Die Bibliothek der wahren Lügen
von Jesús Cañadas
Covergestaltung und Vignetten: Frauke Schneider
Coppenrath Verlag
Hardcover
Kinderbuch / Fantasy
304 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-649-64850-5
Ersterscheinung: 03.02.2025
Inhalt:
Der vierzehnjährige Oskar lebt in einer schwierigen familiären und schulischen Situation. Er wird gemobbt und hat keine richtigen Freunde, weshalb er sich in die Bücher seines Lieblingsautors Simon Bruma flüchtet. Als er einen Schreibwettbewerb von Bruma gewinnt, wird er zu einem Schreibkurs auf das Anwesen des Autors eingeladen. Doch schon bald merkt Oskar, dass der Kurs nicht das ist, was er erwartet hat. In der düsteren Villa geschehen unheimliche Dinge, und Bruma und seine Tochter November verhalten sich merkwürdig. November ist schwer krank, und Bruma ist überzeugt, dass nur Oskar, mit seiner Fähigkeit zu schreiben, sie heilen kann – durch eine Geschichte. Doch je tiefer Oskar in diese Welt eintaucht, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie.
Meinung:
Die Geschichte entführte mich von der ersten Seite an in eine faszinierende, aber auch verwirrende Welt voller Fantasie, in der die Grenzen zwischen Realität und Illusion zunehmend verschwimmen. Die Erzählweise ist reich an Fantasie, mit vielen skurrilen und märchenhaften Elementen, die die Geschichte einnehmend und spannend machen. Besonders gefallen hat mir die Charakterentwicklung von Oskar, dessen Liebe zu Büchern und seine wachsende Kreativität klar herausgearbeitet werden. Es gibt humorvolle, aber auch düstere Momente, die das Buch besonders machen. Allerdings ist die Geschichte keineswegs einfach zu greifen. Es gibt zahlreiche Handlungsstränge, die nicht immer nachvollziehbar oder konsistent erscheinen. Die Geschichte springt hin und her, und oft bleibt man mit offenen Fragen zurück. Der Übergang zwischen der realen Welt und Oskars Fantasiegeschichte ist nicht immer klar, was den Lesefluss zeitweise stört. Auch die Gewaltdarstellungen, die besonders zum Ende hin sehr explizit werden, sind für die angegebene Altersgruppe von 11 Jahren meiner Meinung nach zu intensiv und könnten jüngere Lesende überfordern. Dennoch gibt es auch schöne, poetische Passagen und eine tiefe Liebe zum Thema Lesen und Schreiben, die das Buch besonders machen.
Fazit:
„Die Bibliothek der wahren Lügen“ von Jesús Cañadas ist eine magische und tiefgründige Geschichte, die jedoch durch ihre Komplexität und teils verwirrende Erzählweise an Klarheit verliert. Die Mischung aus Fantasy und realen Problemen, wie Mobbing und familiäre Konflikte, wird spannend präsentiert, doch das unklare Ende und die teils gruseligen Elemente machen es für die angegebene Altersgruppe eher weniger geeignet. Trotz dieser Schwächen ist es ein interessantes und tiefgründiges Werk für jüngere Fantasy-Fans. Ich gebe dem Buch 3,5 von 5 Sternchen.