoche?

Marie-Therese: Puh, das ist auch schwierig zu beantworten, weil jede Festivalwoche immer von einem Highlight nach dem anderen geprägt ist. Besonders cool ist eigentlich immer schon die Ankunft der Kinderjury am Tag vor der offiziellen Eröffnung. Da nehmen wir die Kids am Geraer Hauptbahnhof in Empfang und laufen dann gemeinsam zum Hotel. Das ist immer schon direkt die erste sportliche Einheit für den Spatz in der Festivalwoche. Dann ist natürlich die Eröffnungsfeier immer ein großes Highlight und auch die Preisverleihung brauche ich wohl nicht extra aufzuführen, denn das ist natürlich DAS Highlight der Woche.

Beim Deutschen Kinder Medien Festival Goldener Spatz im September 2020.

Für mich war tatsächlich die Preisverleihung mein Highlight, denn es war der perfekte Abschluss des Festivals 2020. Dieses Jahr erlebe ich das Festival aus einer anderen Perspektive und ich bin gespannt, welche Höhepunkte mich als Spatz Insiderin erwarten. Eins weiß ich aber jetzt schon ganz sicher: es wird wieder ein einmaliges Erlebnis.

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